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Altweibersommer

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Dieser Artikel beschreibt den Spätsommer bzw. Frühherbst in Europa. Zu derselben Jahreszeit in Kanada und den Neuenglandstaaten siehe Indian Summer.
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Altweibersommer im Sauerland

Der Altweibersommer ist eine sogenannte meteorologische Singularität und bezeichnet einen Zeitabschnitt gleichmäßiger Witterung im Spätjahr, oft im September, der sich durch ein Hochdruckgebiet, stabiles Wetter und ein warmes Ausklingen des Sommers auszeichnet. Das kurzzeitig trockenere Wetter erlaubt eine gute Fernsicht und intensiviert den Laubfall und die Laubverfärbung.

Wortherkunft

Die Herkunft des Wortes ist nicht sicher, zumal neben dem Begriff Altweibersommer auch zahlreiche weitere wie Ähnlsummer, Frauensommer, Mädchensommer, Mettensommer, Mettkensommer, Metjensommer, Nachsommer, Witwensommer, Michaelssommer, Martinssommer, Allerheiligensommer und fliegender Sommer vorkommen, was die sprachgeschichtliche Deutung erschwert.[1]

Datei:Spinnennetze im Altweibersommer.jpg
Spinnennetze im Altweibersommer

Nach der einen Erklärung leitet sich der Name von Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Der Flugfaden, den die Spinnen produzieren und auf dem sie durch die Luft schweben, erinnert die Menschen an das graue Haar alter Frauen. Mit „weiben“ wurde im Althochdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. Nach der anderen Erklärung, in der von Kluge/Seebold die „vielleicht“ ursprüngliche, von Pfeifer hingegen „wahrscheinlicher“ eine sekundäre Bedeutung gesehen wird, liegt dem Wort das Motiv der zweiten Jugend bei Frauen, die als unzeitig und nur kurze Zeit dauernd angesehen wird, zugrunde. An diese letztere Deutung können das schweizerische Witwesömmerli und der bairische Ähnlsummer (‚Großvatersommer‘) angeschlossen werden, vielleicht liegt aber auch das Bild des alten, schwachen Sommers vor.

Andere Begriffe für das Phänomen der milden Herbsttage kann man einfacher deuten, sind jedoch zum Teil lediglich weitere sekundäre Interpretationen der – unsicheren – Urbedeutung. So nennt man in norddeutschen Dialekten den Altweibersommer Mettkensommer und ähnlich, die Altweibersommerfäden Metten, Mettken oder Mettjen. Dabei liegt eine Verkleinerungsform von Made vor, das heißt, man hielt sie für Raupengespinste. Wegen der lautlichen Ähnlichkeit wurde dieser Begriff wohl volksetymologisch zu Mädchen umgedeutet. Auf bestimmte Tage wiederum beziehen sich die Wörter (St.) Michaelssommer (29. September), Allerheiligensommer (1. November) und (St.) Martinssommer (11. November).

Das Landgericht Darmstadt hat im Jahr 1989 festgestellt, dass die Verwendung des Ausdrucks Altweibersommer durch die Medien keinen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von älteren Damen darstellt.[2]

Altweibersommer in anderen Ländern

In Ungarn, Polen und Russland nennt man diese Zeit ähnlich wie im Deutschen Weibersommer (ung. vénasszonyok nyara, poln. babie lato, russ. babje leto). In Nordamerika, insbesondere in den Neuenglandstaaten, wird diese Wetterlage Indian Summer (Québec: été indien) genannt – im Deutschen oft mit der herbstlichen Laubfärbung verwechselt.

Ähnlich spricht man in Finnland von Ruska-Aika (Zeit der Braunfärbung) und in Schweden vom brittsommar (Birgitta-Sommer). In Skandinavien kommen Erscheinungen der aufkommenden Polarnacht hinzu. In der Übergangsphase von der Mitternachtssonne zur Polarnacht macht der Spätsommer mit seiner prachtvollen Laubfärbung Ausflüge in die Natur besonders attraktiv. Die Ruska-Saison ist für viele einheimische Naturfreunde der Höhepunkt des Jahres und Auslöser für einen intensiven Tourismus ins nördliche Lappland, den nördlichsten Teil Europas am Polarkreis.

In den Mittelmeerländern ist die späte Warmperiode, dort im November, als St.-Martins-Sommer bekannt.

In Japan wird ein warmer später Sommer als "kleiner Frühling" (koharu 小春) bezeichnet. Das darauf folgende Momijigari beschreibt die Sitte, bei angenehmem Herbstwetter Landschaften und Parks mit schöner herbstlicher Laubfärbung, insbesondere von Ahornbäumen und -wäldern, zu besuchen.

Volksglauben und Wetterregeln

Im Volksglauben wurden die Spinnweben der Baldachinspinnen auch für Gespinste von Elfen, Zwergen, der Nornen oder der Jungfrau Maria („Marienfäden“, „Mariengarn“, „Marienseide“, „Marienhaar“ oder „Unserer Lieben Frauen Gespinst“, „Mutter Gottes Gespinst“) gehalten. Im Volksglauben nahm man an, dass es baldige Hochzeit verheißt, wenn sich fliegende Spinnfäden im Haar eines jungen Mädchens verfangen.

Der Altweibersommer hat in verschiedenen Bauernregeln seinen Niederschlag gefunden.

  • 1. November: Ist's zu Allerheiligen rein, tritt Altweibersommer ein.
  • 15. November: Der heilige Leopold ist oft noch dem Altweibersommer hold.

Literatur

  • Artur Lehmann: Altweibersommer. Die Wärmerückfälle des Herbstes in Mitteleuropa. Parey, Berlin 1911 (Zugleich: Berlin, Univ., Diss., 1911), auch in: Landwirtschaftliche Jahrbücher 41, 1911, ISSN 0368-8194, S. 57–129.

Weblinks

 Wiktionary: Altweibersommer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Das Folgende nach Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearbeitet von Elmar Seebold. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage Berlin 2011; Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage Berlin 1993; Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung, 2. Band Leipzig 1998; Wortgeschichten, verfasst von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons, Text vom 25. September 2013.
  2. LG Darmstadt, Az. 3 O 535/88, Urteil vom 2. Februar 1989; NJW 1990, Seite 1997.


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