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Altonaer Eruv

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Datei:Große elbstraße 222.JPG
Bei dem Judenthore, Eruv an der Großen Elbstraße bei der Schiefen Ebene, Lithographie um 1850

Der Altonaer Eruv, auch Altonaer Eruw, war eine Sabbatgrenze, die die jüdische Gemeinde symbolisch um die befestigungsfreie Stadt Altona zog, um ein geschlossenes rituelles Gebiet zu erhalten. Er bestand von Ende des 17. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre.

Bedeutung

Eine Regelung im Judentum, die auf das 2. Buch Mose zurückgeht, besagt: „ein jeder bleibe wo er ist und niemand verlasse seinen Ort am siebten Tag.“ Mit dem Eruv, was wörtlich Mischung heißt, werden erlaubte und unerlaubte Orte gemischt. Dazu spannte man an den Stadtausgängen zwischen Hauswänden oder aufrechten dünnen Pfählen Schnüre und Drähte in mindestens sechs Metern Höhe und schuf so eine erweiterte Sabbatgrenze. Den Altonaer Juden war es damit möglich, innerhalb der Stadt die Ausnahme zu den Regeln der Tora herzustellen, die das Tragen von Gegenständen am Sabbat in einem geschlossenen Gebiet ermöglichte. In Ortschaften mit Befestigungen war die Geschlossenheit durch die Stadtmauern gegeben, in einer offenen Stadt wie Altona fasste die Umzäunung eine Gebietseinheit zusammen: "In diesem Symbol kommt der Gedanke vom Sabbat als dem Tage der Erlösung und messianischen Vereinigung Aller zum sichtbaren Ausdruck." [1]

Verlauf

Datei:Altonaer sheruw.jpg
Tore und Verlauf des Altonaer Eruv, eingezeichnet in eine Karte von 1910

Die so symbolisch geschlossenen Straßen wurden verbreitet Judentore genannt und befanden sich von Ende des 17. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre an den Stadtausgängen. Der Altonaer Eruv hatte am Anfang des 20. Jahrhunderts 26 Tore, das waren zehn Tore an der westlichen Seite, zum großen Teil auf Ottensener Gebiet:

  • Scheelplessenstraße 7, heute Scheel-Plessen-Straße;
  • Große Rainstraße 162 und 79, das Haus Nr. 79, das der Nr. 162 gegenüber stand, existiert nicht mehr;
  • Hahnenkamp 12 und 13
  • Bismarckstraße 28, heute Ottensener Hauptstraße, auch die Hausnummern und die Bebauung sind nicht mehr identisch, der Eruv befand sich westlich des damals hier gelegenen Jüdischen Friedhofs;
  • Erzbergerstraße 21
  • Lobuschstraße 24
  • Braunschweigerstraße 3
  • Ottensener Marktplatz 11 und 8, das Haus Nr. 8 ist durch einen Neubau ersetzt
  • Kaiserstraße – Elbberg, heute in etwa Betty-Levy-Passage, Kreuzungsbereich Klopstockstraße
  • Große Elbstraße 222, nicht mehr identisch mit der heutigen Hausnummer

Die gesamte Südseite des Eruvs wurde durch das Elbufer geschlossen. Im östlichen Teil folgten 16 Tore der damaligen Grenze nach St. Pauli:

  • Fischmarkt – Hamburger Grenze;
  • Kleine Elbstraße 1, nicht mehr vorhanden, entspricht in etwa dem Einmündungsbereich des Pepermöhlenbek in den St. Pauli Fischmarkt, westlich des Pinnasberg;
  • Schlachterbuden 2, nicht mehr vorhanden, entspricht in etwa dem Einmündungsbereich der Langen Straße in den Pepermöhlenbek;
  • Hochstraße 5 und 10, heute Hamburger Hochstraße, die Bebauung und Hausnummerierung ist nicht mehr identisch;
  • Lindenstraße 4 und 5, heute Trommelstraße, die alte Bebauung ist nicht mehr vorhanden;
  • Nobistor 1, die heutige Straße Nobistor ist nicht identisch mit der von vor dem Zweiten Weltkrieg, der Eruv lag in etwa an der heutigen Reeperbahn, gegenüber dem Einmündungsbereich Große Freiheit, Beatlesplatz;
  • Ferdinandstraße 12, heute Simon-von-Utrecht-Straße zwischen Großer Freiheit und Kleiner Freiheit;
  • Große Roosenstraße 1, heute Paul-Roosen-Straße, die Hausnummern sind nicht mehr identisch;
  • Brigittenstraße 6, die alte Bebauung ist nicht mehr vorhanden,
  • Paulstraße 7, heute Otzenstraße
  • Große Gärtnerstraße 1, heute Thadenstraße
  • Amselstraße 1, heute Bei der Schilleroper
  • Kleine Gärtnerstraße 5, heute Stresemannstraße
  • Nachtigallenstraße 1, heute Lerchenstraße 109
  • Juliusstraße 35
  • Parallelstraße 45, heute Eifflerstraße

An der Parallelstraße endete der Eruv am Bahndamm, der die gesamte Nordseite begrenzte und sich im Osten bis zu dem Tor in der Scheelplessenstraße zog, so dass insgesamt ein geschlossener Kreis um Altona gezogen war.

Judentore

Einige der traditionellen Tore wurden auch in der Altonaer Topographie als Judentor bezeichnet. So beschreibt Franz Heinrich Neddermeyer in seiner Bestandsaufnahme den Weg an den Schlachterbuden: „Diese Einfahrt wird auch das Judenthor genannt, die dahin führende Gasse erhielt nach 1811 den Namen Lange Straße und wurde schon 1633 bebauet.“[2] Auch für den Eruv an der Großen Elbstraße ist nach einer Lithographie von Johann Joseppe Trube von 1850 die Bezeichnung Bei dem Judenthor überliefert.

Im Jahr 1998 erinnerte der Filmemacher Jens Huckeriede mit einer Installation unter dem Titel Eruw / Altonaer Judentore Grenzziehung im öffentlichen Raum an die im Stadtbild sichtbare Geschichte der Altonaer Juden.[3]

Literatur

  • Gerhard Kaufmann (Hrsg.): Schatten. Jüdische Kultur in Altona und Hamburg, herausgegeben anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Altonaer Museum, Verlag Dölling und Galitz, Hamburg 1998, ISBN 3-930802-85-6, S. 123 und S. 48

Einzelnachweise

  1. zitiert nach: Gerhard Kaufmann (Hrsg.): Schatten. Jüdische Kultur in Altona und Hamburg, S. 123; Quelle: Israelitischer Kalender für Schleswig-Holstein, 1927
  2. Franz Heinrich Neddermeyer: Topographie der Freien und Hanse Stadt Hamburg, Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 1832: S. 337
  3. Programm Gebrüder Wolf. Biographie Jens Huckeriede, abgerufen am 29. Dezember 2011


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