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Mittelalterliche Synagoge (Wien)

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Rekonstruktionsmodell der Synagoge am heutigen Judenplatz. Zustand nach 1406. Maßstab 1:25

Die mitteltalterliche Synagoge Wiens wurde erstmals um 1200 errichtet und später weiter ausgebaut. Sie bildete das Zentrum der jüdischen Gemeinde der ersten jüdischen Ansiedlung in Wien. Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert war sie eine der einer der größten Synagogen Europas.

Geschichte und Einzelheiten

Plan des Ghettos in der Inneren Stadt zur Zeit der Aufhebung im Jahre 1421. Auf dem freistehenden Platz befand sich die Synagoge

Die Synagoge befand sich im Zentrum des Judenviertels am heutigen Judenplatz, damals der Schulhof (1294 erwähnt), im Ersten Bezirk. Der Schulhof wurde nach dem dort stehenden Gotteshaus benannt. Im Mittelalter wurden Synagogen als schola, auf Deutsch Schule, bezeichnet, und das jiddische Wort für Synagoge ist noch immer Schil oder Schul.

Das Gebäude wurde erstmals 1204 erwähnt und hatte einen anfänglichen Bauumfang von nur 75 m² und bestand wohl aus Holz. 1406 brannte die Synagoge ab und es wurde eine neue aus Steinen bestehende Schul gebaut.

Sie war zweischiffig und wurde von führenden Fachleuten der Wiener Dombauhütte erbaut, was den gotischen Stil des Gotteshauses erklärt. Sie bestand aus Männer- und Frauenschul und weiteren Nebenräumen. Nach zwei Ausbauphasen wurde sie auf insgesamt 465 m² erweitert und war eine der größten Synagogen des europäischen Mittelalters[1]. Der Frauenabschnitt der an der Südseite lag, hatte einen separaten Eingang und wurde während den neueren Bauphasen hinzugefügt. Sie war mit Schlitzfenstern mit dem Hauptraum verbunden, nach orthodoxer jüdischer Tradition, wurden Männer und Frauen getrennt. Zudem gab es eine Winterstube die beheizbar war.

Der Toraschrein (hier wurden die Thora-Rollen aufbewahrt) befand sich an der östlichen Wand, die sechseckige Bima in der Raumitte. Letztere war mit bunten Bodenfließen und bemalten Wänden aus roten Ziegeln bestehend verziert und hatte wohl auch farbige Glasscheiben zwischen den kleinen Rundbögen. Der Boden bestand aus Kacheln, die grün und braun gefärbt waren, das Gewölbe war in roter Farbe gehalten.[2]

Die Überreste der Synagoge, links die Frauenschul (Südseite), in der Raummitte die hexagonale Bima und weiter hinten der Toraschrein.

Archäologische Ausgrabungen brachten Funde ans Tageslicht, die über das tägliche Leben in der Synagoge erzählen. Holzkamm, Spielzeuge, Schlüssel, Schreibgriffel und Münzen waren unter den Funden. Neben der Synagoge gab es auch ein Spital, ein Schlachthaus und eine Mikwe.

Kirchliche Erlasse bestimmten Höhe und Größe der Synagoge. Vom 10. bis zum 12. Mai 1267 tagte im Stephansdom in Wien das 22. Provinzialkonzil, es wurde unter anderem bestimmt, dass die Juden keine neuen Synagogen errichten durften und alte nicht erneuern oder erhöhen und erweitern durften.[3]

Als in der Wiener Gesera um 1421 die Gemeinde vertrieben oder ermordet wurde, fanden manche Zuflucht in der Synagoge und begingen Kiddusch HaSchem, um der Zwangstaufe zu entgehen, der Rabbi Jonah steckte die Synagoge in Brand bevor er den diesen Weg wählte. Das Gebäude wurde darauf abgerissen und ihre Steine fanden beim Bau von Gebäuden der theologischen Fakultät der Universität Wien Verwendung. In Akten der Universität wurde folgendes eingetragen:

„Et, ecce mirum, Synagoga veteris legis in scholam virtutum novae legis mirabiliter transmutatur.“

Auf Deutsch: „Welch ein Wunder! Das Haus des alten Bundes verwandelt sich wunderbarerweise in die hohe Schule des neuen Bundes!“

Heute

Das Mahnmal am Judenplatz, im Jahre 2000 über der ehemaligen Synagoge erbaut.

Von 1995 bis 1998 wurden umfassenden Ausgrabungen geführt, da man an der Stelle das Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoa errichten wollte. Daraufhin wurden die Fundamente der Synagoge freigelegt und andere Fundstücke in das nebenan liegende Museum am Judenplatz gebracht, wo eine Dauerausstellung über das jüdische mittelalterliche Leben gezeigt wird.

Des Weiteren wurden auch die Fundamente der Bima und des Aaron HaKodesch (Toraschrein) freigelegt, sowie die Flügel des Gebäudes, also Frauenschul und Winterstube.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Die Wiener Judenstadt- Video. Abgerufen am 25. April 2020.
  2. Martha Keil: Mittelalterliche Synagogenbauten in: Die Geschichte der juden in Österreich. ISBN 978-3-8000-7159-3, S. 17-18.
  3. Hans Tietze: Die Juden Wiens. Wien, ISBN 3-9003-7905-X, S. 21-22.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Mittelalterliche Synagoge (Wien) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.