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Alte Synagoge (Bad Mergentheim)

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Die Alte Synagoge befand sich in der Holzapfelgasse 15 in Bad Mergentheim. Sie wurde von dem Finanzagenten des Deutschordens dem Juden Baruch Simon im Jahre 1764 erbaut. Ein Um- und Erweiterungsbau erfolgte im Jahre 1912. Beim Novemberpogrom 1938 erfolgte die Schändung des Synagogenbau. 1946 erfolgte eine Restaurierung , 1957/1975 wurden die Gebäude abgebrochen.

Geschichte

Haus Salomon (1656)

1656 befand sich ein Betsaal in dem Haus des Juden Salomon, wogegen der damalige Bürgermeister und der Stadtschreiber protestiert hatten. Von der Ordensregierung wurde trotzdem mit der Erneuerung des Schutzbriefes für den Juden Salomon am 1. Mai 1658 der unbeschränkte Gebrauch der Judenschule und des jüdischen Gottesdienstes in Bad Mergentheim erlaubt. 1728 baten die Juden in Mergentheim um die Erlaubns den Betsaal zu erweitern, das Haus besaß inzwischen der Jude Wolf.

Haus Baruch Simon

Die Synagoge in der Holzapfelgasse 15 in Bad Mergentheim wurde von Baruch Simon (*1722 in Oedheim) erbaut. Das dazugehörige Grundstück mit Haus hatte er zuvor im Jahre 1759 von dem verstorbenen Gerog Adam Pollack gekauft. Nachdem Baruch Simon ein neues dreistöckiges herrschaftliches Haus mit einem schönen Einfahrtstor dort errichtet hatte, bat er im Jahre 1762 bei der Deutschordensregierung um die Erlaubnis im Hinterhof seines Hauses in der Holzapfelgasse 15 eine Synagoge bauen zu dürfen. Dagegen erhob der damalige katholische Stadtpfarrer Johann Nicolaus Kechel Einspruch. Trotzdem wurde von der Deutschordensregierung die Baugenehmigung für die Synagoge am 22. September 1762 erteilt, weil Baruch Simon und sein Bruder Moses Simon als Finanzagenten des Deutschen Ordens tätig waren. 1764 war die Synagoge im Hinterhof fertiggestellt worden. Das hohe Haus des Baruch Simon wurde später das Rabbinerhaus. 1912 wurde die Synagoge im Jugendstil erweitert, äußerlich und innerlich umgebaut.

Schändung 1938

Im Pogrom am 10. November 1938 wurde die Synagoge aufgebrochen. Der Toraschrein wurde mit Schweinefleisch beschmiert, die Mikwe wurde als Kloake zweckentfremdet. Es bestand jedoch die Gefahr, dass durch Funkenflug ein benachbartes Gebäude in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Daher wurde auf Brandstiftung verzichtet. Das Gebäude wurde 1943 an einen Kinobesitzer veräußert.

Restaurierung 1946

In der Nachkriegszeit wurde der Synagogenschlüssel an den amerikanischen Militärrabbiner Kahane überricht, die Synaoge durch die Bemühungen von Julius Fechenbach rekonstruiert und am 15. September 1946 eingeweiht. Nach der Gründung des Staates Israel verzogen die jüdischen DPs und die Synagoge musste 1949 wieder geschlossen werden.

Abbruch

Im Juli 1949 wurde der Bau der JRSO übertragen, die es am 17. November 1949 an eine Firma verkaufte, die es als Lager zweckentfremdete. 1956 erwarb das vollständig intakt gebliebene Synagogengebäude das Katholische Bistum Rottenburg, die es gleich im darauffolgenden Jahr abbrechen ließ. Das Rabbinerhaus blieb jedoch erhalten. 1964 schenkte das katholische Bistum Rottenburg das Synagogengrundstück mit dem noch darauf stehenen Rabbinerhaus den Franziskanerinnen von Sießen, die darauf die Grundschule und Mädchenrealschule St. Bernhard erbauten. Das ehemalige Rabbinerhaus wurde 1975 abgebrochen, dabei wurden jedoch der Torbogen mit dem ursprünglichen Torgitter geborgen. Diese wurden 1988 in die Vorderfront der St.-Bernhard-Realschule eingebaut.

Gedenken

Eine bronzene Gedenktafel befindet sich im Hinterhof der Realschule, anstelle des früheren Eingangs in die Synagoge. Um die Tafel ist mit rotem Sandstein die Fassade der früheren Synagoge abgebildet.

Literatur

  • Joachim Hahn und Jürgen Krüger: Synagogen in Baden-Württemberg. Band 2: Joachim Hahn: Orte und Einrichtungen. Theiss, Stuttgart 2007, S. 20f., ISBN 978-3-8062-1843-5 (Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland. Band 4)
49.491719.77147


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