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Alfred Schweder

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Alfred Schweder (* 28. Juni 1911 in Parchim; † 14. Januar 1992 in Bremen) war ein deutscher Jurist, Beamter und SS-Führer sowie Journalist.

Biografie

Schweder war der Sohn eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Sergeanten und Parchimer Stadtwachtmeisters. Nach dem Besuch des Friedrich-Franz-Gymnasiums (Parchim) studierte er ab 1930 Rechtswissenschaft und Staatswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Rostock.[1] Er promovierte 1937 in Rostock zum Dr. iur. und wurde 1938 Referendar, 1941 Regierungsrat und 1944 Oberregierungsrat.

1930 trat er in die NSDAP (Mitgliedsnummer 224.806) und in die SS (Mitgliedsnummer 2.485) ein. Durch Reinhard Heydrich wurde er 1931 für den Sicherheitsdienst (SD) der SS rekrutiert.[2] 1937 legte Schweder seine Dissertation vor, in der er sich mit dem Wandel des Polizeiwesens und -begriffs von der Metternich-Zeit bis zum NS-Staat befasst. Die zentrale Funktion der Polizei im Allgemeinen erblickt Schweder im Schutz der Gemeinschaftswerte, was praktisch die „Ausmerzung aller Trennungsmomente im Volke“ bedeutet. Im Vergleich auf den „Fortschritt“, den die Institution in den knapp 100 Jahren zwischen der Metternich-Polizei und der Geheimen Staatspolizei zurückgelegt hat, hebt Schweder die „positive“ (d.h. von sich aus agierende) Qualität der Gestapo im Vergleich zu der als ineffizient und repressiv empfundenen Funktionsweise der Politischen Polizei im 19. Jahrhundert, die sich darauf begnügte, „negativ“ zu funktionieren (d.h. auf bereits im Verlauf begriffene Angriffe auf das Staatswesen zu re-agieren). Speziell auf die Aufgabe und den Charakter der Geheimen Staatspolizei im Nationalsozialismus bezogen legte er dar:

„Die politische Polizei des nationalsozialistischen Staates ist das zentrale, von der SS ausgebildete staatliche Kampfinstrument, das den Schutz von Volk, Partei und Staat und deren politischer und weltanschaulicher Entwicklung dadurch gewährleistet, daß es auf politischem und weltanschaulichem Gebiet die Widerstände staatsgefährlicher Kräfte bricht, die sich in ihrem Entwicklungsgang entgegenstellen.“[3]

Zur Erläuterung der weitergespannten Schutzaufgaben der NS-Polizei führt er aus:

„So geht die politische Polizei also [auch] gegen böswillige Nörgler vor, die, ohne selbst mithelfen zu wollen, nur die Arbeit derer behindern, die im Namen des Volksganzen schaffen. Sie fasst den ‚Hamsterer‘, der durch das Sorgen nur für sich allein die Front der anderen Volksgenossen gefährdet, die gemeinsamen Schwierigkeiten überwinden. Sie greift den Preistreiber, der auf Kosten der Gemeinschaft sich bereichert. Sie kämpft gegen Regungen von Standesdünkel oder Klassenhaß. Sie verhindert oder ahndet Störungen der großen Volksaktionen […] durch Eigensucht, die die gemeinsame Arbeit des Volkes bedroht oder auch nur die Bereitschaft der übrigen Volkgenossen zur Mitarbeit beeinträchtigt. Sie greift ein, wenn Betriebsführer ihre Pflicht gegenüber ihrer Gefolgschaft vernachlässigen und dadurch den Frieden im Volke stören, und umgekehrt, wenn ungerechtfertigte Maßnahmen seitens kurzsichtiger Gefolgsschaftsmitglieder vorkommen. […] Sie greift also ein gegen alles ‚Staatsgefährliche‘, nicht nur gegen den bewussten ‚Staatsfeind‘ im engeren Sinne.“[4]

Schweder, der als „kompromißloser Mann mit festem Willen […] [und] ausgeprägtem politischem Fingerspitzengefühl gepaart mit hoher Intelligenz“ beschrieben wird,[5] wurde 1939 stellvertretender Leiter des Sachgebietes Politischer Katholizismus im Geheimen Staatspolizeiamt.

1941 übernahm Schweder als SS-Hauptsturmführer und Regierungsassessor die Leitung des Referates II A 1 (Organisation der Sicherheitspolizei und SD) in der Amtsgruppe II (Organisation, Verwaltung und Recht) des Reichssicherheitshauptamtes und danach beim Amt IV (Gestapo) Referat B2 (Kirchenfragen). Im August 1942 wurde er als Verwaltungsleiter zum Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Krakau kommandiert. Von 1943 bis 1944 war er Vertreter des Befehlshabers der Sicherheitspolizei von Lothringen in Metz und ab Februar 1945 Leiter der Staatspolizeistelle von Bremen. In der SS stieg Schweder 1944 zum SS-Obersturmbannführer auf.[6][7]

Nach Kriegsende war Schweder von 1945 bis 1948 in britischer und amerikanischer Gefangenschaft und wohnte dann in Brundorf und Bremen. Er war von 1948 bis 1953 Journalist beim Osterholzer Kreisblatt und von 1953 bis 1974 Redakteur und später Leiter des Archivs beim Bremer Weser-Kurier.[6]

Er wirkte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg in Parchim und in Bremen als Hobby-Archäologe, vorwiegend im Bereich der Steinzeit.

Er war verheiratet und hatte sechs Kinder.

Beförderungen bei der SS

  • Untersturmführer: 9. November 1933
  • Obersturmführer: 9. November 1935
  • Hauptsturmführer: 9. November 1936
  • Sturmbannführer: 1. Mai 1941
  • Obersturmbannführer: 21. Juni 1944

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. Immatrikulation von Alfred Schweder im Rostocker Matrikelportal
  2. Ronald M. Smelser: Das Sudetenproblem und das Dritte Reich, 1933-1938, 1980, S. 156.
  3. Alfred Schweder: Politische Polizei. S. 187
  4. Alfred Schweder: Politische Polizei. S. 171/172.
  5. Martina Neumann: Theodor Tantzen, 1998, S. 360.
  6. 6,0 6,1 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 574.
  7. Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen Bd. IV. Edition Temmen, Bremen 1995, ISBN 3-86108-283-7
  8. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-s.html


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