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Alfred Schulz (Mediziner)

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Karl Eugen Alfred Schulz (* 13. September 1890 in Dresden; † 1. November 1947 in Zwickau) war ein deutscher Psychiater und NS-Arzt.[1]

Leben

Schulz studierte nach Erhalt des Reifezeugnisses am humanistischen Gymnasium ab dem Sommersemester 1914 Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).[2]

Als Medizinstudent meldete er sich 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs als Kriegsfreiwilliger beim Heer und wurde 1915 als Feldunterarzt beim Königlich Sächsischen Reserve-Infanterie-Regiment 242 nach dem Kriegseinsatz in Flandern mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse und der Militär-St.-Heinrichs-Medaille ausgezeichnet.[3] Dem Studierendenverzeichnis des Sommersemesters 1919 an der LMU ist zu entnehmen, dass er sich in französischer Kriegsgefangenschaft befand.[4]

Er schrieb seine Dissertation mit dem Thema Ein Fall von schwerer Oesophagus-Dilatation mit Spasmus und einem Divertikel im unteren Teile der Speiseröhre 1921 an der Universität Leipzig.[5]

Zeit des Nationalsozialismus

1933 trat Schulz dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten bei.[6] Er war ab 1934 Mitglied der SA (dort auch SA-Sturmführer) und ab 1937 Mitglied der NSDAP.[7]

Schulz war bis Mai 1939 als Regierungsmedizinaldirektor in der Beratungsstelle für Nerven- und Gemütskranke tätig, die dem Gesundheitsamt in Leipzig angegliedert war. Im Mai 1939 wurde er einhergehend mit der Beförderung zum Oberregierungsmedizinalrat[8] der Direktor der Landesanstalt Großschweidnitz (heute Sächsisches Krankenhaus Großschweidnitz) und hatte ab dem 7. Mai 1943 als „T4“-Gutachter die Aufsicht über die Vergiftung von Patienten.[9][10][11] Er ließ sie mit Phenobarbital (Luminal) vergiften. Ihm unterstand auch die „Kinderfachabteilung“ unter Arthur Mittag.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Schulz wurde von den russischen Truppen am 13. September 1945 inhaftiert und am 21. Juni 1946 den deutschen Behörden überstellt.[7] Er wurde im Dresdner Euthanasie-Prozess nach dem Krieg von Günther Nollau rechtlich vertreten. Kurz nach der Anklageerhebung erkrankte er und starb im Haftkrankenhaus Zwickau.[12] Einigen Quellen ist zu entnehmen, dass er sich während der Untersuchungshaft seiner Verantwortung durch Selbsttötung noch vor Eröffnung des Dresdner Ärzteprozesses entzog.[13] Anderen Quellen nach starb er an Lungentuberkulose und schweren Herzstörungen.[14]

Er war verheiratet und Vater zweier Kinder.[15]

Einzelnachweise

  1. Barbosa de Freitas: Schulz, Alfred. [Nazi] (portugiesisch), Recabto das Letras, 10. September 2012.
  2. Personalstand der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sommer-Halbjahr 1914. C. Wolf & Sohn, München 1914, S. 160. (pdf)
  3. Personalstand der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sommer-Halbjahr 1915. C. Wolf & Sohn, München 1915, S. XXII u. XXXIII. (pdf)
  4. Personalstand der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sommer-Halbjahr 1919. C. Wolf & Sohn, München 1919, S. 113. (pdf)
  5. Karl Eugen Alfred Schulz: Ein Fall von schwerer Oesophagus-Dilatation mit Spasmus und einem Divertikel im unteren Teile der Speiseröhre. E. Lehmann, Leipzig 1921.
  6. Kerstin Schneider: Maries Akte: Ein unglaublicher Kriminalfall. neobooks, 2014, S. 110.
  7. 7,0 7,1 Joachim Stephan Hohmann: Der „Euthanasie“-Prozess Dresden 1947. Eine zeitgeschichtliche Dokumentation. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1993, S. 270 ff.
  8. Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie und ihre Grenzgebiete. Bände 111–112, Deutschlands Irrenärzten (Hrsg.), G. Reimer, 1939, S. 408.
  9. Maike Rotzoll: Die nationalsozialistische „Euthanasie“-Aktion „T4“ und ihre Opfer. Geschichte und ethische Konsequenzen für die Gegenwart. Ferdinand Schöningh, 2010, S. 417.
  10. Boris Böhm; Julius Scharnetzky: „Wir fordern schwerste Bestrafung.“ Der Dresdner „Euthanasie“-Prozess 1947 und die Öffentlichkeit. In: Jörg Osterloh (Hrsg.); Clemens Vollnhals (Hrsg.): NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit. Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR. Vandenhoeck & Ruprecht, 2012, S. 189 ff..
  11. Theo R. Payk: Psychiater und Psychotherapeuten. Berufsbilder in der medizinischen und psychologischen Heilkunde. Kohlhammer Verlag, 2011, S. 138.
  12. Detlef Krell; Andreas Schönfelder: Kinder Material. Der Katharinenhof in Grosshennersdorf und die nationalsozialistische Vernichtung des „lebensunwerten Lebens“. Bildungswerk Weiterdenken e.V. Heinrich-Böll-Stiftung, 1966, S. 117.
  13. Vergl. Thomas Schilter: Unmenschliches Ermessen. Die nationalsozialistische „Euthanasie“-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein 1940/41. Kiepenheuer, 1999, S. 136.
  14. Vergl. Anmerkungen der Autorin. Kerstin Schneider: Maries Akte: Ein unglaublicher Kriminalfall. S. 196.
  15. Kerstin Schneider: Maries Akte: Ein unglaublicher Kriminalfall. S. 110 f.


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