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Alfred Isay

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Alfred Isay, geb. am 25. August 1885 in Köln; gest. am 3. Juni 1948 in Amsterdam[1] war der Sohn des Moritz Isay (geboren 1851 in Schweich, gestorben 1906 in Köln) und seiner Ehefrau Bettina Isay, geb. Schott. Die Vorfahren der Bettina Schott gehen zurück auf den Frankfurter Buchhändler Salomon Maas, verst. 23. April 1684[2][3] und weiter bis zum Kaufmann von Butzbach (geb. ca. 1397; gest.1423 in Frankfurt am Main).

Leben

Alfred Isay war mit seinen Cousins Siegfried und Adolf Isay (ihre Väter Moritz und Jakob Isay waren Brüder) Inhaber der Gebr. Isay OHG, einer Großhandlung für Wolle, Strumpfwaren und Tücher. Für ihr Warenlager, Büros und weitere Geschäftslokale ließen sie sich (in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg) von 1911-1914 von den Architekten Helbig, Klöckner und Oskar Rosendahl auf dem Grundstück Zeppelinstr. 4-6 ein Kontorhaus errichten. Alfred Isay leistete Kriegsdienst und kehrte durch einen schweren Verkehrsunfall traumatisiert zurück. Er heiratete 1920 Sofie Adelsberger, Tochter des Kommerzienrats Abraham Adelsberger, einem Spielzeugfabrikanten (Heinrich Fischer & Cie.) aus Nürnberg. Das Ehepaar hatte eine Tochter Ruth und einen Sohn Walter.

Flucht, Verschleppungen und Überleben im Untergrund

Alfred Isay floh 1933 mit seiner Familie nach Amsterdam, Sofie Isay kehrte jedoch nach einem Monat mit den Kindern nach Köln zurück. Alfred Isay blieb zunächst alleine in Amsterdam, baute dort erneut eine Firma auf, die 1942 ebenfalls arisiert wurde. Die Familie folgte ihm 1934 in die Emigration. 1941 wurde Alfred Isay Mitglied des Joodse Raad, der auf Druck der deutschen Besatzungsbehörden ins Leben gerufen worden war. Im Juni 1942 wurde Ruth Isay das erste Mal in ein Schulgebäude verschleppt und tagelang festgehalten. Sie meldete sich zum Nähen von Uniformen der SS in einer Fabrik und kam dadurch frei. Im Februar 1943 wurde die Familie in die Schouwburg[4] verschleppt. Sie konnten das Gebäude durch die Hilfe von SS-Unterscharführer Alfons Zündler verlassen. Im März 1943 wurde die Familie erneut in die Schouwburg verschleppt. Ludwig Mengel, ein ehemaliger Finanzbeamter, der für Isay seit 1927 als Sekretär gearbeitet hatte, sowie nun Teilhaber der ehemaligen Gebr. Isay OHG war, konnte aufgrund seiner Verbindung zu Ferdinand aus der Fünten erwirken, dass die Familie in ihre Wohnung zurückkehren konnte. Im Juni 1943 wurde die Familie ins KZ Westerbork verschleppt. Am 12. Juli erschien Mengel und erklärte dem Lagerkommandanten Gemmeker, eine Bombe sei auf das Kaufhaus gefallen, wichtige Papiere seien verbrannt und Alfred Isay müsse dringend zu einer Besprechung nach Amsterdam kommen. Isay verlangte, dass er seine Familie mitnehmen kann. Diesen Umstand nutze die Familie zum Untertauchen. Unterschiedliche holländische Familien nahmen sie getrennt voneinander auf. Schließlich gelang ihnen das Überleben im Untergrund. Alfred Isays Schwiegermutter Clothilde Adelsberger überlebte das KZ Bergen-Belsen.

Arisierung der Firma Gebr. Isay OHG

1933 erfolgte eine Namensänderung und die Umwandlung in eine GmbH. Die Wistri Gesellschaft für deutsche Wirk- und Strickwaren GmbH wurde unter Wert verkauft und firmierte 1938 als WISTRI Gesellschaft für deutsche Strickwaren Mengel, Ritter & Co.

Arisierung der Immobilie Zeppelinstr. 4-6 in Köln

Als Eigentümer der Immobilie waren 1938 Adolph Isay und Alfred Isay, Holland vermerkt. Die Vermögensübertragung am Grundstück und Gebäude Zeppelinstraße 4 erfolgte 1941 auf vier neue Eigentümer: Ludwig Mengel, Friedrich Ritter (zu 1/2), sowie je 1/4 an Franz Weiss und Erich Ortloff. Der im besetzten Holland lebende Alfred Isay wurde gezwungen, einen Sekretär für seine Vermögensangelegenheiten zu bevollmächtigen.[5].

Literatur

  • Wolfram Hagspiel: Köln: Marienburg. Bauten und Architekten eines Villenvororts. (=Stadtspuren. Denkmäler in Köln. Band 8.) 2 Bände, J.P. Bachem Verlag, Köln 1996, ISBN 3-7616-1147-1, Band 2, S. 850 f. (Rolf Helbig) und 863 (Albert Klöckner).
  • Wolfram Hagspiel: Köln und seine jüdischen Architekten. J.P. Bachem Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-7616-2294-0, S. 349 f., 395 f.
  • Ruth Isay-Fass: Die Lebensgeschichte von Ruth und Naftali. Docostory, Raanana/Israel 2001
  • Dieter Klein-Meynen, Henriette Meynen, Alexander Kierdorf: Kölner Wirtschaftsarchitektur. Von der Gründerzeit bis zum Wiederaufbau. Wienand Verlag, Köln 1996, ISBN 3-87909-413-6, S. 247.
  • Elfi Pracht-Jörns: 65 Ein in den Niederlanden getragener „Judenstern“ aus dem Besitz Jüdischer Flüchtlinge aus Köln, 1942–1944. In: Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Böhlau, Köln 2011, ISBN 978-3-412-20674-1, S. 302.

Einzelnachweise

  1. privat eingestelltes Familienblatt zu Alfred Isay auf geni.com abgerufen am 8. Januar 2015
  2. von Randy Schoenberg eingestelltes Familienblatt zu Lazarus Salomon Maas auf geni.com abgerufen am 5. Februar 2015
  3. http://www.judengasse.de/dhtml/F049.htm
  4. Holländische Schouwburg
  5. Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand 495, A 378 bis 380

Hinweis

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