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Alfred Bass

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Alfred Bass (geboren am 1. August 1867 in Linz, Österreich-Ungarn; gestorben nach dem 28. Oktober 1941) war ein österreichischer Arzt, eine Zeit lang Mitglied der Mittwochs-Gesellschaft rund um Sigmund Freud und Opfer der Shoah.

Leben

Bass war der Sohn von Josef Bass, einem Lehrer aus Pilsen, von seiner Mutter ist nichts bekannt. Seine Eltern waren jüdischer Herkunft. Er besuchte das k. k. Staatsobergymnasium in Pilsen und maturierte 1886. Danach studierte er Medizin und promovierte 1892. In der Folge arbeitete er als praktischer Arzt in Mariaschein in Nordböhmen. In den Jahren 1897 bis 1899 verfasste er Artikel zu sozialen Fragen. Er engagierte er für eine Verbesserung der rechtlichen und materiellen Lage der Kassenärzte, sowie für deren Organisation, für Änderungen der Gesundheitsversorgung und für staatliche Regelungen im Bereich der Krankenversicherung. Ab 1899 war Bass als praktischer Arzt im Wien-Mariahilf tätig, in der Mariahilferstraße 95, und war dort auch bis 1940 polizeilich gemeldet.[1]

1908 erschien das Medizinische Handlexikon für praktische Ärzte, herausgegeben von Max Kahane (1866–1923), für welches er einige Artikel schrieb.[2] Am 10. Oktober 1906 war er erstmal bei einem Vortragsabend von Sigmund Freuds Mittwoch-Gesellschaft anwesend, aus der sich die Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV) entwickelte, die 1908 formell als Verein gegründet wurde. Am 7. November 1906 hörte er dort den Vortrag Alfred Adlers über Die Grundlagen der Neurosen. Aus den Protokollen der WPV geht hervor, dass Bass 1908 und 1909 regelmäßig an den Sitzungen teilnahm. Er wurde auch von Adler, der damals noch zum Kreis um Freud zählte, mit Literaturrecherche zu soziologischen Fragen betraut. Am 3. April 1909 hielt er selbst in der WPV einen Vortrag zum Thema Wort und Gedanke,[3] trat jedoch am 3. November 1909 aus dem Verein aus. Am 30. Oktober 1912 war er nochmals Gast bei einem Vortrag Freuds.

Im Ersten Weltkrieg war er als Sanitätsarzt tätig. Für seine Verdienste erhielt er eine Auszeichnung des Österreichischen Roten Kreuzes. In den Nachkriegsjahren war er auch als städtischer Schularzt der Gemeinde Wien tätig, engagierte sich weiterhin für Soziale Medizin und fungierte als Kontaktmann des Stadtrates Julius Tandler zur Psychoanalyse.[4] In einem Buch von Marcus G. Patka wird die Funktion Chefarzt der Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien angeführt.[5] Am 4. Mai 1940 zog er in die Köstlergasse 10, am 28. Oktober 1941 erfolgte seine Deportation ins Ghetto Łódź, im Alter von 74 Jahren. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Die Opferdatenbank des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes verzeichnet: „Nicht überlebt“.[6]

Im Ghetto in Łódź, 1940 auf Befehl Hitlers in Erinnerung an Karl Litzmann in Litzmannstadt umbenannt, wurden jüdischen Bewohner systematisch zur Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie des NS-Regimes herangezogen. Von rund 230.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern, die während des Überfalls auf Polen in Łódź lebten, und den rund 204.000 dorthin aus allen Teilen der NS-Herrschaft Deportierten, überlebten nur rund 10.800. Auf Anordnung von Arthur Greiser wurden nicht arbeitsfähige Juden, sofern sie nicht durch Hungersnot und Krankheiten im Ghetto zu Tode gebracht wurden, im Vernichtungslager Chełmno (deutsch: Kulmhof) bzw. im KZ Auschwitz ermordet. „Nachdem Alfred Bass mit 74 Jahren sicherlich als nicht „arbeitsfähig“ eingestuft wurde, kann man davon ausgehen, dass er entweder im Ghetto verhungert ist oder in Kulmhof ermordet wurde.“[7]

Publikationen

  • "Organisation" in Prager Medizinische Wochenschrift, XXI, Nr. 40-43
  • "Der Tarif" in Prager Medizinische Wochenschrift, XXII, Nr. 47
  • Max Kahane (Hg.): Medizinisches Handlexikon für praktische Ärzte. Unter Mitwirkung von Alfred Adler (Wien), Alfred Bass (Wien), Julius Baum (Berlin), Iwan Bloch (Charlottenburg), Rudolf Bum (Wien), A. Eitelberg (Wien), Otfried O. Felner (Wien), Paul Freund (Berlin), Adolf Th. Hecht (Wien), Ferdinand Kornfeld (Wien), Reinhold Ledermann (Berlin), Rudolf Neurath (Wien), Isidor Sadger (Wien-Gräfenberg), Moritz Teich (Wien), Hugo Weiss (Wien). Berlin Wien 1908

Auszeichnungen

Gedenken

An Alfred Bass erinnert ein Erinnerungsstein vor dem Haus Köstlergasse 10 in Wien-Mariahilf, verlegt von Erinnern für die Zukunft.

Literatur

  • Elke Mühlleitner: Biographisches Lexikon der Psychoanalyse. Die Mitglieder der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft und der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1902–1938. Tübingen : Edition Diskord, 1992, ISBN 3-89295-557-3, S. 32 f.

Einzelnachweise

  1. Sabine Zaufarek: Alfred Bass - Biografie, bei psyalpha, Wissensplattform für Psychoanalyse, abgerufen am 30. August 2015
  2. Van Swieten Blog der Medizinischen Universität Wien: Literaturvermerk, abgerufen am 30. August 2015
  3. Giuseppe Ferrigno et. al.: Alfred Adler nei verbali della "Società psicoanalitica di Vienna", abgerufen am 30. August 2015
  4. „Bei einem Gesuch um städtische Räume für das Wiener psychoanalytische Ambulatorium im Jänner 1927 vermerkte Eduard Hitschmann, dass Bass mit Tandler gesprochen habe. Das Gesuch blieb erfolglos.“ psyalpha, a.a.O.
  5. Marcus G. Patka: Österreichische Freimaurer im Nationalsozialismus Wien 2010, ISBN 978-3-205-78546-0, 67
  6. Opferdatenbank des DÖW: Abfrage Alfred Bass, abgerufen am 30. August 2015
  7. psyalpha, a.a.O.


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