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Alexander Smolenski

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Alexander Smolenski

Alexander Smolenski (geb. 6. Juli 1954 in Moskau), „Oligarch“.

Ehemaliger Schwarzmarktunternehmer, der schon zu Sowjetzeiten Geschäfte betrieb und deshalb auch in Konflikt mit den Behörden geriet. Nach der Öffnung der Wirtschaft war er in zahlreichen Branchen unternehmerisch tätig, bekannt wurde er als berüchtigter Bankier, eng befreundet mit Jelzin.

Er stand mit seinen Geschäften stets am Rand der Legalität und scheute auch keine Geschäfte mit der Mafia. 1998 brach seine Bank zusammen, und er flüchtete ins Ausland. Und erstaunlicherweise kehrte er 2002/2003 auf die russische Bühne zurück.

Smolenskis Grossmutter war Mitglied des österreichischen jüdischen Bundes und flüchtete vor den Nazis in die Sowjetunion. Smolenski entstammte keiner Elitefamilie und sein Aufstieg war wegen seines Judentums für ihn begrenzt. Smolenski wurde 1981 vom KGB wegen "wirtschaftlicher Verbrechen" für kurze Zeit verhaftet: Er hatte ohne Erlaubnis nebenbei in einer Bäckerei gearbeitet und auf staatlichen Pressen Bibeln gedruckt und vertrieben. Nach der Haftstrafe hatte er kaum noch Chancen auf hohe Posten und gute Jobs und betrieb allerlei Geschäfte auf dem Schwarzmarkt. Dabei scheute er keine Risiken und lernte von Grund auf die Gesetze des Marktes kennen.

1987 nutzte er die neuen Betätigungsmöglichkeiten und gründete als dritter Unternehmer in Moskau eine Baukooperative, die zahlreiche Händler mit Baumaterialien versorgte. Daraus entwickelte sich dann ein grosser Baukonzern in Moskau. Smolenski errichtete mit grossem Erfolg zahlreiche Datschas. Ähnlich wie sein Kollege V. Gussinski konnte er sich durch die Freundschaft mit dem späteren Moskauer Oberbürgermeister Luschkow Grossaufträge in Moskau sichern.

Mit seinen Geschäften verdiente Smolenski sehr viel Geld, mit dem er ausserhalb des offiziellen Geldkreislaufes nicht viel anfangen konnte. Daher gründete er seine eigene STOLICHNY-Bank, um Zahlungen unabhängig und ohne Beobachtung der Behörden abzuwickeln. Die meisten grossen Banken vernachlässigten die Kreditvergabe an Privatpersonen, doch Smolenski stieg in diesen Bereich ein und baute die grösste private Filialkette auf. Er vergab schnell und unkompliziert kurzfristige Kredite gegen horrende Zinsen. Er hatte anfangs keine guten politischen Kontakte und nutzte seine Gelder und die Gelder anderer Händler überwiegend zu sehr profitablen Währungsspekulationen.

Die Behörden misstrauten der Stolichny-Bank, die als eine der verschwiegensten Banken galt, doch trotz ständiger Beobachtung konnten sie in zahlreichen Ermittlungen keine Beweise für illegale Aktivitäten sicherstellen. Stolichny galt als Bank des "schnellen Geldes" und nahm auch Gelder von kriminellen Organisationen. Smolenski stieg zu einem der mächtigsten Unternehmer der 1. Hälfte der 90er Jahre auf, nicht zuletzt durch seine Freundschaft mit dem neuen Staatspräsidenten Jelzin.

1997 übernahm er die grössere, aber fast insolvente Agroprombank (später: SBS-Agro-Bank). Dafür bekam er die Zusicherung des Staates, dass alle Fördergelder für die Landwirtschaft über seine Bank abgewickelt werden mussten. Diese Fördergelder wurden dann über diverse Offshore-Zonen und ein Netz von Firmen verschoben und versickerten. Bei den Bauern kamen die Gelder grösstenteils nicht an. Auch Gelder der Präsidial- und einiger Regionalverwaltungen liefen über seine Bank.

Smolenski konnte sein Imperium nur durch beste Kontakte zu den Entscheidern dieser Jahre aufbauen: Jelzin, Tschubais und Luschkow. Sie verhalfen ihm zu zahlreichen Deals und schufen ihm lästige Ermittlungen aus dem Wege. Boris Jelzin lagen zahlreiche belastende Unterlagen gegen Smolenski vor, von denen er keinen Gebrauch machte. Smolenski unterstützte im Gegenzug Jelzin mit seinen Medien.

Zu seinen Beteiligungen gehörten das KOMERSANT-Verlagshaus mit den Tageszeitungen und Zeitschriften Komersant, Dengi, Seldkaya Zhisn und Stolitsa-Magazin. Dazu kamen Anteile am TV-Sender ORT, am Radiosender NSN und an der "National Information Agency". Im Wahlkampf 1996 galt Smolenski als einer der wichtigsten Unterstützer von Jelzin. Als Dank konnte er die als konservative geltende fünftgrösste Bank Agroprom übernehmen. Für nur 24 Mio. Dollar erhielt Smolenski ein Filialnetz von 1254 Filialen.

Dank seiner Verbindungen konnte er bei den berüchtigten Privatisierungen gemeinsam mit den Oligarchen Beresowski und Abramowitsch den Ölkonzern Sibneft übernehmen.

Smolenski gilt als auch als grosser Förderer der Orthodoxen Kirche und stiftete u. a. 53 kg Gold für die Kuppeln der Moskauer Kathedrale. Er wird oft als Jude bezeichnet, da ein Elternteil jüdisch ist, er selber ist jedoch überzeugter orthodoxer Christ. Als die grosse Rubelkrise die russische Wirtschaft 1998 in den Abgrund riss, gehörte das Bankenimperium von Smolenski zu den ersten Opfern. Mit 2 Milliarden Dollar Auslandsschulden stand die Bank am Rande des Konkurses. Dank seiner Kontakte bekam er zur Stützung zwar noch einen Riesenkredit der Zentralbank, doch wenig später wurde die Bank unter staatliche Verwaltung gestellt.

Im Juni 2000 bot die Bank ihren Gläubigern (überwiegend Firmen aus dem Agrarsektor) sagenhafte 1 Cent pro 1 Dollar alter Schulden an. Ein wahrhaft meisterhafter Raub. Die grössten Werte der Bankengruppe wurden vorher über Tochtergesellschaften und Strohmänner ins Ausland verschoben und nur die Schulden blieben, auf Staats- und Gläubigerkosten. Smolenski hatte genug Geld ins Ausland verschoben und floh vor einem Haftbefehl ins sichere Ausland.

Seine Frau lebte schon längere Zeit in Österreich und verwaltete dort ein weitverzweigtes Firmenimperium. In einem Deal mit den russischen Behörden legte Smolenski später die Grundlage für seine gesicherte Rückkehr nach Russland. Smolenski gründete eine kleine Bankengruppe (OVP) und hauchte der Stolichny-Bank in Moskau neues Leben ein. Die OVP-Bank verkaufte er 2003 dann an V. Potanin.

2003 einigte Smolenski sich dann endgültig mit den alten Gläubigern, gegen die Zusicherung, dass keine weiteren Ermittlungen über den Verbleib der Gelder unternommen werden. Smolenski behielt die kleine Bank Severo-Zapadnoye und erhielt im April 2004 die Erlaubnis, seine Stolichny-Bank wieder zu reaktivieren. Doch schon im September zog er sich wiederum aus dem Bankwesen zurück und übertrug seine Bankanteile an seinen Neffen Alexei Grigoriyew.

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