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Aleksandar Lebl

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Aleksandar Lebl (geb. 1922 in Belgrad), serbischer Partisan und Journalist, ab 1955 arbeitete er bei den jugoslawischen Zeitungen Vecernje novosti, Danast, Economist, bis in die 1990er-Jahre war er Korrespondent der Financial Times, noch heute (2014) schreibt er regelmässig, zum Beispiel über den Antisemitismus in Serbien (Zitat: "Auf einen Juden kommen 100 Antisemiten" - übrigens eine Anspielung auf die Anordnung des Oberkommandeurs der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, der für jeden getöteten deutschen Soldaten 100 Juden erschiessen liess, für jeden verwundeten 50).

In der jüdischen Gemeinde Serbiens stand er der Kommission zur Beobachtung des Antisemitismus vor und beschäftigte sich mit Übergriffen aus der rechten Szene, die die serbische Polizei gern als Kinderstreiche abtut. 90 Prozent der Serben hätten nie einen der etwa 790 serbischen Juden gesehen. Und trotzdem gebe es einen ausgewachsenen Antisemitismus.

Aleksandar Lebl befand sich im Studium, als am 6. April 1941 die Bombardierung Belgrads begann, am 19. April musste er sich mit den anderen männlichen Juden bei der Gestapo melden. Dann begannen die Erschiessungen. Mit falschen italienischen Papieren gelangte Lebl schliesslich über Sarajevo und Dubrovnik nach Split, wo er in kürzester Zeit Italienisch lernte, gegen Essen Unterricht gab. Im Dezember wurde die jüdische Bevölkerung auf drei KZs in Dalmatien verteilt. Trotz Drucks der Deutschen weigerte sich Mussolini zunächst, die Juden auszuliefern, willigte dann aber doch ein. Aber die Verantwortlichen widersetzten sich der Anordnung; sie fürchteten, bei ihren anderen "Schutzbefohlenen", etwa den serbischen Tschetniks, an Glaubwürdigkeit zu verlieren. "Das hat uns gerettet", sagt Lebl. Mit 3500 anderen Juden landete er auf der Adria-Insel Rab, einem Lager, das von den italienischen Faschisten auf dem Gebiet des unabhängigen Staates Kroatien eingerichtet worden war.

Nach der Kapitulation Italiens im September 1943 schlossen sich die Häftlinge in einer Partisanenbrigade zusammen: Vier slowenische Bataillone zogen in Richtung Slowenien; das fünfte Bataillon, das jüdische, in dem auch Lebl kämpfte, zog nach Kroatien. Von den 400 Mitgliedern kamen 100 ums Leben. Es waren ja keine Soldaten, und sie waren schlecht bewaffnet, hatten vielleicht eine defekte Pistole. Alte erfahrene Kämpfer zeigten ihnen, wie man mit einer kaputten Pistole schiesst. Die jüdischen Partisanen versuchten auch, das berüchtigte KZ Jasenovac zu befreien, scheiterten jedoch.

Rund 300 Kilometer war der Partisan von der Hauptstadt entfernt, als Belgrad am 20. Oktober 1944 von der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee und der Roten Armee befreit wurde. Das Bataillon feierte und schoss in die Luft - was verboten war, denn die Munition war knapp. "Dann rannten wir sicher 200 km".


Hinweis: Text, Formulierungen, Informationen beruhen auf einem entsprechenden Artikel in der Jüdischen Allgemeinen, Ausgabe vom 7. August 2014, Seite 6, Autorin: Sonja Vogel (stark gekürzt)