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Alberto Jonas

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Datei:Stolperstein Grindelhof 30 (Alberto Jonas) in Hamburg-Rotherbaum.JPG
Ein Stolperstein für Alberto Jonas am Grindelhof 30 in Hamburg

Alberto Jonas (geb. 19. Februar 1889 in Dortmund; gest. 29. August 1942 in Theresienstadt) war ein deutscher Schuldirektor.

Leben und Wirken

Alberto Jonas verbrachte Kindheit und Jugend in Breslau, wo er alte Sprachen studierte. Nach der Promotion 1915 über De ratione quae inter Josephum et litteras rabbinicas intercedit erhielt er ein Jahr später die Lehramtsbefähigung für höhere Schulen in den Fächern Hebräisch, Griechisch und Latein. Anschließend lehrte er mehrere Jahre am Israelitischen Realgymnasium in Halberstadt und an der Höheren Israelitischen Schule zu Leipzig. 1922 wechselte er an die von Mary Marcus geleitete Talmud Tora Realschule in Hamburg, deren Leitung er 1924 übernahm. Als Direktor führte er eine jüdische Volksschule für Mädchen, die während seiner Amtszeit um einen Realschulzug ergänzt wurde, der, ab 1930 staatlich anerkannt, den Abschluss der Obersekundarreife ermöglichte. Jonas plante, die Schule zu einer Oberrealschule zu erweitern, scheiterte jedoch aufgrund der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten.

Während der Zeit des Nationalsozialismus änderten sich die Aufgaben für Jonas und des von ihm geleiteten Kollegiums grundlegend. Das Lehrpersonal konzentrierte sich darauf, die Schülerinnen auf eine Auswanderung aus dem Deutschen Reich vorzubereiten. Sie stärkten deren Selbstbewusstsein, unterrichteten vermehrt Iwrith und englisch und lehrten praktische Tätigkeiten im Haushalt, der Gärtnerei und Landwirtschaft und der Schneiderei.

Nach dem Reichspogrom 1938 reisten viele jüdische Kinder nach England und in andere europäische Länder aus. Jonas engagierte sich für diese Transporte und reiste mehrfach mit Kindern nach England. Nachdem die Talmud Tora Schule und die Israelitische Töchterschule 1939 in der Volks- und Höheren Schule für Juden zusammengelegt worden war, übernahm Jonas 1940 die Stelle des Schuldirektors. Die Gestapo untersagte ihm bei Amtsübernahme eine Ausreise. Obwohl die äußeren Bedingungen zunehmend bedrückender wurden und die Bedrohungen zunahmen, konnte Jonas gemeinsam mit dem Kollegium einen den Umständen entsprechenden Schulbetrieb aufrechterhalten. Den Nationalsozialisten trat er dabei aus humaner Überzeugung mutig entgegen.

Im Spätherbst 1941 verließen zahlreiche Schüler mit vier Deportationszügen die von Jonas geleitete Schule. Die Anzahl der unterrichteten Kinder sank im Januar 1942 von ehemals 350 im September 1941 auf 76. Im Frühjahr 1942 gab Gauleiter Karl Kaufmann den Befehl, die Schule räumen zu lassen, um sie für „deutschblütige“ Kinder zu nutzen. In den Räumen des jüdischen Waisenhauses konnten bis zur Schließung am 30. Juni 1942 für kurze Zeit Kinder unterrichtet werden.

Alberto Jonas, der seit 1923 mit der Ärztin Marie-Anna Levinsohn verheiratet war, wurde mit der 18-jährigen Tochter Esther am 19. Juli 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort starb er nach wenigen Wochen aufgrund einer schweren Krankheit. Letzte Dokumente zu seiner Ehefrau datieren auf das Jahr 1944. Die Tochter Esther überlebte den Holocaust und hat ihren Wohnsitz heute in New York.

Erinnerungen

An Alberto Jonas erinnern zwei Stolpersteine in Hamburg. Seit dem November 1998 ist ein Schulgebäude in der Karolingergasse 36 nach ihm benannt.

Literatur

Weblinks


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Alberto Jonas aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.