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Albert Eckstein (Musiker)

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Albert Eckstein (geb. 25. März 1913 in Mannheim; gest. 3. Juni 1992) war ein Sinti-Geiger und Geigensammler. Seine Sammlung bildete den Grundstock der nach ihm benannten Stiftung.

Leben

Er stammte aus einer berühmten Musikerfamilie aus Zeilhard bei Darmstadt, die bereits im 17. Jahrhundert dort erwähnt wurde. Er war der erste Sohn des Johannes Eckstein, der in Mannheim Geiger und Kopf einer angesehenen Sintikapelle war.[1] Mit sechs Jahren erlernte er das Violinspiel und spielte oft im Geheimen mit der Geige seines Vaters. Mit 7 Jahren trat er als Wunderkind in der väterlichen Kapelle auf und wurde zum Star der Truppe. Eckstein lernte nie Noten, sondern spielte nach Gehör. Wenn er ein Stück gehört hatte, konnte er es nachspielen.[2]

1935 übersiedelte die Familie 1935 nach Vöhringen. Der musikalische Ruf der Familie verbreitete sich, bis sie 1939 von der Reichsmusikkammer mit Auftrittsverbot belegt wurde. Albert war bereits 1938 zu Wehrmacht einberufen worden und machte als Soldat den Polenfeldzug und den Frankreichfeldzug mit. Am 19. April 1941 wurde er als „Zigeunermischling“ für „wehrunwürdig“ erklärt. Da er eine „arische“ Frau, die Kaufmannstochter Bertra Kropp aus Vöhringen,[2] geheiratet hatte, entging er der Deportation und wurde als Zwangsarbeiter bei den Wieland-Werken eingesetzt.[1] Seine Eltern und neun Geschwister wurden am 8. März 1943 in das KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet.[1][3][4]

Kurz vor dem offiziellen Kriegsende wurde Eckstein von den Amerikanern für einige Tage zum Bürgermeister von Vöhringen eingesetzt, da er gemeinsam mit einem Geistlichen den Befreiern mit weißer Fahne entgegen gegangen war.[1] Er blieb dauerhaft in Vöhringen und machte sich als Pferdehändler selbstständig. In den nächsten Jahrzehnten unternahm er regelmäßig Reisen nach Italien und besuchte dort Geigenbauer und -Sammler. Von diesen Reisen brachte er immer wieder wertvolle Instrumente mit.[2] Er starb 1992 bei einem Autounfall.[1]

Die Stiftung

Im Mai 2005 wurde die Albert-Eckstein-Stiftung gegründet, die erstklassige Streichinstrumente an hochbegabte Nachwuchsmusiker verleiht. Gründer war sein Sohn Rolf Eckstein, der die Familientradition fortführt und ein Geigenbau-Atelier in Ulm betreibt.[5] Grundstock der Stiftung ist die umfangreiche Instrumentensammlung seines Vaters. Nach der Entscheidung eines Beirats erhalten knapp 30 Stipendiaten, darunter Preisträger nationaler wie internationaler Wettbewerbe, für ein Jahr oder länger ein hochwertiges Instrument und präsentieren ihre Fähigkeiten jährlich auf einem Stiftungskonzert.[6][5][7]

Zum 100. Geburtstag wurde Albert Eckstein in Vöhringen mit einem Gedenkkonzert geehrt, es konzertierte das Kammerorchester der Stipendiaten.[8][9]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Walter Wuttke: Fremdrassig - und zu vernichten, Südwest Presse, 31. Oktober 2011
  2. 2,0 2,1 2,2 Albert Eckstein, Albert-Eckstein-Stiftung
  3. Ursula Katharina Balken: Gedenktafeln erinnern an die Opfer des Nazi-Regimes, Augsburger Allgemeine, 4. September 2013
  4. Gustav Moré: Verfluchte Uniform - Als wir jung und gläubig in eine verlogene Zukunft marschierten, Klemm und Oelschläger, Ulm 1992, ISBN 393257740X, Kapitel „Mit Sack und Pack auf Nimmerwiedersehn“
  5. 5,0 5,1 Hommage an Albert Eckstein, Augsburger Allgemeine, 20. Februar 2013
  6. Die Stiftung, Albert-Eckstein-Stiftung
  7. Elisa Sowieja: Wunderkind wider Willen, Volksstimme, 17. Oktober 2013
  8. Otto Mittelbach: Junge Künstler und wertvolle Geigen: Zum 100. Geburtstag von Albert Eckstein im Kulturzentrum, Augsburger Allgemeine, 5. März 2013
  9. Burkhard Schäfer: Stipendiaten gratulieren virtuos, Südwest Presse, 4. März 2013


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