Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzyklopädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

(Spendenkonto siehe Impressum). Vielen Dank für Ihr Engagement!

Albert Eckstein

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Albert Eckstein (geb. 9. Februar 1891 in Ulm; gest. 18. Juli 1950 in Hamburg) war ein deutscher Pädiater und Hochschullehrer.

Leben

Als zweiter Sohn in eine jüdische Fabrikantenfamilie geboren, studierte Eckstein gegen den Willen seines Vaters Medizin in Freiburg, Leipzig und München.[1] Schon als Student arbeitete und publizierte er in der Physiologie und Anatomie. 1915 promovierte er zum Dr. med.. Nachdem er als Sanitätsoffizier am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, wurde er wissenschaftlicher Assistent in der Freiburger Physiologie. 1920 wechselte er in die Kinderklinik unter Carl Noeggerath, bei dem er sich 1923 habilitierte.[2]

Als Privatdozent und Oberarzt ging er 1925 zu Arthur Schloßmann, der die Kinderklinik der Medizinischen Akademie Düsseldorf leitete. Eckstein heiratete seine Tochter Erna, die er in Freiburg im Breisgau kennengelernt hatte. 1926 wurde er a. o. Professor und Vertreter, dann Nachfolger seines Schwiegervaters.

Nach den Nürnberger Gesetzen als Jude diskriminiert, wurde Eckstein 1935 unter „höchst beschämenden Umständen“ (Wiedemann) in Düsseldorf entlassen. Mit seiner Familie ging er im selben Jahr nach Ankara, wo die neue Universität Ankara deutsche Professoren suchte. Max Meyer leitete die HNO-Klinik. Da es noch keine reguläre Kinderklinik gab, baute Eckstein Polikliniken auf. Die von ihm betriebene Präventivmedizin und Milchversorgung reduzierte die mit 50 % sehr hohe Kindersterblichkeit. Eckstein beherrschte die türkische Sprache so gut, dass er ein türkisches Lehrbuch schreiben konnte.[2][3] Er wurde auch als Fotograf des türkischen Landlebens bekannt.[4]

In der Nachkriegszeit wurden Eckstein vier westdeutsche Lehrstühle angeboten – Freiburg, Gießen, München und Würzburg. Die Medizinische Akademie Düsseldorf ernannte ihm zum Ehrenmitglied. Fritz Goebels Lehrstuhlangebot lehnte er ab. Um den beiden in England erzogenen Söhnen näher zu sein, entschloss er sich mit seiner Frau zur Rückkehr nach Deutschland. 1950 folgte er dem Ruf der Universität Hamburg. Wenige Monate später starb er an einem Herzinfarkt. Sein Vorgänger Erich Rominger hielt die Grabrede.[1]

Sein Sohn Herbert Eckstein wurde Kinderurologe am Great Ormond Street Hospital.

Siehe auch

Literatur

  • Erna Eckstein-Schlossmann; Lorenz Peter Johannsen (Hg.): "Eigentlich bin ich nirgendwo zu Hause". Aufzeichnungen. Reihe: Jüdische Memoiren. Hentrich & Hentrich, Berlin 2012 ISBN 978-3-942271-74-5[5]
  • Neja Akar: Bozkır Çocuklarına Bir Umut Dr. Albert Eckstein. Gürer Yayınları ve Pazarlama, Istanbul 2008 ISBN 9786055785024 (in Türkisch)
  • Katrin Bürgel, Karoline Riener; Max Plassmann Hg.: Wissenschaftsemigration im Nationalsozialismus. Der Kinderarzt A. Eckstein und die Gesundheitsfürsorge in der Türkei. Reihe: Quellen und Forschungen aus dem Universitätsarchiv Düsseldorf, 2005 ISBN 3980733459

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Erna Schlossmann
  2. 2,0 2,1 Hans-Rudolf Wiedemann: Albert Eckstein. Eur J Pediatr 153 (1994), S. 303 (mit Bild)
  3. Nejat Akar: Modernizer of Turkey's Pediatrics – Albert Eckstein in Exile
  4. Émigré A. Eckstein's Legacy on Health Care Modernization in Turkey (PDF; 778 kB)
  5. eine Auswahl aus ihren gesamten Auszeichnungen


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Albert Eckstein aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.