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Aktivist

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Aktivist (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Aktivist (lat. activus = „tätig, aktiv“) wird eine Person bezeichnet, die in besonders intensiver Weise, mit Aktivismus, für die Durchsetzung bestimmter Ziele eintritt. Oft sind dies im weitesten Sinn politische Ziele, insbesondere aus den Bereichen der Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik sowie der Bürger- und Menschenrechte. Ein Aktivist unterscheidet sich vom Politiker vor allem darin, dass er seine Ziele nicht über direkte Teilhabe an dem formellen politischen Prozess erreichen will, etwa durch Anstreben eines politischen Amts, sondern auf eher informelle Art und Weise, etwa durch Öffentlichkeitsarbeit und Demonstrationen. Größere organisierte Zusammenschlüsse von gleichgesinnten Aktivisten werden teilweise auch Nichtregierungsorganisationen (NGO) genannt.

Allgemeines

Karl Popper definiert Aktivismus als „Die Neigung zur Aktivität und die Abneigung gegen jede Haltung des passiven Hinnehmens.“[1] Der Gegenbegriff zu Aktivismus ist Attentismus. Für eine ziellose, unreflektierte, auf die Aktivität als Selbstzweck gerichtete Vorgehensweise wird hingegen im Allgemeinen der Begriff Aktionismus verwendet. In der Umweltbewegung heißen Menschen, die eine Kampagne bzw. ein Projekt engagiert betreiben Campaigner. Dieses Wort wird auch in anderen Sprachen verstanden; außerdem ruft es keine negative Konnotation hervor.

Der Begriff findet z. B. Verwendung

  • im politischen Bereich, meist im linken oder rechten Spektrum (auf der Linken zum Beispiel bei attac),
  • als Bezeichnung einer politischen Ausrichtung der Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei nach dem Ersten Weltkrieg, siehe Aktivismus und Negativismus,
  • im Umweltschutz oder der Umweltbewegung („Umwelt-Aktivist“, „Greenpeace-Aktivist“),
  • im Bereich freie Software („Freie-Software-Aktivist“, „Open-Source-Aktivist“),
  • bei Kritik der Reformpädagogik, der oft vorgeworfen wird, dass sie auf „Herz und Hand“ mehr Wert legt als auf den „Kopf“, und somit in einem „leeren Aktivismus“ mündet.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Datei:Bundesarchiv Bild 175-00118, SBZ, Aktivisten-Bewegung.jpg
Arbeiter eines VEB in der SBZ vor einem Propagandaplakat der Aktivisten-Bewegung (Fotomontage)

In der Kontrollratsdirektive Nr. 38 (Verhaftung und Bestrafung von Kriegsverbrechern, Nationalsozialisten und Militaristen und Internierung, Kontrolle und Überwachung von möglicherweise gefährlichen Deutschen) vom 12. Oktober 1946 wurde der Begriff des „Aktivisten“ für eine Kategorie von NS-belasteten Personen in Deutschland verwendet. Auf die „Hauptschuldigen“ folgte die Gruppe der „Belasteten“, zu diesen gehörten die „Aktivisten“.

In Artikel III, Teil A hieß es unter anderem: „Aktivist ist: 1. Wer durch seine Stellung oder Tätigkeit die nationalsozialistische Gewaltherrschaft wesentlich gefördert hat; 2. Wer seine Stellung, seinen Einfluß und seine Beziehungen zur Ausübung von Zwang, Drohung, Gewalttätigkeiten, Unterdrückung oder sonst ungerechten Maßnahmen ausgenutzt hat; 3. Wer sich als überzeugter Anhänger der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, insbesondere ihrer Rassenlehre, offen bekannt hat.“ sowie: „Aktivist ist auch, wer nach dem 8. Mai 1945 durch Propaganda für den Nationalsozialismus oder Militarismus oder durch Erfindung und Verbreitung tendenziöser Gerüchte den Frieden des deutschen Volkes oder den Frieden der Welt gefährdet hat oder möglicherweise noch gefährdet.“[3]

Das Wort Aktivist stand gleichwohl im Sprachraum der SBZ und DDR auch für eine gemeinnutzen- und neuerungsorientierte Einstellung zur Arbeit. Aktivist der sozialistischen Arbeit war eine häufig verliehene Auszeichnung im Rahmen des sozialistischen Wettbewerbs der DDR. Zum Propagandaleitbild wurde 1948 der Bergmann Adolf Hennecke aufgebaut. Der Tag der Aktivisten wurde jährlich ab 1949 am 13. Oktober, dem Tag der Sonderschicht Henneckes, in der DDR begangen.

Siehe auch

Literatur

  • Kirsten Brodde: Protest!: Wie ich die Welt verändern und dabei auch noch Spaß haben kann. Ludwig Buchverlag, München 2010, ISBN 978-3-453-28016-8.

Weblinks

 Wiktionary: Aktivist – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen

  1. Karl R. Popper: Das Elend des Historizismus. 4. Auflage. Mohr, Tübingen 1974, ISBN 3-16-532721-1, S. 7. (Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften. Band 3)
  2. Winfried Böhm, Wilhelm Hehlmann: Wörterbuch der Pädagogik. Kröner Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-09415-0 S. 443.
  3. Kontrollratsdirektive Nr. 38 vom 12. Oktober 1946: Verhaftung und Bestrafung von Kriegsverbrechern … und Überwachung von möglicherweise gefährlichen Deutschen


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Aktivist aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.