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Aharon Rokeach

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Aharon Rokeach, Admor von Bels

Raw Aharon Rokeach (genannt Reb Arele oder auch Kedushat Aharon; geb. 19. Dezember 1880 in Bels, Polen; gest. 18. August 1957 in Jerusalem; – Jahrzeit: 21. Aw), ältester Sohn und Nachfolger des Jissachar Dob Rokeach, war der vierte Belzer Rebbe (Rebbe von 1926 bis zu seinem Tod 1957). Er war bekannt für seine Frömmigkeit und seine angebliche Wundertätigkeit und wurde von Juden und Nichtjuden als Wunderrebbe betrachtet.

Die Zeit, in der er das Chasidut führte, umfasste die Periode der allgemeinen Verwüstung, sowohl des Belzer Chasidut wie auch vieler anderer chassidischer Dynastien in Galizien und Polen während des Holocaust. In jener Zeit zählte er zu den Persönlichkeiten, die relativ weit oben auf der Liste der durch die Gestapo verfolgten Personen figurierten. Mit der Unterstützung und den Geldern der Belzer Chassidim in Erez Israel, England und den Vereinigten Staaten gelang es ihm und seinem Halbbruder Mordechai Rokeach, aus Polen nach Ungarn zu fliehen, dann in die Türkei, in den Libanon und von dort schliesslich ins britische Mandatsgebiet Palästina.

Mit seiner offenen Art zog er viele Menschen an, die zuvor keine Anhänger des Belzer Rebben gewesen waren. Unter seiner Führung wurde die Chassidus Belz eine treibende Kraft der Orthodoxie in Israel.

Sein Nachfolger ist Jissachar Dob Rokeach (geb. 1948).

Kindheit

Aharon war das erstgeborene Kind seiner Eltern Jissachar Dob Rokeach I. und Bascha Ruchama Twersky nach 12 Jahren Ehe. Seinen Namen erhielt er nach dem Urgrossvater seiner Mutter, Rebbe Aharon von Tschernobyl, obwohl sein Vater später zu erkennen gab, dass er ihn eigentlich nach dem Rabbi Aharon von Karlin hatte benennen wollen. Aharon hatte eine jüngere Schwester, Chana Rachel, die später Rabbi Pinchas Twersky von Ostilla heiratete.

Aharons Mutter starb am 18. März 1884, als Aharon vier Jahre alt war. Sein Grossvater, Rebbe Jehoschua Rokeach, der zweite Belzer Rebbe, nahm den Jungen unter seine Fittiche und beaufsichtigte seine geistige Entwicklung. Der kleine Junge verbrachte seine Zeit unaufhörlich mit Toralernen und ass und schlief nur wenig. Seine Kenntnisse und Leistungen verschwieg er beharrlich und kombinierte sie von frühester Kindheit mit einem sehr bescheidenen äusseren Auftreten. So sollte er es ein Leben lang halten.

Heirat und strengster Lebenswandel

Als sein Grossvater am 30. Januar 1894 starb, wurde Aharons Vater der dritte Belzer Rebbe. Rebbe Jissachar Dob heiratete ein zweites Mal, und zwar Chaja Debora Pecsenik und hatte mit ihr weitere sieben Kinder. Aharon war 22 Jahre alt, als sein Halbbruder zur Welt kam. Als Aharon volljährig wurde, heiratete er seine Kusine Malka, die Tochter des älteren Bruders seines Vaters Schmuel, des Raw von Sokal. Nach seiner Heirat lebte Aharon mehrere Jahre bei seinem Schwiegervater. Aharons strenge Absonderung, seine Entbehrungen und Askese führten dazu, dass er immer schwächer und bald ernsthaft krank wurde, so dass seine Ärzte ihm dazu rieten, sein Leben komplett umzustellen, und ihn erst einmal in Kur schickten. Er erholte sich, ass aber weiterhin zu wenig; dies und sein chronischer Schlafmangel schwächten ihn so sehr, dass es ihn übermässig anstrengte zu stehen oder zügig zu laufen. An den Schabbatot aber stand er kerzengerade, bewegte sich behende und nahm an den Schabbat-Mahlzeiten mit Freude und gutem Appetit teil.

Vierter Belzer Rebbe

Er hatte mit seiner Frau fünf Söhne und vier Töchter (Moshe, Yisrael, Yehuda Zundel, Rivka Miriam, Mirel, Adel, Sara Bracha, zwei weitere Söhne). Mehrere offensichtlich gesunde Kinder starben bereits bei der Geburt, während die, die überlebten, kränklich und schwach waren. Zwei Töchter waren in Kombination hör- sowie sprachbehindert. Eine Tochter, Mirel, starb 1938. Die übrigen wurden von den Nazis mit ihren Familien umgebracht. Als Aharons Vater in Bels am Schabbat, in der Nacht von Freitag auf Samstag, 30. Oktober 1926, starb, übernahm nach dessen Beerdigung Aharon Rokeach im Alter von 46 Jahren die Führung des Chasidut.

In Fortsetzung seiner zurückgezogenen und spartanischen Lebensweise erwies sich Aharon Rokeach als warmherziger, umsichtsvoller und für seine Leute allzeit besorgter Rebbe und Führer. Er las alle ihm zugeführten und zugesteckten Kwittel aufmerksam und betete um das Heil und die Erfüllung der Bitten der Petenten. Anfänglich versuchte er, die Zahl derjenigen, die mit Bitten und Segenswünschen zu ihm kamen, pro Nacht auf fünf zu beschränken ("mehr Not ertrage er nicht", weil er jedes Problem wie sein eigenes adoptierte), aber schliesslich nahm er von dieser zahlenmässigen Begrenzung wieder Abstand. Obwohl die Position des Belzer Rebben gleichzeitig diejenige des Raws der Stadt Bels mit umfasst, sah er sich aus Zeitgründen nicht in der Lage, dieser Aufgabe nachzukommen. Zwei Dajanim wurden an seiner Stelle ernannt, und sie berieten sich mit ihm nur in schwierigen halachischen Fragen.

Abenteuerliche Flucht aus Europa

Mordechai Rokeach

Während des Zweiten Weltkriegs galt für alle Belzer Chassidim in- und ausserhalb des von den Nazis besetzten Europas die Errettung ihres Rebben als vorrangiges Ziel. Sie versteckten Reb Aharon, der immer darauf bestanden hatte, durch seinen Halbbruder, Rabbi Mordechai, begleitet zu werden, schmuggelten die beiden aus Bels heraus nach Wischnitz, brachten sie dann in das Ghetto von Bochnia, dann in das Krakauer Ghetto und dann zurück in das Ghetto von Bochnia. Nur knapp entgingen sie jeweils den Razzien und Deportationen. Die beiden Brüder wurden von einem judenfreundlichen ungarischen Doppelagenten aus dem besetzten Polen heraus- und nach Ungarn gebracht. Der Rebbe, sein Halbbruder und ein Begleiter, mit kurz geschorenem Haar, ohne Bart und Schläfenlocken, waren verkleidet als russische Generäle, die man an der Front gefangengenommen habe und nun zu Verhören nach Budapest transportiere. Nach acht Monaten Aufenthalt in Ungarn bestiegen die Brüder den Orient-Express nach Istanbul und gelangten im Februar 1944 schliesslich ins Mandatsgebiet Palästina.

Beide Männer verloren ihre ganze Familie durch die Nazi-Mörder. Reb Aharons ältester Sohn Mosche wurde in der Synagoge von Przemyslany bei lebendigem Leib verbrannt, zum selben Zeitpunkt, als Reb Aharon in dieser Stadt versteckt war. Später wurden Mosches Frau und ihre fünf Kinder ebenfalls ermordet. Die älteste Tochter von Reb Aharon, Rivka Miriam, und ihr Mann, Rabbi Schmiel Frankel, wurden gemeinsam mit ihren sieben Kindern umgebracht. Reb Aharons andere Töchter, Adel Twersky und Sara Bracha Rosenfeld – mit ihren Kindern, und zwei andere Söhne Reb Aharons, Rabbi Israel und Rabbi Yehudah Zundel – mit ihren Kindern, wurden umgebracht. Als Reb Aharon von diesen ganzen Tragödien hörte, zeigte er keinerlei Emotionen und fuhr stoisch und äusserlich unverändert fort in der Leitung seiner Chassiden und der Durchführung seiner Arbeit und seiner Gebete. Anders als die Rebben anderer chassidischer Gruppierungen, die ihrer umgekommenen Brüder und Schwestern gedachten und ihr Andenken in Ehren hielten, verlor Reb Aharon über die Kriegszeit, über die Verluste, ja sogar über die Mitglieder seiner eigenen Familie, die umgekommen waren, nie wieder ein Wort. Sie hatten für ihn eine höhere Stufe der Heiligkeit gewonnen, jenseits allen menschlichen Verstehens. Die einzige Möglichkeit, ihrer würdevoll zu gedenken, bestand für Reb Aharon darin, neues jüdisches Leben mit aller Kraft und Hingabe aufzubauen.

Wiederaufbau des Belzer Chassidut in Israel

Und so widmete Reb Aharon den Rest seines Lebens dem Wiederaufbau des Belzer Chassiduts in Israel. Zunächst errichtete er seinen Hof in Tel Aviv, wo er die erste Belzer Talmud Tora eröffnete. Später zog er nach Jerusalem, wo er die erste Belzer Jeschiwa eröffnete. Er erzog auch den einjährigen Sohn (Jissachar Dob Rokeach II.) seines Halbbruders, nachdem Rabbi Mordechai 1949 plötzlich verstorben war. Nach Reb Aharons eigenem Tod im Jahr 1957 wurde der Junge von einem ausgesuchten Kreis vertrauenswürdiger Menschen weiter gross gezogen. Er wurde im Jahr 1966 der fünfte Belzer Rebbe.

Reb Aharon wurde auf dem Har HaMenuchot in Jerusalem beigesetzt. An seiner Jahrzeit besuchen Zehntausende von Menschen sein Grab, um dort zu beten.

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