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Adolfo Kaminsky

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Adolfo Kaminsky

Adolfo Kaminsky (auch Adolphe Kaminsky; * 1. Oktober 1925 in Argentinien als Kind russisch-jüdischer Eltern, die nach der Oktoberrevolution aus Frankreich ausgewiesen wurden) ist ein französischer Widerstandskämpfer des Zweiten Weltkriegs und jahrzehntelanger Fälscher, der durch das Beschaffen bzw. Herstellen gefälschter Papiere u. a. einer grossen Anzahl von Juden zur Flucht verhelfen konnte und ihnen damit das Leben rettete.

Leben

Seine Familie kehrte 1932 nach Frankreich zurück, wo sie zunächst in Paris und seit 1939 in Vire/Calvados lebte. Dort arbeitete Adolfo Kaminsky in einer Färberei. Das Färben und die Chemie interessierten ihn so sehr, dass er ein eigenes Experimentier-Labor eröffnete; gleichzeitig wurde er als Assistent eines für eine Molkerei arbeitenden Chemikers angestellt.

Nach der deutschen Besetzung Frankreichs 1940 wurde seine Mutter durch die Deutschen getötet und die restliche Familie 1942 in Drancy interniert. Aufgrund einer Intervention des argentinischen Konsulats durften sie das Lager jedoch drei Monate später wieder verlassen und entgingen der Deportation in die Vernichtungslager. Adolfo tauchte in Paris unter, nannte sich Julien Keller und kehrte zum französischen Widerstand zurück und arbeitete in einer geheimen Fälscherwerkstatt, wo er bis zum Kriegsende falsche Ausweise, Mietverträge, Führerscheine, Lebensmittelkarten und andere Dokumente herstellte, die Tausenden von Juden das Leben retteten. Bis zu 500 Dokumente fälschte Kaminsky in einer Woche, schnitzte Stempel, perforierte Gebührenmarken und erfand Namen. Geld nahm er dafür nie. Das - so glaubt er - hat ihn davor bewahrt, verraten zu werden.

Nach der Befreiung von Paris wurde er vom französischen militärischen Geheimdienst engagiert. In seinem späteren Leben setzte er seine Fälschertätigkeit fort, u. a. um ehemals verfolgten Juden einen illegalen Zugang nach Palästina zu verschaffen.

Ende der 1950er-Jahre fälschte er für die algerische Freiheitsbewegung und die Entkolonialisierung Algeriens. Seit 1963 unterstützte er mit seiner Fälscherarbeit die Befreiungsbewegung in verschiedenen Ländern Südamerikas; in den Folgejahren war u. a. er aktiv gegen die Politik der Apartheid in Südafrika, gegen das Salazar-Regime in Portugal und gegen die Franco-Dikatur in Spanien; er half auch amerikanischen Deserteuren, die nicht am Vietnam-Krieg teilnehmen wollten. Auch Daniel Cohn-Bendit gehörte zu seinen "Kunden". Für den Studentenführer, den die französische Regierung nach den Mai-Unruhen 1968 ausgewiesen hatte, stellte er Papiere her, damit er als Tourist die deutsch-französische Grenze passieren und bei einer Kundgebung in Paris auftreten konnte. Cohn-Bendit wusste, dass die Franzosen ihn dort verhaften würden, was aber - weil "medienwirksam" - beabsichtigt war.

Im Jahr 1971 fälschte Adolfo Kaminsky letztmalig Ausweis-Papiere, beendete seine über 30-jährige Fälschertätigkeit und floh nach Algerien, weil er glaubte, aufgeflogen zu sein. Zwischen 1943 und 1971 war Kaminsky der meistgesuchte Fälscher von Ausweispapieren in Frankreich.

In Algier wurde Kaminsky Dozent für Fotografie und verliebte sich in eine junge Anwältin namens Leila, Tochter eines progressiven Imams. Die beiden heirateten und bekamen Kinder. Im Jahr 1982 machte Leila Adolfo klar, dass es besser sei, Algerien mit ihren "drei kleinen Mischlingen" zu verlassen, da die Welle des religiösen Fanatismus nicht wieder verebben würde.

Die Familie reiste ohne Gepäck, ohne Aussicht auf Arbeit, mit nichts als einem dreimonatigen Touristenvisum nach Paris.

Kaminskys Tochter Sarah Kaminsky - in Algerien geborene Schauspielerin und Autorin - hat das Leben ihres Vaters in einer im Jahr 2010 erschienenen Biografie ("Ein Fälscherleben", deutsch 2011) festgehalten.

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