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Adin Steinsaltz

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Adin Steinsaltz (2006)

Adin Steinsaltz (hebr. ‏ עדין שטיינזלץ‎) oder Adin Even Yisrael Steinsaltz (* 1937 in Jerusalem), ist ein israelischer Rabbiner und herausragender jüdischer Gelehrter, Lehrer, Philosoph und Talmudkommentator. Er hat rund 60 Bücher und zahlreiche Artikel veröffentlicht.[1] Sein bisheriges Hauptwerk ist eine Bearbeitung und Übersetzung des Talmuds ins Neuhebräische mit eigenem Kommentar, dank welcher der Talmud breiteren Interessengruppen zugänglich gemacht werden soll. Er erscheint Hebräisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch und wurde millionenfach verkauft. Das Time Magazin bezeichnete Steinsaltz 1988, im Jahr, als ihm der Israel-Preis verliehen wurde, als „Jahrtausendgelehrten“ (englisch “once-in-a-millennium scholar”).[2]

Familie und Ausbildung

Steinsaltzs Eltern waren säkularer zionistische Juden, die ihren Sohn, der vor seiner Bar Mitzwa streng religiös geworden war, auf eine religiöse Schule schickten.[3] Er studierte Physik und Chemie an der Hebräische Universität Jerusalem und widmete sich gleichzeitig jüdischen Studien.

Rabbiner Steinsaltz und seine Frau leben in Jerusalem und haben drei Kinder und fünfzehn Enkel.

Wirken

1. Seite des Talmuds, Wilnaer Ausgabe; in der Mitte Mischnah und Gemara, rechts davon Raschi-Kommentar

Steinsaltz gründete schon als junger Mann eigene Schulen in Israel, die sich durch ein für religiöse Schulen vergleichsweise breites Spectrum auszeichnen und sowohl von modern orthodoxen wie ultra orthodoxen Schülern besucht werden. Die Mekor Chaim Schulen befinden sich in Jerusalem und in jüdischen Siedlungen in den israelisch besetzten palästinensischen Gebieten in der Nähe von Jerusalem.[4]

1965 begann Steinsaltz mit dem Aufbau des Israel Institute for Talmudic Publications und der Arbeit an seiner nicht unumstrittenen Talmud Übersetzung, die er 45 Jahre später, im November 2010 beendete.[3] Die Steinsaltz Talmudausgabe weist, neben dem Ersatz des aramäisch-hebräischen Textes durch einen neuhebräischen, ein neues Layout und eine neue Paginierung auf, ebenso einen hebräischen Kommentar von Steinsaltz an der Stelle, an der in den traditionellen Talmudausgaben, die auf der in den 1880er Jahren erschienenen Wilnaer Ausgabe beruhen, derjenige des großen jüdischen Gelehrten des Mittelalters Raschi (1040-1105) steht.[5]

Steinsaltz ist ein Anhänger der Lubawitscher Chassidischen Bewegung und war ein Freund des 1994 verstorbenen letzten Lubawitscher „Rebben“ Menachem Mendel Schneerson. Er unterstützte die Chabad-Lubawitsch-Organisationen in der Sowjetunion, wo er eine jüdische Schule in Moskau und St. Petersburg gründete und fungiert als spiritueller Mentor der russischen Juden.

1999 gründete er eine Chesder Jeschiwa in Tekoa, einer jüdischen Siedlung in den israelisch besetzten Gebieten südlich von Jerusalem. In einer Chesder Jeschiwa werden jüdische Studien mit dem Militärdienst in der israelischen Armee verknüpft.[6] Eine kleine Anzahl ausgewählter Absolventen der Chesder Jeschiwa werden in Steinsaltzs Kollel weiter ausgebildet und erhalten in einem dreijährigen Programm eine Ordination als Rabbiner.[7]

2003 wurde das Steinsaltz Center in Jerusalem eingeweiht. Im Jahr 2005 wurde Steinsaltz zum Präsidenten des ein Jahr zuvor neu errichteten modernen „Sanhedrin“ gewählt,[8] im Juni 2008 erklärte er seinen Rücktritt aus Sorge über dessen mögliche Verstöße gegen halachische Gesetze.[9] Gegenwärtig arbeitet Steinsaltz an einer Übersetzung von Bibelkommentaren, einer Neuinterpretation von Maimonides' „Mishneh Torah“ und an einem Buch über Menachem Mendel Schneerson.[10]

Gemäß dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel kann es für Steinsaltz „trotz Normalisierung des Verhältnisses Israel/Vatikan … zwischen Juden und Christen ‘keinen Frieden und auch keinen Dialog geben’“.[11] Er hat sich auch gegen den Bau eines islamischen Centers in der Nähe des Ground Zero in New York ausgesprochen und nennt das Vorhaben taktlos (englisch “a lack of tact”).[12]

Auszeichnungen

Steinsaltz erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorate, 1988 wurde ihm für sein Engagement für jüdische Erziehung und Bildung der Israel-Preis, die höchste Auszeichnung in Israel, verliehen.

Werke (Auswahl)

Neben den Talmudausgaben und weiteren Publikationen zum Talmud hat Steinsaltz zahlreiche weitere Bücher und Artikel publiziert.[1]

  • Initials and Abbreviations in Chasidic and Kabbalistic Literature, hebräisch, 1968
  • Sefer HaKen (Editor), marking 150 years since the demise of Rabbi Scheur Zalman of Lyady, hebräisch, 1969
  • The Rebbe: Thirty Years of Presidency (Co-editor: Rabbi Hanoch Glitzenstein), hebräisch, 1980
  • The Long Shorter Way: Discourses on Chasidic Thought, englisch 1988
  • The Sustaining Utterance: Discourses on Chasidic Thought, englisch 1989, russisch 1996, portugiesisch 2009
  • The Thirteen Petalled Rose, englisch 1980, reprint 2006, niederländisch, 1983, russisch 1985, französisch 1989, portugiesisch 1992, hebräisch 1998, italienisch 2001, deutsch (Die dreizehnblättrige Rose. Von den Geheimnissen der Kabbala und ihrer Bedeutung für unser Leben).[13]2011
  • The Tales of Rabbi Nachman of Bratslav (formerly Beggars and Prayers), englisch 1979, französisch 1996, russisch 1998, hebräisch 1981
  • The Seven Lights: On the Major Jewish Festivals (Co-author: Josy Eisenberg), englisch 2000
  • Commentary on the Tanya, hebräisch seit 1991, englisch seit 2003
  • Les 5 Meguillot, Illustrationen Yitzhak Tordjman, englisch und französisch 1990
  • Biblical Images, hebräisch 1984, japanisch 1984, französisch 1990, englisch 1994, russisch 1995, deutsch 1996
  • The Woman of Valor, Illustrationen Yitzhak Tordjman, französisch 1993, englisch 1994,
  • Tehillim (Psalms), hebräisch und englisch 2005
  • Hebrew (The Israel Government School of Tourism) 1966/1982
  • The Passover Haggadah, hebräisch 1979, 1998, englisch 1983
  • Teshuvah: A Guide for the Newly Observant Jew, englisch 1987, französisch, hebräisch 1982, portugiesisch 1994,
  • The Sociology of Ignorance (Co-author: Amos Funkenstein), hebräisch 1988, russisch 1997
  • Le Chandelier d'Or, französisch 1993, englisch 2000

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Rabbi Adin Steinsaltz - Curriculum Vitae. The Aleph Society, (englisch), abgerufen: 26. Mai 2011
  2. Richard N. Ostling; Marlin Levin: Religion: Giving The Talmud to the Jews. Time, 18. Januar 1988, (englisch), abgerufen: 26. Mai 2011
  3. 3,0 3,1 Nathan Jeffay: Man of the People of the Book. After 45 Years, Adin Steinsaltz Has Completed His Talmud Translation. The Jewish Daily Forward, 8. März 2011, (englisch), abgerufen: 26. Mai 2011
  4. Schools in Israel. The Aleph Society, (englisch), abgerufen: 9. Juni 2011
  5. Sue Fishkoff: »Gigantische Aufgabe«. Nach 45 Jahren Arbeit beendet Rabbiner Adin Steinsaltz seine hebräische Talmud-Übersetzung. Jüdische Allgemeine, 11. November 2010, abgerufen: 27. Mai 2011
  6. Yeshivat Hesder Tekoa, (englisch), abgerufen: 9. Juni 2011
  7. Advanced Kollel. The Aleph Society, (englisch), abgerufen: 9. Juni 2011
  8. Nadav Shragai: Now that there's a Sanhedrin, who needs the Supreme Court? One year after a new assembly of Torah scholars was established, the esteemed Rabbi Adin Steinsaltz has become its president. Haaretz, 3. November 2005, (englisch), abgerufen: 9. Juni 2011
  9. Sue Fishkoff: Steinsaltz completes Talmud translation with Global Day of Jewish Learning. JTA 31. Oktober 2010, (englisch), abgerufen: 9. Juni 2011
  10. Found in Translation. Scholar Adin Steinsaltz discusses his recently completed edition of the Talmud, why the Internet is better than TV, and the prospect of the Lubavitcher Rebbe and Elvis playing cards together. Tablet Magazine, 19. Mai 2011, (englisch), abgerufen: 27. Mai 2011
  11. Rabbi Adin Steinsaltz. Der Spiegel, 11. April 1994, abgerufen: 26. Mai 2011
  12. Adin Steinsaltz: A question of sense and sensibility. The Washington Post, 26. Juli 2010 (englisch), abgerufen: 26. Mai 2011
  13. Crotona Verlag, 2011. ISBN 978-3-86191-019-0, abgerufen: 27. Mai 2011

Andere Wikis


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Adin Steinsaltz aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. Hauptautor des Artikels (siehe Autorenliste) war Michael Kühntopf. Weitere Artikel, an denen dieser Autor maßgeblich beteiligt war: 2.069 Artikel (davon 926 in Jewiki angelegt und 1.143 aus Wikipedia übernommen). Bitte beachten Sie die Hinweise auf der Seite Jewiki:Statistik.