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Abu Bakr al-Baghdadi

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Abu Bakr al-Baghdadi, 2004

Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri (arabisch ‏إبراهيم عواد إبراهيم البدري‎, DMG Ibrāhīm ʿAwād Ibrāhīm al-Badrī; Kunya Abu Bakr al-Baghdadi, ‏أبو بكر البغدادي‎ / Abū Bakr al-Baġdādī; * 1. Juli 1971[1] in Samarra, Irak) ist ein irakischer Terrorist und seit Mai 2010 Anführer der dschihadistisch-salafistischen Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Im Juni 2014 rief al-Baghdadi in der an-Nuri-Moschee in Mossul ein über weite Teile des Iraks und Syriens reichendes Kalifat aus und bezeichnet sich seitdem als „Kalif Ibrahim“ sowie „Führer der Gläubigen(Amīr al-Mu'minīn) und sieht sich mit dieser Erklärung selbst in der Nachfolge des Propheten Mohammed.[2][3][4][5][1]

Als Anführer des IS wird al-Baghdadi verantwortlich gemacht für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ethnische Säuberungen und Strafen wie Enthauptungen, Kreuzigungen, Ertränkungen und Verbrennungen bei lebendigem Leib.[6][7] Für die Ergreifung al-Baghdadis ist von der Regierung der Vereinigten Staaten eine Belohnung in Höhe von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt.[8][9][10]

Ob al-Baghdadi noch am Leben ist, ist nicht klar. Es gab bereits mehrfach Berichte über seinen Tod oder schwere Verwundung.

Leben

Herkunft

Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri stammt aus einer Bauernfamilie und ist der drittälteste von vier Söhnen. Für die vom IS behauptete Abstammung vom Stamm der Quraisch des Propheten Mohammed gibt es keine Belege. Einer seiner Brüder ist als Soldat in Saddam Husseins Armee gefallen. 1991 bestand al-Baghdadi das Abitur mit 481 von 600 möglichen Punkten. Aus „medizinischen Gründen“ wurde er nicht zum Wehrdienst eingezogen.[1]

Ausbildung

Zum Studium ging al-Baghdadi in die Hauptstadt Bagdad, wo er ab seinem 19. Lebensjahr für zehn Jahre in einem Zimmer, das zu einem privaten Moscheegebäude gehört, gelebt haben soll. Dies lag in dem von Sunniten und Schiiten bewohnten Stadtteil Tobtschi am westlichen Stadtrand von Bagdad. Ursprünglich hatte er sich für ein Jurastudium beworben, doch war sein Schulabschluss dafür nicht gut genug. Er studierte an der „Universität für Islamisches Recht“ anfangs in der Abteilung für Islamische Rechtsprechung und wechselte später zur Koranwissenschaft. 1999 schloss er sein Magisterstudium ab, danach soll er als Moscheeverwalter gearbeitet haben.

Nach der US-Invasion des Irak im Jahr 2003 schloss sich al-Baghdadi der sunnitischen Widerstandsgruppe Ansar as-Sunna an.[11] Im Februar 2004 wurde er verhaftet und bis Dezember 2004 im Camp Bucca der US-Streitkräfte im Irak interniert.[1] Zuvor befand sich al-Baghdadi im Gefängnis in Abu Graib mit der Gefangenennummer US9IZ-157911CI.[12]

Im März 2007 legte er seine Dissertation mit dem Titel „Die einzigartigen Perlen bei der Erläuterung des Schatibi-Gedichts“ vor. Am 14. März 2007 verteidigte er seine Arbeit. Er erhielt bei 82 von 100 Punkten die Note „sehr gut“. Die Universität behauptete gegenüber Reportern der Süddeutschen Zeitung und der ARD, dass seine Doktorarbeit unauffindbar sei, alle drei Ausgaben seien gestohlen worden.[13][1] Der Universitätsdirektor urteilte gegenüber Reportern 2015 über den Werdegang al-Baghdadis: „Er hatte bescheidene Noten, war ein ruhiger Student. Er ist nicht qualifiziert für eine Führungsposition, wie er sie jetzt beansprucht. Er hat den Koran studiert: dabei geht es in erster Linie darum, auswendig zu lernen, nicht um Analysen oder Interpretationen.“ Al-Baghdadi hingegen rechtfertigt den Terror seines „Islamischen Staates“ mit seiner theologischen Expertise – und sieht seine Taten als gottgegeben.[14]

Aufstieg zum Führer des IS

Camp Bucca wurde zum Wendepunkt in seinem Leben. Iraks Premierminister Haider al-Abadi berichtete, al-Baghdadi habe in diesem Gefängnis „eine Menge Training“ bekommen.[1] In dem Gefangenenlager wurden alte Saddam-Gefährten, Generäle und Geheimdienstler gemeinsam mit Islamisten interniert. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung wurde er von den US-Behörden als nicht länger gefährlich eingeschätzt.[15]

Im Mai 2010 wurde al-Baghdadi Nachfolger von ISIS-Führer Abu Abdullah ar-Raschid al-Baghdadi, der zusammen mit dem al-Qaida-Führer des Irak, Abu Ayyub al-Masri, bei Tikrit getötet wurde. Al-Baghdadi wurde zum Emir der Terrororganisation Islamischer Staat gewählt.[1] Seit dem 4. Oktober 2011 steht al-Baghdadi auf der Liste der meistgesuchten Terroristen, die vom Außenministerium der Vereinigten Staaten als Specially Designated Global Terrorist bezeichnet werden. Für Informationen, die zu seiner Gefangennahme oder seiner Verurteilung führen, wurde vom Ministerium eine Belohnung von zunächst 10 Millionen US-Dollar ausgesetzt.[16] Damit stand er an zweiter Stelle nach Aiman az-Zawahiri, für dessen Ergreifung 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt sind.[17] Am 16. Dezember 2016 wurde die Belohnung auf 25 Millionen Dollar erhöht.[18]

Am 9. April 2013 rief al-Baghdadi den „Islamischen Staat im Irak und der Levante“ (ISIL) aus und erklärte die Al-Nusra-Front zu einem Ableger des ISIS. Damit steht der IS in Konkurrenz zu al-Qaida und dessen Führer Aiman az-Zawahiri.[19] Am 21. Juli 2013 erfolgte unter Planung und Vorbereitung von al-Baghdadi einer der größten Gefängnisausbrüche im Irak. Im Abu-Graib-Gefängnis wurden 500 Gefangene befreit, die zuvor für al-Qaida gekämpft hatten und nun den ISIS militärisch verstärkten.[20]

Anführer des IS

Mit der Ausrufung seines selbst erklärten Kalifats am 29. Juni 2014 auf syrischem und irakischem Gebiet ist er, nach Ansicht seiner Anhänger, als „Kalif Ibrahim“ fortan Befehlshaber der Muslime und oberster Führer des Islamischen Staates.[21] Im Juli 2014 predigte er in der Großen Moschee des an-Nuri in Mossul, seinem ersten und bisher einzigen öffentlichen Auftritt, seither hat er sich nur per Audiobotschaft zu Wort gemeldet.

Am 10. Oktober 2015 bombardierte die irakische Luftwaffe einen Konvoi von IS-Kommandanten. Der Konvoi, ohne al-Bagdadi, war im irakischen Gouvernement al-Anbar nahe der syrischen Grenze unterwegs und er hatte an einem Treffen von IS-Kommandeuren teilnehmen wollen. Der Angriff erfolgte in Absprache zwischen dem irakischen Geheimdienst und der gemeinsamen Einsatzzentrale von Syrien, Russland, Iran und Irak in Bagdad zu der auch Mitarbeiter der US-geführten Anti-IS-Koalition gehörten.[22]

Nach einem Bericht der Jerusalem Post soll al-Baghdadi im Oktober die Deutsche Diane Kruger in der irakischen Provinz Ninawa geheiratet haben; Kruger habe die Frauenabteilung des IS sowie ein Ausbildungscamp für Frauen in Kirkuk geleitet und sei Anfang 2016 aus dem vom IS kontrollierten Teil des Irak geflohen. Al-Baghdadi habe eine Eingreiftruppe entsandt, die Kruger und ihre beiden Fluchthelferinnen festnehmen und zurückbringen sollte, Krugers Aufenthaltsort war mit Stand von Februar 2016 unbekannt.[23]

Am 9. Dezember 2015 berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars, al-Baghdadi habe sich aus Syrien abgesetzt. Er solle über die Türkei, wo er sich wegen schwerer Verletzungen einer medizinischen Behandlung unterzogen habe, nach Libyen geflohen sein und solle sich in der Stadt Sirte aufhalten.[24][25]

Am 3. November 2016 wurde erstmals seit Dezember 2015 eine Audiobotschaft al-Baghdadis veröffentlicht. Ob