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Ernst (Abraham) von Manstein

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AvrManstein2.jpg
Avraham von Manstein
Eines der Ölgemälde v. Mansteins (1941), es zeigt das von Rav Seligman Bär Bamberger gegründete jüdische orthodoxe Lehrerseminar von der Rückseite an der Bibrastrasse 6 aus

Baron Ernst (Albert Emil) von Manstein = Abraham (Ernst) Manstein (geb. 19. Mai 1869 = 8. Siwan 5629 in Domersleben; gest. 17. Januar 1944 = 21. Tewet 5704 in Würzburg[1]) konvertierte zum Judentum und war Onkel des Nazi-Generals von Manstein.[2] Der Ger Zedek Abraham von Manstein war Kunstmaler und Lehrer.

Leben

Baron Ernst von Manstein stammte aus einer bekannten preußischen Adelsfamilie. Er wurde in der (protestantischen) Familie des Steuerbeamten Otto von Manstein und seiner Ehefrau Karolina in Domersleben, Sachsen-Anhalt, geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in Strasbourg (Straßburg) kam er 1887(?) als Privatier nach Würzburg; 1889 Militärdienst als Musiker beim 9. Bayerischen Infanterieregiment Würzburg (9. königlich-bayerisches Infanterie-Regiment). Ernst von Manstein erhielt durch Freundschaften mit mehreren jüdischen Familien in Würzburg und besonders Heidingsfeld (Würzburg) Kenntnis vom Judentum und beschloss trotz Zurückweisung dieses Wunsches zu konvertieren (1892 Amsterdam, begleitet von Jonas Ansbacher, einem seiner religiösen Lehrer). Der staatlich geprüfte Zeichenlehrer arbeitete viele Jahre als Fachlehrer an höheren Schulen in Würzburg und an der Kunstabteilung der berufsbildenden Maxschule. Er war auch Fachlehrer für Zeichnen und Musik an der Isr. Präparandenschule Höchberg und letzter Vorsitzender der mit ihr verbundenen Lazarus-Ottensoser-Stiftung. 1930 wurde er, wie andere Lehrer der geschlossenen Höchberger Einrichtung, von der Isr. Lehrerbildungsanstalt ILBA in Würzburg übernommen, an der er, nach dem Entzug der anderen Lehrstellen durch das NS-Regime, vollzeitlich unterrichtete.[3]

Baron von Manstein befasste sich neben der künstlerischen Arbeit mit Naturstudien und widmete sich dem Obst- und Pflanzenanbau. Er führte mit seiner ebenfalls konvertierten Ehefrau Fanny (Fanny/Franziska Betzold, 1850-1941, begraben auf dem jüdischen Friedhof Würzburg) ein streng orthodoxes Leben. Ehrenamt: Vorstandsmitglied der ostjüd. geprägten kleinen Synagogengemeinde ("Mazzestube"); um 1930 Mitglied der Verwaltung der IKG Würzburg (Israelitische Kultusgemeinde). Verfolgungen durch das NS-Regime: Er versuchte vergeblich nach Palästina zu emigrieren (1939/40). Im März 1942 musste er in das für "privilegierte Juden" reservierte "Judenhaus" in der Domerschulstraße 25 ziehen. Ende 1942 durch die Gestapo erzwungener Austritt aus der Jüd. Gemeinde (?). Er wurde nach seinem Tod Anfang 1944 durch ein NS-Begräbnis im Hauptfriedhof Würzburg mit Hakenkreuzfahne und SA-Eskorte verhöhnt. (Nach anderer, fragwürdiger Darstellung, hatte sein Neffe General Erich von Manstein ein Ehrenbegräbnis veranlasst.) 1960 bewirkte die neu entstandene Isr. Kultusgemeinde für Würzburg und Unterfranken die Überführung in den Jüd. Friedhof Würzburg, wo seine sterblichen Überreste neben seiner Frau Fanny beigesetzt werden konnten.[4] Vgl. auch den hier abgebildeten Text der Grabinschrift:


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Hinweis

Informationen und Grundgerüst des Artikeltexts wurden zunächst folgender Website entnommen: Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken. Später hinzugezogen wurde u. a. eine Artikelserie zu Avraham Manstein, erschienen im Januar 2016 in der Jüdischen Zeitung.

Fussnoten

  1. nach anderer Darstellung im Lager Theresienstadt
  2. Den Nazis war dieser Umstand ein grosser Dorn im Auge. Nicht nur, dass jemand aus einem altdeutschen Adelsgeschlecht zum Judentum übergetreten war, dieser war zudem auch noch ein Verwandter ihres hochdekorierten Generalfeldmarschalls, der denselben Familiennamen trug! Diese Schande versuchten sie mit allen Mitteln auszulöschen. In seiner Gestapo-Akte findet sich ein umfangreicher Schriftverkehr, der davon Kenntnis gibt, dass man den deutschen Baron zu überreden versuchte, von seinen unverständlichen Ansichten, Lebenshaltung und Überzeugungen abzusehen. Man versprach ihm, ihm seine "deutsche Adelswürde" wieder zurückzugeben, wenn er sich vom Judentum lossagte. Er antwortete ihnen jedoch, dass ihn dieser Titel überhaupt nicht interessiere! Mit Verwunderung wird seine hartnäckige Verbundenheit mit dem unterdrückten Volk dokumentiert.
  3. bis zu deren Schliessung nach der Kristallnacht im November 1938
  4. Schon 1946 hatte Schimon Hannover, der letzte Würzburger Rabbiner, der inzwischen in die USA emigriert war, die Behörden um die Erlaubnis gebeten, eine Exhumierung zu gestatten, um den Baron seinem ausdrücklichen Wunsch entsprechend auf dem jüdischen Friedhof Würzburgs zu begraben.


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Siehe auch


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