Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzy­klo­pädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida

Abraham Grünbaum

Aus Jewiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abraham Grünbaum

Abraham Grünbaum (geboren 1930 in Tomaszów, Polen; ermordet am 7. Juni 2001 in Zürich) war ein israelischer Rabbiner und Leiter einer orthodoxen Jeschiwa in Israel. Er war ein Überlebender der Schoa. Sein gewaltsamer Tod in Zürich blieb unaufgeklärt.

Leben

Abraham Grünbaum überlebte die Schoa mit zweien seiner Brüder in einem Arbeitslager in Sibirien. Seine Eltern wurden in Polen ermordet. Nach einem Augenzeugenbericht war er nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Lager für Displaced Persons in Zeilsheim bei Frankfurt interniert, wo er anfing, den Talmud zu studieren. Dem Ruf eines Rabbiners folgend wanderte er 1952 über Frankreich nach Israel ein. In Bnei Brak studierte er an der Ponivez-Jeschiwa, einer berühmten orthodoxen Talmudschule.[1]

In Bnei Brak, einem Vorort von Tel Aviv, gründete er 1974 die Talmudschule Kollel Mordechai für Erwachsene, die er bis zu seinem Tod leitete und an der heute über 1000 Schüler eingeschrieben sind. Er flog mehrmals im Jahr nach Paris, Brüssel, Antwerpen oder Zürich, um für den Erhalt der Schule Geld zu sammeln. Religiöse Juden spendeten für seine Schule, für bedürftige Familien und den Bau neuer Betstuben.[1]

Gewaltsamer Tod

Bei einem Besuch in der Schweiz wurde Grünbaum am 7. Juni 2001 im Stadtteil Aussersihl in Zürich auf der Weberstrasse am Hallwylplatz gegen 22 Uhr auf dem Weg zum Abendgebet in der Synagoge der Gemeinde „Agudas Achim“ in Wiedikon mit zwei Schüssen aus nächster Nähe von einem Unbekannten niedergestreckt. Er starb trotz ärztlicher Hilfe 30 Minuten später.[2] Täter und Tatgründe konnten bis heute nicht ermittelt werden. Der Rabbiner war als solcher erkennbar, ein Raubmord wurde ausgeschlossen, da Grünbaum noch über 1000 Schweizer Franken und ein Flugticket bei sich trug.[1][3][4]

Sein Sohn Jakob Grünbaum ließ ihn nach Israel überführen und in Bnei Brak bestatten.[1]

Rezeption

Der unaufgeklärte Mord wurde in den Schweizer Medien immer wieder thematisiert,[5] so auch in der Serie Ungelöste Kriminalfälle des Schweizer Fernsehens von 2006. Nach Medienberichten und einer Anfrage im Deutschen Bundestag im Dezember 2017 stand der Verdacht im Raum, dass der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) für die Tat verantwortlich sein könnte.[6][7][8][9] Ein antisemitischer Hintergrund der Tat wird laut Olaf Sundermeyer vermutet.[4] Die Süddeutsche Zeitung schrieb nach Informationen von Presseagenturen: „Die schwerwiegendste antisemitische Gewalttat der Nachkriegszeit in der Schweiz war die Ermordung des 70-jährigen israelischen Rabbiners Abraham Grünbaum“.[10]

Am 7. Juni 2021, zwanzig Jahre nach der Tat, fand am Ort des Verbrechens, am Hallwylplatz in Zürich, eine Gedenkfeier für Rabbi Grünbaum statt, organisiert von Miklós Klaus Rózsa.[11] U. a. Stadtrat Richard Wolff, Regierungsrat Mario Fehr sowie Rabbiner Noam Hertig von der ICZ hielten eine Ansprache.

Dokumentation

  • Christa Ulli: Ungelöste Kriminalfälle. Folge 6: Der Rabbinermord von Zürich, Video in: SRF 1, 35 Minuten, teilweise Schweizerdeutsch. Erstausstrahlung 7. August 2006

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Naomi Bubis: Ein von der Aussenwelt abgeschirmter Kosmos, NZZ, 7. September 2001
  2. Rabbiner in Zürich erschossen. In: haGalil online vom 11. Juni 2001.
  3. David Nauer, Thomas Knellwolf: Zürcher Rabbi von deutschen Neonazis ermordet? In: Tages-Anzeiger vom 10. Dezember 2011.
  4. 4,0 4,1 Olaf Sundermeyer: Rechter Terror in Deutschland: Eine Geschichte der Gewalt, C.H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-63844-2, S. 235/236 (Google Books Ansicht)
  5. Einträge in Swissdox zu den Suchbegriffen "Abraham Grünbaum" (64) und "Abraham Greenbaum" (23), abgerufen am 17. Dezember 2011.
  6. Mord an Rabbi. Tötete die Zwickauer Zelle auch in Zürich? Spiegel, 13. Dezember 2011
  7. Ermittler verfolgen Neonazi-Spur in die Schweiz, Zeit Online, dpa, 13. Dezember 2011.
  8. Olaf Sundermeyer: Rabbinermord und S-Bahn-Bombe. Die Thüringer Zelle steht im Verdacht, auch gezielt antisemitische Anschläge begangen zu haben, Jüdische Allgemeine, 2. Januar 2012.
  9. Deutscher Bundestag, Drucksache 19/309, 21. Dezember 2017 (pdf)
  10. sueddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters: Feuer zerstört Genfer Synagoge, Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010.
  11. Mord ohne Zeugen. In: juedische-allgemeine.de. 3. Juni 2021, abgerufen am 4. Juni 2021: „Am 7. Juni, dem 20. Todestag von Rabbiner Grünbaum, findet am Tatort in Zürich eine Gedenkzeremonie statt.“
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Abraham Grünbaum aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.