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Abraham Frank (Rabbiner)

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Abraham Frank (geb. 22. Februar 1839[1] in Oud-Beyerland; gest. 11. November 1917 in Köln) war ein Rabbiner.

Leben

Abraham Frank war ein Sohn des Gelehrten Salomon Frank. Er besuchte die höhere Schule in Arnheim Seine weitere Ausbildung erhielt er ab 1858 am jüdischen theologischen Seminar und der Universität in Breslau sowie in Leipzig. 1863 promovierte er in Leipzig, ferner erwarb er mehrere Rabbinatszeugnisse. Das erste erhielt er am 28. Januar 1866, ein weiteres wurde von Moses Sachs in Komotau 1873 und ein drittes 1875 in Dresden von Wolf Landau ausgestellt.

Von 1867 bis 1872 war Frank in der jüdischen Gemeinde in Saaz tätig, wo er die Errichtung der am 19. März 1872 eingeweihten Synagoge vorantrieb. Danach wechselte er nach Linz in Österreich, wo sich erst seit 1861 wieder Juden niederlassen durften.

In Linz wurde während Abraham Franks Tätigkeit dort mit dem Bau der ersten Synagoge in Oberösterreich begonnen; sie wurde aber erst am 10. Mai 1877 eingeweiht, als Frank bereits in Salzburg arbeitete. Dort wurde er auch Matrikelführer der Salzburger Judenschaft und ab 1873 gehörte er auch dem Landesschulrat Oberösterreich an.[2]

Datei:Köln synagoge pano.jpg
Die Synagoge in der Kölner Roonstraße

Im Oktober 1875 wurde er zum Rabbiner in Köln gewählt. Dieses Amt trat er am 29. Januar 1876 an und behielt es bis zu seinem Tod bei. Frank versuchte eine Mittlerposition zwischen Orthodoxen und Reformern einzunehmen. Die Kölner Gemeinde zählte bei seinem Amtsantritt zwischen 3000 und 4000 Mitglieder; als Frank starb, waren es etwa 12.000 bis 15.000. In seine Amtszeit fällt die Einführung des Orgelspiels in jüdischen Gottesdiensten in Köln. 1899 weihte er die Synagoge Roonstraße und das jüdische Lehrlingsheim ein. Auch außerhalb Kölns wurde er zu vielen Einweihungen und Jubiläen geladen, etwa zur Einweihung der Synagogen in Hagen, Hörde und Dortmund.[2] Abraham Frank engagierte sich in vielen sozialen Organisationen. Unter anderem war er Mitglied im Kölner Gefängnisverein und kümmerte sich um die Unterstützung für entlassene Strafgefangene.

1876 war Abraham Frank einer der Delegierten, die an der Tagung der Alliance Israélite Universelle in Paris teilnahmen, um über die Unterstützung der Israeliten im Orient zu beraten. Einige Jahre später übernahm er die Funktion des Rabbiners Landsberg im Zentralkomitee der Alliance, zu deren aktivsten Mitgliedern er in Deutschland gehörte. Dafür wurde ihm eine Mose-Statue als Anerkennung übergeben. Frank war auch im Rheinisch-Westfälischen sowie im Allgemeinen Rabbiner-Verband Deutschlands aktiv.[2]

Frank war einer der Vorsitzenden des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland;[3] 1891 hatte er zusammen mit Max Bodenheimer den Verein für jüdische Geschichte und Literatur gegründet.[4]

Von 1875 bis 1906 erteilte Frank israelitischen Religionsunterricht am Kölner Gymnasium in der Kreuzgasse.[5]

Datei:Einweihung der Synagoge in Lechenich.jpg
Einweihung der Synagoge in Lechenich

Das Jüdische Museum in Berlin bewahrt eine Illustration von Jean Bungartz aus der Illustrirten Welt, die verschiedene Szenen der Einweihungsfeier der Synagoge in Lechenich darstellt. Unter anderem ist dort auch Abraham Frank porträtiert, der die Synagoge am 10. September 1886 einweihte.[6]

Abraham-Frank-Haus

Abraham Frank sammelte Geld, um ein israelitisches Waisenhaus bauen zu können. Die erste Vorsitzende der Waisenstiftung war Franks Gattin Therese, geborene Block. Das Waisenhaus wurde nach Plänen des Architekten Georg Falck[7] in der Aachener Straße 443 errichtet und 1910 eingeweiht. Es wurde nach seinem Initiator Abraham-Frank-Haus genannt.[2] Im Abraham-Frank-Haus wurden bis 1941 jüdische Waisenkinder betreut. Dann wurde es von SS-Leuten überfallen. Sämtliche Kinder und ihre Erzieher mussten in das jüdische Gemeindehaus in der Cäcilienstraße 18–22 ziehen. Von dort wurden sie am 20. Juli 1942[8] nach Minsk verschleppt und kamen in einem Konzentrationslager um. Das Haus wurde von der nationalsozialistischen „Volkswohlfahrt“ übernommen. Das Bauwerk existiert nicht mehr.[9] An dem Nachfolgebau befindet sich eine Gedenktafel.[10] Das Abraham-Frank-Haus war neben dem jüdischen Waisenhaus in Dinslaken die einzige Einrichtung dieser Art in der Rheinprovinz.[11] Seit 1924 war es von Therese Wallach (* 8. Mai 1895 in Linz; † Juli 1942 in Köln) geleitet worden.[8] Diese nahm sich vor der Deportation das Leben.[9] Ein Stolperstein in der Aachener Straße 443 erinnert an Therese Wallach.[12]

Einzelnachweise

  1. In Adolf Kobers Exemplar des Jüdischen Handbuchs ist der Druckfehler „1832“ in „1839“ korrigiert; die DNB nennt allerdings das Geburtsjahr 1838.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Adolf Kober, Abraham Frank - Köln, in: Jüdisches Jahrbuch für Hessen-Nassau und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine 1932/33. Ausgabe Frankfurt/Main, Wiesbaden, Berlin 1932, S. 17–22
  3. Die Saazer Rabbiner auf www.saaz-juden.de
  4. Ivonne Meybohm, David Wolffsohn. Aufsteiger, Grenzgänger, Mediator. Eine biographische Annäherung an die Geschichte der frühen Zionistischen Organisation (1897–1914), Vandenhoeck & Ruprecht 2012, ISBN 978-3-647-57028-0, S. 66, Anm. 100
  5. Nurith Schönfeld-Amar, 175 Jahre: Gymnasium Kreuzgasse, auf: schule.judentum.de
  6. Jean Bungartz, Holzstich aus Die Illustrierte Welt 9, 1886
  7. Israelitisches Waisenhaus in Braunsfeld, auf: www.bilderbuch-koeln.de
  8. 8,0 8,1 NS-Dokumentationszentrum (Historisches Archiv der Stadt Köln), Ich habe Köln doch so geliebt. Lebensgeschichten jüdischer Kölnerinnen und Kölner, Volksblatt Verlag 1993, S. 246
  9. 9,0 9,1 Wolfram Hagspiel, Köln und seine jüdischen Architekten, Bachem 2010, ISBN 978-3761622940, S. 121
  10. Das Abraham-Frank-Haus in Braunsfeld, auf: www.gbg-koeln.de
  11. Bruno Fischer, Ruhrgebiet 1933-1945. Der historische Reiseführer, Ch. Links Verlag 2009, ISBN 978-3861535522, S. 13
  12. Stolperstein für Therese Wallach auf www.denktag.de


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