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Abraham Melzer

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Abraham Melzer (* 1945 in Samarkand) ist ein deutsch-jüdischer Verleger, Buchautor, Übersetzer und Herausgeber der Internet-Zeitschrift Der Semit. Er ist der Sohn des Verlegers Joseph Melzer.

Leben und verlegerisches Wirken

Abraham (Abi) Melzer wurde in Samarkand, Usbekistan geboren, wohin seine Eltern vor der nationalsozialistischen Verfolgung als Juden geflohen waren. Im Jahre 1948 gelang der Familie die Weiterreise nach Israel. Dort besuchte er die Grundschule. Nachdem seine Familie im Jahre 1958 nach Deutschland zurückgekehrt war, setzte er in Köln und Düsseldorf seine Ausbildung fort. Nach einer Verlagslehre im Werner Verlag, Düsseldorf, und Mitarbeit im Verlag Bärmeier & Nikel, Frankfurt, kehrte er 1968 zur Ableistung seines Wehrdienstes zeitweilig nach Israel zurück. 1970 trat er in den Verlag seines Vaters ein. Im Jahre 1988 gründete er den Abi Melzer Verlag, im gleichen Jahr die Zeitschrift Semit, die seit 2013 als online-Zeitschrift bzw. Blog der-semit.de fortgeführt wird. Im Jahre 2001 kam es zur Neugründung des Melzer Verlages mit jüdischen und israelischen Themen, im Jahre 2016 zur Gründung des Cosmics Verlages.

Israelkritik und Antisemitismusvorwürfe

Melzer hat seinen politischen Weg als einen vom Zionisten, über den Nichtzionisten zum Anti-Zionisten beschrieben [1]. Gemeinsam mit Henryk Broder hat er schon während seiner Ausbildungszeit die Zeitschrift KONTAKTE für deutsch-jüdische Freundschaft publiziert. Mit der Zeit entwickelte Melzer sich zu einem Kritiker der Besatzungs- und Siedlungspolitik des Staates Israel und begann Bücher israelkritischer Autoren (Ted Honderich, Hajo Meyer etc.) in seinem Verlag zu veröffentlichen.

Melzer gegen Broder

Sein früherer Freund und nunmehr erbitterter Gegner, Henryk Broder schrieb dazu, Melzer habe eine Lücke entdeckt, die er „fleißig mit braunem Dreck füllt“. Das LG Frankfurt hat Broder diese Äußerung untersagt, ebenso die Behauptung, Melzer und Meyer seien „Kapazitäten für angewandte Judeophobie“. Lediglich die Formulierung „Wie zwei Juden für die Leipziger den Adolf machen“ ließ das Gericht als zulässige Meinungsäußerung gelten (FAZ über LG Frankfurt 21.01.2006). Das OLG Frankfurt hat am 08.11.2007, auf Berufung von Broder, nur die Untersagung der „braune Dreck“-Formulierung aufrechterhalten. Alles Andere sei von der Meinungsfreiheit gedeckt, welche auch ausfällige, überzogene und herabsetzende Äußerungen umfasse; dies gelte insbesondere bei einer „freiwillig erfolgten Beteiligung an einem provokant geführten Meinungsstreit“[1].

München 2016

Am 23. September 2016 sollte Abi Melzer in Zusammenarbeit mit dem Verein „Salam Shalom Arbeitskreis Palästina-Israel e.V.“ im Münchener Eine-Welt-Haus einen Vortrag mit dem Titel „Antisemitismus heute“ halten. Das Eine-Welt-Haus zog die Raumzusage nach einer Intervention des Münchner Kulturreferenten Küppers zurück, für den es nahe lag, „dass in der Veranstaltung die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus überschritten wird“. Auch Stadtrat Dominik Krause von den Grünen verurteilte die Veranstaltung und verwies darauf, dass im Flugblatt für die Veranstaltung explizit die Rede von „ethnischen Säuberungen“ durch Israel sei und palästinensischer Terror gerechtfertigt werde.[2]

Im Kontext der Suche nach Ersatzräumen im Haus des katholischen Vereins KKV intervenierte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, mit einer Mail, in der es hieß, der Hauptreferent Abi Melzer sei „für seine antisemitischen Äußerungen regelrecht berüchtigt.“ Auf Antrag von Melzer untersagte das LG München Frau Knobloch diese Behauptung „bei Meidung eines Ordnungsgeldes bis zu € 250.000,—, ersatzweise. Ordnungshaft, oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten für jeden Fall der Zuwiderhandlung“(Urteil des LG München vom 21.11.2016 - 25 0 17754/16). Das Gericht verbot Knobloch die Formulierung „berüchtigt“, erkannte aber an, sie habe drei Aussagen von Melzer benannt, die sie laut Gericht als antisemitisch beurteilen durfte.[3]

Vortrag in Bremen

Zusammenfassend hat Melzer sich zu diesen Fragen in einem Vortrag mit dem Titel „Antisemitismus Hysterie in Deutschland“ geäußert, den er am 21. Januar 2017 im Gästehaus der Universität Bremen hielt (Bericht auf der Webpage des Nahost Forum). Er geht dabei eingehend auf die "Behinderung von Kritikern der israelischen Besatzungspolitik" (etwa durch Kündigung ihrer Konten) und die "Verhinderung besatzungskritischer Veranstaltungen" ein ([4]).

Verbot eines Vortrags in Frankfurt

Melzer wollte am 13.10.2017 im Saalbau Gallus in Frankfurt eine Lesung seines Buches Die Antisemitenmacher durchführen. Die Saalbau Betriebsgesellschaft Frankfurt hatte den Mietvertrag jedoch storniert. Die Vermieterin bezog sich dabei auf einen im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtparlaments gefällten Beschluss, Antisemitismus keinen Raum zu geben und im Speziellen der Israel-Boykott-Bewegung BDS keine Räume mehr vermieten zu wollen. [5] Der Vortrag konnte an einem anderen Ort stattfinden ([6]).

Buch-Veröffentlichungen

  • Deutsche und Juden – ein unlösbares Problem. 1966
  • Israel vor Gericht. Essays eines antizionistischen Juden. Zambon, Frankfurt, 2015
  • Die Antisemitenmacher. Deutschland, Israel und die neue Rechte; auch unter dem Titel Die Antisemitenmacher: Wie die neue Rechte Kritik an der Politik Israels verhindert. Westend, Frankfurt/Main, 2017

Herausgeber/Verleger (Auswahl)

  • Melzers Comic-Reader. Melzer, Darmstadt, 1975.
  • Ted Honderich: Nach dem Terror. Melzer, Neu-Isenburg, 2003.
  • Das Beste aus Semit, das jüdische Magazin. Melzer, Neu-Isenburg, 2004.
  • Hajo Meyer: Das Ende des Judentums. Der Verfall der israelischen Gesellschaft. Melzer, Neu-Isenburg, 2005.
  • Uri Avnery: Judenstaat oder Israel. Plädoyer für eine „Semitische Union“. Melzer, Neu-Isenburg, 2009
  • Ted Honderich: Humanität und Terrorismus. Palästine, 9/11, Irak, 7/7. Melzer, Neu-Isenburg, 2010.
  • Martin Buber: Politische Schriften. Zweitausendeins, Frankfurt/Main, 2010
  • Bericht der Untersuchungskommission der Vereinten Nationen über den Gaza Konflikt („Goldstone Report“). Melzer, Neu-Isenburg, 2010
  • Diana Carminati, Alfredo Tradardi: Israel-Boycott: ein gewaltfreies Vorgehen. Zambon, Frankfurt/Main, 2011
  • Ilan Pappe: Was ist los mit Israel: Die zehn Hauptmythen des Zionismus. Cosmics, Neu-Isenburg, 2017

Einzelnachweise

  1. OLG Frankfurt auf JURIS
  2. Felix Müller: Antisemitismus-Vorwurf: Stadt verbietet linke Veranstaltung im Eine-Welt-Haus. www.merkur.de, 22. September 2016, abgerufen am 6. Januar 2018.
  3. Jakob Wetzel: Knobloch verliert vor Gericht. www.sueddeutsche.de, 30. November 2016, abgerufen am 6. Januar 2018.
  4. Video des Vortrages auf YouTube
  5. Frankfurter Rundschau: Antisemitismus-Vorwurf in Frankfurt: Abraham Melzer darf nicht lesen. In: Frankfurter Rundschau. (http://www.fr.de/frankfurt/antisemitismus-vorwurf-in-frankfurt-abraham-melzer-darf-nicht-lesen-a-1363262).
  6. vgl. Johannes Feest, Israelkritik und Antisemitismus, in: VORGÄNGE Heft 220 (2018)


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