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Abdel-Hakim Ourghi

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Abdel-Hakim Ourghi (* 1968 in Tlemcen, Algerien) ist ein deutsch-algerischer Islamwissenschaftler. Seit 2011 leitet er den Fachbereich Islamische Theologie/Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

Leben

Ourghi wurde 1968 in der Stadt Tlemcen[1] in Westalgerien geboren und legte dort 1987 das Abitur ab. 1991 erlangte er die Licence in Philosophie an der Senia-Universität Oran. 2006 wurde er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit der islamwissenschaftlichen Dissertation Die Reformbewegung in der neuzeitlichen Ibāḍīya: Leben, Werk und Wirken von Muḥammad b. Yūsuf Aṭfaiyaš, 1236-1332 h.q. (1821-1914) promoviert. Seit 2009 verfolgt er ein Habilitationsvorhaben unter dem Arbeitstitel Der Dialog zwischen Gott und dem Teufel: Eine entmythologisierende Hermeneutik.

Seit 2011 leitet er den Fachbereich Islamische Theologie/Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind islamische Theologie, Koran-Forschung, das sunnitische Fatwawesen sowie die Ibaditen in Nordafrika. Sein Buch über das Leben und Wirken des ibaditischen Reformers Muḥammad b. Yūsuf Aṭfaiyaš gilt als Standardwerk.[2]

Abdel-Hakim Ourghi gehört zu den Erstunterzeichnern der Freiburger Deklaration säkularer Muslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz[3].

Positionen

Ourghi plädiert unter anderem für eine Auslegung des Korantextes mit Bezug zur heutigen Lebenswelt, Freitagspredigten in deutscher Sprache, einen Stopp des Imports ausländischer Imame sowie eine Kontrolle ausländischer Finanzierung von Moscheevereinen, Stiftungen und Dachverbänden.[1] Ourghi fordert nicht nur eine historisch-kritische Lesart des Korans, sondern folgt insbesondere der Koran-Interpretation von Mahmud Muhammad Taha: Dabei werden die mekkanischen Suren des Koran grundsätzlich anders bewertet als die medinensischen. Ourghi[4]:

Diese Forderung stammt ursprünglich von Mahmud Taha, einem sudanesischen Gelehrten, der 1985 hingerichtet worden ist, weil er in seinem Buch mit dem Titel «Die zweite Botschaft» die unterschiedliche Wertung dieser beiden Teile des Korans gefordert hat. Seines Erachtens gilt nur der in Mekka offenbarte Koran (610–622) als zeitlos, weil er universal sinnstiftende Lehren im ethischen Sinne enthalte. Dagegen habe Muhammad als Staatsmann einer irdischen Gemeinde in Medina (622–632) situationsbedingte Koranstellen verkündet, die in ihrem historischen Wirkungskontext zu begreifen seien.

Kontroversen

Im Januar 2014 erhob Ourghi Plagiatsvorwürfe gegen Mouhanad Khorchide bezüglich dessen Buch Islam ist Barmherzigkeit.[5] Ourghis Vorgehen dabei wurde von Hermann Horstkotte und Ruben Karschnick in der Zeit[6] sowie von Jörg Imran Schröter in der Islamischen Zeitung kritisiert.[7]

Im August 2016 warf Ourghi dem DITIB-Funktionär Murat Kayman vor, dieser hätte ihn auf seinem Blog als Abtrünnigen diffamiert, was einem Mordaufruf gegen ihn gleichkomme.[8][9]

In der Frankfurter Rundschau nannte der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza die exegetische Methode Ourghis unausgereift, da die Ausklammerung der medinensischen Wirkzeit Muhammads dramatische Folgen für Ritus und Ethik des Islam habe. Die Gebetsrichtung nach Mekka sei in Medina bestimmt worden, ebenso stammen das Fastengebot im Monat Ramadan, die Almosensteuer und der Pilgerfahrtritus aus der Zeit in Medina. Mit seinen unreflektierten Vorschlägen würde Ourghi mit einem Male drei der fünf Säulen des islamischen Ritus einreißen. Auch sei die saubere Aufteilung in mekkanische und medinensische Suren gar nicht möglich. Viele der Suren seien ein Konglomerat, bestehend aus mekkanischen und medinensischen Versen. Bei anderen Suren sei unklar, ob sie in Mekka oder Medina offenbart wurden.[10]

Weblinks

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Abdel-Hakim Ourghi im Gespräch: «Dieser Islam gehört nicht zu Deutschland!». Neue Zürcher Zeitung, 25. August 2016.
  2. Thomas Schmidinger: Buchbesprechung - Abdel-Hakim Ourghi: Die Reformbewegung in der neuzeitlichen Ibāḍīya. Leben und Wirken von Muḥammad b. Yūsuf Aṭfaiyaš In: Der Islam (de Gruyter), Bd. 87, 2011, S. 274-276
  3. Vgl. Deklaration säkularer Muslime: "Den Islam aus dem siebten Jahrhundert gibt es nicht mehr", Zeit-Online, 22. Sept. 2016
  4. Beat Stauffer: Abdel-Hakim Ourghi im Gespräch - «Dieser Islam gehört nicht zu Deutschland!» Neue Zürcher Zeitung 25. August 2016
  5. iran German Radio vom 8 Januar 2014: Plagiatsvorwürfe gegen Islam-Theologen
  6. Hermann Horstkotte, Ruben Karschnick: Islam-Studien in Münster: Khorchide im Schwitzkasten. In: Die Zeit. Hamburg 2014-01-10, ISSN 0044-2070 (http://www.zeit.de/studium/hochschule/2014-01/khorchide-muenster-islamische-theologie-kritik).
  7. Debatte zum islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen: Replik auf den Ourghi-Artikel in der FAZ vom 09. Oktober 2014 von Dr. des. Jörg Imran Schröter (M.A.). Abgerufen am 29. August 2016 (de-DE).
  8. FOCUS Online: Islamkritischer Forscher behauptet: Ditib-Mann „ermuntert zu meiner Ermordung“. Abgerufen am 23. August 2016.
  9. Thomas Thiel: Islamdebatte: Koordinator des Moscheenverbands diffamiert Kritiker. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2016-08-16 ISSN 0174-4909 (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ditib-koordinator-murat-kayman-diffamiert-kritiker-14389211.html).
  10. Muhammad Sameer Murtaza: Im Würgegriff der extremistischen Gruppen. In: fr-online.de. (http://www.fr.de/kultur/islam-was-ist-ein-liberaler-islam-a-303913).


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