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Abba der Bader

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Abba der Bader (Abba Umana, Abba Umna etc.), Figur aus dem Talmud.

Im Babylonischen Talmud (Taanit 21 b und 22 a) wird die Geschichte erzählt, wie Abba der Bader einmal auf die Probe gestellt wurde. Beim Frömmigkeitstest, den er zu bestehen hatte, ging es um die gerechte Beurteilung von Mitmenschen. Zwei Jünger kamen zu Abba, um ihn zu prüfen. Er bewirtete sie, und nachts bereitete er ihnen ein Lager. Am folgenden Morgen nahmen sie die Matratzen und brachten sie auf den Markt zum Verkauf. Als sie Abba dort sahen, fragten sie ihn, was diese Matratzen wohl wert seien. Er erwiderte: Für so und so viel habe ich meine Matratzen gekauft. Darauf sprachen die beiden Jünger: Es sind deine Matratzen, wir haben sie dir entwendet. Sag uns doch bitte, wessen du uns verdächtigt hast? Abba erwiderte: Ich dachte, die Rabbanan brauchten Lösegeld für Gefangene und wagten nicht, es von mir zu verlangen. Sie erwiderten: So nehme nun der Meister die Matratzen zurück, wir bringen sie dir. Er weigerte sich jedoch, da er sie bereits für wohltätige Zwecke preisgegeben hatte.

So weit die Geschichte. Man darf aus ihr nicht den Schluss ziehen, dass man für einen guten Zweck stehlen darf. Diebstahl ist streng verboten. Der Erzählung ist aber zu entnehmen, dass ein frommer Mann bereit war, das Verhalten von Tora-Jüngern umzudeuten, um diese nicht als undankbare Diebe beurteilen zu müssen. Aus der Tora ist geboten, "seinen Nächsten mit Gerechtigkeit zu richten" (3. Buch Mose 19,15).

Abba der Bader lehrt auch den richtigen Umgang mit Neidgefühlen. Dass sogar bedeutende Toralehrer wie Abaje und Raba bei einem Vergleich mit anderen neidisch werden können, zeigt eine weitere talmudische Geschichte vom Wundarzt Abba: »Er erhielt täglich einen Gruß vom himmlischen Kollegium, Abaje hingegen erhielt einen an jedem Vorabend des Schabbats, und Raba erhielt einen an jedem Vorabend des Versöhnungstages. Als sich nun Abaje grämte, weil der Bader Abba häufiger Grüße erhielt, wurde ihm gesagt: Dessen Taten kannst du nicht vollbringen« (Taanit 21b).

Der Talmud erläutert, worin die verdienstvollen Taten Abba Umnas bestanden: »Beim Aderlassen ließ er Männer und Frauen voneinander getrennt sitzen. Wenn eine Frau zu ihm kam, ließ er sie ein besonderes Gewand anlegen, um ihre Intimsphäre zu schützen. Außerdem ließ er die Honorarzahlungen an einem verborgenen Ort deponieren. Wer Geld hatte, legte dort etwas hin – wer keines hatte, brauchte sich nicht zu schämen. Wenn ein Gelehrtenjünger zu ihm kam, verlangte er überhaupt kein Honorar, sondern drückte ihm ein paar Münzen in die Hand und sagte: Geh und stärke dich!«

Der Talmud berichtet, dass sich auch Raba grämte – wegen der häufigeren Grüße an Abaje. Warum erhielt sein Kollege jede Woche einen Gruß vom himmlischen Kollegium und er nur einmal im Jahr? In einem Traum wurde Raba mitgeteilt: »Es sei dir zur Genugtuung, dass du durch deine Verdienste die ganze Stadt beschützest« (Taanit 22a).

Jeder Mensch hat eine Besonderheit, die ihn auszeichnet. Die Belohnungen miteinander zu vergleichen, ist daher nicht angebracht. Das himmlische Kollegium weiß sowohl die Leistungen großer Toralehrer zu schätzen als auch die Arbeit eines frommen Wundarztes.

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