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Aron Tänzer

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Aaron Tänzer im Jahre 1907
Aron Tänzer als Feldrabbiner im Ersten Weltkrieg (1917)

Aron Tänzer (auch Aaron Tänzer oder Arnold Tänzer; geb. 30. Januar 1871 in Preßburg; gest. 26. Februar 1937 in Göppingen) war Rabbiner und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen.

Leben

Der Vater von Aron Tänzer war Rabbiner und die Mutter arbeitete als Weißnäherin für die Preßburger Judenschaft. Im Alter von 21 Jahren immatrikulierte sich Aron Tänzer an der Universität in Berlin. Er studierte Philosophie, Germanistik und semitische Philologie. Nachdem er 1895 promoviert wurde, bemühte sich Aron Tänzer um eine Anstellung als Rabbiner. Im Oktober 1896 bewarb er sich mit Erfolg auf die freie Rabbinerstelle in Hohenems.

Zur Jüdischen Kultusgemeinde Hohenems gehörten auch die in den anderen Gemeinden Vorarlbergs und in Tirol lebenden Juden. Seine umfassende geistesgeschichtliche Ausbildung brachte er sowohl in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen als auch im Bereich der Erwachsenenbildung zur Anwendung. So hielt er etwa für den „Bildungsclub Hohenems“ des Öfteren Vorträge über Literatur und Geschichte. 1905 veröffentlichte er die heute noch als Standardwerk geltende Geschichte der Juden in Hohenems. Seine Geisteshaltung war geprägt von liberalen Ideen und kultureller Offenheit.

Von 1905 bis 1907 war Aron Tänzer Rabbiner in Meran und wurde er ab dem 1. September 1907 Rabbiner in Göppingen. Diese Funktion, in der er für das Bezirksrabbinat zuständig war, hatte er bis zu seinem Tod 1937 inne. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte sich Aron Tänzer freiwillig zum Einsatz als Feldrabbiner gemeldet. Drei Jahre diente er an der Ostfront. Aron Tänzer betreute seelsorgerisch die Soldaten, half im Lazarett und richtete für die notleidende Bevölkerung Volksküchen ein. Für seinen Einsatz im Felde wurde Aron Tänzer mit mehreren Orden ausgezeichnet.

Aron Tänzer legte seit 1909 den Grundstock für eine Volksbibliothek, der späteren Stadtbibliothek in Göppingen. Seit 1921 war er Ehrenmitglied des Göppinger Veteranen- und Militärvereins „Kampfgemeinschaft“. An Tänzer erinnert in Göppingen das Rabbiner-Tänzer-Haus (Freihofstraße 46), das frühere Rabbinatsgebäude.

Nachkommen

Aron Tänzer starb am 26. Februar 1937, von seinem Tod wurde zeitbedingt öffentlich keine Notiz genommen. In der Presse erschien kein Nachruf und keine Todesanzeige. Tänzer war in erster Ehe mit Rosa geb. Handler verheiratet, die 1912 starb. In zweiter Ehe war er seit August 1913 mit Berta geborene Strauß (* 1876) verheiratet. Tänzer hinterließ seine Frau Berta und sechs erwachsene Kinder. Die Witwe Tänzers wurde 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 25. September 1943[1]starb. Die schon erwachsenen Kinder lebten beim Tod des Vaters nicht mehr im elterlichen Haus: Fritz war Kaufmann in Tel Aviv, Irene lebte in Budapest, Hugo arbeitete als Kaufmann in Wien und Ilse wohnte in London. Paul war Rechtsanwalt in Stuttgart und Erwin studierte noch in Berlin. Sie haben die Verfolgungen des Nationalsozialismus überlebt.

Auszeichnungen[2]

Werke (Auswahl)

  • Die Mischehe in Religion, Geschichte und Statistik der Juden, Lamm, Berlin 1913
  • Brest-Litowsk: Ein Wahrzeichen russischer Kultur im Weltkriege, H. Hillger, Berlin 1917
  • Die Geschichte der Juden in Brest-Litowsk, Lamm, Berlin 1918
  • Die Geschichte der Juden in Hohenems. Unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von F. W. Ellmenreich's Verlag, Meran 1905. Verlagsbuchhandlung H. Lingenhöle & Co., Bregenz 1982
  • Die Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen. Nachdruck der Ausgabe 1927. Konrad, Weißenhorn 1988, ISBN 3-87437-274-X (Veröffentlichung des Stadtarchivs Göppingen. Band 23)
  • Die Geschichte der Juden in Württemberg, J. Kauffmann, Frankfurt am Main 1937

Literatur

  • Doris Kühner: Der Rabbiner Dr. Aron Tänzer und die jüdische Gemeinde in Göppingen. Zulassungsarbeit zur Ersten Dienstprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen an der PH Schwäbisch Gmünd, Schwäbisch Gmünd 1981 (beim Staatsarchiv Ludwigsburg: EL 251 II Bü 1130) [nicht ausgewertet]
  • Karl Heinz Burmeister (Hrsg.): Rabbiner Dr. Aron Tänzer. Gelehrter und Menschenfreund. 1871−1937, Fink, Bregenz 1987 (Schriften des Vorarlberger Landesarchivs Nr. 3) (Online-Ausgabe)
  • Karl-Heinz Rueß: Rabbiner Dr. Aron Tänzer: Stationen seines Lebens. Stadt Göppingen, Göppingen 2003, ISBN 3-933844-43-6 [nicht ausgewertet]

Weblinks

 Commons: Aron Tänzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bundesarchiv: Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 (abgerufen am 28. Januar 2012)
  2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt vom 29. Dezember 1916


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