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A. R. Penck

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Mickey Spilane ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für den amerikanischen Schriftsteller siehe Mickey Spillane, zu anderen Personen siehe Mickey Spillane (Begriffsklärung).
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Future of the soldiers (1995) – Bronzeplastik von A. R. Penck vor dem Kunstmuseum Bonn (2011 entfernt)

A. R. Penck (* 5. Oktober 1939 in Dresden; † 2. Mai 2017 in Zürich), eigentlich Ralf Winkler (Pseudonyme waren Mike Hammer, T.M., Mickey Spilane, Theodor Marx, a.Y. oder Y), war ein deutscher Maler, Grafiker und Bildhauer und Jazzmusiker.

Leben

Winkler nahm von 1953 bis 1954 Mal- und Zeichenunterricht bei Jürgen Böttcher (Künstlername Strawalde) und wurde Mitglied der Künstlergruppe Erste Phalanx Nedserd. Die Gruppe strebte künstlerisches Arbeiten ohne Kompromisse an. Aus diesem Grund blieb den Mitgliedern der Künstlergruppe ein Akademiestudium verwehrt:[1] Ab 1956 bewarb er sich viermal erfolglos an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und an der Hochschule für Bildende und Angewandte Künste Berlin (Ost). Den Mitgliedern der Künstlergruppe blieb auch die Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR verwehrt. Sie mussten sich deshalb den Lebensunterhalt als Arbeiter oder Handwerker verdienen. 1955 bis 1956 war Winkler als Zeichner bei der DEWAG in der Lehre. Nach Abbruch der Lehre arbeitete er als Heizer, Nachtwächter, Briefträger und Kleindarsteller unter anderem im Film Jahrgang 45 von Jürgen Böttcher, der ihn bereits 1961 in seinen verbotenen Kurzdokumentarfilm Drei von vielen aufgenommen hatte.

Im Jahr 1966 wurde Winkler Kandidat des Verbandes bildender Künstler, nun unter dem Pseudonym A. R. Penck, das nach dem Geologen und Eiszeitforscher Albrecht Penck gewählt wurde. Seit 1969 bekam er zunehmend Probleme mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR: Pencks Bilder wurden beschlagnahmt, seine Mitgliedschaft im „Verband Bildender Künstler der DDR“ (VBK) wurde abgelehnt.

Winkler schloss sich 1971 der Künstlergruppe Lücke an. Ab 1973 arbeitete er unter dem Pseudonym Mike Hammer und T.M. (auch zusammengezogen: TM). Nach dem Militärdienst 1974 und vor allem der Verleihung des Will-Grohmann-Preises 1975 durch die Akademie der Künste in West-Berlin nahmen auch die Kontrollen der Staatssicherheit zu. 1976 begegnete Penck dem westdeutschen Malerkollegen Jörg Immendorff, mit dem er in den folgenden Jahren zusammenarbeitete. In ihren Arbeiten setzten sie sich sowohl für die Abschaffung der deutsch-deutschen Grenze als auch für Dissidenten ein, unter ihnen Rudolf Bahro und Robert Havemann.[2] Ab 1977 beschlagnahmte der Zoll die Gemälde Winklers – der ab 1976 auch mit Y signierte.

Im Mai 1979 wurden bei einem Einbruch in das Atelier Winklers verschiedene Arbeiten und Aufzeichnungen vernichtet. Am 3. August 1980 wurde er ausgebürgert und siedelte in den Westen über. Er lebte zunächst in Kerpen bei Köln. 1981 verlieh ihm die Goethe-Stiftung in Basel den Rembrandt-Preis. 1983 zog Winkler nach London um und bekam 1985 den Kunstpreis Aachen verliehen. 1984 war er auf der Ausstellung „Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf“ vertreten. 1988 nahm er teil an der Ausstellung Made in Cologne, im selben Jahr wurde er als Professor für Malerei an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2003 lebte und arbeitete Winkler in Dublin, Irland.[3]

Werk

In seinen Bildern bediente er sich Strichmännchen und grafischer Bildzeichen, die an Höhlenmalerei, asiatische Kalligrafie und Graffiti erinnern. In den 1970er Jahren entstanden so seine Standart-Bilder. Unter diesem Begriff verstand Penck eine Kunstrichtung, die so einfache, archaische Bildzeichen verwendet, dass jeder Betrachter die entstehenden Bilder zu durchdringen vermag – wie etwa Verkehrsschilder oder Warenzeichen. 1995 wurde in Dresden auf dem Dach des art’otel seine 2,5 Tonnen schwere Bronzeplastik Standart T (x) aufgestellt, die 6,4 Meter hoch ist.[4]

Penck war Teilnehmer der Documenta 5 in Kassel im Jahr 1972 in der Abteilung Individuelle Mythologien und auch auf der Documenta 7 (1982) und der Documenta IX im Jahr 1992 als Künstler vertreten. Für die Documenta 6 (1977) waren Bilder von ihm vorgesehen, deren Ausstellung durch Einwirken eines Inoffiziellen Mitarbeiters der Staatssicherheit der DDR auf einen hessischen Parlamentarier verhindert wurde.[5]

Penck wurde in den 1980er Jahren zu den „Neuen Wilden“ gezählt. In dieser Zeit trat er auch als Schlagzeuger bzw. Keyboarder in der Gruppe Triple Trip Touch (aka T.T.T. oder TTT) auf, die er gemeinsam mit Frank Wollny gegründet hatte – häufige gemeinsame Auftritte mit Frank Wright, Frank Lowe, Jeanne Lee, Alan Silva, Peter Kowald, Helge Leiberg, Clarence Sharpe oder Louis Moholo folgten.

Für das französische Weingut Château Siran, eines der neun Weingüter der Klassifizierung Crus Bourgeois Exceptionnels, gestaltete er das Etikett für den Weinjahrgang 1989, das Jahr, in dem die Berliner Mauer fiel. 1991 gestaltete er für BMW einen BMW Z1 als BMW Art Car.

Am 12. November 2005 wurde die Skulptur Die himmlischen Stürzer (ein fünfteiliges Marmor-Ensemble), die Penck in Zusammenarbeit mit Frank Breidenbruch erschaffen hatte und deren Wert vermutlich mehrere hunderttausend Euro betrug, durch die Geisterfahrt eines fahrerlosen Baggers beschädigt. Die Skulptur war uam 13. November 1996 in Wuppertal eingeweiht worden.

Penck war nie allein auf Malerei fixiert. Er verfasste Gedichte, Essays und theoretische Texte. Auch als Jazzmusiker (Gesang, Schlagzeug, Kontrabass, Gitarre, Flöte und Klavier) trat er auf und veröffentlichte Tonträger,[6] die er mit eigenen Covermotiven versah.

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

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A. R. Penck: Die himmlischen Stürzer in Wuppertal

Literatur und Quellen

  • Ingrid Pfeiffer, A. R. Penck, Isabelle Graw, Harald Kunde, Kewin Power, Pirkko Rathgeber, Jürgen Schweinebraden: A. R. Penck: Werke 1961–2001. Deutsch / Englisch. Richter, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-937572-68-0.
  • Ausstellungskatalog: documenta 5. Befragung der Realität, Bildwelten heute. Katalog als Aktenordner, Band 1: Material; Band 2: Exponatliste; 30. Juni – 8. Oktober 1972, Neue Galerie, Schöne Aussicht, Museum Fridericianum, Friedrichsplatz. Documenta, Kassel 1972, ISBN 3-570-02856-9.
  • documenta Archiv (Hrsg.); Wiedervorlage d5 – Eine Befragung des Archivs zur documenta 1972. Kassel/Ostfildern 2001, ISBN 3-7757-1121-X.
  • Katalog zur documenta 6: Band 1: Malerei, Plastik/Environment, Performance; Band 2: Fotografie, Film, Video; Band 3: Handzeichnungen, Utopisches Design, Bücher. Kassel 1977, ISBN 3-920453-00-X.
  • Katalog: documenta 7 Kassel. Band 1: Visuelle Biographien der Künstler; Band 2: Aktuelle Arbeiten der Künstler. Weber und Weidemeyer, Kassel 1982, ISBN 3-920453-02-6.
  • Documenta IX: Kassel, 13. Juni – 20. September 1992, Katalog in drei Bänden. Edition Cantz, Stuttgart 1992, ISBN 3-89322-380-0 (deutsch) / ISBN 3-89322-381-9 (englisch)
  • Anke Scharnhorst: Penck, A. R.. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Ch. Links Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, Band 2.
  • Natalie Püttmann: A. R. Penck: Geisteshaltung einer Zeichensprache (= Deutsche Hochschulschriften, Band 2391). Überarbeitete Mikrofiche-Ausgabe, Engelsbach, Frankfurt am Main / Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach / St. Peter Port 1994, 1997, ISBN 3-8267-2391-0 (Dissertation Gesamthochschule Kassel 1994, 360 Seiten, 4 Mikrofiche).

Weblinks

 Commons: A. R. Penck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiversity: Penck, A. R. (1991) – Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch

Einzelnachweise

  1. Petra Jacoby: Kollektivierung der Phantasie? Künstlergruppen in der DDR zwischen Vereinnahmung und Erfindungsgabe. Transcript, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89942-627-4, S. 50 (Eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  2. Jörg Immendorff, A. R. Penck: Immendorff besucht Y. Rogner & Bernhard, München 1979, ISBN 3-8077-0129-X.
  3. A.R. Penck-Retrospektive in der Schirn In: kultur-online.net, 12. September 2007.
  4. Kunst im öffentlichen Raum. Kulturamt Dresden, Dresden 1996.
  5. Jürgen Hohmeyer: Schulaufsätze vom IM. In: Der Spiegel, Ausgabe 44/2000.
  6. The A.R. Penck LP Discography


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