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A. Molling & Comp.

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Die Lithographische Kunst- und Verlags-Anstalt Hannover A. Molling & Comp.[1] war eine international tätige Druck- und Verlagsgesellschaft in Hannover[2] und Berlin.[3] Sie ist nicht zu verwechseln mit dem jüdischen[4] hannoverschen Mode- und Textilkaufhaus M. Molling & Co.[5]

Geschichte

Plakat für eine Ausstellung des Deutschen Werkbundes 1914 in Köln; Entwurf: Peter Behrens; Lithographie/Steindruck:
A. Molling & Comp. KG Hannover-Berlin

Ein A. Molling, Inhaber der Firma Adolf Molling, ist durch das Adreßbuch der Königlichen Residenz-Stadt Hannover 1868 schon früh in der (damaligen) Burgstraße 17 belegt.[6] Doch in jenem Jahr war der spätere Firmengründer gerade mal drei Jahre alt: Der jüdische Bankier Adolf Molling[2] (31. Januar 1865; † 19. November 1921)[7] gründete 1887 sein Unternehmen A. Molling & Comp.. Mit einem eigenen Druckereigebäude am Schneiderberg in der Nordstadt war es bald eine der größten Druckereien in Hannover: Produziert wurden anfangs unter anderem „Plakate, Postkarten, Grußkarten, Zeitschriften, Verpackungen sowie Bilder- und Malbücher“, doch schon ab circa 1900 verlegte die Gesellschaft auch eigene Kinderbücher.[2]

Spätestens 1901 war die Firma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt worden, wie der Druckvermerk einer Dissertation belegt.[8]

Kurz nach der Jahrhundertwende meldete Molling & Comp. ein Patent an: „Mit Reklamedruck versehener immerwährender Kalender in Verbindung mit einer farbigen Kalender-Rückwand“ lautete die Eintragung beim Kaiserlichen Patentamt 1903.[9]

„Verlagsartikel in der ganzen Welt vertreten“, warb Molling 1904 in einem eigenen Katalog. Nachdem Molling & Comp. für das international tätige Londoner Unternehmen Raphael Tuck & Sons Bücher gedruckt hatte, wurden die darin enthaltenen Motive bald auch für eigene Buchproduktionen genutzt.[2]

Ebenfalls 1904 widmete „Molling & Co., Hannover [...] zu Friedrich Schillers hundertstem Todesjahr“ eine von K. Fuchs signierte Künstlerpostkarte mit einer Bilder-Montage.[10]

In der Zeitschrift Die Woche bewarb das Unternehmen 1912 ihre

„Reiche Auswahl an originellen und künstlerischen Mal- und Bilderbüchern nach Originalen namhafter Künstler.[2]

Nicht zu Unrecht, stammten die Illustrationen für die Bilderbücher des Verlages doch von Grafikern wie etwa Walther Caspari, Hanns Anker, Helmut Eichrodt, Eugen Osswald oder Heinrich Eduard Linde-Walther. In der Druckerei Molling arbeitete Kurt Schwitters gemeinsam mit der Künstlerin Käthe Steinitz an der Gestaltung seiner Märchen vom Paradies, sammelte „im Keller des imposanten Druckereigebäudes [...] Fehldrucke für seine Kunstwerke“.[2]

Spätestens 1914 betrieb das Unternehmen eine Zweigstelle in Berlin, wie der Zudruck auf einem Plakat für die Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Köln belegt.[3] Die Firma hielt bedeutende Aktien-Anteile an der Lithographisch-Artistischen Anstalt München, vorm. Gebrüder Obpacher AG und war mit zwei Sitzen in deren Aufsichtsrat vertreten.[11]

Auch nach dem Tod des Firmengründers, der 1921 in einem Familiengrab auf dem Jüdischen Friedhof an der Strangriede bestattet wurde[7], blieb das Unternehmen international ausgerichtet: So gehörte zum Verlagsprogramm eine Serie von zehn Märchenbüchern, die teilweise in mehreren Sprachen erschienen und so ihre internationale Verbreitung fanden (bis Anfang 2012 wurden Verlagsprodukte in neun verschiedenen Sprachen nachgewiesen). „Auch in der für jüdische Betriebe äußerst schwierigen Zeit des Nationalsozialismus versuchte A. Molling & Comp. diese internationale Produktion aufrechtzuerhalten“. Doch nach der „Arisierung“ der Druckerei 1939 und der erzwungenen Emigration der Inhaber geriet das Unternehmen beinahe in völlige Vergessenheit: „Selbst die Nachkommen der Familie wußten bislang wenig über die Firma“.[2]

Ausstellung bis 15. April 2012

In einer Ausstellung vom 18. Januar bis zum 15. April 2012 (siehe das Ausstellungs-Faltblatt bei den Weblinks) präsentiert das Historische Museum Hannover „eine von der Forschung bisher wenig beachtete Serie von zehn Märchenbüchern [... als] Bilderbuchkunst in großem Format und bester Qualität [...] zum ersten Mal zusammen“. Zum Programm gehören auch Führungen.[2]

Werke (unvollständig)

Kinderbücher

Den Auftakt zu der Kinderbuch-Serie von A. Molling & Co. bildete[12]

  • Aschenbrödel,[2] mit Illustrationen von Hanns Anker[12]
  • Lust und Scherz für's Kinderherz, Text von M. Ille-Beeg, gemalt von W. Zirges
  • Vom dicken fetten Pfannekuchen, (6 Blatt, überwiegend illstriert von Heinrich-Eduard Linde-Walther, 34 cm, mit Frakturschrift), ohne Jahr (1920)[1]
  • Ein Streifzug durch Ostasien[2]
  • Kling-Klang. Das tönende Bilderbuch[13]
  • Das Reich der Kinder[13]
  • Dideldumdei, 16 farb. Bildern von Linde-Walther. Mit Versen von L. Linde (1921)[14]
  • Karl Rohr: Beim Osterhasen, [Eingedrückte farbige] Bilder und Reime [auf Pappe, ausgestanzt][14]

Verschiedene

  • Hans Kaiser (Hrsg.): Das Hohe Ufer, spätexpressionistische Monatszeitschrift, Verlag Ludwig Ey, Jhrg. 1919–1920[15]
  • Hans Borth: Deutsche Schiffahrt in Wort und Bild, Hannover 1902, Verlag A. Molling & Co.[16]

Literatur

  • Edel Sheridan-Quantz: A. Molling & Comp. und „Kling-Klang. Das tönende Bilderbuch“ – Ausklang einer Firmengeschichte, in: Aus dem Antiquariat, Heft 6/2011
  • Edel Sheridan-Quantz: „Das Reich der Kinder“ – Bilderbücher des Molling-Verlags, Hannover, in: Hans-Peter Schramm (Hrsg.): Hannoverscher Bibliophilen Abend – 51. bis 75. Abend, 2011, S. 50–61
  • Edel Sheridan-Quantz: Aschenbrödel reist um die Welt – Mollings Märchenbücher, in: Imprimatur. Jahrbuch für Bücherfreunde, Bd. 22, 2011, S. 63–102

Weblinks

 Commons: A. Molling & Comp. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Deutsche Nationalbibliothek
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 2,9 Edel Sheridan-Quantz: Lust und Scherz für's Kinderherz. Von Hannover in die Welt, Faltblatt zur Ausstellung (siehe Weblinks)
  3. 3,0 3,1 siehe dieses Plakat nach einem Entwurf von Peter Behrens
  4. N. N.: Gebrüder Eduard und Albert Wolff, auf der Seite Lebensraum Linden; online
  5. Abbildung des Kaufhauses mit Lieferwagen, um 1910/1920 im Bildarchiv Foto Marburg
  6. Historische Adressbücher: Adolf Molling Hannover auf der Seite des Vereins für Computergenealogie
  7. 7,0 7,1 Tombstone of Adolf Molling and his wife Henriette (Henny) nee Meyerhof; Strangriede Cemetery Str.54.7; Hannover auf einer Seite vom Center for Jewish History
  8. Ludwig Hans Heynemann: Ueber das Hydrazid der Pyrazol--3,4,5--Tricarbonsäure. Dissertation, Universität Heidelberg, 1901, S. 1
  9. Patentanmeldung M 16006 im Patentblatt, herausgegeben von dem Kaiserlichen Patentamt, Band 27, C. Heymanns Verlag, 1903, S. 1703; online als Snippet-Ansicht über Google-Bücher
  10. Jutta Assel, Georg Jäger: Schiller-Motive auf Postkarten / Eine Dokumentation / Jubiläumspostkarten auf dem Goethezeit-Portal
  11. Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, hrsg. von der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte, Bde. 24–25, F. Steiner Verlag, 1979, S. 186; Snippet
  12. 12,0 12,1 12,2 Nobilis.de: Lust und Scherz für’s Kinderherz
  13. 13,0 13,1 siehe Literatur
  14. 14,0 14,1 Angaben der Deutschen Nationalbibliothek
  15. Snippet-Ansicht
  16. Snippet


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