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Ereignisse

  • 942: Saadia Gaon / Saadja (Said) ben Josef Gaon in Sura (Babylonien) gestorben (geboren 882 in Fajjum, Oberägypten), erster Autor der rabbinischen Literatur (Begründer fast ihrer sämtlichen Literaturzweige, Erneuerer der geistigen Hegemonie des babylonischen Judentums, Verteidiger der mündlichen Lehre gegen Karäer und andere Sekten) und der erste wissenschaftliche jüdische Religionsphilosoph im modernen Sinn, Exeget, Grammatiker, Apologet und liturgischer Dichter, schrieb arabisch und hebräisch, Schulhaupt/Gaon von Sura, Bagdad. Im islamischen Bereich setzte bei den Karäern und dann auf rabbinischer Seite bei Saadja ben Josef Gaon unter dem Einfluss der arabischen Sprachwissenschaft und Koranexegese eine an Wort- und Sinnerklärungen orientierte jüdische Kommentartradition ein. Saadja war der Verfasser des ersten jüdischen Gebetbuches mit Texten (um den Gebetswortlaut festzuschreiben und den damals modisch wuchernden Pijjut-Bestand auf ein kontrollierbares Mass zu reduzieren). Sein Wirken war stark von der Auseinandersetzung mit den Karäern bestimmt – deren entschiedener Gegner er war –, die sich ja ganz besonders dem Studium der Bibel verschrieben hatten, aber auch stark beeinflusst vom mutazilitischen Kalam. Saadja fertigte arabische Transkriptionen hebräischer Bibeltexte an, regelrechte Übersetzungen, und paraphrasierend-auslegende Übertragungen, begründete auch eine Tradition jüdischer Bibel-Auslegung und biblisch-hebräischer Sprachwissenschaft; leider ging sehr viel von seinen Schriften verloren. Jakob ben Isaak al-Qirqisani in Bagdad, Benjamin ben Mose al-Nahawendi in Persien waren im 10. Jhdt. die massgeblichen Exegeten der Karäer, die auslegungsgeschichtlich Bemerkenswertes geleistet und die rabbinische Konkurrenz auch auf diesem Gebiet herausgefordert haben. – Sa’adia verfasste das berühmte Buch „emunot we’deot“ („Glaubenslehren und -ansichten“, sein religionsphilosophisches System darstellend); er soll auch einen Mischna-Kommentar verfasst haben, der jedoch nicht erhalten ist; von seiner Schrift gegen Chiwi al Balkh, einen persisch-afghanischen Juden des 9. Jhdts., der zweihundert Einwände gegen die Bibel zusammengetragen hatte, sind Fragmente in der Geniza von Kairo wiedergefunden worden.

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