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Ereignisse

  • Nach 800: David ibn Merwan al-Muqammitz, jüdischer Religionsphilosoph des 9. u. 10. Jahrhunderts, er stammte aus Babylonien und wurde deshalb auch David hababli genannt; er schrieb einen (nicht vollständig erhaltenen) polemischen Traktat namens „Zwanzig Kapitel“, der insbesondere die Vorstellung von der Dreieinigkeit Gottes aufs Korn nahm.
  • Nach 800: Chiwi al-Balkhi, jüdischer Freidenker, Exeget und Bibelkritiker in Balch (Persien); er formulierte (im Original nicht überkommene) 200 Einwände gegen den göttlichen Ursprung der Bibel; sein Werk wurde weit verbreitet und rief den Zorn sowohl der Rabbinen als auch der Karäer hervor; Saadja b. Josef Gaon erwiderte ihm sogar in einer eigenen Streitschrift; Chiwis Beiname wurde später aus Verachtung in al-Kalbi ("der Hündische") umgebildet; seine Thesen (z. B. Umdeutung von "Wundern" in Phänomene auf Basis von Naturerscheinungen) sind nur durch diverse Gegenschriften erschliessbar; -- Literatur (Auswahl): Israel Davidson, Saadia's Polemic against Hiwi Al-Balkhi, New York 1915; divergierende Forschungsmeinungen sehen in ihm einen gnostisch-christlichen Sektierer, keinen Juden
  • Nach 800: In Jerusalem und Tiberias werden grosse jüdische Gemeinden gegründet.
  • Nach 800: Zedekias Leibarzt Kaiser Karls in Deutschland
  • Im 9. Jhdt.: Fez/Marokko, Juden hier seit Gründung von Fez im 9. Jhdt., abgeschlossenes Judenviertel (Mellah); jüdisch-geistiges Zentrum 9.-15. Jahhundert
  • Nach 800: Kalif al-Mutawakkil von Bagdad entwarf ein gelbes Abzeichen für die in seinem Herrschaftsbereich lebenden Juden und schuf damit einen Präzedenzfall, der Jahrhunderte später in Nazideutschland wieder aufgegriffen wurde.
  • Nach 800: Halachot gedolot, halachischer Kodex des 9. Jahrhunderts, nach der talmudischen Reihenfolge angeordnet
  • Nach 800 (?): Midrasch Ma'ase Tora (auch: Midrasch Schloscha we-Arba'a; Pirqe Rabbenu ha-Qadosch), Zusammenstellung von Lehren und Regeln nach den Zahlen von 3 bis 10; verschiedene Versionen überliefert
  • Nach 800: Midrasch zu den Psalmen, umfangreicher homiletisch-haggadischer Midrasch, Kompilation verschiedener Teilstücke aus verschiedenen Zeiten (älteste Stücke bis ins 3. Jhdt. hinaufreichend?); Endredaktion um 1300
  • Nach 800 (?): Pitron Tora, Midrasch zum 3. bis 5. Buch Mose; als einer der wenigen Midraschim vermutlich in der babylonischen Diaspora entstanden; neben rabbinischen Quellen enthält er auch Auslegung karäischer Herkunft; erhalten ist er nur in einer Handschrift von 1328, die unter abenteuerlichen Umständen Ende des 20. Jahrhunderts nach Israel gelangte
  • Nach 800: Kairuan (Tunesien) ein Zentrum jüdischer Talmudgelehrsamkeit (bis ins 11. Jhdt.)
  • Nach 800: In Palästina versucht der sefer ha-jeruschalmi einen Kompromiss zwischen palästinischer und babylonischer Halacha zu bewirken (ohne grossen Erfolg: Spätestens mit dem Untergang der Akademie von Jerusalem im 11. Jhdt. siegt die babylonische Tradition)
  • Nach 800: Erste illuminierte jüdische Handschriften tauchen auf, und zwar aus dem ägyptischen Raum.
  • Nach 800: Barcelona: bedeutende jüdische Gemeinde, im 13. Jhdt. Wirkungsstätte des Salomo b. Adret; Disputation zwischen Nachmanides und Pablo Christiani (1263)
  • Nach 800: in den Kaukasus eingewanderte Bergjuden (vom damaligen chasarischen Kagan, der zuvor zum Judentum übergetreten war, aufgenommen und unter Schutz gestellt); als „Bergjuden“ bezeichnet man heute die einheimische jüdische Bevölkerung in Dagestan und Aserbaidschan (wenige Tausend); die meisten Bergjuden leben heute als Einwanderer in Israel; die Vorfahren der Bergjuden stammen aus dem alten Persien; die Bergjuden sprechen immer noch eine iranische Sprache („Juuri“ oder „Juhuri“ genannt); sie bezeichnen sich selbst als „Juhuro“ („Juwuro“), was übersetzt einfach „Juden“ bedeutet; alternative Selbstbezeichnungen sind „Taten“ oder „Tat“; jüdische Religion und Bräuche wurden über Jahrhunderte beibehalten und gepflegt
  • Seit etwa 800: Im 9. Jhdt. entwickelte sich allmählich das feudalistische Lehnswesen. Grundbesitz war in Europas mittelalterlichen Agrarstaaten die wichtigste Voraussetzung für politische Teilhabe. Nichtchristen durften unter den Karolingern keine Lehnsmänner werden. Juden wurde es untersagt, Grundbesitz zu erwerben, so dass sie sich in Städten niederlassen mussten. Sie blieben ohne politischen Einfluss und konnten nicht zum Adel aufsteigen: weder von Geburt noch durch Verdienste wie das spätere Rittertum.
  • Seit 800: jüdische Leibärzte: finden sich schon um 800 in Arabien; Kalifen und Sultane, Kaiser und Könige, Päpste und Fürsten ziehen sie an ihre Höfe; die Namen von weit über 100 Leibärzten sind allein aus dem Mittelalter überliefert

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