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63 v. d. Z.

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Ereignisse

  • 63 v. d. Z.: Unter Pompeius (106 v. bis 48 v.) erlangen die Römer die Herrschaft über Jerusalem nach dreimonatiger Belagerung. Faktisches Ende der jüdischen Selbständigkeit. Bei einem Besuch im Tempel drang er ins Allerheiligste ein, das selbst der Hohepriester nur an einem einzigen Tag des Jahres betreten durfte. Allerdings benahm sich der Feldherr überaus respektvoll und erlaubte den Priestern, den Tempeldienst unverzüglich wiederaufzunehmen. Pompeius reorganisierte Palästina in verschiedene Provinzen. Dies ging hauptsächlich zu Lasten des Hasmonäerreichs; das Territorium unter direkter jüdischer Herrschaft wurde stark beschnitten (auf Judäa, Galiläa und einen Teil von Idumäa). Hyrkan, der gefügigere der beiden Brüder, wurde zum nominellen Herrscher des Landes mit dem Titel eines Ethnarchen – nicht eines Königs – bestellt, die wirkliche Macht lag freilich in den Händen des Antipater. Hyrkan (Hyrkan II.) wurde auch im Amt des Hohenpriesters bestätigt. Aristobul und seine Familie wurden nach Rom verbannt. Die letzte Entscheidung in allen Dingen der Region war dem Prokonsul von Syrien vorbehalten, der in der alten Seleukidenhauptstadt Antiochia residierte. Es folgten unruhige Jahre, Aufstandsversuche von Aristobul und seiner Söhne aus dem Exil, korrupte römische Statthalter, die innerrömischen Auseinandersetzungen zwischen Pompeius und Julius Caesar, der schliesslich obsiegte. Rom hatte ein vitales Interesse daran, die Länder an der Ostküste des Mittelmeers als Bollwerk gegen seinen Feind im Osten, die Parther, zu halten. Als Herrscher in Judaä, der das Land in Treue gegen Rom und mit starker Hand regieren sollte, setzten sie den tüchtigsten Mann ein, den sie finden konnten: Herodes. Dieser entstammte nicht dem Königshaus der Hasmonäer, sondern war ein Idumäer, dessen Familie knapp hundert Jahre zuvor zwangsweise zum Judentum bekehrt worden war. Seine Mutter war eine nabatäische Prinzessin namens Cypros. Herodes der Grosse (38 v. bis 4 v.) erwies sich in vielerlei Hinsicht als gute Wahl. Er war ein fähiger Herrscher, ein loyaler Verbündeter und ein begabter Geschäftsmann. Aber er war auch ein grausamer Despot, der etliche seiner eigenen Verwandten und viele Untertanen ermorden liess und im Verlauf seiner Herrschaft vom Volk mehr und mehr gefürchtet wurde. Als er starb, brach Jubel aus, der Nachwelt hinterliess er einige der bemerkenswertesten und extravagantesten Bauwerke des römischen Ostens. Die Römer schützten anfangs die Privilegien der Juden in ihrem Reich. Doch mit dessen Ausdehnung mussten sie ihre Herrschaft stärker zentralisieren. Rückhalt dafür gewannen die römischen Kaiser oft nur, wenn sie sich das Wohlverhalten einiger Völker erkauften und auf deren Wünsche eingingen. Diese „Toleranz“ ging mit der Durchsetzung des Kaiserkults einher, den Juden nicht ohne religiöse Selbstaufgabe anerkennen konnten.
  • 63 v. d. Z. bis 40 v. d. Z.: der Hasmonäer Hyrkanus/Hyrcan II.; Hyrkan geriet dann in parthische Gefangenschaft, wurde an den Ohren verstümmelt und somit als Hoherpriester untauglich gemacht, schliesslich unter Herodes d. Gr. 30 v. hingerichtet
  • 63 v. d. Z. bis 70 nach Chr.: Synhedrion: Mit dem griechischen Wort Synhedrion ("Sitzung"; talmudisch: Sanhedrin) bezeichnet man unter der römischen Herrschaft von 63 v. bis 70 n. ein Gremium, das offenbar den Notablensenat (Gerusie) abgelöst hat, der zuvor mit dem Hohepriester die politische Repräsentanz der Tempelprovinz Juda/Judäa gebildet hatte. Wahrscheinlich setzte die Umwandlung unter Salome Alexandra (76 v. bis 67 v.) ein, unter der die Pharisäer zur Macht gekommen waren. Unter Hyrkan II. war das Gremium zwar aktiv, vermochte sich gegen die aufstrebenden Söhne des Antipater und dann insbesondere unter Herodes aber nur begrenzt zu entfalten, zumal auch innerhalb verschiedene Fronten erhalten blieben. So blieb im Gremium eine starke Anhängerschaft der Sadduzäer vertreten, die zumeist mit dem Hohenpriester als Vorsitzenden kooperierten. Mehr Machtbefugnisse brachte die direkte römische Verwaltung ab dem Jahre 6 mit sich, allerdings auch mehr politische Verantwortung, der die führenden Kreise angesichts der Konfrontation mit Rom nicht gewachsen waren. Das Synhedrium hörte daher mit der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 ebenfalls zu existieren auf – und hat erst einige Jahrzehnte später im rabbinischen Sanhedrin wieder eine Nachfolgeinstitution gefunden. – Das grosse Interesse der christlichen Forschung am Synhedrium und seinen Kompetenzen erklärt sich aus seiner Rolle beim Prozess Jesu; - Tagungsort des Synhedrions war die "Quaderhalle" (Lischkat ha-gasit) im Tempel zu Jerusalem; traditioneller Ursprung die "70 Ältesten" der Mose-Zeit (Nu 11,16); unmittelbarer Vorgänger: sog. "grosse Versammlung" (Kenesset gedola) der Esra-Zeit; Aufbau: Vorsitzender (Hohepriester), Stellvertreter (Aw Bet Din = Haupt des Gerichts), 71 Mitglieder (Priester und Laien); Kompetenz: allgemeine und religiöse Gerichtsbarkeit; Streit zwischen Sadduzäern und Pharisäern im Synhedrion; Kampf des Herodes mit dem oppositionellen Synhedrion; Aufhebung des Synhedrions nach dem Fall Jerusalems durch die Römer
  • Nach 63 v. d. Z.: Nabatäer: Die Intervention Roms im Jahre 63 v. d. Z. bewirkte, dass sich die Nabatäer auf ihr angestammtes Siedlungsgebiet jenseits des Jordans im Nordwesten der arabischen Halbinsel zurückzogen. Aber zur Zeit des Paulus hatten sie ihr Territorium bereits wieder ausgeweitet und beherrschten Damaskus. Ihre Städte im Negev blühten, und ihr Reich umfasste weite Teile Nordwestarabiens und den Sinai.


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