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587 v. d. Z.

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Ereignisse

  • Im Sommer 587 v. d. Z.: Eroberung des Südreiches Juda und Zerstörung Jerusalems (an die Eroberung Jerusalems gemahnte dann später und heute jeweils der Trauertag des 17. Tammus) durch den babylonischen König Nebukadnezar nach einer achtzehn Monate dauernden Belagerung (des Beginns der Belagerung wurde später dann und wird noch heute jeweils durch den Trauertag des 10. Tewet gedacht), in deren Verlauf unter Jerusalems Einwohnern eine schwere Hungersnot ausbrach; Zerstörung des ersten Tempels (hieran sowie an die Zerstörung des zweiten Tempels gemahnt jeweils der 9. Aw); Zedekia wurde auf der Flucht ergriffen und nach Ribla in Syrien vor Nebukadnezar gebracht; er musste zusehen, wie man seine Söhne hinrichtete, dann stach man ihm die Augen aus und führte ihn in Ketten nach Babylon; babylonisches Exil („babylonische Gefangenschaft“): Die judäische Oberschicht, wie schon vor ihr die Israeliten, wurde mit Zedekia ins Exil nach Mesopotamien verschleppt, nur einige der Allerärmsten durften in der Stadt bleiben; seitdem leben Juden ununterbrochen z. B. in Marokko, Algerien, Libyen und Tunesien (Errichtung der legendären Synagoge La Ghriba = "die Fremde", "die Wunderbare", zum Teil aus mitgebrachten Tora-Rollen und Steinen aus Resten des salomonischen Tempels). Seit der Exilierung und durch die Intensivierung der internationalen Handelsbeziehungen entstanden seit dem 6. Jhdt. v. d. Z., besonders aber seit der Hellenisierung im Gefolge der Eroberungen Alexanders des Grossen, überall in der damals bekannten Welt jüdische Enklaven ausserhalb Israels. Besonders grosse Diaspora-Judengemeinden gab es seit dem 5. Jhdt. v. d. Z. in Kleinasien (Antiochia), Syrien (Damaskus), Ägypten (Alexandria), seit dem 2. Jhdt. v. d. Z. auch in Rom. Im Orient waren ethnisch organisierte Gruppen in fremder Umgebung eine häufige und prinzipiell akzeptierte Erscheinung. Juden waren in den aufstrebenden Städten des Mittelmeerraums als belebender Wirtschaftsfaktor meist beliebt und wurden privilegiert, um sie zum dauerhaften Ansiedeln zu bewegen. Sie behielten ihre eigenen religiösen Traditionen und Gebräuche, verhielten sich politisch aber überwiegend loyal zum herrschenden System. Anders als andere Minderheiten blieben sie eng mit ihrem Stammland Judäa und dem Jerusalemer Tempelkult verbunden. Das Judentum überlebte die „babylonische Gefangenschaft“, ja, es ging sogar noch gestärkt daraus hervor. Gerade in den Exilgemeinden entwickelten sich neue religiöse Ideen, weil es galt, der Bedrohung des überlieferten Glaubens an den Einen Gott zu begegnen. Der monotheistische Gedanke und das Konzept der persönlichen Verantwortung verbanden sich – zwei Ideen von zentraler Bedeutung für das Judentum und später das Christentum und den Islam. – Nebukadnezar übertrug die Verwaltung des Landes einem einheimischen Aristokraten namens Gedalja. Da das zerstörte (niedergebrannte) Jerusalem unbewohnbar war, machte dieser das rund 13 km nördlich davon gelegene Mizpa (Tell en-Nasbe) zu seinem Hauptquartier. Jeremia und etliche von den Hauptleuten des Heeres zogen ebenfalls dorthin, und gemeinsam versuchte man, die Wunden des Krieges zu heilen. Aber schon kurze Zeit später wurde Gedalja ermordet und erneut der Aufstand ausgerufen. Aus Furcht vor der Rache der Babylonier beschlossen die Überlebenden, ausser Landes zu gehen. Sie zwangen Jeremia, sich ihnen anzuschliessen und machten sich auf nach Ägypten, wo bereits eine beträchtliche Zahl von Flüchtlingen aus Juda Asyl gefunden hatte. Viele Jahrhunderte hindurch blühte dort in der Folge jüdisches Leben. Was aber fanden die Exilierten aus Juda in Babylon vor? Grössten Reichtum und urbane Kultiviertheit. Es gibt Berichte über die prachtvollen Anlagen der Stadt, denen man zunächst keinen Glauben schenken wollte, aber nach und nach sprach immer mehr für die Richtigkeit der faszinierenden Beschreibungen: Berichte des griechischen Historikers Herodot aus dem 5. Jhdt. v. d. Z., archäologische Befunde von Koldewey, der achtzehn Jahre in Babylon Grabungen durchgeführt hatte: ein 27 m starker äusserer Verteidigungsring, breite Strassen, auf denen sich ein mit vier Pferden bespannter Streitwagen wenden liess, beeindruckende Festungsanlagen und Residenz, das Ischtar-Tor mit seinen farbigen Reliefs des Stiers von Hadah und eines mythologischen Drachens, dahinter der bombastische Königspalast, die Tempelbezirke des Marduk. Dem Marduk, der Schutzgottheit Babylons, waren die beiden Heiligtümer Etemenanki („Haus des Angelpunkts von Himmel und Erde“) und Esangila („Haus, das sein Haupt erhebt“) geweiht. Etemenanki war der berühmte Turm von Babel, ein Stufenturm (Turm auf Turm auf Turm usw., Zikkurat), den Herodot ausführlich beschreibt (Historien 1,181). Von ihm sind heute noch die Fundamente vorhanden (erbaut 1764 v. d. Z.?). (Psalm 137: "An den Wassern zu Babel sassen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande. Denn die uns gefangen hielten, hiessen uns dort singen und in unserm Heulen fröhlich sein: "Singet uns ein Lied von Zion!" Wie könnten wir des Herrn Lied singen in fremdem Lande? Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte. Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein. Herr, vergiss den Söhnen Edom nicht, was sie sagten am Tage Jerusalems: "Reisst nieder, reisst nieder bis auf den Grund! Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der dir vergilt, was du uns angetan hast! Wohl dem, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert!")
  • Ca. 587 v. d. Z.: Jeremia im Gefängnis; man wirft ihn in eine Grube, woraus Ebed Melech, der Äthiopier, ihn rettet; vorübergehender Abzug des Belagerungsheeres gegen die Ägypter; diese werden geschlagen im 10. Monat
  • 587 v. d. Z.: Im nördlichen Negev, südöstlich von Arad, finden sich auf einem Hügel fern von menschlichen Siedlungen Reste einer Kultstätte. Dieses Heiligtum namens Qitmit war ein Rastplatz für Reisende und wurde mit ziemlich grosser Sicherheit von den Edomitern um die Zeit des Falls von Juda errichtet. Die Edomiter profitierten von der Zerstörung Judas durch die Babylonier. Einige Gruppen wanderten westwärts und gründeten im Süden Judas den Staat Idumäa.