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Ereignisse

  • Um 400 (?): Pessikta [Pessikta = "Abschnitt"] des Rab Kahana, agadischer Midrasch
  • Um 400: Augustinus von Hippo (354-430) rechtfertigte die judenfeindlichen Massnahmen der Kirche mit seinem Tractatus adversos Judaeos. Auf den jüdischen Vorwurf, die Kirche beanspruche zwar das Alte Testament, missachte aber die darin enthaltenen Gebote, antwortete er: „Wir beachten also die Sakramente nicht, die dort vorgeschrieben sind, weil wir verstehen, was dort vorhergesagt ist (von Christus), und weil wir besitzen, was dort versprochen ist … Wie nämlich sollten sie dies sehen, über die vorhergesagt ist: „Ihre Augen mögen verdunkelt werden, damit sie nicht sehen“, und wie sollten sie aufrecht sein und ihr Herz erheben, über die vorhergesagt ist: „Und ihr Rücken sei stets gebeugt“ (Ps 69,24). Hier taucht die Blindheit der Synagoge auf, die als Gegenbild zur triumphierenden Ecclesia zum feststehenden Motiv des Mittelalters wurde. Über den jüdischen Erwählungsglauben sagte Augustin: „Ihr gehört also zu jenem Volk, das der Gott der Götter berufen hat von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Seid ihr nicht aus Ägypten ins Land Kanaan geführt worden? Aber ihr seid … von dort zerstreut, nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Gehört ihr nicht eher zu den Feinden dessen, der im Psalm spricht: „Mein Gott hat mir an meinen Feinden bewiesen: Töte sie nicht, damit sie nicht dein Gesetz vergessen; zerstreue sie in deiner Macht“ (Ps 59,11 f)? Hier sollte die Tatsache der Zerstreuung der Juden also den Verlust ihrer göttlichen Erwählung und Lebensverheissung beweisen. In dieser Rolle hielt die Kirche das Judentum fortan als Demonstrationsobjekt ihrer Überlegenheit fest. Augustin war es auch, dessen Lehre vom „Gerechten Krieg (De civitate Dei 420) Christen in Staatsämtern die Ausübung von bewaffneter Gewalt erlaubte, die Jesus seinen Jüngern ausdrücklich verboten hatte (Mt 5,39; 26,52): eine Gewalt, die nun immer öfter die Juden traf.
  • Um 400 (?): alte jüdische Volksvorstellung der "Sechsunddreissig Gerechten", sie leben verborgen und unbekannt in jeder Generation und bewirken durch ihr Verdienst deren Erhaltung und Fortbestand; im Talmud zuerst erwähnt (in Form zahlenmystischer Exegese von Jes. 30,18)
  • Um 400 (?): Seder Olam ("Weltordnung"), altjüdisches Werk unbekannten Verfassers, Chronik der biblischen und nachbiblischen Geschichte bis zum Bar Kochba-Aufstand, schon im Talmud zitiert
  • Um 400: erste Ansiedlung von Juden in Belgien
  • Nach 400: Im 5. Jhdt. entstanden die ersten Gebetbücher, während man bis dahin Gebete nicht aufschrieb, sondern nur aus dem Gedächtnis sprach; ihre Sprache war einfaches biblisches Hebräisch mit wenigen aramäischen Ausnahmen; der Gottesdienst der Synagoge ist der älteste rein geistige Gottesdienst, der nicht an Tempel, Priester und Opfer gebunden war, sondern nur an eine betende Gemeinde (Minjan), daher konnte er (wie Judentum, Christentum und Islam lehren) leicht über die ganze Welt verbreitet werden; der jüdische Gottesdienst findet täglich statt und ist eine der wichtigsten Einrichtungen, auch den Alltag zu weihen; Gottesdienst besteht aus 1. Gebet, 2. Belehrung; 1) Das Gebet hat zum Inhalt: Lob und Dank, Bitte, Bekenntnis; die Führung im Gottesdienst hat ein Vorbeter (Chasan); das Amt ist jedem Juden zugänglich, wurde aber mit der Zunahme des Gesangs ein Beruf; es gibt jeden Tag drei Gottesdienste: a) Maariw (= Abendgottesdienst [Abendgebet: die Zeit dafür: nach Erscheinen der ersten Sterne, d.h. wenn drei Sterne am Himmel zu sehen sind; man kann aber auch bis nach Mitternacht warten; das Abendgebet umfasst das Schema Israel und seine Segenssprüche ((Schema Israel, Schma Israel, "Höre Israel"; auch nur: Schema, Bekenntnis der Einzigkeit Gottes, benannt nach den Anfangsworten D. 6,4 und zusammengesetzt aus drei Abschnitten: 1. D. 6,4-9; 2. D. 11,13-21; 3. Nu. 15,37-41; Schema wird im täglichen Morgen- und Abendgottesdienst gelesen = Keriat Schma, "Lesung des Schma"; der Anfangssatz, in der Liturgie auch sonst geläufig, ist auch das letzte Bekenntnis des Juden in der Todesstunde)), das Schmone Esre und das "Wir müssen den Herrn des Alls preisen"]), b) Schacharit (= Morgengottesdienst), c) Mincha (= Nachmittagsgottesdienst); an Schabbatot, Fest- und Neumondstagen tritt d) Mussaf (Zusatzgottesdienst) hinter b), am Versöhnungstag e) Neïla (= Schlussgottesdienst) hinter c) hinzu; Grundbestandteile des Gottesdiensts sind Schema Israel (Bekenntnis) und Tefilla (Bitte); a) und b) enthalten beides, c), d), e) nur die Tefilla; der Aufbau des Gottesdiensts ist das ganze Jahr über der gleiche, innerhalb des Gottesdiensts erhalten die Grundgedanken der Sabbate und Feste ihren besonderen Ausdruck; zu den Grundelementen traten eine Menge Psalmen und andere Gebete, besonders für Schabbat und Feste sind diese vermehrt; dieser Stamm von Gebeten ist, bis auf unbedeutende Abweichungen, allen Juden der Welt gemeinsam; zu den Stammgebeten traten seit dem 5. Jhdt. religiöse Dichtungen, die man mit einem dem Griechischen entlehnten Namen Pijutim (pijjut von grch. poietria, der Dichter heisst Paitan nach dem grch. poietes) nennt; ihre Zahl ist überaus gross, Inhalt und Stil sehr verschiedenartig; die Gemeinden wählten aus diesem Schatz religiöser Dichtungen, die meist auch ihre eigenen religiösen Melodien hatten, bald die eine, bald die andere; daraus entstanden die Verschiedenheiten der Gebetsordnungen (Minhagim, Riten), in der Hauptsache unterschieden nach aschkenasischem und sefardischem Ritus, aber eigentlich hat jeder Ort, ja jede Gemeinde je eigene Traditionen, die gepflegt werden und um die zuweilen auch gestritten wird; besonderen Einfluss auf die Ausgestaltung der Gottesdienste nahmen zu allen Zeiten die der Mystik ergebenen Frommen; seit Beginn des 19. Jhdts. wurde um Reformen im Gottesdienst gerungen, hauptsächlich in Deutschland und, von dort seinen Ausgang nehmend, in den USA; im Gottesdienst haben sich alte symbolische Handlungen aus dem Kultus des Tempels in Jerusalem erhalten, wie z. B. das Schofarblasen, das Niederfallen (nur einmal im Jahr), die Prozession mit dem Lulaw; einzelne Teile des Gottesdienstes werden durch Kaddisch abgeschlossen, einen Höhepunkt bildet in b), c), d), e) die Keduscha; in der Liturgie für den Einzelnen, die sonst mit der der Gemeinde übereinstimmt, fallen letztere weg; 2) die Belehrung: kommt durch die Vorlesung und Erläuterung der heiligen Schriften zum Ausdruck, die ebenfalls von Christentum und Islam übernommen und einer der stärksten Antriebe zur Verbreitung von Unterricht und Bildung in der abendländischen Welt wurde; im jüdischen Gottesdienst werden die fünf Bücher Mosis im Laufe eines Jahres, von Herbst zu Herbst, der Reihe nach vorgelesen (Wochenabschnitte der Tora); die Vorlesung findet am Schabbat hinter b) und in c), ausserdem am Montag und Donnerstag in b) statt (durch den Lesenden, der Baal Kore heisst); der Tag, an dem sie schliesst, heisst Simchat Tora (Torafreude); auch an allen Festen, Halbfesten und Fasttagen finden Vorlesungen aus besonders für sie bestimmten Abschnitten der Tora statt; an Sabbaten, Fest- und Fasttagen werden ausserdem Stücke aus den Propheten (aber nicht in einem geschlossenen Zyklus) vorgelesen (Haftara); die Vorlesung ist von Hymnen umrahmt, an sie schliesst die Erläuterung an, aus der die Predigt hervorging; Einheben und Ausheben der Torarolle erfolgen in feierlicher Prozession.
  • Nach 400: Hebräische Poesie. Mischna, Talmud und Midrasch enthalten nur spärliche Reste hebräischer Sprüche, Gelegenheitsgedichte und poetischer Gebete; hebräische Poesie des Mittelalters hervorgegangen aus der Liturgie: Die religiöse Poesie (Pijut) entsteht in Palästina und blüht dort vom 5. bis zum 8. Jahrhundert (Josse b. Josse, Jannai, Kalir); sie schafft die monumentalen Formen von Jozer, Kerowa, Awoda und wirkt spracherneuernd; palästinische Einflüsse bestimmen den Charakter der Poesie in Italien bis 1100 (Meschullam b. Kalonymos), in Nordfrankreich (Josef Tow-Elem) und Deutschland (Simeon b. Isaak) auch darüber hinaus; in diesen Ländern werden namentlich viele Selichot (Bussdichtungen) verfasst; in Spanien wird im 10. Jhdt. das quantisierende Prinzip der arabischen Metrik auf die hebräische Poesie übertragen; in der nachfolgenden Zeit blüht dort die profane und die religiöse Poesie (Samuel ha-Nagid, Gabirol, Mose ibn Esra, Juda Halevi, Abraham ibn Esra, Charisi); spanische Einflüsse dringen in die Provence um 1200 ein (Abraham Bedersi, Jedaja Penini, Kalonymos), in Italien wirkt daneben die christlich-italienische Dichtung (Immanuel aus Rom), insbesondere vom 16.-18. Jhdt. (Josef Zarefati, Jakob und Immanuel Frances, Mose Zacuto, Mose Chajim und Efraim Luzzatto); hier entstehen die ersten Dramen und Epen; in Nordafrika und im Orient dominiert während des Mittelalters eine Profandichtung im arabischen Stil, die dann nach 1500 von spanischen Vertriebenen weitergepflegt wird; im Orient erlebte die religiöse Poesie eine neue Blüte im 16. Jhdt. (I. Nadschara), ist jedoch dort von 1700 an ebenso wie die profane Poesie in stetem Niedergang; eine neue Periode eröffnet der Klassizist N. H. Wessely in Deutschland (2. Hälfte des 18. Jhdts.); vorübergehend ist Mitteleuropa das Zentrum der hebräischen Poesie (Sch. Cohen, S. Löwysohn), doch bald verschiebt sich dieses nach dem Osten, vor allem nach Russland (M. J. Lebensohn, J. L. Gordon, Ch. N. Bialik); nach dem I. Weltkrieg tritt an dessen Stelle Palästina; -- Forschungen zur synagogalen Poesie von Zunz, Elbogen, Davidson; Anthologie der hebräischen Poesie von H. Brody, der jüdisch-italienischen Poesie von J. Schirmann; später Forschungsinstitut für hebräische Dichtung (Leitung H. Brody) in Jerusalem
  • Nach 400: Jüdische Eidesleistung: Der religiöse Charakter des Eides ergab Probleme für Eidesleistungen vor nichtjüdischen Instanzen (wie umgekehrt), weil eine Verbindung mit Fremdkulten zu befürchten war. Seit dem 5. Jhdt. entstanden in christlichen Ländern Formeln für die Eidesleistung von Juden (iuramentum iudaeorum more iudaico), zunächst nach jüdischen Wünschen gestaltet, später mit immer mehr diskriminierenden Zügen. Die häufig erzwungenen Eidesleistungen, die sehr häufig nicht mögliche Beweisführungen ersetzten, gaben Anlass zu Überlegungen über deren Gültigkeit und über die Möglichkeit des heimlichen Vorbehalts (reservatio mentalis).
  • Nach 400: Hagiographen-Targum, Targum (aram. Übersetzung) zu sämtlichen Hagiographen, ebenfalls (wie der frühere Propheten-Targum) nach Jonathan b. Usiel benannt (Targum zu Chron. nach einem Amoräer Josef)
  • Nach 400: Genesis Rabba / GenRabba / Bereschit Rabba (auch: Bereschit de Rabbi Oschaja / Bereschit Rabba de Rabbi Oschaja / Baraita de Bereschit Rabba): Auslegungsmidrasch zu Bereschit; enthält viele spätere Zusätze (insbes. die Auslegungen zum Jakobssegen); - nicht zu verwechseln mit der mittelalterlichen Midrasch-Kompilation Bereschit Rabbati, die vermutlich aus dem 11. Jhdt. stammt
  • Nach 400: Levitikus Rabba / LevRabba / Wajikra Rabba / Wajjiqra Rabba (auch: Haggadat Wajjiqra, Haggada de-Wajjiqra und ähnlich): in Palästina entstandener Homilienmidrasch zum Leviticus, enthält eine grosse Sammlung von Sprichwörtern, der älteste homiletische Midrasch, aus 37 Predigten bestehend, die dem in Palästinas Synagogen üblichen dreijährigen Lesezyklus folgen
  • Nach 400: Klagelieder Rabba / KlageliederRabba / KlglRabba / Echa Rabbati [Ekha Rabbati] (auch: Megillat echa, Megillat echa rabba, Midrasch Threni, Aggadat Ekha [Rabbati], Megillat Ekha [Arukh], Midrasch Qinot, Midrasch Ekha): Auslegungs-Midrasch zu den Klageliedern, Abschluss der Redaktion im 7. Jhdt., enthält gleich der biblischen Schrift 5 Kapitel und sammelt zahlreiche Traditionen und Legenden über die beiden jüdischen Aufstände gegen Rom; auch Darstellung des Martyriums der sieben "makkabäischen Brüder"
  • Nach 400: Narbonne: jüdische Ansiedlung; im Mittelalter eines der Zentren jüdischer Talmud-Gelehrsamkeit

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