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Ereignisse

  • 386/387: Der Kirchenvater Johannes Chrysostomus ("Goldmund") gilt als grösster Prediger der griechischen Kirche. Doch er wurde auch zu einem der Weichensteller des christlichen Antijudaismus. Seine Predigten belasten bis heute das jüdisch-christliche Verhältnis schwer. Johannes Chrysostomos (Chrysostomus) hielt 386 und 387 in Antiochien acht einflussreiche antijüdische Sermone ("Reden gegen die Juden": "Die Juden sind nicht besser als Schweine und Böcke ... Man muss die Juden fliehen wie eine die ganze Welt bedrohende Pest; man muss die Märtyrer nachahmen, die die Juden hassten, weil sie Christus liebten. Denn man kann das Opfer nicht lieben, ohne die Mörder zu hassen ... Wie ein gemästetes und arbeitsunfähiges Tier taugen [die Juden] nur noch für den Schlächter ... "). In Antiochien waren Juden noch in der Mehrheit, und ihre Feste waren auch für Christen attraktiv. Diese pflegten in Syrien einen Synkretismus. Dagegen deutete er die prophetische Kritik des Amos am Opferkult als Absage an die ganze jüdische Religion. Dass Gott sie nicht mehr wolle, habe der Untergang des Jerusalemer Tempels gezeigt. Das sei die gerechte Strafe für die Kreuzigung Christi gewesen. Damit seien viele jüdische Gesetze unerfüllbar. Jüdische Synagogen seien daher durch ständiges Übertreten der Gebote Gottes zur „Räuberhöhle“ und Dämonenwohnung geworden. Wer dort Opfer darbringe, könne Gottes Zorn reizen. Fastenzelte seien nur Absteigen für Dirnen. Nur wer an Christus glaube, könne von Unmoral und Sünde frei werden. So stellte er Juden- und Heidentum auf dieselbe Stufe und legte die völlige Zerstörung jüdischer Gotteshäuser nahe. Diese waren für ihn der Ort, wo die Mörder Christi sich sammeln, um den dreieinigen Gott zu lästern. Aus dem „Gottesmord“ folgerte er, dass Juden ewig verflucht seien: „Weil ihr Christus getötet habt, … deshalb gibt es für euch keine Besserung mehr, keine Verzeihung und auch keine Entschuldigung … Deshalb werdet ihr auch jetzt mehr gestraft … Wenn einer den Herrn Jesus Christus nicht liebt, so soll er verflucht sein.“ Gregor von Nyssa folgerte in seiner Oratio V (5. Rede) daraus den kriminellen Charakter aller Juden und zog eine kaum zu überbietende Bilanz: Sie seien „Gottesmörder, Prophetentöter, Streiter wider Gott, Gotthasser, Gesetzesbrecher, Feinde der Gnade, vom Glauben der Väter abgefallen, Advokaten des Teufels, Schlangenbrut, Denunzianten, Verleumder, Heuchler, Hefe der Pharisäer, Satanssynagoge, Feinde des Menschengeschlechts, Mörder“. Diese Liste damaliger Vorwürfe war im 4. Jhdt. bereits christliches Allgemeingut. Sie wurden auch von Theologen wie Origenes (185-253) vertreten, die im Alltag mit Juden befreundet waren und sie gegen Römer in Schutz nahmen (Contra Celsum). Sie wurden ausschliesslich religiös, nicht ökonomisch oder politisch begründet. Dort, wo Christen und Juden in derselben Minderheitssituation waren – z. B. in Persien – fehlten sie. In Europa aber wurden sie integraler Bestandteil der Dogmatik der Alten Kirche. Obwohl keiner der Kirchenväter ausdrücklich dazu aufrief, rechtfertigten alle die Judenausgrenzung, die später in Judenverfolgung mündete. Viele von ihnen sprach die katholische Kirche später heilig. Erst seit den letzten Jahrzehnten wird ihre durchgängig antijudaistische Haltung problematisiert.

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