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Ereignisse

  • Ca. 350–ca. 365: Wirken Hillels II. (Hillel Nasia, Patriarch in Palästina, Nasi, Vorsitzender des Sanhedrins) unter Kaiser Julian Apostata. Hillel II. war Sohn von Jehuda III., Vater von Gamaliel V. und ein Nachkomme Hillels des Älteren; Hillel II. schuf den nach Sonnenjahren rechnenden konstanten, bis in die Gegenwart gültigen jüdischen Kalender
    • Der jüdische Kalender, ha-lu'ach ha-iwri, ist allerdings ein Lunisolarkalender, die Monate sind wie bei einfachen Mondkalendern an den Mondphasen [Mond = Jareach, poetisch Lewana, "die Weisse"; > Feier des jeweiligen Neumondtages; besonderer Monatssegen, Birkat Lewana; Beginn des Frühjahrs- und Herbstfestes – Pessach, Sukkot – bei Vollmond; nachbiblische Mondsage: Mond anfangs so gross wie die Sonne, will noch grösser werden, wird stattdessen verkleinert] ausgerichtet, gleichzeitig existiert jedoch eine Schaltregel zum Angleich an das Sonnenjahr; um einen Ausgleich zu dem um 11 Tage längeren Sonnenjahr zu schaffen (im Unterschied zum Islam, dessen Feste aufgrund des reinen Mondkalenders manchmal in den Sommer und manchmal in den Winter fallen), wird im Zeitraum von 19 Jahren sieben mal ein Schaltmonat = Adar II. hinzugefügt; die jüdischen Feste sind eng mit der Jahreszeit verbunden, sie hängen mit ihren Symbolen zusammen und haben Naturereignisse oder landwirtschaftliche Bräuche zum Inhalt, die jedem Fest seinen besonderen Charakter verleihen; jeder hebräische Monat beginnt heute ungefähr bei Neumond (im Altertum wurde der Monatsbeginn nach dem sichtbaren Beweis der "Geburt des Mondes" durch Zeugen bestimmt). Der Patriarch Hillel II. legte (345?) den bis heute gültigen Kalender fest, damit nicht die Römer durch Verfolgung und Behinderung der Gerichte das jüdische Leben gefährdeten. Anhand dieses Kalenders weiss jeder im voraus, welcher Monat 29 und welcher 30 Tage hat. Der jüdische Kalender rechnet den Tag vom Abend zum Abend "und es war Abend und es war Morgen, ein Tag" (Gen. 1,5). Der Tag endet, wenn mindestens drei Sterne sichtbar werden. "Der zweite Feiertag": Trafen die Boten des Gerichts in Jerusalem nicht rechtzeitig bei den in der Diaspora lebenden Juden ein, um ihnen das genaue Datum des Monatsbeginns mitzuteilen, feierten diese zur Sicherheit jedes in der Tora erwähnte Fest zwei Tage lang anstelle von nur einem, denn sie wussten ja nicht, ob der vorherige Monat 29 oder 30 Tage gehabt hatte. Um einem Irrtum vorzubeugen und um das Fest nicht zu entweihen, führten sie diesen Feiertag ein. Und das ist nun der "zweite Feiertag in der Diaspora" geworden, ein Brauch, der sich bis heute erhalten hat. Nur der Versöhnungstag wird an einem einzigen Tag begangen, da es dem Menschen schwerfällt, hintereinander 48 Stunden zu fasten. Auch im Land Israel dauert das Neujahrsfest zwei Tage, weil man selbst dort nicht immer wusste, ob der Monat Tischri nach 29 oder 30 Tagen beginnen würde. Zur Sicherheit hörte das Volk am Ende des 29 Elul zu arbeiten auf und "tat heilig" wie an einem gewöhnlichen Feiertag. Um irgendwelche Irrtümer von vorneherein auszuschliessen, ordneten die Weisen schliesslich die zweitägige Dauer des Festes an. Trotz des später exakten Kalenders feiert man in der Diaspora immer noch den "zweiten Feiertag", denn es ist ja "Brauch der Vorfahren"; heutige Form des jüdischen Kalenders seit 13. Jhdt., Beginn des Jahres im Herbst, in biblischer Zeit im Frühjahr; das regelmässige Jahr hat 354 Tage, 12 Monate, im Schaltjahr 13 Monate, mit je 29-30 Tagen, 50½ Wochen zu 7 Tagen; die Monatsnamen Nissan, Ijar usw. sind chaldäisch und stammen aus dem babylonischen Exil; der Monat Nissan ist der erste im hebräischen Kalender; er gilt als der Neumond der Monate, weil er der Monat der Erlösung ist, in dem die jüdischen Vorfahren aus Ägypten auszogen; wenn auch die Menschheit im Monat Tischri erschaffen wurde, überwiegt die Bedeutung der Erlösung die der Schöpfung; aus diesem Grund wird der Nissan als erster Monat des Jahres betrachtet, von dem ausgehend nach der Tora die übrigen Monate gezählt werden, d. h. der Nissan ist der erste Monat des religiösen jüdischen Kalenders und zugleich der siebte Monat des bürgerlichen jüdischen Kalenders (der mit dem Monat Tischri beginnt, der zugleich der siebte Monat nach dem religiösen jüdischen Kalender ist) – Literatur: E. Mahler, Handbuch der jüdischen Chronologie, 1916)
    • Der jüdische Kalender zu 12 Monaten / die jüdischen Feste und Anlässe im Jahresablauf (zum Teil wesentlich später eingeführt, wegen einer zusammenhängenden Darstellung hier trotzdem komplett aufgeführt):
    • 1) Tischri / Tischrei (Sept.-Okt.), hat immer 30 Tage (7. Monat des religiösen jüdischen Kalenders, 1. Monat nach dem "bürgerlichen" jüdischen Kalender; die Bezeichnung „Tischri“ stammt von dem akkadischen Wort tašrītu „Anfang“ ab, was auf seine Funktion als erster Monat hinweist. Ähnlich ist „Tischri“ auch im Ugaritischen bezeugt. Seinen Namen erhielt der Monat in der jüdischen Tradition erst in der Zeit des babylonischen Exils. Im Tanach kommt die Bezeichnung „Tischri“ nicht vor, es ist lediglich vom 7. Monat bzw. „Monat der Etanim“ (z.B. 1 Kön 8,2) die Rede. Dies ist offenbar die Bezeichnung nach dem alten (vorexilischen Kalender). „Etanim“ sind die „starken (Wasserströme)“, d.h. in diesem Monat beginnen die Flüsse, permanent Wasser zu führen) Rosch ha-Schana/Neujahr (1.-2. Tischri) [Rosch ha-Schana. Das Neujahrsfest, 1.-2. Tischri (fällt in den September oder Oktober). Dauert zwei Tage. Jahresbeginn. Mit ihm beginnt eine Reihe von zehn Busstagen, die Jomim noraim (ehrfürchtige Tage), und zwar die zehn Tage zwischen Rosch ha-Schana (1. Tischri) und Jom Kippur (10. Tischri). Der Schabbat zwischen Neumond (Rosch ha-Schana) und dem Zehnten heisst der "Schabbat kehre um" (Schabbat Tschuwa), nach der Haftara, die an diesem Tag gelesen wird. Ausserdem wird dieser Schabbat auch als "Schabbat der Busse" bezeichnet, weil er zu den zehn Busstagen gehört. Rosch ha-Schana laut Talmud Beginn und in der Folge Jahrestag der Weltschöpfung, steht aber auch für den Jahrestag der Geburt Adams. Es ist der Tag der Forderung, Bilanz zu ziehen über das moralische und religiöse Verhalten im abgelaufenen Jahr, und es wird mit Gebeten für eine gute Zukunft vor Gott getreten. Tag des Schofar-Blasens. Kein Trauertag, sondern ein Fest, an dem der Jude sich - wegen Gottes Erbarmen - freuen soll. Ausser dem Hallel, das an Neujahr ausgelassen wird, gleicht es in seinen feierlichen Merkmalen allen anderen Festen: Kleidung, Waschen, Haareschneiden, innere Vorbereitung und festliche Mahlzeiten. Rosch Haschana ist auch "Jom Hadin", Tag des Gerichts: Am Neujahrsfest werden drei Bücher geöffnet: Ins erste werden die ganz Gerechten eingetragen, die sofort das Siegel des Lebens erhalten. Ins zweite Buch werden die ganz Bösen eingetragen, die das Siegel des Todes erhalten. Und das dritte Buch ist für die Mittelmässigen bestimmt, die sowohl Sünden wie Verdienste vorweisen können. Das endgültige Urteil bleibt in der Zeit vom Neujahrstag bis zum Versöhnungstag offen. Durch Einkehr und Umkehr ist es möglich, das Siegel des Lebens zu erhalten. Die Ordnung von Gebeten, Schofarblasen, Kiddusch und Mahlzeiten, die für den ersten Neujahrstag gültig ist, gilt auch für den zweiten Neujahrstag. Es ist aber kein "zweiter Feiertag", wie er im Ausland bei den anderen Feiertagen üblich ist. Beide Tage zusammen bezeichnet der Talmud als einen 48 Stunden langen Feiertag. Wegen dieser Vorschrift besteht die Befürchtung, dass man möglicherweise "unnötige Segenssprüche" beim Schehechejanu, Kerzenanzünden und dem Kaddisch am zweiten Tag sagt. Um diese Zweifel aus dem Weg zu räumen, zieht man am zweiten Neujahrstag im allgemeinen ein neues Kleidungsstück an und stellt eine Schale auf den Tisch, die Früchte enthält, die man zu dieser Jahreszeit noch nicht gegessen hat. Die Segenssprüche bezieht man nun darauf. Taschlich: Hebräisch "Du sollst werfen", das Taschlichgebet (" ... du wirfst alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres hinab ...", Micha 7, 18-20; und andere Gebete) wird vor Sonnenuntergang am ersten oder, wenn der erste auf einen Schabbat fällt, am zweiten Neujahrstag am Ufer eines Flusses, am Meeresstrand oder zum Beispiel in Jerusalem mindestens in der Nähe einer Quelle oder eines wasserhaltigen Brunnens gesprochen. Das Taschlichgebet ist ein Flehen um Vergebung und Vergessen der Sünden. Es enthält auch die Bitte um ein Jahr des Lebens, des Friedens und der Erfüllung der Wünsche. Dabei werden im allgemeinen die Taschen ausgeschüttelt und die Säume der Kleider ausgebürstet oder Brotkrumen ins Wasser gestreut. Damit will man symbolisch alle Sünden des vergangenen Jahres, die möglicherweise hängen geblieben sind, abschütteln und im Wasser versenken; ebenso wird dadurch um Verzeihung gebeten. Speisesitten an Rosch ha-Schana: Genuss von Honigkuchen (Chonek Lejkech), Weintrauben, süssem Wein. In Honig getauchte Apfel- (oder auch Challa-) scheiben drücken die Hoffnung auf ein gutes, süsses Jahr aus. Ebenfalls wird zuweilen ein symbolisches Stück von einem Fisch- oder Schafskopf mit den Worten "Möge es dein Wille sein, dass wir zum Kopf und nicht zum Schwanz werden" gegessen. Ein weiterer Brauch ist das Essen von Granatäpfeln, die viele Kerne enthalten. Dazu sagt man: "Möge es dein Wille sein, dass unsere Rechte sich wie der Granatapfel mehren". In Jiddisch sprechenden Gemeinden wurden Möhren (mehren) mit den Worten "Möge es dein Wille sein, dass sich unsere Rechte mehren" gegessen. Manchmal werden auch Datteln gegessen, wobei gesagt wird: "Möge es dein Wille sein, dass unsere Verleumder und Ankläger zugrunde gehen". Segensspruch nach dem Gottesdienst: "Leschana towa tikatewu" ("Ihr möget zu einem guten Jahr eingeschrieben werden"). Vor Rosch Ha Schana besucht man die Gräber der verstorbenen Angehörigen und der Gerechten, um sich durch die Erinnerung an deren Leben für das kommende Jahr inspirieren zu lassen. Am Morgen vor dem Neujahrsfest findet nach dem Morgengebet das "Entbinden von Gelübden" statt (vor drei Gläubigen, die für diesen Zweck ein "Gericht" gebildet haben)] Fasten Gedalja (3. Tischri) [Fasten Gedalja, folgt auf den Neujahrstag; am 3. Tischri. Gedenken an die Ermordung Gedaljas ben Achikam, durch die der Untergang des Reiches Juda besiegelt wurde. Nach der Eroberung Jerusalems 597 v.d.Z. durch den babylonischen König Nebukadnezar II. wurde Gedalja 586 v.d. Z. zum Statthalter ernannt. Fällt der Neujahrstag auf einen Donnerstag und Freitag, wird das Fasten auf Sonntag verschoben, da am Schabbat kein öffentliches Fasten gehalten wird] Jom Kippur/Versöhnungstag (10. Tischri) [Jom Kippur, "Tag der Sühne", Versöhnungstag = grosser Versöhnungstag; im Gegensatz zum "Kleinen Versöhnungstag", dem jeweiligen Vorabend des Neumondtages, der teilweise auch als Fast- und Busstag begangen wird; Jom Kippur = Höchster Feiertag. Reinigung von den Sünden, die man Gott gegenüber begangen hat, - nicht jedoch die unter den Menschen: Vergehen an Menschen müssen aktiv gesühnt werden; am Morgen des Vorabends von Jom Kippur ist es Brauch, vor drei männlichen Personen Gelübde zu lösen, falls man dies nicht schon am Vortag von Rosch ha-Schana getan hat. Bei der Mahlzeit am Vorabend des Versöhnungstages wird viel gegessen; zuvor war man in der Mikwe und hat sich dann feierlich gekleidet; -Hühnerschwenken (Kapparot): Am Vorabend des Versöhnungstages nimmt man zur Sühne ein geschlachtetes Huhn, einen Hahn oder eine Henne, je nach dem Geschlecht des "Sünders"; eine schwangere Frau nimmt beide. Weisse Hühner sind als Zeichen für die Vergebung von Sünden erwünscht, es geht aber auch ohne sie. Anstelle von Hühnern können auch andere Tiere genommen werden, wie zum Beispiel Fische. Ausgenommen davon sind Turteltauben oder andere Tauben, weil sie als Opfertiere im Tempel dienten. Stattdessen kann man aber auch Münzen an die Armen verteilen - denn auch die zur Sühne genommenen Hühner werden anschliessend an die Armen verteilt. Dieser Brauch wird von dem Satz im Gebetbuch hergeleitet: "Und seine Sühne sei wie die Sünde eines Bockes, der in die Wüste geschickt wird." Man schwenkt Huhn oder Fisch um den Kopf und sagt dreimal: "Das ist mein Stellvertreter; das ist mein Auslöser; das ist meine Sühne; dieses Huhn / oder dieser Hahn / geht dem Tode entgegen, ich aber gehe einem guten Leben und Frieden entgegen." Für eine ganze Familie reichen zwei Hühner zur Sühne: ein Hahn für alle männlichen Familienmitglieder und eine Henne für alle weiblichen. Einige jüdische Weise untersagten diese Sitte. Ebenfalls der Schulchan Aruch. Trotzdem hat sich dieser Brauch erhalten, weil er als ein alter, überlieferter betrachtet wird. Erew Jom Kippur: Man nimmt Gebetbuch und Tallit und geht mit der ganzen Familie in die Synagoge. Dort muss man noch vor Sonnenuntergang eintreffen. Das Kol Nidre wird gebetet, eine Erklärung, die besagt, dass Vergehen gegen Gott und die Tora in sozialem Zwang ihre Ursache haben, hergeleitet aus der Marranenzeit in Spanien, als sich Juden wie Christen benehmen mussten: "Unsere Gelübde sind keine Gelübde, unsere Verbote sind keine Verbote, unsere Eide sind keine Eide." Im Abendgebet schliesst sich der Amida die "Beichte" an, ein Gebet mit einer langen Liste begangener Sünden. Bei der Aufzählung jeder Sünde schlägt man sich mit der geballten Faust auf das Herz. Es ist so etwas wie ein Verweis für das Herz, weil es den Verlockungen des Lebens nicht widerstand und den Menschen das ganze Jahr über zu Sünden verleitet hat. Nach den Gebeten wünscht man sich gegenseitig "Ein Ende mit guter Besiegelung" und versucht, sich nicht von der Weihe des Tages ablenken zu lassen. Neben den üblichen Kerzen wird vor Beginn des Versöhnungstages zu Hause wie in der Synagoge ein "Seelenlicht" angezündet. Es ist dabei Brauch, eine lange brennende Kerze ins Schlafzimmer zu stellen, die die Hausbewohner auch beim Schlafengehen daran erinnern soll, dass dies die Nacht des Versöhnungstages ist. Verpflichtungen und Bräuche am Jom Kippur: Jom Kippur ist ein Buss-, Fast- (24 Std. keine feste Nahrung, keinen Tropfen Flüssigkeit), Trauer- und Versöhnungstag. Auch wenn Jom Kippur auf den Schabbat fällt, wird gefastet. Schwangere und stillende Frauen müssen fasten; aber nicht die Frauen, die gerade entbunden haben. Gottes Urteil wird anerkannt. Absolute Werk- und Genusslosigkeit. Man wäscht sich nicht, salbt den Körper nicht. Man kleidet sich ganz in Weiss. Trägt keine Lederschuhe, sondern Gummi- oder Turnschuhe. Kein Geschlechtsverkehr. Hängenlassen der Seele. Der Versöhnungstag ermöglicht es jedem Menschen, eine neue Seite in seinem Leben aufzuschlagen und dadurch auf den rechten Weg zurückzukehren. Am Versöhnungstag selbst wird in der Synagoge auch Jiskor gebetet. Es ist dann aber um zwei Abschnitte erweitert, und zwar einmal um das Totengebet zum Andenken an die Opfer der Massenvernichtungen während des Zweiten Weltkriegs und zum zweiten um das Totengebet zum Andenken an die in Israels Kriegen Gefallenen. Jeder, dessen Eltern noch am Leben sind, verlässt während des "Jiskor" die Synagoge. Im Mussafgebet ist es Brauch, dass die Gemeinde niederkniet und Gott dankt, dabei neigen alle Gläubigen ihr Gesicht bis auf den Boden. Einmal im Jahr werden an einem Tag fünf Gebete gesprochen. Dieses fünfte Gebet ist das Neila-Gebet (Schluss-Gebet) am Versöhnungstag. Zu dieser Stunde wurden am Versöhnungstag die Tore des Tempels geschlossen, und der Gottesdienst war beendet. Zu dieser Zeit schliessen sich auch die Tore des Himmels. Die den Versöhnungstag begehenden Juden klopfen also mit "letzter Kraft" an die Tore der Barmherzigkeit, damit sie ihnen nicht verschlossen werden. Zum Schluss wünscht man sich "Nächstes Jahr im wiedererbauten Jerusalem"] Sukkot / Laubhüttenfest (15.-23. Tischri) [einwöchiges Fest, Sukka = Obdach, Hütte, das am fünften Tag nach Jom Kippur beginnt, zur Erinnerung an die Hütten, in denen die Kinder Israels während ihrer Wüstenwanderung lebten; Sukkot, "Hütten" = Laubhüttenfest, drittes der drei Wallfahrtsfeste, grösstes und vielleicht ältestes, acht Tage lang, beginnend am 15. Tischri. 15. und 16. Tischri Feiertage (16. zur Zeit des Tempels das Wasserschöpfefest), 17.-21. Tischri Halbfeiertage, am 21. besondere Feier: Hoschana rabba, Palmfest; 22. Feiertag (Schemini Azeret); 23. Torafreudenfest (Simchat Tora). Sukkot ist ein sehr fröhliches Fest der Freude und Danksagung, allgemeines Erntedankfest. Die Freude an Sukkot ist als Pflicht mehrfach geboten. Sukkot ist eines der drei Wallfahrtsfeste (an denen die Israeliten zum Tempel in Jerusalem pilgern und dort das Fest begehen mussten. Die anderen sind: Pessach und Schawuot. Diese drei Hauptfeste haben historische und auf die Ernte bezogene Bedeutung). Die Sukka. Symbole von Sukkot: das wichtigste Symbol, die Sukka, eine Laubhütte, in der die Familie acht Tage lang wohnt (und übernachtet!), zur Erinnerung daran, dass das Volk nach dem Auszug aus Ägypten während des Zuges durch die Wüste in Hütten wohnte. Das Gebot, sich in der Laubhütte aufzuhalten, erinnert demnach an den Auszug aus Ägypten und an den festen Glauben der jüdischen Vorfahren an die Macht des Herrn, sie durch die Wüste zu führen und sie schliesslich in ihr Land zu bringen, es ihnen zuzuteilen und es blühend und fruchtbar zu machen. Wie am Schabbat und den anderen Feiertagen werden Kerzen angezündet. Dies geschieht in der Sukka mit dem Segensspruch Lehadlik ner schel jom tow und an den ersten zwei Abenden mit dem zusätzlichen Segen Schehechejanu. Die Laubhütte soll direkt unter dem freien Himmel stehen. In ihr soll mehr Schatten als Licht sein. Die Dachbedeckung ist gerade richtig, wenn durch das Dach nachts Sterne zu sehen sind. Fällt in die Hütte mehr Sonne als Schatten, ist die Hütte nicht koscher; sieht man jedoch Sterne durchs Dach, ist sie koscher. Zulässige Masse der Sukka: von 1 m bis 9,5 m hoch; jede Wand mind. 70 cm breit. Die Hütte wird geschmückt, im allgemeinen mit den sieben Arten, mit denen das Land Israel gesegnet war (Sieben Arten, schiwa haminim, die "sieben Arten", mit denen Israel gesegnet war, nämlich: "Ein Land von 1. Weizen und 2. Gerste, 3. Weinstock, 4. Feige und 5. Granatapfel, ein Land von 6. Öl (= Oliven) und 7. Honig" (Honig bezieht sich hier auf die Datteln)). Hinzu kommen Vorhänge oder Plakate mit Versen, die sich auf das Fest beziehen, die "Gästeliste" (s.u.), bunte Tücher, weitere Früchte (z. B. Kürbisse) usw. Ausserhalb der Laubhütte darf nichts gegessen werden. Und dieses Verbot gilt für alle sieben Tage. Frauen sind vom Gebot, in der Laubhütte zu wohnen, befreit, weil es ein zeitbedingtes ist. Auch "zu Bedauernde", d.h. Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht im Freien schlafen dürfen, sind von diesem Gebot befreit. Aus dem gleichen Grund darf man die Laubhütte auch bei starkem Regen verlassen oder wenn das aufgetragene Essen völlig verregnet und dadurch sein Geschmack und seine Qualität ernsthaft beeinträchtigt wird. Die Gäste (Uschpesin) In die Laubhütte jedes gesetzestreuen Juden kommen jeden Tag während des Festes sieben "hohe, heilige Uschpesin", d. h. Gäste. Das sind die Seelen 1. Abrahams, 2. Isaaks, 3. Jakobs, 4. Josefs, 5. Moses, 6. Aarons und 7. Davids. Sie wechseln sich so ab, so dass jeder einmal als der Erste am Tisch sitzt. Jeder dieser Gäste, die Erzväter des Volkes, wusste aus eigener Anschauung, was Wandern ist. Um mit dem Besuch dieser Gäste beehrt zu werden und sich des Festes voll erfreuen zu dürfen, muss man auch Gäste aus Fleisch und Blut einladen. Dabei muss man sich besonders um die Einsamen, die Obdachlosen und die Armen kümmern, die die Gebote nicht befolgen und keine Laubhütte errichten können, und diese in der eigenen Laubhütte bewirten. Die vier Arten Weiteres Symbol der Fest-Strauss aus den arba Minim, den vier Arten: 1. Etrog (Zweig vom Zitrusbaum, Paradiesapfel (?)), 2. Lulaw (Zweig einer Dattelpalme, der grösste Zweig im Feststrauss an Sukkot; - mit Lulaw ist auch der ganze Strauss gemeint), 3. Myrtenzweige (Chadassim), 4. Weidenzweige (Bachweide; Arawot). Die vier Arten sollen die Einheit des Volkes und die gegenseitige Verantwortung der Menschen füreinander symbolisieren. Sie symbolisieren auch die gesamte Pflanzenwelt. Fasst man sie als Bündel zusammen, weiht man sie Gott. Schüttelt man sie in alle Richtungen, wird Gott dadurch über die ganze Welt zum König gekrönt. Der Grund, warum ausgerechnet diese vier Pflanzenarten gewählt wurden, ist ihre Verschiedenartigkeit. Jede Art symbolisiert zudem einen bestimmten jüdischen Menschentyp: Der Etrog ist eine Frucht des Zitrusbaums, der "dichtbelaubte Baum": Wohlgeruch und Wohlgeschmack = Studium der Tora und Tun der Gebote. (Der Etrog muss schön aussehen, unten am Stiel, an dem er am Baum hing, breiter und oben schmaler sein. Darauf achten, nicht etwa aus Versehen eine Zitrone zu verwenden. Den Unterschied erkennt man an der Schale: Die Zitrone hat eine glatte Schale, die Schale des Etrogs weist dagegen Grübchen und Warzen auf.) Der Lulaw/Palmwedel kommt von einem Baum, dessen Früchte, die Datteln, geruchlos, aber wohlschmeckend sind: einer, der nicht viel weiss und nicht intensiv die Tora studiert hat, aber nach den Geboten handelt. (Der Palmwedel, soll gerade sein, die einzelnen Rispen sollten dicht beieinander liegen. Der mittlere Zweig darf nicht gespalten sein, beide Teile müssen fest zusammensitzen. Das Gebot der vier Arten hat seinen Namen vom Palmwedel erhalten, vom sogenannten "Lulaw"-Schütteln, weil er der auffallendste der vier Arten ist und die drei anderen an ihn gebunden werden. Der Palmwedel muss mindestens eine Spanne = 20 cm über die Myrten hinausragen.) Der Myrtenzweig wiederum duftet zwar lieblich, ist aber geschmacklos: einer, der zwar viel studiert, aber sich selbst nicht daran hält. (Für die Myrte braucht man drei Zweige. Jeder Spross der Myrte muss drei Blättchen aufweisen, denn damit entspricht er der Bedingung von "dichtbelaubt". Die Myrte wird rechts an den Palmwedel gebunden, den der Betende am Stiel hält. Die Myrtenzweige müssen länger als die Bachweiden sein, die an die linke Seite des Palmwedels kommen.) Die Bachweide hat weder Wohlgeruch noch Wohlgeschmack: einer, der weder die Tora studiert hat noch ihre Gebote befolgt. (Für die Bachweide genügen zwei Zweige. Der Stiel der Bachweide soll rötlich sein; die Blätter sollen schmal und lang, ihre Spitzen vollkommen sein. Die Bachweiden müssen frisch sein, sie werden im Laufe des Festes erneuert. Erwünscht sind grosse Bachweiden, die am Bachufer wachsen, es ist aber nicht unbedingt notwendig. Man sollte sie nicht mit Eukalyptuszweigen verwechseln, die ihnen sehr ähnlich sind.) Da Gott nicht das Verderben will, werden alle diese unterschiedlichen Charaktere zu einem Bündel zusammengenommen, damit der eine für den anderen sühnt. Am Morgen jedes Festtages nimmt man nun vor dem Gebet den Palmwedel in die rechte und den Etrog in die linke Hand. Den Etrog drückt man mit dem Stiel nach oben mit dem Auswuchs nach unten an den Palmwedel, so dass er umgekehrt wie sonst am Baum liegt. Nach den vorgesehenen Segenssprüchen dreht man den Etrog wieder um und schüttelt die vier Arten in sechs verschiedene Richtungen (vier Himmelsrichtungen sowie oben und unten). Vor dem "Lulaw"-Schütteln darf man nichts essen. Allerdings darf dieses Gebot eigentlich zu jeder Tageszeit erfüllt werden. An Sukkot Genuss von Früchten, Strudel mit Trockenobst, Suppe mit "Kreplech"] Hoschana rabba / Palmfest [Hoschana, "So hilf doch!" Der siebte Tag von Sukkot; gleichzeitig der letzte Tag der "hohen Feiertage"; entsprechend der jüdischen Kabbala war und ist es ein Tag, an dem "Zettel in den Himmel" geschickt werden, um das dort gefällte Urteil, das für jeden Juden für das ganze kommende Jahr bereits festliegt, vielleicht doch noch zu beeinflussen; und im Rahmen dieser Tradition wünscht jeder dem Nächsten "Ein gutes Zettelchen!" oder, wie man auf Jiddisch sagt, "A gutt Kwittel!" Am Morgen von Hoschana Rabba steht der Vorbeter vor dem Toraschrank in einem weissen Kittel genau wie am Neujahrsfest und am Versöhnungstag; in der Synagoge erfolgen sieben Rundgänge = Hakkafot mit der Torarolle bzw. den Torarollen und mit Lulav und Etrog bzw. den vier Arten, als Symbol der Befreiung vom Übel; nach den sieben Hakkafot erfolgt das rituelle Schlagen mit den Weidenzweigen; man legt die vier Arten beiseite und nimmt statt dessen eine Gruppe von fünf Bachweidenzweigen, die zusammengebunden sind, in die Hand; nach Beendigung des Kaddisch werden die Weidenzweige fünfmal auf den Boden oder auf eine Stuhllehne geschlagen; dann wirft man sie an einen Ort, an dem niemand auf sie treten kann; entsprechend der Gästeliste ist nach traditionell-jüdischem Verständnis König David am Tag von Hoschana Rabba zu Gast; aus diesem Grund werden am Abend von Hoschana Rabba Verse gelesen, die mit König David zusammenhängen] Schemini Azeret [Schmini Azeret, "der Achte der Versammlung" = des Festes, achter und letzter Tag von Sukkkot, am 22. Tischri. Schlussfest. "Gott sprach zu Israel am Ende der sieben Wallfahrtstage: Versammle sich mein Volk noch einen weiteren Tag, denn der Abschied von euch fällt mir schwer." Am achten Tag gelten die Gebote in Bezug auf die Laubhütte und die vier Arten nicht mehr. Schmini Azeret hat mit Sukkot direkt nichts mehr zu tun, sondern ist ein eigenständiger Feiertag mit eigener Identität. Ein ein wenig wehmütiges Fest des Abschieds von den Feiertagen des Tischri. An ihm darf man keine schwere Arbeit verrichten. Von diesem Tag an wird um Regen gebetet. Lesung aus dem Buch Kohelet. Seelenfeier (Jiskor). Schmini Azeret geht unmittelbar in Simchat Tora über; Simchat Tora = 2. Tag Schemini Azeret (in Israel damit identisch) Simchat Tora/(Fest der) "Gesetzesfreude" (23. Tischri) [Abschluss der jährlichen Tora-Vorlesungen und Beginn eines neuen Zyklus; zugleich Erntedank. Simchat Thora. Am 22. (in Israel) bzw. 23. (in der Diaspora) Tischri, folgt unmittelbar nach Schmini Azeret. Ist Freudenfest der Thora aus Anlass des Endes des Lese-Zyklus. Nachdem der Zyklus der Lesung der fünf Bücher Moses beendet ist, finden freudvolle, manchmal ausgelassene Umzüge (Hakkafot) mit den Thorarollen in der Synagoge statt. Nach dem Lesen des letzten Abschnittes des fünften Buches Moses wird - um zu betonen, dass das Studium der Tora nie beendet wird - das 1. Buch Moses geöffnet, um mit einem neuen Zyklus zu beginnen. Chatan Tora und Chatan Bereschit (Bräutigam der Tora bzw. des "im Anfang") An diesem Tag ist es eine besondere Pflicht, jeden einzelnen Anwesenden zum Vorlesen aus der Tora aufzurufen. Die ganze Gemeinde Jakobs hat die Tora empfangen und ist mit gleichen Rechten und Pflichten an ihr beteiligt; niemand kann einen ausschliesslichen Anspruch auf sie erheben; sie ist nicht erblich, sondern sie steht nur jenen zu, die sie studieren und sich mit ihr beschäftigen, d.h. den "ihr Anverlobten". Deshalb werden die zum Vorlesen aus der Tora Aufgerufenen - diejenigen, die das 5. Buch Mose beenden, und diejenigen, die im 1. Buch Mose neu beginnen (im allgemeinen der Rabbiner der Synagoge, ein anderer Bibelgelehrter oder jemand von den Honoratioren der Gemeinde) – auch als "Bräutigame" bezeichnet. Aber an diesem Festtag werden nicht nur die Erwachsenen zur Tora gerufen, sondern auch Kinder und Jugendliche. Sie versammeln sich um die Bima und schliessen sich dem Segensspruch des zur Tora Aufgerufenen an. Wie ein einziger Mann drängen sie sich unter dem Tallit zusammen, der über sie ausgebreitet wird, und gemeinsam sagen sie die Segenssprüche. Hakkafot (Umzüge mit den Torarollen) An Simchat Tora finden sieben Hakkafot, Umzüge mit den Torarollen im Arm, um die Bima statt. Die gleiche Anzahl von Torarollen tragen die Gläubigen in ihren Armen. Auch die Kinder in der Synagoge schliessen sich dieser "Torafreude" an und nehmen an der Prozession teil. Sie halten kleine Torarollen oder besondere Fähnchen für Simchat Tora. Nach den Gebeten, die bei jeder Hakkafa gesprochen werden, singt und tanzt die Gemeinde mit den Torarollen. Im Land Israel finden auch am Ausgang von Simchat Tora Hakkafot statt, die so genannten "zweiten Hakkafot". Diese Hakkafot bringen die Identifizierung mit den Juden in der Diaspora zum Ausdruck, bei denen Simchat Tora erst beginnt, wenn es in Israel schon zu Ende geht. Sie beziehen das ganze Volk ein und werden im allgemeinen von einem Orchester oder von Musikinstrumenten musikalisch begleitet. Das Judentum weiss jede Freude zu schätzen, und sie wird heilig, wenn sie mit der Torafreude vereint ist. Die ganze Freude - die innere wie die äussere - kommt während der Umzüge zum Ausdruck]
    • 2) Cheschwan (kurz für: Marcheschwan) (Okt.-Nov.), 29 oder 30 Tage (8. Monat nach dem religiösen Kalender, 2. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. „Marcheschwan“ stammt vom akkadischen (W)araḫ samnu ab und bedeutet schlicht „Achter Monat“, was darauf hinweist, dass zur Zeit der Übernahme akkadischer Monatsbezeichnungen in die jüdische Tradition während des babylonischen Exils noch der alte judäische Kalender in Gebrauch war, bei welchem der Jahresanfang im Monat Nisan liegt. In der Tradition wurde „Mar“ als Präfix missverstanden bzw. umgedeutet, so dass die Kurzform „Cheschwan“ entstand. „mar“, das hebräische Wort für „bitter“, bezog man darauf, dass kein Fest in diesen Monat fällt. Davon ausgenommen sind jedoch die äthiopischen Juden, welche am 29. des Monats das Fest der Übergabe der Tora am Sinai feiern. Im Tanach taucht die Bezeichnung „(Mar)Cheschwan“ nicht auf, statt dessen ist vom achten Monat bzw. „Monat Bul“ die Rede (z. B. 1 Kön 6,38). Die Bedeutung dieses Namens ist unklar. Mögliche Ableitungen beziehen sich auf "belila", das Bereiten des Viehfutters, oder "jevul", den Ernteertrag)
    • 3) Kislew (Nov.-Dez.), 30 Tage (oder 29 Tage) (9. Monat nach dem religiösen Kalender, 3. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. Die Bezeichnung Kislew stammt aus dem Akkadischen und bedeutet „dick“, was auf die dicken Regenwolken des einsetzenden Winterregens hinweist. Seinen Namen erhielt der Monat in der jüdischen Tradition erst in der Zeit des babylonischen Exils. Im Tanach ist die Bezeichnung Kislew zweimal (Sach 7,1 und Neh 1,1) belegt. Nach Mischna Rosch ha-Schana 1,3 gehörte der Kislew zu den Monaten, in denen man Boten wegen der Bekanntmachung des beobachteten Neumondes ausschickte. Grund dafür ist, dass das Fest Chanukka, welches am 25. des Monats beginnt, gemeinsam begangen werden sollte) Chanukka (25. erster Tag Chanukka) [abendliches Lichterzünden, anschliessendes Singen des Chanukka-Liedes Maos Zur / Moaus Zur, צור מעוז , "Schutzwehr und Fels"; Chanukka = "Weihung", achttägiges Lichterfest, beginnend am 25. Kislew (Nov./Dez.). Mit dem Anzünden des Chanukkaleuchters während der acht Tage des Chanukkafestes wird an das Wunder im zweiten Tempel erinnert. König Antiochus IV. Epiphanes, syrischer Herrscher, verbot 167 v.d.Z. das Ausüben der jüdischen Religion. Dadurch rief er den Widerstand der Makkabäer (auch Hasmonäer genannt): des Priesters Mattatias aus dem Dorf Modi´in und seiner fünf Söhne Jehudah, Schimeon, Jochanan, Jonathan und Eleasar hervor. Der Sieg fiel (am 25. Kislew 165 v.u.Z.) zugunsten der Juden gegen die griechischen Herren und ihre Götzenkultur aus. Im entweihten Tempel, der am gleichen Tag noch neu geweiht wurde, fanden die Makkabäer ein Kännchen reines Öl, das eigentlich nur der Menge für einen Tag entsprach, aber dann unerwartet acht Tage für das ewige Licht ausreichte. Der Kampf gegen die Griechen fand auf einer ideologischen und geistigen Ebene statt. Es handelte sich nicht um einen physischen Kampf, sein Ziel war nicht etwa eine Eroberung, die Annexion von Gebieten, die Erweiterung eines Königreiches – angestrebt wurde vielmehr eine volle Autonomie, um ein jüdisches Leben führen zu können und sich von dem Zwang einer Fremdherrschaft zu befreien. Chanukka soll ein Fest der Freude und des Lobs sein, an dem jede Nacht brennende Lichter in die Hauseingänge gestellt werden, die an das Wunder erinnern und von ihm zeugen sollen. Diese Tage werden als Chanukka bezeichnet. An ihnen ist jede Trauer untersagt, genau wie zu Purim. Während des Chanukkafestes ist die Arbeit nicht untersagt, und viele nutzen die Gelegenheit, um ins Grüne zu fahren, wie zum Beispiel dorthin, wo sich die historischen Ereignisse abgespielt haben, wie in Modi´in, oder sie besuchen Verwandte, die ausserhalb der Heimatstadt wohnen. Die Reihenfolge, in der die Kerzen angezündet werden. Wieviel Kerzen werden zum Chanukkafest angezündet? Es gibt unterschiedliche Traditionen. Durchgesetzt hat sich die Schule Hillels: am ersten Abend ein Licht und an jedem weiteren Abend ein Licht mehr, so dass am achten Abend insgesamt acht Lichter angezündet werden. Zu diesem Zweck verwendet man einen Chanukkaleuchter mit acht Flammen. Die Kerzen werden angezündet, sobald am Himmel die ersten Sterne zu sehen sind, d.h. sofort nach dem Abendgebet. Solange die Lichter brennen, ruht jede Arbeit. Die Lichter müssen mindestens eine halbe Stunde lang brennen. Der Chanukkaleuchter muss so aufgestellt werden, dass er ins Auge fällt, denn hinter diesem Gebot steht ja die Absicht, das Wunder zu bezeugen und das Wissen darüber zu verbreiten, damit so viele wie möglich von ihm erfahren. Die dabei verwendeten Lichter dürfen keinem anderen Zweck dienen. Von ihnen darf man keinen Nutzen haben, man darf sie nur anschauen. Daher ist es üblich geworden, sich mit Spielen zu beschäftigen, während die Lichter brennen. Bei vielen steht der Chanukkaleuchter im Hauseingang, genauer: links von ihm, der Mesusa gegenüber, die ja rechts angebracht ist (auch in der Synagoge werden täglich Chanukkalichter angezündet). Die Lichter im Chanukkaleuchter werden mit einem weiteren Licht, dem sogenannten Schamasch, "Diener", angezündet, und zwar nicht nur, weil es verboten ist, ein Licht mit dem anderen anzuzünden, sondern auch, weil diese Lichter zu keinem anderen Zweck verwendet werden dürfen: Man darf sie nur betrachten. Am ersten Tag wird das Licht rechts vom Anzündenden angezündet. Dabei sagt man drei Segenssprüche: 1. Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns geheiligt durch deine Gebote und uns befohlen, das Chanukkalicht anzuzünden. 2. Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du Wunder erwiesen unseren Vätern in jenen Tagen zu dieser Zeit. 3. Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erleben lassen. - Nach dem ersten Tag werden nur die beiden ersten Segenssprüche gesagt. An den Tagen darauf kommt jeweils links von dem ersten Licht ein weiteres hinzu, angezündet wird das neu dazugekommene Licht dann als erstes, d.h.: Die Lichter werden von rechts nach links aufgestellt und von links nach rechts angezündet. Am Freitag Abend werden die Lichter für Chanukka vor den Sabbatlichtern angezündet, also im Hellen, sonst immer, wenn es schon dunkel ist. Nach dem Anzünden der Lichter rezitieren die sephardischen Juden Psalm 30, während die aschkenasischen Juden das Lied "Maos Zur" singen, das heisst: "Oh mächtiger Fels". Bräuche zu Chanukka: Genuss von Latkes, das sind Pfannkuchen (Kartoffelpuffer), und Sufganiot (Berliner). Beide erinnern an das Fläschchen Öl, denn sie werden in Öl gebacken. Man isst auch Milchspeisen. Um die Kinder in die festliche Chanukkastimmung einzubeziehen, erhalten sie das so genannte "Chanukkageld" und werden eine Stunde früher als sonst vom Torastudium befreit. Ausserdem gibt es für die Kinder besondere Spiele zum Chanukkafest, eines davon ist das Spiel mit dem Kreisel (Dreidel, Sevivon), auf dem die Buchstaben Nun, Gimmel, Heh und Pe aufgezeichnet sind, die Initialen für den Satz "Nes gadol haja po". Im Ausland wird das Pe für "hier" durch ein Schin für "dort" ersetzt. Man spielt auch Karten um Geld, obwohl das verboten ist. Auch die Geschichte von Judith und Holofernes wird üblicherweise mit dem Wunder und der Feier von Chanukka verbunden]
    • 4) Tewet (Dez.-Jan.), hat immer 29 Tage (10. Monat nach dem religiösen Kalender, 4. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. Im Tanach ist die Bezeichnung „Tevet“ einmal belegt: Es wurde aber Ester zum König Ahasveros gebracht in den königlichen Palast im zehnten Monat, der da heisst Tebet, im siebenten Jahr seiner Herrschaft. Häufiger ist vom „Zehnten Monat“ die Rede. Der Begriff stammt aus dem Akkadischen und bezeichnet etwas, worin man einsinkt. Vermutlich ist damit auf den durch die Winterregen aufgeweichten, schlammigen Erdboden angespielt) 2. Tewet (oder am 3. Tewet, in Abhängigkeit von der Länge des Kislews) = 8. Tag Chanukka Fasten des 10. Tewet (Beginn der Belagerung Jerusalems unter Nebukadnezar) [An diesem Tag begann die Belagerung Jerusalems durch die Babylonier 597 v.d.Z. König Nebukadnezar II. liess nach Aufständen im Königreich die Stadt erstürmen. So markiert der zehnte Tewet den Anfang der grossen Katastrophe, die zur Zerstörung des Tempels und zur Verbannung des jüdischen Volkes in Babylonien geführt hat. Am 10. Tewet wird vom Sonnenaufgang bis zum Leuchten der ersten Sterne gefastet. Fällt der 10. Tewet auf einen Freitag, wird am gleichen Tag gefastet, man verlegt ihn nicht, denn es heisst ja: "am heutigen Tag" (Ezechiel 24,2). Der 10. Tewet wurde auch als "Tag des allgemeinen Kaddisch" zum Andenken an die Opfer der Massenvernichtungen während der Shoah festgelegt, deren Todestag unbekannt ist. An diesem Tag zündet man ein Gedächtnislicht an, spricht das Kaddisch und studiert Abschnitte über das Erheben der Seelen]
    • 5) Schewat / Schwat / Schevat (Jan.-Febr.), hat immer 30 Tage (11. Monat nach dem religiösen Kalender, 5. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. Die Bezeichnung „Schevat“ stammt aus dem Akkadischen und bedeutet Stamm bzw. Stab. Im Tanach ist der Monatsname nur einmal belegt. Nach der jüdischen Tradition fällt in den Monat Schevat das Neujahrsfest der Bäume. Nach Meinung des Hauses Schammai fällt es auf den 1. Schewat, nach Meinung des Hauses Hillel auf den 15. des Monats (Mischna Rosch ha-Schana 1,1). Letztere Meinung ist traditionsbestimmend geworden) Tu bi-Schwat, Neujahr der Bäume, 15. Schwat [Tu be Schewat. Am 15. Schwat ( = Tu bi-Schwat; im Februar). Neujahr der Bäume (zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten Knospen zu sehen). Dieser Termin markiert das Ende der Regenzeit und damit den Beginn der idealen Pflanzperiode in Israel. Das Datum ist wichtig für die Vorschriften für die Orla, d.h. Altersbestimmung der Bäume. Das Fest gründet sich auf das Verbot, die Früchte von neu gepflanzten Bäumen unter drei Jahre nicht zu geniessen, sie im vierten Jahr im Tempel darzubieten und erst im fünften Jahr zu essen. Tu bi-Schwat zeigt das Ende des Winters an und symbolisiert das Blühen Israels, seine Besiedlung, die Schönheit der Natur und die guten Früchte, die seine Erde hervorbringt. Tag, an dem Früchte/Fruchtsalat gegessen werden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Tradition, die im Buch Chemdat ha-Jamin ihren Niederschlag fand, später noch in dem Buch Pri Etz Hadar, das die Aggada des 15. Schwat wurde. In der Diaspora ist es Brauch, möglichst fünfzehn Früchte zusammenzustellen und zu verzehren, die an das Land Israel erinnern. Es gibt Juden, die an diesem Tag fünfzig verschiedene Arten von Früchten essen. Auch heute deckt man am 15. Schwat den Tisch, indem man die schönsten Früchte aus dem Land Israel aufträgt, insbesondere jedoch die "sieben Arten", mit denen das Land gesegnet war. Dabei versucht man, frische Früchte zu finden, die man in diesem Jahr noch nicht gegessen hat, damit man über sie den Segensspruch "Schehechejanu" sagen kann. An Tu bi-Schwat ist es auch verboten zu fasten, und man spricht auch keine Trauerrede. Vorausgesetzt, dass es kein Brachjahr ist, an dem jede Feldarbeit verboten ist, fährt man ins Grüne, und oft pflanzt man neue Bäume]
    • 6) Adar (Adar I) (Febr.-März), 29 Tage (12. Monat nach dem religiösen Kalender) Fasten Esther (13. Adar/ im März) [Taanit Esther, "Fasten der Königin Esther"; der 13. Adar, der Vortag des Purimfestes, ist ein Fastentag, das so genannte Taanit Esther. Die Vorschriften für das Taanit Esther sind praktisch die gleichen wie für die anderen öffentlichen Fastentage wie das Fasten Gedalja, das Fasten am 10. Tewet und am 17. Tammus. Das Fasten beginnt früh morgens vor Sonnenaufgang. Beim Minchagebet findet auch die Zeremonie zum Andenken an den "halben Schekel" statt, der gezahlt wurde, als der Tempel noch stand: In einen tiefen Teller in der Synagoge werden drei besondere Münzen gelegt, die diesen Namen tragen. Warum ausgerechnet drei Münzen? Um damit an Esters Bitte an das ganze in der Zerstreuung lebende jüdische Volk zu erinnern, drei Tage lang zu fasten und reuige Umkehr zu halten, um sich auf das erflehte Wunder vorzubereiten. Um also den Boden für das bevorstehende Wunder vorzubereiten, musste sich das Volk Israel durch Fasten, Weinen und Trauer läutern, und zum Andenken daran hält man auch heute noch das Fasten der Königin Esther ein. Wie bei anderen jüdischen Festen, an denen unvermittelt die Freude unterbrochen wird, um der Toten zu gedenken, ist auch der Übergang vom Fasten, dem Taanit Esther, zur Freude des Purimfestes sehr unvermittelt. Auch in diesem Fall soll man daran erinnert werden, dass es auf dieser Welt keine Freude gibt, in die sich nicht eine Spur von Trauer mischt; Megillath Esther, das Buch Esther, wird gelesen] Purim / Losfest (14. Adar) [Purim. Am 14. und 15. Adar (Februar/März). Pur = hebr. "Los". Dieses Losfest ist ein Freudenfest. Es erinnert an die Legende der Rettung der Juden in Persien durch Königin Esther und ihren Onkel und Vormund Mordechai (im 5. Jhdt. v.u.Z.?). Esther ("Stern") ist persischer Name der jüdischen Jungfrau Hadassa ("Myrte"), Pflegetochter des Mordechai am persischen Hof in Susa. Sie vereitelte als Gemahlin des persischen Königs Ahasveros (Xerxes I.) einen Mordanschlag des Wesirs Haman gegen die Juden, verhalf Mordechai zur Wesirswürde und ihren jüdischen Glaubensbrüdern zur blutigen Rache. Haman, der Minister ihres Gatten, des Königs Ahasveros, wollte alle Juden im Reiche des Königs, von Indien bis Äthiopien, umbringen, weil der Jude Mordechai sich ihm nicht unterwerfen wollte. Haman befragte das Los, in welchem Monat er sein Ziel erreichen würde. Das Buch Esther ist eine historische Novelle, doch voll von geschichtlichen Ungenauigkeiten. Entstehung zwischen dem 4. und Ende des 2. Jhdts. v.u.Z. Der Esther-Stoff, der die Erhöhung der Demut und den Sturz des Hochmuts sinnfällig macht, wurde seit dem 16. Jhdt. wiederholt dramatisiert (Hans Sachs, Lope de Vega, Racine, Grillparzer, Max Brod). An welchem Tag wirdPurim gefeiert? In ganz Israel und in der Diaspora wird das Purimfest am 14. Adar gefeiert. In Jerusalem und in Jericho wie in der damaligen (persischen) Hauptstadt Susa sowie in allen Städten, die zur Zeit Josuas, des Sohnes Nuns, von einer Mauer umgeben waren, wird das Purimfest am 15. Adar begangen. Dieses Purim heisst "Schuschan Purim" oder "Purim der Städte" auf Grund der Tatsache, dass es nur in den früher von einer Mauer umgebenen Städten gefeiert wird, - im Gegensatz zum "Purim der Provinzstädte", das in offenen Städten begangen wird. In Städten, in denen Zweifel in Bezug auf das Datum ihrer Entstehung und auf Mauern um sie herum bestehen - z.B. Akko, Tiberias, Jaffa - wird Purim sowohl am 14. wie am 15. Adar gefeiert. Der Grund ist folgender: Am 13. Adar führten die Juden gegen ihre Feinde einen Rettungs- und Erlösungskampf, und am 14. Adar ruhten sie sich davon aus. Deshalb gilt dieser Tag als Tag der Freude und des Festmahls. Dagegen erhielten die Juden in der Hauptstadt Susa die Erlaubnis, sowohl am 13. als auch am 14. Adar gegen ihre Feinde zu kämpfen, und erst am 15. Adar ruhten sie sich von den Kämpfen aus. Deshalb wurde der 15. Adar als der Freudentag für die Juden in der Hauptstadt festgelegt. Um das Land Israel zu ehren, das zur damaligen Zeit öde und leer war, beschlossen die Weisen, auch auf die Städte im Land Israel, die zur Zeit Josuas von einer Mauer umgeben waren, etwas von der Einzigartigkeit der Hauptstadt Susa zu übertragen. Purim meschulasch (dreimal Purim) Es kann der Fall eintreten, dass das Purimfest insgesamt drei Tage lang dauert: wenn der 15. Adar auf einen Schabbat fällt in einer von Mauern umgebenen Stadt. Dann gilt folgendes: 14. Adar: Lesen der Megilla und Geschenke für die Armen, 15. Adar (Schabbat): Gebet "Über die Wunder", Lesen der Tora, 16. Adar (Sonntag): Festmahlzeit und Geschenksendungen an die Nächsten. Purim - ein Freudenfest Im Gegensatz zu Chanukka, an dem die Juden des Kampfes gedenken, der um die geistige Existenz des Volkes Israel und die Einzigartigkeit der Tora geführt wurde, stand beim Kampf zwischen Hamann einerseits und Mordechai und Ester andererseits die physische Existenz des jüdischen Volkes auf dem Spiel. Deshalb wird Purim nicht nur mit geistigen Freuden gefeiert, sondern findet seinen Ausdruck auch in materiellen Freuden, die gleichsam sagen sollen: Hier sind wir - wir leben, wir essen und trinken, und wir sind fröhlich. Die Freude an Purim ist darüber hinaus als eine Art Botschaft an alle Erben Hamans gedacht, die in jeder Generation seinem Vorbild folgten. Sieben Pflichten an Purim 1) Vollständige Lesung des Buches Ester (Megillat Ester). Kein Wort darf dem Juden entgehen. Deshalb muss der Vorlesende an den Stellen, an denen die Gemeinde beim Hören des Namens Haman mit Knarren klappert, mit Rasseln rasselt oder sonst Geräusche macht ("Haman-Klopfen", Klopfen auf das Pult, zum Teil mit besonderen Hämmerchen), eine Pause einlegen, bis sich der Lärm gelegt hat. 2) Geschenksendungen an den Nächsten/Freunde ("Mischloach Manot"). Minimum: eine Sendung, die mindestens aus zwei verschiedenen Speisen besteht. Die Sendung muss am Feiertag selbst geschickt werden, nicht am Vorabend. 3) Geschenke für die Armen ("Matanot Laewjonim" / "Matanot L'evyonim"). Minimum: zwei Geschenke an zwei Arme, d.h. ein Geschenk pro Person (üblich und erwünscht sind Geldspenden). 4) Lesen der Tora. 5) Sagen des "Über die Wunder" beim Gebet und beim Tischgebet über die Speisen. 6) Festmahlzeiten und Freude / Seudat Purim. Purim ist ein Tag, den die Juden mit Essen und Trinken feiern. Im Zusammenhang damit muss man auch (viel) Wein trinken. Und dazu sagten die jüdischen Weisen: "Jeder muss so viel Wein trinken, bis er nicht mehr unterscheiden kann zwischen "Verflucht sei Haman" und "Gelobt sei Mordechai" " – möglichst viele l'Chaims trinken, "Haman-Taschen" essen 7) Verbot von Trauerreden und Fasten. Purimbräuche In einem Meer von Leid, Sorgen und Pogromen an den übrigen Tagen des Jahres bildete und bildet noch heute das Purimfest eine einsame Insel der Lebensfreude, des Humors und der Freude am Leben, die typisch für das jüdische Volk sind. Die Menschen wurden mit einer besonderen Purimliteratur unterhalten, wie auch mit Masken und Verkleidungen erheitert. Aufführungen und Darstellungen ("Purimspiele") wie die des "Rabbi von Purim", launenhafte Possen, zum Teil Parodien biblischer Ereignisse und Gestalten waren einmal im Jahr erlaubt, eben zu Purim - und die Gemeindemitglieder nutzten sie, um die Honoratioren der Gemeinde aufs Korn zu nehmen und "mit ihnen abzurechnen". Auf den Strassen sind bunte Kleider und Kostüme wie im Karneval zu sehen. In Israel werden diese lustigen, bunten Umzüge als Ad-lo-jada bezeichnet, "bis man nicht mehr weiss" (was man tut). Ebenso ist es üblich, gekochte Bohnen und Erbsen zu essen, Gebäck in Form von Taschen zu backen, die mit Marmelade und Mohnsamen gefüllt werden und aus irgendeinem Grund als "Hamentaschen" (ihr jiddischer Name) bezeichnet werden. Jede ethnische Gruppe, jede Gemeinde hat mit besonderen Gerichten und besonderer Unterhaltung ihre eigenen Traditionen entwickelt. – auch örtliche Gedenktage ähnlichen Anlasses werden "Purim" genannt, z. B. "Purim Vincenz" in Frankfurt am Main/Fettmilch-Aufstand 1614] *während der Schaltjahre wird der zusätzlich eingefügte Monat Adar II genannt, das kommt daher, weil der Adar der hebräischen Bibel entsprechend als letzter Monat des Jahres angesehen wird
    • 7) Nissan (März-April), immer 30 Tage lang (1. Monat nach dem religiösen Kalender, 7. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. Im Tanach ist die Bezeichnung „Nisan“ zweimal (Nehemia 2,1; Ester 3,7) belegt. Der Begriff leitet sich vom akkadischen Wort nisannu ab, was sich auf die Frühjahrsblüte bezieht. In den Festkalendern der Bücher Exodus und Deuteronomium dagegen wird der Monat als „Aviv“ - Frühlingsmonat - bezeichnet. In den Nisan fallen folgende Fest- und Gedenktage: Pessach (15.-21., 22. nur ausserhalb Israels), das Omer-Zählen und der Jom haScho'a (27.) Praktisch den gesamten Monat über (in der ersten Monatshälfte wegen des Gedenkens an die Einweihung des Stiftszeltes, in der zweiten Monatshälfte wegen Pesach) herrscht eine freudige Feststimmung. Während des ganzen Monats sind deshalb Tachanun und Trauerreden untersagt. Fasten der Erstgeborenen am Tage vor Pessach. – Pessach: 15.-22./14.-21. Nissan, im April [Fest der jüd. Befreiung; Pessach, wörtlich "Vorübergehen", "Vorüberschreiten", "Verschonung", Frühlingsfest und Fest der Freiheit, d. i. Erinnerung an den Auszug aus Ägypten und die Rettung Israels aus der ägyptischen Knechtschaft. Eines der drei Wallfahrtsfeste. Die Namen des Festes: 1. Frühlingsfest; 2. Fest der Freiheit; 3. Fest der ungesäuerten Brote; 4. Pesach (das "Überschreiten", "Vorbeischreiten", von dem Wunder, das der Herr geschehen liess, als die Plage des Todes der Erstgeborenen Ägypten heimsuchte, aber die Häuser der Israeliten verschonte). Suchen, Verbrennen, Verkaufen von Gesäuertem (Chametz). Auch den kleinsten Einzelheiten, die mit den historischen Ereignissen zusammenhängen, wird Bedeutung beigemessen. Schliesslich ist das Wunder des Auszugs das Ereignis, das das Fundament Israels als einer Nation bildet. Eine dieser - auf den ersten Blick "nebensächlichen" – Einzelheiten, die fest verankert sind und peinlich genau vom Vater an den Sohn weitergereicht wurden, ist die Vermeidung von Kontakt mit Gesäuertem (Chametz) während des Passafestes. Die Israeliten mussten in aller Hast aufbrechen wegen des Drängens von Pharao und des ägyptischen Volkes, das bei der zehnten Plage seinen Erstgeborenen verloren hatte. Sie konnten kaum Wegzehrung vorbereiten und auch den Brotteig nicht mehr säuern, so dass sie ungesäuerte Brote mit auf den Weg nahmen. Das Verbot, während Pesach Gesäuertes zu essen, dient gleich zwei Zwecken: Erstens soll damit jeder persönlich den Auszug des Volkes aus Ägypten nachvollziehen; zweitens soll damit an die Grösse des Vertrauens in Gott erinnert werden: Ohne alle Nahrungsmittel in der Wüste vertrauten die Israeliten darauf, dass Gott für ihre Bedürfnisse sorgen würde. Das Verbot des Genusses erstreckt sich auch darauf, nichts Gesäuertes zu sehen noch im Haus zu haben. Ebenso ist jede Nahrung, in der sich auch nur ein winziger Teil von Gesäuertem oder seiner Nebenprodukte befindet, für den Genuss an Pesach verboten. Selbst der blosse Besitz von Gesäuertem ist verboten. Damit jedes Hindernis in bezug auf Gesäuertes von vornherein aus dem Weg geräumt wird, befiehlt die Halacha drei Dinge: 1. Prüfen (Reinigen) und Verbrennen (dazu gehört, im voraus Brotstückchen an verschiedenen Stellen im Haus zu verstecken und sicherzustellen, dass sie gefunden werden; mit einer Feder werden die Brocken von Gesäuertem zusammengefegt und in einer Papiertüte gesammelt); 2. Ausschliessen jedes Gedankens an alles Gesäuerte und 3. den Verkauf des Gesäuerten an einen Nichtjuden. Da sogar der Besitz von Gesäuertem über Pesach verboten ist, erhebt sich ein schwieriges Problem für alle diejenigen, die über grosse Vorräte von Gesäuertem verfügen, von denen ihr Lebensunterhalt abhängt, wie zum Beispiel für Besitzer von Lebensmittelgeschäften, Bäckereien, Konditoreien, Mühlen usw. Ebenso problematisch ist die Frage nach Lebensmittelvorräten, Arzneimitteln usw. Die Lösung ist der Verkauf des Gesäuerten an einen Nichtjuden (in einem rechtsgültigen Akt), von dem man es nach Pesach zurückkauft. In der Weiterentwicklung wurde daraus ein Wechselgeschäft des Rabbiners (handelt für den ganzen Ort), bei dem der Nichtjude eine blosse Anzahlung leistet, die er nach Pesach zurückerhielt. Koschermachen. Idealerweise hat man für Pesach einen eigenen Satz Geschirr und Geräte, falls dies nicht möglich ist, müssen Geschirr und Geräte, die das ganze Jahr über benutzt werden, für Pesach koscher gemacht werden (z.B. Ausglühen mit Feuer oder Eintauchen in kochendes Wasser oder dreitägiges Stehen in laufwarmem Wasser usw.). Geschirr oder Geräte, die aus zwei verschiedenen Teilen bestehen (das gilt vor allem für Bestecke), können nicht für Pesach koscher gemacht werden. Koscher für Pesach. Auf unzähligen Packungen ist das Etikett "Koscher für Pesach" zu sehen. Allerdings darf man ihm nicht blind vertrauen, viele Täuschungsversuche wurden schon unternommen. Auch bei Restaurants, Pensionen und Hotels muss geprüft werden, ob sie überhaupt unter der Aufsicht eines Rabbinats stehen, und dann, ob sie das Kaschrut-Zertifikat, das sie besitzen, auch zu Recht in Händen halten. Matzen. Zum Andenken an den Auszug aus Ägypten wurde einerseits der Genuss von Gesäuertem untersagt, andererseits aber auch das Essen von Matzen aufgetragen (mindestens 25 g). Das Gebot, Matzen zu essen, bezieht sich nur auf den ersten Pesach-Abend, d.h. den Seder-Abend (Beginn des 15. Nissan; in der Diaspora zwei Tage: 15. und 16. Nissan). An den übrigen Tagen darf man Matzen essen, braucht es aber nicht. Neben den gewöhnlichen Matzen gibt es noch die Mazza schmura ("bewachte Mazza"). Bei der gewöhnlichen Matze wird darauf geachtet, dass sie von dem Augenblick an, in dem die Körner gemahlen und das Mehl weiter verarbeitet wird, nicht zu Gesäuertem wird. Über die Mazza schmura wird schon von der Ernte an gewacht. In jedem Stadium, angefangen von der Ernte bis zur letzten Phase, in der gebacken wird, droht die Gefahr, dass Getreide, Mehl oder Teig Gesäuertes werden - durch zu starke Hitze, Luftfeuchtigkeit oder auch zu langes Kneten. Die Vorfahren backten besondere Matzen für den Pesach-, d.h. den Sederabend, und zwar eigenhändig am Nachmittag des gleichen Tages. Diese Matzen sind die so genannten Mazzot Mizwa, die Matzen des Gebotes; denn sie sind für das Befolgen eines Gebotes bestimmt, d. h. sie werden am Sederabend gegessen. Der Vorabend des Pesachfestes. Den ganzen Tag über wird - bis auf die Festvorbereitungen und das Backen der Mazzot Mizwa - nicht gearbeitet. Folgende Pflichten am Vorabend: Verbrennen des Gesäuerten, sein Verkauf an einen Nichtjuden, das Backen der Matzen und die Vorbereitung des Tisches für den Sederabend. Nach der Halacha müssen am Passavorabend alle Erstgeborenen fasten. Dieses Taanit Habechorim gilt auch für die, die nur der Erstgeborene ihrer Mutter, nicht ihres Vaters sind (allerdings üblicherweise Umgehung des Fastens durch Teilnahme an einer gebotenen Mahlzeit aus Anlass der Beendigung der Lesung eines Talmudtraktates, was entsprechend terminiert wurde; danach ist für sie Essen auch sonst wieder erlaubt). Beim Frühstück ist Gesäuertes noch erlaubt. Dann begibt man sich in die Mikwe, und es ist auch erwünscht, sich noch einmal die Haare zu schneiden (dabei ist zu berücksichtigen, dass an Pesach selbst das Omerzählen beginnt, während dessen Dauer man sich die Haare nicht schneiden darf). Der Sederabend. Der Sederabend ist das zentrale Ereignis des Passafestes. Seit undenklichen Zeiten stand dieses Ereignis im Mittelpunkt des religiösen und nationalen Bewusstseins des jüdischen Volkes. Diese Nacht, reich an Ereignissen und Erlebnissen, Zeichen und Assoziationen, verbindet die Vergangenheit mit der Zukunft und alle Juden, wo immer sie auch wohnen mögen, miteinander; denn jetzt sind sie zur gleichen Stunde um den Tisch vereint und feiern den traditionellen Seder, d.h. die Ordnung. Dieses Beisammensein ist am besten geeignet, die verschiedenen Bevölkerungsschichten zu einen, damit sie eine nationale Einheit, eine Gesamtheit bilden. Ausser der Tatsache, dass das ganze Volk vereint ist, wird es sich an diesem Abend auch seiner Entstehung als Volk aufgrund des Wunders des Auszugs aus Ägypten bewusst. Wenn man nach dem Abendgebet nach Hause kommt, findet man den Tisch mit einem weissen Tischtuch gedeckt, auf dem blitzendes Geschirr und Weingläser entsprechend der Anzahl der Familienangehörigen (sowie ein besonderes Glas für den Propheten Elija) stehen. Die Matzen sind in ein besonderes Tuch gewickelt, und der Stuhl dessen, der den Sederabend leitet, ist mit Kissen gepolstert; er steht am Kopfende des Tisches. Selbstverständlich fehlt auch nicht die grosse flache Schale (Sederplatte / Ka'ara) mit allen speziellen Zutaten, die für den Sederabend notwendig sind. Neben der grossen Schale steht eine kleinere, die Salzwasser zum Eintauchen enthält, und auch eine besondere Serviette, in der der "Afikoman" versteckt wird, von dem noch die Rede sein soll. Die Hausfrau zündet die Kerzen von einem bereits brennenden Feuer an (davor und danach einen speziellen Segensspruch). Vorher sollte man sich noch einmal versichern, dass auch nichts fehlt. Am Sederabend befolgt man zwei Gebote aus der Tora: das Essen von Matzen in der ersten Pesachnacht (mindesten 25 g) und die Erzählung über den Auszug aus Ägypten (= Lesen der Haggada), wie es in der Tora heisst: "An diesem Tag erzähl deinem Sohn: Das geschieht für das, was der Herr an mir getan hat, als ich aus Ägypten auszog." Pesach-Haggada. Um es jedem Juden zu ermöglichen, das Gebot des Vorlesens aus der Haggada über den Auszug aus Ägypten in der richtigen Form zu erfüllen, legten die Weisen im Laufe der Generationen den Text der Pesach-Haggada fest. Sie beginnt mit einem historischen Überblick über die Vorfahren, angefangen von ihrer Mühsal und Last, weiter zu dem Bericht über ihre Einwanderung nach Ägypten, die Beschreibung der zehn Plagen, mit denen der Herr die Ägypter schlug, das Durchschreiten des Schilfmeers und schliesslich über die Erlösung Israels, dem die Tora gegeben wird und das dann das Land Israel besiedelt. Die vier Gläser Wein (vier Becher Wein). Die Weisen haben ausserdem noch den Brauch eingeführt, am Sederabend vier Gläser Wein zu trinken. (Abgesehen davon wird ein besonderes Glas auf den Tisch gestellt, das symbolisch für den Propheten Elija bestimmt ist. Von diesem Wein trinkt man nicht.) Mit diesen vier Gläsern soll das Andenken an die vier Wege festgehalten werden, mit denen der Herr Israels Erlösung aus Ägypten gesichert hat: 1. "In Hast bist du aus Ägypten gezogen", 2. "Ich führe euch aus dem Frondienst für die Ägypter heraus ... ", 3. "Ihr sollt wissen, dass ich ha-Schem bin, euer Gott, der euch aus dem Frondienst in Ägypten herausgeführt", 4. "Ich nehme euch als mein Volk an und werde euer Gott sein". Jedes der vier Gläser muss mindestens eine Menge von 86 Kubikzentimetern enthalten, und jedesmal, wenn man zum Trinken ansetzt, muss man den grössten Teil des Glases leeren. Es ist wünschenswert, guten Wein zu verwenden, allerdings sollte man keinen schweren Wein nehmen, der leicht betrunken macht; denn damit würde er sich nachteilig auf die richtige Durchführung des Sederabends auswirken. Man erfüllt die Vorschrift, vier Gläser zu trinken, auch mit einfachem Traubensaft. Die Sederschüssel (Ka'ara). In der Mitte des Tisches steht die Sederschüssel auf der Serviette, in die die drei Matzen eingeschlagen sind. Die Speisen haben symbolischen Charakter und sind folgendermassen angeordnet (dies die verbreitetste Anordnung, aber auch eine andere Anordnung ist möglich): In der obersten Reihe: links das Ei, rechts der Knochen, darunter in der Mitte das Bittere, in der Reihe darunter links Sellerie, rechts Charosset, ganz unten dazwischen Meerrettich. Ei, Knochen, Bitterkraut bzw. Sellerie, Charosset, Meerrettich bilden jeweils ein Dreieck. Das hartgekochte Ei (Beza) erinnert an das Opfer, das an jedem der drei Wallfahrtsfeste dargebracht wurde: das Festopfer. Das hartgekochte Ei hat die gleichen Eigenschaften wie das jüdische Volk: So wie ein Ei immer härter wird, je länger man es kocht, so ist es auch mit dem Volk Israel - je mehr es strengen Prüfungen unterworfen wird, desto härter und stärker wird es. Andere interpretieren es als Symbol für die Zerstörung des Tempels; denn das Ei ist auch ein Symbol der Trauer. Der Knochen (Sroa / Zeroah; die Keule eines Lamms oder eines Huhns) erinnert an das Opferfleisch des Pesachlamms. (Da der Tempel nicht mehr existiert, wird auch kein Lamm mehr geopfert). Die Keule versinnbildlicht den "starken Arm", mit dem der Herr die Vorfahren aus Ägypten geführt hat. Als Bitterkrau (Marror / Maror) kann alles Grüne dienen: Kopfsalat, Wegwarte, Lattich u.ä. Es soll an den Vers erinnern: "Sie machten ihnen das Leben schwer durch harte Arbeit." Vom Bitterkraut muss jeder, wenn er zum Beispiel Kopfsalat isst, mindestens 18 Gramm essen. Zwei der Bestandteile in dem zweiten Dreieck aus Sellerie, Charosset und Meerrettich sollen die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich ziehen und sie zu Fragen über ihre Bedeutung anregen. Denn der ganze Seder soll ja eine Gelegenheit bieten, den Kindern vom Auszug aus Ägypten zu erzählen. Eine weitere Handlung, die die Neugier der Kinder wecken soll, ist die, dass alle Bestandteile in der Schüssel miteinander eingetaucht werden: Das Bitterkraut wird in das Charosset getaucht, ein Gemengsel / Mus aus zerdrückten Nüssen, Apfelstückchen, Datteln, Feigen und verschiedenen Gewürzen (u. a. Zimt) sowie Rosinen und Wein (letzterem verdankt es seine halbflüssige Form). Das Charosset versinnbildlicht (durch Farbe, Aussehen und Gemisch) den Ton, aus dem die Vorfahren in Ägypten als Sklaven Lehmziegel hergestellt haben. Auch das Wort belegt dies, denn die Charosset kommen von "Charssit", Tonerde, aus der die Lehmziegel hergestellt wurden, mit denen die Vorfahren die Städte Pitom und Ramses für den Pharao gebaut haben. Der Sellerie, ein grünes Gemüse aus dem Garten, dessen junge Sprösslinge auch als Gewürz verwendet werden, kann durch gekochtes Gemüse, wie Kartoffeln, Möhren, Radieschen, Petersilie u.ä., ersetzt werden. Der Sellerie wird in das Salzwasser getaucht, wiederum, um die Neugier der Kinder zu erwecken, die das sonst nicht gewöhnt sind. Der Meerrettich wird im allgemeinen gerieben. Mit dem Meerrettich bereitet man sich gleich eine "belegte Scheibe" zum Andenken an den älteren Hillel, der die Matze damit belegte und sie als "belegtes Brot" ass, womit er das Gebot erfüllte "Mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern soll man es (das Pesach-Lamm) essen". Die Gebetsordnung für den Sederabend. Heiligung: Das Familienoberhaupt spricht den Kiddusch. Händewaschen: Alle Familienmitglieder waschen sich die Hände, ohne Segensspruch. Dem, der den Seder leitet, wird eine Schüssel gereicht, damit er sich die Hände wie ein König, den man bedient, an seinem Sitzplatz waschen kann. In einer Reihe von Gemeinden ist es üblich, dass der, der den Seder leitet, ein weisses Gewand trägt, den so genannten "Kittel"; damit ist er wie der Hohepriester gekleidet, der den Tempeldienst versah. Er lehnt sich links auch auf die Kissen, wie es Könige tun. Sellerie: wird ins Salzwasser getaucht und gegessen. Durchbrechen: Die mittlere der drei Matzen wird in die Hand genommen und in der Mitte durchgebrochen. Ein Teil wird in eine besondere Serviette für den so genannten Afikoman gegeben. Dieser Teil wird nach der Mahlzeit vor dem Dankgebet für die Speisen gegessen, damit der Geschmack der Matzen im Mund bleibt, die ja das wichtigste Gebot dieses Abends sind. Erzählung: Dieser Teil besteht aus der Haggada, die eine Antwort auf die Frage der Söhne gibt: "Wie unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen?" Dieser Teil umfasst die ganze Erzählung, angefangen mit "Pharaos Sklaven waren wir in Ägypten" bis zum Segensspruch "Der du Israel erlöst hast". Händewaschen: Vor der Mahlzeit werden die Hände gewaschen mit Segensspruch. Matze: Beginn der Mahlzeit mit dem Essen eines kleinen Stücks Matze (mindestens 25 g). Bitterkraut: mindestens 18 g essen. "Belegtes Brot" essen (Meerrettich zwischen zwei Stückchen Matze gestrichen; mindestens 25 g davon essen). Der gedeckte Tisch: Das ist die Festmahlzeit. Sie sollte sehr reichhaltig sein und aus Fleisch, Fisch und anderen Gerichten bestehen. Die sefardischen Juden essen zu Pesach übrigens auch Hülsenfrüchte und Reis, dagegen halten die aschkenasischen Juden es strenger. Sie essen keine Hülsenfrüchte noch verwenden sie sie, ausser in Notfällen, und zwar deshalb nicht, weil deren Mehl dem aus Getreide hergestellten sehr ähnlich ist und beide deshalb leicht verwechselt werden können. Verborgenes: Am Ende der Mahlzeit wird der Afikoman aus seinem Versteck genommen, und man isst davon, noch bevor man den Segensspruch über die Speisen gesagt hat. Was ist dieser Afikoman (Afikomon)? Dieses Wort besteht aus zwei aramäischen Wörtern: "Afiko" und "Kamen", was "vor uns herausziehen" bedeutet. Früher war es üblich, nach der Mahlzeit die Tische aus dem Zimmer zu tragen, auf denen die Speisen standen, statt dessen wurden Tabletts mit Gebäck als Nachtisch hereingetragen. Zur Zeit des Tempels mussten die Vorfahren etwas vom Passaopfer essen, und ihr vorgeschriebener Nachtisch waren mindestens 25 Gramm des Opferlamms, damit der Passageschmack im Munde zurückblieb. Heute, da das Gebot, vom Passaopfer zu essen, nicht mehr in Kraft ist, blieb als einziges Gebot aus der Tora das Essen von Matzen. Die Matze ist deshalb die letzte Speise, die man am Sederabend kurz vor dem Segensspruch über die Speisen isst. Deshalb wird sie als Afikoman bezeichnet, und der Geschmack des Gebotes bleibt noch lange im Mund. Nach dem Essen des Afikoman bleibt nach der Haggada nur noch der Wein der "beiden letzten Gläser" von den insgesamt vorgeschriebenen vier. Um die Neugier der Kinder zu wecken, versteckt man die zweite Hälfte der mittleren Matze, und nach der Mahlzeit wird sie an alle um den Tisch Versammelten verteilt. Im allgemeinen geben die Kinder diese versteckte Hälfte - die sie gefunden und andernorts versteckt haben – erst dann zurück, wenn ihnen ein Geschenk versprochen wurde. Dieser Brauch geht auf einen Abschnitt im Talmudtraktat Pessachim zurück: "Ein Stück der Matze wird versteckt in der Passanacht, damit die Kinder nicht einschlafen." Im Gegensatz zur Absicht der Quelle ist die Bedeutung für die Kinder dagegen ganz einfach: Man "stiehlt" den Afikoman, und solange einem kein Geschenk versprochen wurde, geht der Seder nicht weiter, ausserdem geht man ja ohnehin nicht so schnell schlafen. Segen: Segensspruch über die Speisen und das Gebet "Er steige empor und komme". Hallel: nach dem Segensspruch über die Speisen und nachdem das dritte Glas getrunken wurde, dann den "Segensspruch des Lieds", das "die Seele jeden Lebens" ist , und ein abschliessender Segensspruch. Nach dem Hallel trinkt man das letzte der vier Gläser und sagt den Segensspruch für den Weinstock und die Frucht des Weinstocks. Wohlwollend angenommen: letzter Abschnitt in der Haggada, mit dem man wünscht, dass alles Gesagte wohlwollend angenommen werde. Und alle zusammen sagen den letzten Segensspruch "Im nächsten Jahr im wiedererbauten Jerusalem!" (genauso endet ja auch das Gebot am Versöhnungstag, das Neilagebet). Der Sederabend geht mit dem Singen bekannter Passalieder zu Ende, wie "Es war um Mitternacht", "Ja, ihm gebührt, ja, ihm geziemt", "Er, der Allmächtige", "Wer weiss, was eins ist?" oder das "Chad gadjo" (Zicklein, Böcklein), die Geschichte, wo immer eins den andern verschlingt, bis zum Todesengel, der am Schluss von Gott selbst zur Rechenschaft gezogen wird. Jede Gemeinde, jede ethnische Gruppe hat ihre eigenen Melodien für diese Lieder. Diese Volkslieder sind das Werk grosser liturgischer Dichter (wie Jannai, Rabbi Elieser ha-Kalir u. andere). Zum Inhalt der Haggada. "Das ist das Brot des Elends": Anfang des aramäischen Textes: "Das ist das Brot des Elends, das unsere Vorfahren im Land Ägypten assen; alle, die hungrig sind, mögen hereinkommen und das Passafest feiern! Dieses Jahr feiern wir es noch hier, aber im nächsten Jahr hoffen wir, es im Land Israel zu feiern. Dieses Jahr sind wir noch Sklaven hier, aber im nächsten Jahr hoffen wir, freie Menschen zu sein." Dieser Text wurde und wird auf aramäisch gesprochen; denn das war damals die Umgangssprache, und es war wichtig, dass die Haggada mit einem Text beginnt, den alle verstehen. Viele erheben heute Einwände gegen das "im nächsten Jahr im Land Israel" und "in diesem Jahr noch Sklaven", während man schon als freie Nation im eigenen souveränen Staat lebt. Aber solange der Grossteil des jüdischen Volkes noch im Ausland lebt und viele Millionen der Brüder und Schwestern sich in Ländern befinden, in denen sie noch nicht einmal frei sind, nach Israel auszuwandern, wenn sie es wollen, und sie daran gehindert werden, ein volles jüdisches Leben zu führen - so lange sagt man noch "Im nächsten Jahr im Land Israel" und "In diesem Jahr noch Sklaven". Oft steht in der Sedernacht neben dem Tisch noch ein leerer Stuhl, der "unbesetzte Stuhl", der daran erinnern soll, dass noch nicht alle da sind, dass noch Brüder und Schwestern am Tisch fehlen. "Was unterscheidet?": Mit diesen Worten beginnen die "vier Fragen", die der jüngste Sohn seinem Vater am Sederabend stellt in bezug auf die eigenartigen Bräuche, die er in dieser Nacht wahrnimmt. Die vier Fragen stammen noch aus der Zeit, als erst die Mahlzeit gegessen und anschliessend die Haggada gelesen wurde. Der Sohn sah hier Widersprüche: Einerseits isst man Matzen, das Sinnbild des Brotes der Armen, und andererseits wird es eingetaucht, wie es bei den Reichen üblich ist. Einerseits wird Bitterkraut wie bei Sklaven üblich gegessen, und andererseits sitzt der Vorsitzende in einem mit Kissen gepolsterten Stuhl wie ein König. Als später erst die Haggada vorgelesen wurde und man dann mit der Mahlzeit begann, waren die Fragen zu Beginn der Erzählung eigentlich nicht mehr angebracht; denn die Fragen beziehen sich ja auf alles, was das Kind erst in den kommenden Stunden sieht. Aber trotzdem werden die Fragen wie seit langem gleich am Anfang gestellt. "Die vier Söhne": Die Tora sprach von vier Söhnen: Der eine war klug, der zweite böse; der dritte war einfältig, und der vierte konnte noch nicht einmal Fragen stellen. Nach Ansicht der Weisen war der eine der Sohn des zweiten, d.h. sie stehen stellvertretend für vier Generationen oder, genauer gesagt, für fünf: Der erste wird in der Haggada nicht erwähnt. Das ist der Vater; in bezug auf ihn gab es keinerlei Fragen, alles war klar und deutlich. Der erste Sohn, der Kluge, ist wissbegierig und stellt viele Fragen: "Welche Gebote und Vorschriften hat der Herr uns aufgetragen?" fragt er. Der zweite Sohn, der Böse, wuchs bereits in der nächsten Generation auf, in der Entfremdung von Tradition und Überlieferung um sich griffen. Für ihn ist der Seder ein überholter Brauch. Er ist vollgestopft mit fremder Kultur, und er stellt seine Fragen bösartig wie jemand, der die Antwort darauf schon im voraus kennt: "Was habt ihr mit diesem Gottesdienst zu tun? Ihn definiert die Haggada als jemanden, der sich selbst allem entzogen hat und alles ablehnt. Der dritte Sohn, der Einfältige, hat im Haus seines Vaters keinen Sederabend erlebt. Er lebt in einer Welt, die nichts mit dem Judentum gemeinsam hat. Vielleicht erlebte er als kleiner Junge einmal einen solchen Abend bei seinem Grossvater, dem Klugen. Er weiss nur, dass er Jude ist, und am Sederabend fragt er: "Was soll das alles bedeuten?" Der vierte Sohn kann nicht einmal mehr Fragen stellen: Er hat nie einen Sederabend erlebt, weder im Haus seines Vaters noch in dem seines Grossvaters. Deshalb gibt die Haggada den Befehl: Du musst es ihm kundtun! Der moderne Jude kennt durchaus sehr viele Häuser, in denen die Lage der der vier Söhne sehr ähnlich ist: Der Vater, der aus dem Ausland einwanderte, war ein Schriftgelehrter; sein Sohn befreite sich von jeder Last, hielt mit modernen Theorien Schritt, für die Judentum und Religion ein Anachronismus und etwas Überflüssiges waren, und aus diesem Grund schüttelte er alles ab, was er im Haus seines Vaters sah und in sich aufgenommen hatte. Sein einfältiger Sohn weiss überhaupt nichts mehr, und der Sohn seines Sohnes - und davon gibt es heute sehr viele - kann nicht einmal mehr Fragen stellen. Möglicherweise hatten die Weisen eine solche Lage vor Augen, als sie sagten: "Gegen diese vier Söhne sprach die Tora", um sie soweit wie möglich zu verhindern, um gegen die Entstehung einer Gesellschaft zu protestieren, die das ganze Wissen um ihre Vergangenheit, ihre Werte und ihre Tradition ablehnt, in der die Haggada vorgelesen werden muss: Die Söhne müssen davon erfahren, um sie mit ihrem Volk, ihrer Religion, ihrem Glauben und ihrer Vergangenheit zu verbinden. Das Gebet um Tau. Eine weitere Besonderheit an Pessach ist das "Gebet um Tau", das am ersten Feiertag beim Mussafgebet gesprochen wird. Der Regen am Ende des Monats Nissan ist nicht länger ein Zeichen des Segens, sondern dessen Gegenteil. Deshalb betet man nicht mehr um Regen. Da die Ernte Mitte Nissan reifen soll, die durch den Regen verderben könnte, ersetzt das Gebet um Tau im Land Israel das um den Regen. Das Hohelied Salomos. An dem Halbfeiertag während Pessach, der auf den Schabat fällt, wird nach dem Morgengebet noch vor der Toralesung das gesamte Hohelied Salomos mit allen seinen acht Kapiteln vorgelesen. Gibt es keinen Halbfeiertag, der auf den Schabbat fällt, wird das Hohelied am ersten Schabat nach dem Passafest gelesen. Das Hohelied ist Zeichen des Bundes zwischen dem Liebhaber - das ist der Heilige – und ganz Israel, und alle Vergleiche, die sich um dieses Buch ranken, beschreiben allegorisch das Band der ewigen Liebe zwischen dem Herrn und seinem Volk. Warum wird es an Pessach gelesen? Das Hohelied preist den Frühling, die Jahreszeit der Blüte und des Knospens. Zweitens enthält dieses Buch Hinweise auf die Geschichte des Volkes Israel, die von ihren Anfängen an mit der Knechtschaft unter vier Königen verknüpft ist. Damit bringt das Hohelied, das wie ein liturgisches Gedicht und Lied verfasst ist, die festliche Zeit und ihre Ideen zum Ausdruck sowie die "ewige Liebe zwischen dem ewigen Volk und dem ewigen Herrn"] Jom ha-Schoa (27. Nissan) [Jom ha Schoa/Jom haScho'a = Jom haZikaron laScho'a weLaGwura, Holocaust-Gedenktag, Gedenktag für die Opfer der nationalsozialistischen Greueltaten; wurde von der Knesset so festgelegt (seit 1951); "Tag des Holocaust und des Heldentums": An diesem Tag fiel das Warschauer Ghetto nach einem mörderischen Angriff der Deutschen, das heldenhaft von einer kleinen Gruppe von jüdischen Freiheitskämpfern verteidigt worden war; an diesem Gedenktag finden Versammlungen, Gedenkstunden für die Gefallenen und Aufständischen statt, und die Staatsflagge wird auf Halbmast gesetzt]
    • 8) Ijjar / Ijar (April-Mai), immer 29 Tage (2. Monat nach dem religiösen Kalender, 8. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. Im Tanach ist die Bezeichnung Ijjar nicht belegt, der zweite Monat trägt dort den Namen Siw (1 Kön 6,1.37). Der Begriff leitet sich vom akkadischen Wort ayyaru ab, was „Licht“ bedeutet) Jom ha-zikaron (4. Ijar) [Jom ha Sikaron, Tag des Gedenkens, Gedenktag für die in Israels Kriegen Gefallenen; für diesen Gedenktag wurden besondere Gebete verfasst, und die Familien der Gefallenen suchen an diesem Tag die Gräber ihrer Lieben auf; ganz Israel ehrt das Andenken der Gefallenen mit dem Anzünden von Kerzen, mit einer Gedenkminute und Massenversammlungen zu ihrem Gedenken] Jom ha-Azma'ut (5. Ijjar) [Unabhängigkeitstag des Staates Israel; am 5. Ijar 5708 (14.5.1948), vor Beginn des Schabbats, proklamierte David Ben Gurion in Tel Aviv im Museum am Rothschild-Boulevard die Gründung des Staates Israel] "Zweites Pessach" oder "kleines Pessach", am 14. Ijjar [Diejenigen, die keine Gelegenheit hatten, zur rechten Zeit vom Fleisch des Pessachopfers zu essen, die unrein oder im Ausland waren, können es jetzt, einen ganzen Monat später, nachholen. Das zweite Pessach dauert nur einen Tag, das Verbot des Gesäuerten gilt nicht. Dennoch werden zum Andenken auch an diesem Tag u. a. Matzen gegessen. Lag ba-Omer (33. Tag der Omerzählung) am 18. Ijjar, Halbfeiertag [alljährliche Prozession und Fest in Miron/Meron, Ort nordwestl. von Safed; dort Synagogenruine, Heiligengrab und Tempel des Simeon b. Jochai; Lag ba-Omer = "33. Omer-Tag" ("Lag" = Lamed Gimel = 33), die insgesamt während der 49 Tage von Pessach bis Schawuot stattfindet (Omer = hebr. Garbe = Feldfruchtopfer = Bezeichnung der 50 bzw. 49 Tage zwischen Pessach und Schawuot; die Tage der Omer-Zählung = Sefirat ha-Omer, die mit der Darbringung der Erstlingsgarbe begann; Omer-Tage gelten als Trauerzeit = keine Hochzeit, kein Haarscheren); was beinhaltet dieser Tag? Unterbrechung der Trauer: Dieser Tag unterbricht die Trauerperiode. So ist es z.B. erlaubt, an Lag ba-Omer zu heiraten, was während der anderen Omertage verboten ist. Man darf sich wieder rasieren und sich auch die Haare schneiden lassen; Rabbi Akiba: Gedenken des Aufstandes von Bar Kochba, "Sohn des Sterns", der versuchte, das römische Joch unter Kaiser Hadrian abzuschütteln (132-135). Zentrum des Kampfes war die Festung Betar. Nach der Überlieferung hörte an diesem Tag die Epidemie auf, die so viele Schüler Rabbi Akibas dahinraffte (Rabbi Akiba ben Josef unterstützte den Aufstand und starb als Märtyer); Rabbi Schimeon bar Jochai: Auch Rabbi Schimeon bar Jochai beteiligte sich an dem Kampf gegen die Römer. Er ist in Meron (bei Safed) begraben, bis heute ein Ort der Wallfahrt an Lag ba-Omer, denn der 33. Omer-Tag ist auch der Todestag von Rabbi Simeon bar Jochai (Raschbi), eines berühmten Tannaiten der vierten Generation. Der Überlieferung zufolge stieg er an seinem Todestag direkt in den Himmel auf, und deshalb wird das Fest zu seinen Ehren als "Hillula de Raschbi", als Freudenfest des Zaddik (des Gerechten) bezeichnet. Massenfreudenfeste mit Liedern, Tanz und Gebeten. Der 33. Omer-Tag ist auch die Nacht der vielen Fackeln. Die grösste wird über dem Grab des Raschbi in Meron in Obergaliläa angezündet. Der wichtigste Grund, warum diese Fackeln angezündet werden, ist die Tatsache, dass der Raschbi als der Hauptverfasser des Buches der Kabbala gilt, des so genannten "Sohar"; Chalaka: An diesem Tag werden auch die Söhne, die schon drei Jahre alt sind, nach Meron gebracht, und ihnen werden hier zum ersten Mal in einer als "Chalaka" bekannten Zeremonie die Haare geschnitten (jiddisch: "opscheren"). An diesem Tag wird der Kopf des Kindes das erste Mal mit einer Kippa bedeckt, und man zieht ihm das erste Mal einen kleinen Gebetsschal (Tallit katan) an; die Kinder "bewaffnen" sich: Es ist auch üblich, dass die Kinder an diesem Tag, mit Pfeil und Bogen bewaffnet, auf die Felder und in die Wälder ziehen. Dieser Brauch erinnert an die Kämpfer im Bar-Kochba-Aufstand, aber auch an den Regenbogen als Zeichen des Bundes, den der Herr mit dem Volk Israel schloss, um ihm zu zeigen, dass er die Welt wie zur Zeit Noahs nicht noch einmal mit einer Sintflut bestrafen würde] Jerusalem-Tag (28. Ijjar) [Jom Jeruschalajim; Tag der Befreiung und Wiedervereinigung Jerusalems im Sechstage-Krieg 1967, an dem jedes Jahr Jerusalems gedacht und Jerusalem gefeiert wird, verbunden mit der Hoffnung auf den Wiederaufbau des Tempels]
    • 9) Siwan / Sivan (Mai-Juni), immer 30 Tage (3. Monat nach dem religiösen Kalender, 9. Monat nach dem „bürgerlichen“ jüdischen Kalender. Die Bezeichnung „Siwan“ ist vermutlich vom akkadischen Wort simanu abzuleiten, welches eine festgesetzte Zeit bezeichnet. Möglicherweise besteht auch eine Wortverwandtschaft mit dem altkanaanäischen Monatsnamen Siw, welcher jedoch als der zweite Monat des Jahres gezählt wird. Seinen Namen erhielt der Monat innerhalb der jüdischen Tradition erst in der Zeit des babylonischen Exils. Im Tanach ist die Bezeichnung „Siwan“ einmalig (Est 8,9) belegt. Am 6. Siwan - 50 Tage nach Pessach - wird das Fest Schawuot [Schawuot = hebr., "Wochen"], das „Wochenfest“ gefeiert). Schawuot / Shavuot (6.-7. Siwan) (Fest der Übergabe der Torah an Moses [Matan Tora], Verkündigung der Tora an das jüdische Volk) [Wochenfest = Schawuot = "Wochen"; nämlich 7 Wochen = 50 Tage nach Beginn der Omer-Zählung. Am 6.-7. Siwan (später Frühling). Der Name des Festes stammt von den sieben Wochen der Omer-Zählung her (von Pessach bis Schawuot wurde dem Bauern aufgetragen, 49 Tage bis zum Beginn Schawuots zu zählen: Omer-Zählung. An Schawuot feiert man die Sinai-Offenbarung: Entgegennahme der Tora am Berg Sinai. Fest der Getreideernte und der Erstlingsfrüchte (Chag Habikurim). Wallfahrt nach Jerusalem und Darbietung der Erstlingsgabe im Tempel. Auch das Fest der zum Judentum Übergetretenen. Tikun: Nachtwache Der Abend des Wochenfestes ist ganz dem Torastudium gewidmet, um das fehlerhafte Verhalten der Vorfahren beim Empfang der Tora (es schlief!) auszugleichen. Diese Nacht der Wache wird als "Tikun" bezeichnet. In den Synagogen und Jeschiwot, den Talmud-Toraschulen bleibt man im allgemeinen die ganze Nacht über wach und verbringt die Zeit mit dem gemeinsamen Torastudium (d.h. immer zwei zusammen). Auch halten Rabbiner und Schriftgelehrte Vorträge. Von Zeit zu Zeit wird das Studium durch Gesang und Tanz unterbrochen, und so geht es weiter bis zum Morgengrauen. Es wird nicht gefastet, denn Schawuot ist ja ein Fest. Dann versammeln sich in der ersten Morgendämmerung alle zum Gebet, um schon beim Sonnenaufgang das "Schma" zu sprechen. Die Zehn Gebote Im Mittelpunkt der Toralesung stehen die Zehn Gebote. Sie werden unter Begleitung einer besonderen Melodie vorgelesen, und während sie vorgelesen werden, steht die ganze Gemeinde. Für diesen Abschnitt wird im allgemeinen als Zeichen der besonderen Ehre der Rabbiner oder sonst ein führendes Gemeindemitglied zur Tora aufgerufen. Akdamut Zuvor wird ein Gebet auf Aramäisch unter Begleitung einer besonderen Melodie gesprochen, das sogenannte "Akdamut". Mit ihm bittet man sozusagen um Erlaubnis, überhaupt mit der Toralesung beginnen zu dürfen. Das Buch Rut Ausserdem werden vor der Toralesung noch die vier Kapitel des Buches Rut vorgelesen. König David, der Urenkel Ruts, wurde am Tag eines Schawuot geboren und starb 70 Jahre später auch an einem solchen Tag. Bräuche: Synagogen und Wohnungen werden am Wochenfest mit Blumen, Grün und Laubwerk geschmückt. Es ist eine sehr alte Sitte, am Wochenfest Milchspeisen zu essen, z.B. Eierkuchen mit Quark ("Topfenblinzes"), Käsekuchen usw.]
    • 10) Tammus (Juni-Juli), immer 29 Tage (von akkadisch "du-muzu") (4. Monat nach dem religiösen Kalender, 10. Monat des "bürgerlichen" jüdischen Kalenders. In der Bibel trägt dieser Monat der Nummerierung der anderen Monate folgend einfach den Namen „der vierte Monat“: „Am neunten Tag des vierten Monats war in der Stadt die Hungersnot gross geworden, und die Bürger des Landes hatten kein Brot mehr“ (2 Kön 25,3). Der heutige Name hat seine Ursprünge in den Monatsnamen des alten Babylonien, die während der babylonischen Gefangenschaft zwischen 586 v. und 536 v. Chr. von den Juden übernommen wurden. Tammus war die babylonische Gottheit der Frühlingsfruchtbarkeit, die nach damaliger Vorstellung in den Monaten Nisan, Ijjar und Siwan regierte und zu Ende des Siwan starb: „Dann brachte er mich zum Nordtor am Haus des Herrn. Dort sassen Frauen, die Tammus beweinten.“ (Ez 8,14). Erst später wurde der auf Siwan folgende Monat als Todesmonat der Gottheit nach dieser benannt. Der Monat Tammus markiert den Sommeranfang. Der arabische Monatsname Tammus und der türkische Monatsname Temmuz sind ebenfalls auf die babylonische Gottheit zurückzuführen. Der Fasttag Schiwa Assar beTammus ("17. Tammus"), der bei Sonnenuntergang beginnt, ist der erste der in der Bibel aufgezählten Fasttage: „So spricht der Herr der Heere: Das Fasten des vierten, das Fasten des fünften, das Fasten des siebten und das Fasten des zehnten Monats werden für das Haus Juda Tage des Jubels und der Freude und froher Feste sein.“ (Sach 8,19)) Fasten des 17. Tammus (Durchbruch der Mauer Jerusalems unter Titus) [Fasten 17. Tammus, - im Juli. Zur Erinnerung an die Erstürmung Jerusalems 586 v.d.Z. durch babylonische Belagerer und an die erste in die Stadtmauer Jerusalems geschlagene Bresche, mit der die physische Zerstörung begann. Judah wurde besetzt, die Juden nach Babylonien verschleppt und das Tempelgerät gestohlen. In der Geschichte des jüdischen Volkes ist der 17.Tammus ein Tag der Heimsuchung. Folgende Ereignisse passierten u.a. an diesem Tag: Zerbrechen der Gesetzestafeln durch Mosche; Einstellung des ständigen Opfers während der Belagerung Jerusalems; Einschliessen der Stadt; Verbrennen der Tora durch den griechischen Heerführer Apostemos; Aufstellen des Götzenbilds im Tempel durch König Menasse. Die Fastenzeit beginnt in der Morgendämmerung. Die "drei Wochen", die mit dem 17. Tammus beginnen und dem 9. Aw enden, sind die so genannten "Tage inmitten der Bedrängnis", während der man um die Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels trauert. Während dieser Tage mehren sich die Zeichen der Trauer immer mehr und gipfeln in den 9. Aw. U.a. rasiert man sich nicht, lässt sich nicht die Haare schneiden, geht nicht aus, um sich zu vergnügen oder zu unterhalten; keine Hochzeiten, kein Fleisch- oder Weingenuss. In der Woche des 9. Aw zusätzlich kein Baden aus Vergnügen, man zieht in keine neue Wohnung ein und kauft auch keine neue Kleidung. Den Hawdala-Wein, der den Erwachsenen an diesem Tag verboten ist, trinkt ein kleines Kind]
    • 11) Aw (Juli-August), 30 Tage (hebr. "aw" / akkadisch "abu") (5. Monat nach dem religiösen Kalender, 11. Monat des "bürgerlichen" jüdischen Kalenders. Der Monatsname ist auf den Kalender der Chaldäer zurückzuführen, in dem Ab der erste Monat des Jahres war. Als einziger Monat, der in der Bibel nicht erwähnt wird, taucht er erstmals um das 3. Jahrhundert im Talmud auf. Die Juden übernahmen ihn nach der babylonischen Gefangenschaft in ihren Kalender. Im Judentum gilt der Aw als der verhängnisvollste Monat. Der 15. Aw hingegen gilt wegen zahlreicher positiver historischer Ereignisse als Freudentag. Sowohl der 9. als auch der 15. Aw sind Feiertage) Tischa be-Aw (tischa = 9. Aw) [Tischa be-Aw. Fast- und Trauertag am 9. Aw um die Zerstörung des Tempels. Nach der Überlieferung wurden am 9. Aw sowohl der 1. Tempel (586 v. d. Z. durch die Babylonier/Nebukadnezzar) als auch der 2. Tempel (70, durch die Römer) zerstört. Beginn der Diaspora. Was geschah noch am 9. Aw? Das Urteil über die jüdischen Vorfahren nach der Sünde des Goldenen Kalbs fällte der Herr am 9. Aw. Am 9. Aw fiel auch die jüdische Festung Betar (Bar-Kochba-Aufstand). Am 9. Aw geschah das "Umpflügen" der Stadt Jerusalem durch die Römer. (Die Ausweisung der Juden aus Spanien 1492 passierte am 9. Aw. Auch der erste Weltkrieg brach am 9. Aw aus.). Am 9. Aw fängt man schon am Abend vorher zu fasten an. Für den 9. Aw gelten die gleichen Vorschriften wie für den Versöhnungstag: Es darf weder gegessen noch getrunken werden, man darf sich weder baden noch den Körper einsalben, keine Lederschuhe und kein Geschlechtsverkehr. Man grüsst sich auch nicht am 9. Aw. Bei der "letzten Mahlzeit vor dem Fasten" ("Se´uda Mafseket") isst man im allgemeinen ein hartgekochtes Ei - das als Zeichen der Trauer gilt -, das in Asche getunkt wurde, die an die Asche erinnert, die vom Tempel übrig blieb. Diese "letzte Mahlzeit vor dem Fasten" isst man auch für sich allein, ohne die sonst übliche Tischgemeinschaft - ein starkes Symbol der Trauer, weil ja das gemeinschaftliche Zeremoniell im jüdischen Leben im allgemeinen stark betont wird. Man geht in der Nacht in die Synagoge, setzt sich nach dem Abendgebet auf den Boden oder einen niedrigen Hocker. Und in einem schwachen Licht - Vorhang und Decken fehlen bei Toraschrein und Pult - werden die Klagelieder vorgelesen, als deren Verfasser Jeremia gilt, der Prophet der Zerstörung. Danach folgen weitere Trauergesänge, die Kinoth, die verschiedene Dichter im Mittelalter verfasst haben. Die Gemeinde hört diesen Vorträgen stumm zu; der Gottesdienst endet mit einigen tröstlichen Versen aus den Propheten (Sach. 1). Dann steht man auf und verlässt grusslos das Gotteshaus. Nach dem Tagesausgang am 9. Aw unterbricht man das Fasten mit einer Milchspeise. Bis in die Nachmittagsstunden des 10. Aw sieht man davon ab, sich die Haare schneiden zu lassen, sich zu rasieren, Fleisch zu essen und Wein zu trinken wie auch zu heiraten. Fällt der 9. Aw auf einen Schabbat, wird das Fasten um einen Tag verschoben. Es beginnt dann am Sabbatausgang. In solch einem Fall darf man schon am Ende des nächsten Tages, d.h. am 10. Aw, Fleisch essen und Wein trinken, und es darf auch geheiratet werden]
    • 12) Elul (August-Sept.), 29 Tage (hebr. "elul" / akkadisch "elulu") (6. Monat nach dem religiösen Kalender, 12. und letzter Monat des "bürgerlichen" jüdischen Kalenders. In der Bibel trägt dieser Monat einfach den Namen „der sechste Monat“, der Nummerierung der anderen Monate folgend: „Der sechste, für den sechsten Monat, war Ira, der Sohn des Ikkesch, aus Tekoa.“ (1 Chr 27,9). Der heutige Monatsname „Elul“ hat seinen Ursprung in den akkadischen Monatsnamen des antiken Babyloniens, die von den Juden während der babylonischen Gefangenschaft übernommen wurden. In der Bibel kommt dieser Monatsname nur einmal im Buch Nehemia (Neh 6,15). Der jüdische Monatsname Elul ist allerdings nicht der einzige, der auf den babylonischen Monat zurückzuführen ist: Auch im Türkischen wird der September „Eylül“ genannt. Elul, auch genannt der „Monat der Gnade und des Vergebens“, ist eine Zeit der Busse als Vorbereitung auf die Yamim Noraïm, die hohen Feiertage Rosch ha-Schanah und Jom Kippur am ersten und zehnten Tag des Folgemonats Tischri. Elul bedeutet übersetzt so viel wie Suche, der Mensch soll sich in dieser Zeit auf die bevorstehenden Tage des Gerichts und der Versöhnung einstellen. Abgesehen von den Schabbat-Tagen wird an allen Tagen zwischen Rosch Hodesch Elul, dem ersten Tag des Monats, und dem Tag vor Rosch ha-Schanah morgens das Schofar [Signalhorn, Widderhorn, krummes Blasinstrument aus dem Horn eines Widders, geblasen u. a. am Rosch ha-Schana und beim Ausgang der Andacht am Jom Kippur; Schofar manchmal mit Tierköpfen und Inschriften verziert; biblische Schofar-Sage: Die Festung Jerischo fällt durch Blasen des Schofars/"Posaune"] geblasen, das die Menschen aus ihrer gedankenlosen Lebensweise aufwecken soll (Am 3,6). Weiterhin ist es üblich, zwischen Rosch Hodesch Elul und Hoschanna Rabbah im Tischri täglich den Psalm 27 zu lesen. Neben dem Schofarblasen ist das Rezitieren der Selichot, besonderer Bussgebete, alltäglich vor Sonnenaufgang ein wichtiges Ritual. Die Aschkenasim beenden dieses Ritual bereits am Mittwoch vor Rosch ha-Schanah, die Sephardim erst am Ende des Monats. Viele Juden besuchen ausserdem die Gräber von Freunden und Verwandten, um an sie zu erinnern und sie zu ehren. Ein weiterer Brauch ist es, sämtliche im Elul geschriebenen Briefe mit Wünschen für ein gutes Jahr zu beenden - die Tradition lehrt, dass an Rosch ha-Schanah die Taten eines jeden Menschen, die er während des vergangenen Jahres begangen hat, beurteilt und in das Buch des Lebens geschrieben werden. Die insgesamt vierzig Tage zwischen Rosch Hodesch Elul und Jom Kippur sollen an jene vierzig Tage des Jahres 2448 der hebräischen Zeitrechnung (entspricht 1313 v.) erinnern, in denen Moses den Berg Sinai erstieg, um zum zweiten Mal die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten zu empfangen, nachdem er die ersten aus Wut zerbrochen hatte, während das Volk in seiner Abwesenheit das Goldene Kalb anbetete. Von jeher war der Tag, an dem JHWH durch Mose die Vergebung aller Sünden verkünden liess, der Tag der Vergebung im Judentum
  • Nach 350: Christen und Juden in Palästina. Die Vorstellung vom „Heiligen Land“, wie sie Christen überall auf der Welt präsent ist, entstand in der Zeit Konstantins. Im späteren 4. Jhdt. brach die grosse Zeit der Pilgerfahrten zu Heiligtümern und geweihten Stätten der Levante an – speziell nach Palästina und Jerusalem, wo Jesus gelebt hatte und wo er gestorben und nach christlichem Glauben wiederauferstanden war. Unter der byzantinisch-christlichen Herrschaft war es Juden verboten, sich in ihrer heiligen Stadt Jerusalem, die damals offiziell immer noch Aelia hiess, anzusiedeln. Die vehement antijüdische Tendenz, die das christliche Schrifttum jener Periode weithin prägt, hat frühere Generationen zu der Annahme verleitet, dass die jüdische Bevölkerung in Palästina wie anderswo damals eine harte Zeit der Verfolgung durchlitten haben muss. Archäologische Forschungen zeigen jedoch, dass in ebendiesem 4. Jhdt., als das Christentum zur herrschenden Macht aufstieg, einige der prächtigsten Synagogen Palästinas entstanden. Sie zeigen auch, dass damals Christen und Juden in gemeinsamen Dörfern friedlich zusammenlebten. In byzantinischer Zeit, der Zeit der Pilgerfahrten ins Heilige Land, wandelte sich Jerusalem von einem staubigen Provinznest zu einer der prächtigsten Städte der damaligen Welt – allerdings zu einer christlich, nicht jüdisch, geprägten Stadt.
  • Nach 350: R. Jona, Amoräer der vierten und fünften Generation in Palästina. Er war Schüler Jirmejas und Helas. Jona und Jose II. waren um 350 die Häupter des Lehrhauses in Tiberias während der Zeit des Ursicinus (seit 351 Feldherr des Gallus, Feldherr und Mitkaiser des Konstantius im Orient). Sein Sohn und Nachfolger war Mani II.
  • Nach 350: Pinchas bar Chama Hakohen, palästinischer Amoräer der 4./5. Generation, Schüler Jirmejas, Zeitgenosse des Patriarchen Jehuda IV.
  • Nach 350: R. Berechja (auch Berekhja, in den Midraschim, wo er über 300 Mal zitiert wird, oft Berekhja ha-Kohen, in beiden Talmuden Hakohen oder Berabbi genannt), Amoräer der fünften Generation in Palästina. Er war Sohn des Chija, von Geburt Babylonier, aber vermutlich schon in jungen Jahren nach Palästina gekommen. Berechja war der wichtigste Schüler Chelbos und wird sehr häufig als dessen Tradent aufgeführt.
  • Nach 350: R. Jose ben Abin (Jose bar Abin oder Abun etc.), palästinischer Amoräer der 4./5. Generation, der letzte bedeutende Halachist in Palästina
  • Nach 350: Samuel b. Jose b. Bun, Amoräer der 5. Generation in Palästina
  • Nach 350: Abin II. (Abin II., auch Awin II. oder Rawin II.), Amoräer der 5. Generation, wurde am Todestag seines Vaters Abin I. geboren, ist in der 3. und 4. Ordnung des palästinischen Talmud sehr oft neben Mani II., oft auch in den Tanchuma-Midraschim erwähnt
  • Nach 350: R. Mani II. (auch Mana, Abkürzung aus Menachem), Amoräer der fünften Generation in Palästina. Er war Sohn des Jona, Schüler Joses II., Chizqijjas und Judans und lebte und lehrte zumeist in Sepphoris. Sein Schüler war der Haggadist Azarja, sein Haupttradent Nachman. Mani II. ist sehr oft erwähnt im palästinischen Talmud.
  • Nach 350: R. Chananja (auch Chanina) aus Sepphoris, Amoräer der 5. Generation in Palästina, oft in Verbindung mit Mani, zu dessen Gunsten er auf die Würde des Schulhauptes verzichtete
  • Nach 350: R. Jona aus Botsra, Amoräer der 5. Generation in Palästina
  • Nach 350: Jehuda b. Schalom (im pal. Talmud stets: Judan), Amoräer der 5. Generation in Palästina
  • Nach 350: Tanchuma bar Abba (auch Tanchum bar Abba, genauer: Berabbi Abba), palästinischer Amoräer der fünften Generation. Er war Schüler des R. Huna b. Abin und sammelte systematisch die Aggada. Er diskutierte öfters mit Nichtjuden über Fragen der Religion und begegnete ihnen im Geiste der Toleranz. Seine nicht mehr vorhandenen Midraschsammlungen hat man vielfach als Grundstock von PRK (Pesiqta de Rab Kahana), PesR (Pesiqta Rabbati) und den Tanchuma-Jelamdenu-Midraschim betrachtet. PesR enthalt 80 Proömien, in denen Tanchuma als Autor genannt wird. Mit Tanchuma bar Abba endet die Reihe der bedeutenderen palästinischen Aggadisten.
  • Nach 350: R. Nachman, Amoräer der 5. Generation in Palästina, Schüler und Tradent des Mani II. (zu unterscheiden von dem älteren Nachman, dem Sohn des Samuel b. Nachman, und von dem Babylonier Rab Nachman bar Jakob)
  • Nach 350: R. Azarja, palästinischer Amoräer der 5. Generation, Schüler des Mani II., tradierte Aussprüche des Jehuda bar Simon
  • Nach 350: R. Ulla, Amoräer der 4. und 5. Generation in Palästina, mehrmals im palästinischen Talmud, aber nicht im babylonischen Talmud erwähnt, jüngerer Zeitgenosse Rabas, später aus Palästina nach Babylonien übergesiedelt
  • Nach 350: Rab Papa (Papa bar Chanan, im englischen Sprachraum: Pappa), Amoräer der 5. Generation in Babylonien. Er war Schüler Abajes und Rabas und gründete eine Schule in Naresch bei Sura.
  • Nach 350: Huna bar Jehoschua, gelehrter und vermögender babylonischer Amoräer der fünften Generation. Er war, wie der ihm befreundete Papa, ein Schüler Rawas und Abajes. Nach Rawas Tod wurde Rab Papa das Haupt der Akademie in Naresch und bestimmte Huna zum "Vorsitzenden der Gelehrtenversammlung".
  • Nach 350: R. Chama aus Nehardea, bedeutender babylonischer Amoräer der 5. Generation. Er war ein Zeitgenosse Papas und Schüler Chisdas. Nach dem Tode Nachmans b. Isaak wurde er Oberhaupt der Gelehrtenschule in Pumbedita.
  • Nach 350: Bebaj bar Abaje, Amoräer der 5. Generation in Babylonien, es existieren zahlreiche Legenden über seinen Umgang mit Todesengel und Dämonen
  • Nach 350: R. Papi, babylonischer Amoräer der 5. Generation, Schüler Rabas, Lehrer Aschis, in Machosa, in guten Beziehungen zum Exilarchen

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