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3-D-Test für Antisemitismus

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Der vom russisch-stämmigen jüdischen Politiker und Aktivisten Natan Sharansky entworfene 3-D-Test für Antisemitismus ist ein Kriterium, um festzustellen, ob Kritik am Staat Israel antisemitisch sei oder nicht. Obwohl er durch seine drei D - Dämonisierung, Doppelstandards, und Delegitimisierung - sehr einprägsam ist, wird ihm mangelnde Präzision für den wissenschaftlichen oder aussenpolitischen Gebrauch vorgeworfen.[1]

Die 3 D

Dämonisierung

Der Staat Israel oder seine Bürger werden dämonisiert. Es wird Israel vorgeworfen, die Regierung hätte sich zu Gunsten des Bösen verschworen, oder Israel arbeite aus Prinzip an der Verschlechterung der Lage bestimmter Bevölkerungsgruppen.

Delegitimisierung

Delegitimisierung findet statt, wenn dem jüdischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung abgesprochen wird, insbesondere wenn dieses Recht auf Selbstbestimmung anderen Völkern gewährt wird. Ebenso sei die Verneinung des Existenzrechtes Israels an und für sich antisemitisch, da der israelische Staat vielfach als Garant für die Existenz des weltweiten Judentums angesehen wird. Siehe auch: Existenzrecht Israels.

Doppelte Standards

Der Staat Israel oder das jüdische Volk wird an anderen Standards (Doppelmoral) gemessen als andere Völker bzw. Staaten. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Menschenrechtsverletzungen durch arabische Nachbarstaaten systematisch ignoriert werden, während sie der israelischen Regierung zum Vorwurf gemacht werden.

Kritik an den "3 D"

Natan Sharansky selbst wird vorgeworfen, während seiner Amtszeit als Mitglied der israelischen Regierung die Bildung eines palästinensischen Staates verhindert, und somit das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser missachtet zu haben. Auch hatte er in einem Buch geäussert, dass Frieden mit den Palästinensern erst möglich sei, wenn diese ernstzunehmende demokratische Institutionen gebildet hätten[2] - was in einem doppelten Standard mündet, denn er begrüsste den Friedensschluss mit Jordanien 1994, ein Land, das von einem König regiert wird.[3]

Diese drei D werden auch von anderer Seite kritisiert. Es wird etwa entgegnet, dass ein Land, das durch europäische Einwanderer und deren Kultur geprägt ist (Zionismus), sich an ungleichen - nämlich höheren - Standards messen lassen müsse als deren arabische Nachbarn. Auch müsse eine Doppelmoral nicht unbedingt Ausdruck von Antisemitismus sein. Ebenso sei eine Dämonisierung Israels nur dann antisemitisch, wenn der Staat Israel mit dem gesamten Judentum gleichgesetzt werde. Letztlich würde der Vorwurf der antisemitischen Doppelmoral nach der Vorstellung Sharanskys auch zutreffen, wenn ein Kritiker nicht über die Expertise oder die Ressourcen verfügt, dieselbe begründete Kritik auch gegenüber anderen Ländern zu äussern.[4]

Literatur

Quellen

  1. Kenneth L. Marcus (2010): The New OCR Antisemitism Policy. Journal for the Study of Antisemitism. Bd. 2, Ausg. 2.
  2. The Case for Democracy: The Power of Freedom to Overcome Tyranny And Terror. New Leaf Publishing Group 2006, ISBN 978-0-89221-644-4
  3. Michael C. Desch (2005) The American Conservative Magazine: Sharansky’s Double Standard (abgerufen am 28. Februar 2015)
  4. http://zehnplusfuenf.info/3D-concept-antisemitism (abgerufen am 28. Februar 2015)


Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel 3-D-Test für Antisemitismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.