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1970

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Ereignisse

  • 1970: Nobelpreis für Medizin an: Bernard Katz
  • 1970: Nobelpreis für Medizin an: Julius Axelrod
  • 1970: Wirtschafts-Nobelpreis an: Paul A. Samuelson
  • 1970: König Hussein vertreibt die PLO aus Jordanien. Es entbrennen zwischen Jordaniern und Palästinensern bürgerkriegsartige Auseinandersetzungen, die mit einer Niederlage der Palästinenser enden („Schwarzer September“). Die palästinensischen Fedajin (Guerillas) werden aus Jordanien vertrieben und fliehen teilweise in den südlichen Libanon. Für die arabischen Einwohner des Südlibanon war die PLO-Herrschaft ein Albtraum. Die PLO besetzte ganze Landstriche im Libanon, terrorisierte die Bevölkerung und masste sich Regierungsvollmachten an.
  • 1970: David Ben-Gurion legt sein Knesset-Mandat nieder.
  • 1970: Gründung der Siedlung Kirjat Arba im Westjordanland unmittelbar östlich von Hebron (war eine verlassene Militärbasis), ca. 7000 Einwohner im Jahr 2007; es existieren mehrere kleinere Siedlungen in der Umgebung, z. B. Haggai im Süden oder Giw'at Charsina im Osten von Hebron; hier lebt der Kern der radikalen Siedlerbewegung, aus der auch Baruch Goldstein kam
  • 1970: Gründung der Siedlung Allon Schewut im Westjordanland, Region Gusch Etzion, auf halber Strecke zwischen Jerusalem und Hebron (um 3200 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1970: Gründung der Siedlung Masu'a im Westjordanland/Jordantal (ca. 140 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1970: Gründung der Siedlung Ma'ale Efrajim im Westjordanland/Jordantal (ca. 1460 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1970: Gründung der Siedlung Mewo Choron im Westjordanland (Region Binjamin, ca. 800 Einwohner im Jahr 2004)
  • 1970: Gründung der Siedlung Gilgal im Westjordanland/Jordantal (ca. 160 Einwohner im Jahr 2004) * 1970: Unabhängigkeit Bahrains
  • 10. Februar 1970: Auf dem Münchner Flughafen Riem kommt es zu einem dramatischen Vorfall, bei dem mehrere Araber versuchen, ein israelisches Flugzeug zu entführen, ein jüdischer Passagier, der 32jährige Ingenieur Arie Katzenstein, wird dabei getötet
  • 13./14. Februar 1970: Brandanschlag auf die Münchner jüdische Gemeinde, wo auch ein kleines Altenheim untergebracht ist: Sieben alte Menschen, alles Überlebende von Konzentrationslagern, finden bei dem Brand den Tod, unter ihnen der Bibliothekar der IKG, Siegfried Offenbacher; trotz intensiver Ermittlungen der Polizei konnten die Täter nie ermittelt werden
  • 20.2.1970: Julia Franck in Ost-Berlin geboren, mehrfach preisgekrönte deutsche Schriftstellerin; sie wurde als eineiiger Zwilling geboren; die Eltern sind die Schauspielerin Anna Katharina Franck und der Regisseur Jürgen Sehmisch; Julia Franck ist Enkelin der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger und Ururenkelin des Malers Philipp Franck; 1978 reiste Francks Mutter mit ihren vier Töchtern über das Notaufnahmelager Marienfelde aus und konnte nach 9 Monaten nach Schleswig-Holstein in die Nähe von Rendsburg ziehen; dort besuchte Julia Franck einige Jahre die Freie Waldorfschule; ab 1983 lebte sie bei Freunden in Berlin und holte 1991 das Abitur nach; in ihrer offiziellen Biografie hebt sie hervor, dass sie neben dem Studium der Fächer Jura, Altamerikanistik, Neuere deutsche Literatur und Philosophie an der FU Berlin sieben lange Jahre als Putzfrau, zehn kurze Jahre als Kindermädchen, drei nicht zu verachtende Jahre als Kellnerin, sowie als Hilfsschwester, Phonotypistin, wissenschaftliche Hilfskraft an der Freien Universität und auch als freie Mitarbeiterin für das Radio und verschiedene Zeitungen gearbeitet habe; unter anderem war sie Regieassistentin in der Abteilung Feature/Hörfunk beim Sender Freies Berlin; ausserdem hielt sie sich einige Monate in den Vereinigten Staaten, in Mexiko und in Guatemala auf; sie lebt mit ihren beiden Kindern in Berlin-Friedenau; das Jahr 2005 verbrachte sie als Stipendiatin in der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom; -- Werke: Der neue Koch (Roman), Zürich 1997; Liebediener (Roman), Köln 1999; Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen, Köln 2000; Lagerfeuer (Roman), Köln 2003; Mir nichts, dir nichts (Erzählungen), Köln 2006; Die Mittagsfrau (Roman), Frankfurt/Main 2007; als Herausgeberin: Grenzübergänge. Autoren aus Ost und West erinnern sich, Frankfurt/Main 2009; -- Julia Francks Werke wurden in mehr als 34 Sprachen übersetzt, u. a. in das Dänische, Englische, Französische, Griechische, Italienische, Niederländische, Portugiesische, Russische, Spanische, Tschechische und Ungarische
  • 21. Februar 1970: Der Swissair-Flug 330 stürzt aufgrund eines Bombenattentats in der Schweiz ab. Ziel des Anschlags war eigentlich die israelische Fluggesellschaft El-Al.
  • April 1970: Nach Auffassung des Spezialisten für internationales Recht, Steven Schwebel, hat Israel, da es 1948 und 1967 zu einem Verteidigungskrieg gezwungen wurde, grösseren Anspruch auf die Herrschaft über Jerusalem als seine arabischen Nachbarn (American Journal of International Law, April 1970, S. 346-347)
  • 20.4.1970: Avishai Cohen in Israel geboren, israelischer Jazz-Bassist, Bandleader, Komponist und Arrangeur des Modern Jazz (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen israelischen Trompeter), er kombiniert in seinem Stil Einflüsse des mittleren Ostens und der israelischen Musik mit Fusion und akustischem Jazz; Avishai Cohen stammt aus einer musikalischen Familie und begann mit elf Jahren mit dem Klavierspiel und fing mit 14 Jahren an, sich für den Jazz zu interessieren; nachdem er Klavier in einer Schul-Jazzband spielte, wechselte er zum elektrischen Bass, inspiriert von der Musik von Jaco Pastorius; mit 16 Jahren besuchte Cohen die Music & Arts High School in Jerusalem, später spielte er dann bei lokalen Gigs in Jerusalem, bis er schliesslich seinen Militärdienst ableistete; nach zwei Jahren in der Armee wechselte Cohen zum akustischen Bass; im Jahr 1992 zog er nach New York, wo er u. a. mit Ravi Coltrane, Wynton Marsalis, Joshua Redman, Paquito D'Rivera, Roy Hargrove und Leon Parker sowie mit eigenen Formationen in kleinen Clubs arbeitete; 1996 spielte er bei dem Gitarristen Kurt Rosenwinkel; 1997 erhielt er einen Plattenkontrakt und nahm ein erstes Album, Adama, für das Stretch-Label auf; dadurch kam er in Kontakt mit Chick Corea, der ihn in sein akustisches Sextett "Origin" aufnahm; bis 2003 gehörte Cohen zu den Bands von Chick Corea; ausserdem arbeitete er in dieser Zeit u. a. mit Seamus Blake, Steve Davis, Claudia Acuña, Anat Cohen, Orrin Evans, Herbie Hancock, Amos Hoffman, Bobby McFerrin und Danilo Pérez; nach seinem Ausscheiden aus der Corea-Band gründete er das Avishai Cohen Trio mit dem Schlagzeuger Mark Guilliana und dem israelischen Pianisten Shai Maestro; ausserhalb des Jazz arbeitete Cohen mit der Sängerin Alicia Keys und dem Israel Philharmonic Orchestra zusammen; Cohen kehrte schliesslich nach Israel zurück; mit seinem eigenen Trio mit Shai Maestro und Itamar Doari nahm er nach 2005 eine Reihe von Alben auf dem Razdaz Recordz-Label auf und trat 2008 beim Jazzfest Berlin auf
  • 4.5.1970: Asuncion, Paraguay: Zwei bewaffnete Palästinenser dringen in die israelische Botschaft ein und feuern auf die Angestellten. Ein Israeli (Edna Pe´er) getötet, ein einheimischer Arbeiter verletzt. Die Angreifer wurden gefasst und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
  • 5.5.1970: Naomi Klein in Montreal, Quebec, geboren, kanadisch-jüdische Journalistin, Autorin, politische Aktivistin, sie gilt als eine der wichtigsten Sprecherinnen der Globalisierungskritiker, ihr Bestseller "No Logo!" (2000) als erstes Manifest der globalisierungskritischen Bewegung (die "Bibel der Globalisierungskritiker", eine Analyse der Globalisierung von Marken, des "Markenwahns", der "suchtmässigen Gier nach Markenartikeln", der Entwicklung von klassischen, produzierenden Herstellerfirmen hin zu Lifestyle-Vermarktungsunternehmen, also reinen Logofirmen); Naomi Klein ist mit dem Journalisten Avi Lewis verheiratet und lebt in Toronto; Werke (Auswahl): No Logo! (deutsch), 2002; Über Zäune und Mauern, 2003; Bagdad im Jahr Null. Das Scheitern der neokonservativen Utopie, 2005; Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus, 2007
  • 11.5.1970: Eva Menasse in Wien geboren, österreichische Journalistin und Schriftstellerin; sie ist die Halbschwester von Robert Menasse und verheiratet mit dem deutschen Schriftsteller Michael Kumpfmüller; nach dem Studium der Germanistik und Geschichte arbeitete sie zunächst als Redakteurin u.a. für das Wiener Nachrichtenmagazin Profil, später für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; ihre erste Buchveröffentlichung Der Holocaust vor Gericht erschien im Jahr 2000; der Band versammelt ihre Reportagen über den im April 2000 in London abgeschlossenen Prozess gegen den Holocaust-Leugner David Irving; 2005 erschien Vienna, Eva Menasses erster Roman; in zahlreichen Anekdoten, die manche an Friedrich Torbergs Tante Jolesch erinnern, erzählt sie die fiktionalisierte Geschichte ihrer teils katholischen, teils jüdischen Verwandtschaft; der Roman wurde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorabgedruckt, von den einschlägigen deutschen Medien überwiegend positiv, von den österreichischen eher kritisch rezensiert und stand im Herbst 2005 auf den Bestseller-Listen in Deutschland und Österreich; der Roman erschien bereits in niederländischer, englischer, italienischer und slowenischer Übersetzung und wird in weiteren sieben Sprachen erscheinen; im Wahlkampf 2005 zur Bundestagswahl in Deutschland schloss sie sich der von Günter Grass initiierten Wahlinitiative zugunsten der damaligen rot-grünen Regierung an; sie lebt seit 2003 in Berlin; Werke: Die letzte Märchenprinzessin (zusammen mit Elisabeth und Robert Menasse), 1997; Klein Menasses der mächtigste Mann (zusammen mit Elisabeth und Robert Menasse), 1998; Der Holocaust vor Gericht. Der Prozess um David Irving, 2000; Vienna, 2005
  • 22.5.1970: Avivim-Schulbus-Anschlag: drei palästinensische Terroristen überschreiten die libanesisch-israelische Grenze und dringen in den Kibbuz von Avivim ein; dort nehmen sie den örtlichen Schulbus unter Feuer und töten neun Kinder und drei Erwachsene und verletzen 19 weitere Kinder schwer
  • 23. Mai 1970: Jigal Amir / Yigal Amir geboren, israelischer ehemaliger Student der Bar-Ilan-Universität, Mörder des israelischen Premierministers Jitzchak Rabin; Amir wurde als Sohn einer jemenitischen religiösen jüdischen Familie in Hertzlija geboren; er besuchte eine ultra-orthodoxe Schule und Jeschiwa und diente bei den Golani-Brigaden; als Jura-Student an der Bar-Ilan-Universität war er an der Organisation von Demonstrationen gegen das Oslo-Abkommen beteiligt; für ihn war das Oslo-Abkommen ein nationaler Verrat und eine Bedrohung für die Existenz des Staates Israel, was wohl zu seiner Entscheidung geführt hat, Rabin zu ermorden; sein Bruder Hagai und sein Freund Dror Adani waren Komplizen bei diesem Vorhaben; Amir hatte 1995 zweimal geplant, Rabin zu ermorden, aber die Versuche kurz vor ihrer Durchführung abgebrochen; Jigal Amir soll bezüglich seiner Einstellung gegenüber Premierminister Rabin durch die Beratschlagung z. B. mit Raw Schlomo Aviner, seinem letzten rabbinischen Gesprächspartner, beeinflusst worden sein; Aviner hatte ihm die Frage, ob auf Rabin das Todesurteil des Verräters (Din Rodef und Moser) anzuwenden sei, klipp und klar mit "Ja!" beantwortet; Aviners einzige Einschränkung, unter Berücksichtigung seiner "bedeutenden Position als geistiger Vordenker der national-religiösen Erweckung", als Oberrabbiner von Beth-El und Leiter der Jeschiwah zur Atheret Kohanim, war: "...aber ich kann dieses Urteil nicht vollstrecken"; am 4. November 1995, nach einer Demonstration zur Unterstützung des Friedensprozesses auf dem „Platz der Könige von Israel“ (Kikar Malchei Jisra'el, heute: "Kikar Rabin"), wartete Amir auf Rabin auf einem angrenzenden Parkplatz, wo er ihn mit zwei Schüssen aus seiner Pistole ermordete und mit einem weiteren Schuss einen Wachmann verletzte; für den Anschlag benutzte er eine Beretta 84F halb-automatische Pistole, Kaliber 380 ACP; die drei abgefeuerten Kugeln waren von Jigals Bruder mit einer Stahlummantelung versehen worden, um möglichst grossen Schaden anzurichten; Amir wurde noch am Schauplatz des Verbrechens verhaftet; am 27. März 1996 verurteilte ihn das Bezirksgericht Tel Aviv-Jaffa zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen des Mordes sowie zu 6 weiteren Jahren Haft wegen des Schusses auf den Wachmann; in einem späteren Verfahren wurde er zu 5 Jahren verurteilt (und nach einer staatlichen Berufung zu 8 Jahren) wegen Bildung einer Verschwörung zur Ausführung des Mordes mit seinem Bruder und Adani; alle Strafen wurden zusammengezählt; 24 Stunden nach dem ersten Gerichtsurteil veröffentlichte die Schamgar-Kommission, benannt nach ihrem Leiter Meir Schamgar, dem früheren Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, ihren 250seitigen Untersuchungsbericht über den Mord an Rabin; davon durften 117 Seiten nicht veröffentlicht werden; im November 1997 veröffentlichte die israelische Regierung in einem sechsseitigen Papier ergänzende Informationen aus dem geheimen Teil des Berichtes der Untersuchungskommission; der vollständige Text des Berichts wurde bis dato nicht publiziert, obwohl Meir Shamgar selbst bereits zwei Jahre nach dem Mord an Premierminister Rabin gesagt hatte, dass es der Regierung jetzt erlaubt sei, die vertraulichen Teile des Berichts seiner Kommission zu veröffentlichen; Amir war in Isolationshaft im Beerscheba-Gefängnis und wurde 2003 in das Ajalon-Gefängnis verlegt; seine Berufungen gegen beide Strafen wurden abgelehnt; Amir hat niemals Bedauern für seine Tat geäussert; die meisten Anhänger des rechten Flügels verurteilten das Attentat trotz der erheblichen Unterschiede in den politischen Ansichten und dem verbreiteten Widerwillen gegen Rabins Politik, die nach Ansicht der Rechten die Terroristen ermutigte und ihnen eine territoriale Festung in Israel gab; Rabin hatte einen Dienstwagen, einen gepanzerten Cadillac mit Silbermetallic-Lackierung, den er jedoch nur benutzte, wenn von den Sicherheitsbehörden die strikte Weisung kam, das schwer gepanzerte Gefährt sei unerlässlich; an jenem Abend des 4. November hatte der Sicherheitsdienst wegen der zu erwartenden Menschenmenge um Benutzung des Cadillac gebeten; vor kurzem hatte jemand das Cadillac-Emblem von der Kühlerhaube abgebrochen; auf der Hinfahrt zum Platz der Könige wurde der Wagen von Menachem Damti gefahren, neben ihm hatte der Leibwächter Joram Rubin Platz genommen; Jitzchak und seine Frau Lea Rabin sassen im Fond des Wagens, die kurzen beigefarbenen Vorhänge an den hinteren Scheiben des Wagens waren offen; ein zweites Auto mit zwei Sicherheitsbeamten folgte; das entsprach dem Sicherheitsstandard für Routinefahrten; während der Fahrt zur Kundgebung teilte Joram Rubin „mit gedämpfter Stimme“ mit, dass ein „ernst zu nehmender Hinweis“ eingegangen sei, wonach möglicherweise ein „muslimischer Selbstmordattentäter“ versuchen werde, sich unter die Menschenmenge zu mischen; Rabin reagierte nicht auf diese Bemerkung, Leah Rabin jagten die Worte „muslimischer Selbstmordattentäter“ nach ihrer Angabe einen kalten Schauer über den Rücken; Zitat Leah Rabin: "Auf den Dächern sämtlicher Gebäude um den Kikar waren Sicherheitsbeamte postiert worden. Die Demonstranten, die auf den Platz strömten, wurden durchsucht. Aber kann man wirklich 200 000 Menschen kontrollieren? Unmöglich! Wer konnte verhindern, dass sich ein Fanatiker einschlich, dem als Belohnung für seinen terroristischen Anschlag ein himmlischer Empfang durch vierzig Jungfrauen verheissen worden war?" - Als Leah Rabin neben ihrem Mann in der vordersten Reihe am Rand der Tribüne stand, kam die Frau eines Reporters der Zeitung Ha'aretz auf sie zu und fragte sie, ob Jitzchak eine kugelsichere Weste trage; nach der Überzeugung von Leah Rabin hätte ihr Mann es für völlig überzogen gehalten, bei einem Anlass wie diesem eine kugelsichere Weste anzuziehen; sie selbst sagte: "Eine kugelsichere Weste? Wie kommen Sie denn auf diese Idee? Sind wir etwa in der Dritten Welt? Dies hier ist Israel"; - nach dem Ende der Kundgebung gingen beide auf die Treppe zu, wo sie versuchten, Tuchfühlung zu halten, was jedoch nicht gelang, beide wurden von Menschen bedrängt, die sich um sie scharten; beide steuerten weiter auf den Wagen zu; Leah Rabin ging rechts von Jitzchak Rabin die Treppe hinter der Tribüne hinunter, dann wurden sie wieder von der Menge bedrängt, und Jitzchak ging voraus; Menachem, der Fahrer, stand neben dem Wagen, um Leah Rabin beim Einsteigen zu helfen; sie befand sich noch immer auf der Treppe, als Jitzchak sich anschickte, in den Wagen zu steigen; er fragte: „Wo ist Lea?“ Dann fielen die Schüsse; als der erste Knall zu hören war, wandte Jitzchak sich um; dann fiel er zu Boden, während sich gleichzeitig andere über ihn warfen; Lea Rabin hörte es dreimal knallen und hörte, wie jemand rief „Das war doch nur ein Scherz!“; sie wurde dann von einem Sicherheitsbeamten auf den Beifahrersitz des nächsten in der Schlange wartenden Wagens gestossen, es war der Geleitwagen, der ihnen zur Kundgebung gefolgt war; der silberne Cadillac war mit Jitzchak und dem Sicherheitsbeamten Joram Rubin bereits losgerast (Fahrer Menachem Damti); Leah Rabin sah ihren Mann erst wieder, als er bereits tot war, in der Ichilov-Klinik, nach einer rasenden Irrfahrt durch die Stadt; während dieser Fahrt sprachen die Sicherheitsbeamten weder in ihre Mobiltelefone noch in ihre Funkgeräte; die Fahrt endete vor der Zentrale des Schabak, des israelischen Gegenstücks des amerikanischen FBI; nach zwanzig Minuten Wartezeit in den Räumen des Schabak bestand sie darauf, zum Krankenhaus gebracht zu werden; während der Fahrt hatte sie sich die Bilder des Geschehens ins Gedächtnis gerufen und bemerkt: „Beim letzten Blick, den ich auf Jitzchak werfen konnte, bevor die Guards ihn unter sich begruben, schien er wohlauf zu sein“; im Krankenhaus sah sie den Leichnam, den Körper in eine Decke gehüllt, das Gesicht war frei; - 2004 wurde im Bezirksgericht Tel Aviv die Entscheidung über eine Anfrage von Jigal Amir, im Gefängnis zu heiraten, beraten; er hatte sich mit Larisa Trembowler verlobt, einer Einwanderin aus der ehemaligen Sowjetunion, Doktorin der Philosophie und geschiedene Mutter von vier Kindern; er hatte sie vermutlich bei einer früheren Reise nach Russland kennengelernt; im Januar 2004 kündigte die Leitung der israelischen Gefängnisse an, dass Amir keine Erlaubnis zur Heirat erhalten werde, trotz eines Gesetzes, das allen Gefängnisinsassen erlaubt zu heiraten und Kinder zu zeugen; im Februar 2006 erkannte die israelische Generalstaatsanwaltschaft jedoch die am Telefon geschlossene Ehe der beiden an; im März 2006 wurde bekannt, dass Gefängnisbehörde und Staatsanwaltschaft einen Antrag des Ehepaars gebilligt haben, wonach sich Amirs Frau ausserhalb der Haftanstalt mit Amirs Samen künstlich befruchten lässt; Geschlechtsverkehr wurde den beiden aber zunächst verwehrt; inzwischen hat das Ehepaar einen Sohn bekommen, dessen Beschneidung am 4. November 2007 stattfand, am Jahrestag des Attentates; mit der Ermordung von Rabin beschäftigten sich viele Verschwörungstheorien; inwieweit sie bzw. einige von ihnen durch den Shamgar-Untersuchungsausschuss, der den Mordanschlag untersuchte, widerlegt worden sind, ist unbekannt, da die vollständige Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes noch aussteht; beispielsweise bleibt viel Ungewissheit über die Rolle von Awischai Rawiw, der beschuldigt wird, als agent provocateur für den Schin-Bet-Sicherheitsdienst gehandelt zu haben; aber auch andere Punkte scheinen nicht erschöpfend aufgeklärt; die Zeitung der National-Religiösen Partei, Hashofet, hatte den früheren Aussenminister Shimon Peres und hohe Geheimdienstleute als Drahtzieher des Attentats auf Rabin bezeichnet; die Arbeitspartei hatte daraufhin das rechtsnationale Lager und die Regierung Netanjahu beschuldigt, nur von ihren Hasskampagnen gegen Rabin ablenken zu wollen, die erst das Klima für den Mord geschaffen hätten; Leah Rabin schreibt in ihrem Buch Ich gehe weiter auf seinem Weg (1997) über den Mord an ihrem Ehemann: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Jitzchak einer Verschwörung zum Opfer fiel. Ob die Tat selbst das Ergebnis eines Komplotts war, weiss ich nicht, und ich bin nicht sicher, ob dies von Bedeutung ist. Ganz gewiss aber war er das Opfer einer geistigen Verschwörung - einer Verschwörung, die ganz genauso kalt berechnet und so tödlich war wie die Mordtat als solche. Eine Clique extremistischer Rabbiner - nicht Dozenten - gehörte zu denen, die bei den Studenten von Bar-Ilan die Geisteshaltung prägten, die den Mord überhaupt erst möglich machte, und diese Personen sind mitverantwortlich für den Mord, denn der Mörder glaubte, eine heilige Sendung zu erfüllen, die von ihnen gutgeheissen werde. Er glaubte, das "heilige Land" von Juda und Samaria sei heiliger als das Leben des Premierministers, der um des Friedens willen zum Kompromiss bereit war"
  • Juni 1970: München. Eindringlinge schänden eine Torarolle sowie andere Kultgegenstände in der Münchner Hauptsynagoge.
  • 19. Juni 1970: Edward Heath englischer Premierminister
  • 1. August 1970: Elon Lindenstrauss in Jerusalem geboren, vielfach ausgezeichneter israelischer Mathematiker, Sohn des Mathematikers Joram Lindenstrauss; Elon Lindenstrauss studierte an der Hebräischen Universität, wo er 1995 seinen Master-Abschluss machte und 1999 bei Benjamin Weiss promovierte; danach war er 1999/2000 am Institute for Advanced Study, 2001 bis 2003 Assistant Professor an der Stanford University, 2003 bis 2005 am Clay Mathematics Institute (deren Long Term Prize Fellow er war) und am Courant Institute of Mathematical Sciences der New York University; seit 2004 ist er Professor an der Princeton University; Lindenstrauss arbeitet in der Anwendung der Ergodentheorie in der Zahlentheorie und bewies 2006 mit Anatole Katok und Manfred Einsiedler, dass die Vermutung von John Edensor Littlewood über gleichzeitige diophantische Approximation zweier reeller Zahlen nur für eine Menge von Paaren ausserhalb einer Menge von Hausdorff-Dimension null nicht gelten kann; der Beweis ist auch wegen der verwendeten neuen Methoden von Bedeutung; ausserdem bewies Lindenstrauss die „Quantum Unique Ergodicity Conjecture“ für arithmetische hyperbolische Flächen; Auszeichnungen: 2003: Salem-Preis; 2004: EMS-Preis der European Mathematical Society; 2008: Michael Bruno Memorial Award der Rothschild "Yad Hanadiv"-Foundation; 2009: Erdös-Preis der Israel Mathematical Society; 2009: Fermat-Preis; 2010: Fields-Medaille
  • 7. August 1970: Die Sowjets und Ägypten stationieren im 32-Meilen-Sperrgebiet entlang der Westbank am Suezkanal hoch entwickelte Boden-Luft-Raketen vom Typ SAM-2 und SAM-3. Dies war ein eindeutiger Verstoss gegen das Waffenstillstandsabkommen, das die Einfuhr militärischen Geräts und die Stationierung militärischer Einrichtungen aller Art in diesem Gebiet untersagte. Diese Stationierung war nur die erste Stufe der Errichtung eines gigantischen Flugabwehrsystems. Zwischen den Städten von Ismailia und Suez wurden 63 Raketen stationiert. Drei Jahre später, im Krieg von 1973, übernahmen diese Raketen eine wichtige Funktion bei Ägyptens Überraschungsangriff auf Israel. Wie wichtig, wird daran ersichtlich, dass 40 Prozent der Gesamtverluste an israelischen Kampfflugzeugen in den ersten 48 Stunden erfolgten.
  • September 1970: Die Spannungen zwischen PLO und der königstreuen jordanischen Armee führten im September 1970 zu einem kurzen und blutigen Bürgerkrieg, der unter dem Namen "Schwarzer September" (später der Name einer palästinensischen Terrorgruppe) bekannt wurde. 1971 wurde die PLO gewaltsam von der jordanischen Armee vertrieben. Das Hauptquartier der PLO wurde in den Libanon verlegt, wo sie ihre Aktivitäten verstärkte
  • September 1970: PLO-Terroristen kapern auf spektakuläre Weise insgesamt fünf zivile Flugzeuge, die zum Teil später (auch vor laufenden Kameras) in die Luft gesprengt werden
  • 28. September 1970: Gamal Abdel Nasser stirbt, frustriert und gesundheitlich geschwächt von Israels Erfolgen im Sechstage- und im Abnutzungskrieg, in Kairo (und wird von Sadat abgelöst); an Nassers Trauerzug nahmen am 1. Oktober 1970 geschätzte acht Millionen Menschen teil, die bislang grösste Anzahl von Trauernden bei einem Begräbnis; das Defilee geriet ausser Kontrolle und chaotische Zustände in der Stadt waren die Folge
  • 24. Oktober 1970: Salvador Allende Präsident Chiles
  • 13. November 1970: Nach einem Staatsstreich übernimmt in Syrien General Hafis al-Assad die Macht
  • 13. November 1970: Sturmflutkatastrophe in Ostpakistan: über 300 000 Tote
  • 1.12.1970: Sarah Silverman (Sarah Kate Silverman; nicknames Big S, Jewie Bigstein oder Sarah "Big S" Silverman) geboren in Bedford/New Hampshire, USA, umtriebige, derb provozierende amerikanisch-jüdische stand-up comedian, Schauspielerin und Schriftstellerin, ihre Themen sind soziale Tabus, kontrovers diskutierte Gegenstände wie Rassismus, Sexismus, Religion, manchmal aus der künstlich-stereotyp eingenommenen Perspektive einer typischen "Jewish-American princess"
  • 7.12.1970: Kniefall Willy Brandts vor dem Denkmal der im Warschauer Ghetto-Aufstand Umgekommenen; gilt als Beginn der neuen Ostpolitik
  • 23. Dezember 1970: Anatole Taubman in Zürich geboren, Schweizer Schauspieler, nach der Geburt in England, dann nach fünf Jahren Rückkehr in die Schweiz nach Zug, wo er aufwuchs; er lebt in Berlin (verheiratet, zwei Töchter); seine Grosseltern, die von den Nazis ermordet wurden, kamen aus Bratislava, Krakau und Kiew, sein Vater war Ostpreusse und seine Mutter Österreicherin
  • 1970er Jahre: Bnei Menashe, Gruppe indischer Juden (einige Tausend), leben/lebten in den nordöstlich gelegenen Bundesstaaten Manipur und Mizoram; sie kamen erst in den 1970er Jahren zum Judentum, behaupten jedoch von sich, Nachkommen des israelitischen Stammes Manasse zu sein; erst 2005 wurden sie von Shlomo Amar, einem der beiden Oberrabbiner Israels, als solche anerkannt; damit stand ihnen die Auswanderung nach Israel frei
  • 1970-1981: Präsident der IKG Wien: Anton Pick

Bücher

  • I. Heinemann, Darkhe ha-Aggada, Jerusalem, 3. Aufl. 1970
  • J. Schirmann (Hrsg.), Ha-Schira ha-Ibrit be-Sefarad ube-Provans, 4 Bände, Jerusalem, 3. Aufl. 1970 (Anthologie)
  • Hannah Arendt, Macht und Gewalt, 1970
  • Nahum Goldmann, Staatsmann ohne Staat, Köln/Berlin 1970
  • Bernard Bourgeois, Hegel à Francfort ou Judaïsme, Christianisme, Hégélianisme, 1970
  • Richard Lichtheim, Rückkehr. Lebenserinnerungen aus der Frühzeit des deutschen Zionismus, Stuttgart 1970
  • George L. Mosse, Germans and Jews: The Right, The Left and The Search for a "Third Force" in Pre-Nazi Germany, New York 1970
  • Lucien Steinberg, La révolte des Justes – Les Juifs contre Hitler, Paris 1970 [knapp gefasste Gesamtdarstellung des jüdischen Widerstandes]
  • Hugo Gold, Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes, Tel Aviv 1970
  • Augusta Weldler-Steinberg, Geschichte der Juden in der Schweiz, Bd. II: Vom 16. Jahrhundert bis nach der Emanzipation, Zürich 1970
  • Bernt Engelmann, Deutschland ohne Juden. Eine Bilanz, 1970
  • F. Hüttenmeister, Der Toseftatraktat Schekalim, Saarbrücken 1970
  • D. E. Y. Sarnor, Tosefta Massekhet Sota, Boston 1970
  • M. Higger, The treatise Derek Erez, Pirke ben Azzai, Tosefta Derek erez, edited from MSS with an introduction, notes, variants and translation, New York 1935
  • K. Schubert, Die jüdischen Religionsparteien in neutestamentlicher Zeit, Stuttgart 1970
  • Jürgen Becker, Untersuchungen zur Entstehungsgeschichte der zwölf Patriarchen, Leiden 1970
  • M. Beer, The Babylonian Exilarchate in the Arsacid and Sassanian Periods, Tel Aviv 1970 (hebräisch)
  • Kitbe R. Abraham Ibn Esra, 2 Bände, Jerusalem 1970
  • I. Wartski, Leshon ha-Midrashim, Jerusalem 1970
  • G. von Rad, Weisheit in Israel, Neukirchen 1970
  • M. Smith, Palestinian Parties and Politics that Shaped the Old Testament, New York/London 1970
  • Ch. Merchavia, The Church versus Talmudic and Midrashic Literature (500-1248), Jerusalem 1970 (hebräisch)
  • J. Heinemann, Sermons in the Talmudic Period, Jerusalem 1970 (hebräisch)
  • S. Eisenstadt, Pyonerishe Geshtaltn, Tel Aviv 1970
  • S. Halkin, Modern Hebrew Literature from the Enlightenment to the birth of the State of Israel. Trends and Values, New York (2. Auflage) 1970
  • A.-M. Denis, Fragmenta Pseudepigraphorum quae supersunt graeca, Leiden 1970
  • A.-M. Denis, Introduction aux pseudépigraphes grecs d'Ancien Testament, Leiden 1970
  • J. M. Reese, Hellenistic Influence on the Book of Wisdom and its Consequences, Rom 1970
  • C. Burchard, Der dreizehnte Zeuge, Göttingen 1970
  • V. Nikiprowetzky, La Troisième Sibylle, Paris 1970
  • J. Neusner, The Formation of the Babylonian Talmud, Leiden 1970
  • J. Neusner, A Life of Rabban Yohanan ben Zakkai, 2. Aufl. Leiden 1970
  • J. Neusner, Development of a Legend. Studies on the Traditions concerning Yohanan ben Zakkai, Leiden 1970
  • J. Schlanger (Hrsg.), Salomon ibn Gavirol - Livre de la Source de Vie (Fons Vitae), Paris 1970
  • I. Tishby-J. Dan, Hebrew Ethical Literature. Selected Texts with Introductions, Notes and Commentary. 10th - 12th Centuries, Jerusalem 1970 (hebr.)
  • H. Liebeschütz, Von Georg Simmel zu Franz Rosenzweig. Studien zum jüdischen Denken im deutschen Kulturbereich, Tübingen 1970
  • Michael Heymann, The Uganda Controversy. Edited with an Introduction. The Minutes of the Zionist General Council, vol. I, Jerusalem 1970 [vol. II, Jerusalem 1977]
  • Michael Selzer, Zionism Reconsidered. The Rejection of Jewish Normalcy, New York 1970
  • A. M. Habermann, A History of Hebrew Liturgical and Secular Poetry, 2 Bände, Ramat Gan 1970-1972 (hebr.)

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