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1961

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Ereignisse

  • 1961: Nobelpreis für Physik an: Robert Hofstadter
  • 1961: Nobelpreis für Chemie an: Melvin Calvin
  • 1961: Israel-Preis an Schlomo Goren (Rabbinische Literatur)
  • 1961: Israel-Preis an Yechezkel Kutscher (Geisteswissenschaften)
  • 1961: Israel-Preis an Yehuda Burla (Literatur)
  • 1961: Israel-Preis an Aharon Katzir (Biowissenschaften)
  • 1961: Israel-Preis an Ora Kedem (Biowissenschaften)
  • 1961: Israel-Preis an Jacob van der Hoeden (Landwirtschaft)
  • 1961: Israel-Preis an Menachem Avidom (Musik)
  • 1961: Operation "Yachin" (marokkanische Juden kommen nach Israel)
  • 1961: Unabhängigkeit Kuwaits
  • 1961: Jessica Durlacher in Amsterdam geboren, niederländisch-jüdische Schriftstellerin, Literaturkritikerin und Übersetzerin (Art Spiegelman ins Niederländische), Tochter des Soziologen und Schriftstellers Gerhard Durlacher, der als einziger aus seiner Familie Auschwitz überlebt hat; seine Berichte und Erzählungen über die NS-Zeit machten ihn zu einem wichtigen Zeitzeugen in den Niederlanden; Jessica Durlacher setzt dieses Thema fort und schreibt in ihren Romanen u. a. über das Leben von Familien, in denen die Eltern den Holocaust überlebt haben, und wie diese Erfahrung sie und ihre Kinder traumatisiert und prägt; sie ist verheiratet mit dem Schriftsteller Leon de Winter, sie haben zwei gemeinsame Kinder; Werkauswahl: "Het Geweten" (Das Gewissen), 1997; "De Dochter" (Die Tochter), 2000; "Emoticon", 2004 (thematisiert den israelisch-palästinensischen Konflikt am Beispiel einer folgenschweren Begegnung zwischen einem jungen Israeli und einer Palästinenserin); "Nieuwbouw" (Essays), 2004
  • 1961: Hanno Loewy in Frankfurt am Main geboren, deutscher Literatur- und Medienwissenschaftler und Publizist; er studierte in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft sowie Kulturanthropologie und wurde an der Universität Konstanz mit einer Dissertation über den „Filmtheoretiker Béla Balázs und die Ideengeschichte des Films im Kontext der ästhetischen, philosophischen und politischen Utopien des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts“ promoviert; bereits seit 1982 war er als Publizist tätig, bis er von 1995 bis 2000 Gründungsdirektor des Fritz Bauer Instituts zur Geschichte und Wirkung des Holocaust in Frankfurt am Main wurde und anschliessend bis 2003 Leiter der Abteilung für Erinnerungskultur und Rezeptionsforschung im selben Haus; seit 2004 leitet er das Jüdische Museum Hohenems in Vorarlberg; seit 2000 ist Hanno Loewy Lehrbeauftragter der Universität Konstanz im Bereich Literaturwissenschaft /Medienwissenschaft; Werke: Hanno Loewy (Hg.): Walter Zadek: Kein Utopia. Araber, Juden und Engländer in Palästina, 1986; Thomas Kreuder, Hanno Loewy (Hg.): Konservatismus in der Strukturkrise, 1987; Hanno Loewy, Gerhard Schoenberner (Hg.): Unser einziger Weg ist Arbeit. Das Getto in Lodz 1940-1944, 1990; Hanno Loewy (Hg.): Holocaust: Die Grenzen des Verstehens. Eine Debatte über die Besetzung der Geschichte, 1992; Thomas Hofmann, Harry Stein, Hanno Loewy (Hg.): Pogromnacht und Holocaust: Frankfurt, Weimar, Buchenwald - Die schwierige Erinnerung an die Stationen der Vernichtung, 1994; Hanno Loewy, Bernhard Moltmann: Erlebnis, Gedächtnis, Sinn. Authentische und konstruierte Erinnerung, 1996; Margrit Frölich, Hanno Loewy, Heinz Steinert (Hg.): Lachen über Hitler - Auschwitz-Gelächter? Filmkomödie, Satire und Holocaust, 2001; Kersten Brandt, Hanno Loewy, Krystyna Oleksy (Hg.): Before They Perished: Photographs Found in Auschwitz, 2001; Cilly Kugelmann, Hanno Loewy (Hg.): So einfach war das: Jüdische Kindheit und Jugend in Deutschland seit 1945, 2002; Hanno Loewy: Taxi nach Auschwitz. Feuilletons, 2002; Hanno Loewy: Béla Balázs: Märchen, Ritual und Film, 2003; Hanno Loewy: So einfach war das. Jüdische Kindheiten und Jugend in Österreich, der Schweiz und Deutschland, 2004; Hanno Loewy (Hg.): Gerüchte über die Juden. Antisemitismus, Philosemitismus und aktuelle Verschwörungstheorien, 2005; Hanno Loewy und Michael Wuliger: Shlock Shop. Die wunderbare Welt des jüdischen Kitschs, 2005; Hanno Loewy: Heimat Diaspora. Das Jüdische Museum Hohenems, 2008
  • 1961: Daniel Josefsohn in Hamburg geboren, in Berlin lebender und arbeitender deutscher Fotograf; insbesondere seine Bilder der 90-er Jahre (z. B. das MTV-Plakat "Miststück") erlangten grössere Aufmerksamkeit und haben die öffentliche Wahrnehmung dieser Zeit mit geprägt
  • 3.1.1961: Wladimir Potanin (Wladimir Olegowitsch Potanin) in Moskau geboren, Oligarch aus russisch-jüdischer, kommunistischer Familie; Gründer und Präsident der Oneximbank, Eigentümer des Norilsk-Nickelkonzerns, war in den Jahren 1996 und 1997 Vize-Premier der russischen Regierung, in dieser Funktion war er für finanzwirtschaftliche Fragen zuständig; in wenigen Jahren stieg Potanin vom unbedeutenden Beamten zum sechsfachen Dollarmilliardär auf, er gehört zu den Oligarchen, die weder im Gefängnis sitzen noch ins Exil getrieben wurden; ihm gelang der perfekte Übergang aus einer Kaderpositon alten Stils in die Marktwirtschaft, er nutzte seine Verbindungen zum sowjetischen Aussenhandelsbereich, um Gelder staatlicher Organisationen auf seine Bank zu lenken; er gilt als strategischer Kopf des skandalösen „Aktien für Kredite“-Privatisierungsprogramms, von dem er selbst auch in hohem Masse profitierte, 1991 gründete er mit 10 000 Dollar Startkapital Interferros und machte seine ersten Millionen im Metallhandel, 1992 und 1993 gründete er mit seinem Partner Michail Prochorow zwei Banken, wovon die Onexim Bank bis Mitte der 90er Jahre zur grössten Privatbank Russlands aufstieg, Potanin und Prochorow boten sich den Klienten der aufgrund des Zusammenbruchs des Ostblocks in Probleme geratenen IBE-Bank als Retter an, 300 Mio. USD Depositen wurden von den Klienten auf die Banken der beiden zukünftigen Oligarchen übertragen, dort waren sie vor einem drohenden Konkurs gesichert; zahlreiche Aussenhandelsorganisationen und Staatskonzerne wie der Ölkonzern von Bogdanow nutzten diese Dienste und beteiligten sich gleichzeitig als Aktionäre an den beiden neuen Banken; dazu kamen noch Konten von regionalen Verwaltungen, besonders im Nordwesten und im Fernen Osten (sehr hoher Anteil an staatlichen Geldern) und Guthaben von riesigen Konzernen wie Norilsk Nickel; der Erfolg liess sich an der Bilanz ablesen: Anfang 1994 verfügte die Bank über 322 Mio USD Gelder und Ende des Jahres schon über 2,1 Mrd. USD; 1995 gewann die Onexim-Bank einen der lukrativsten Regierungsaufträge überhaupt: die finanzielle Abwicklung aller Zolleinnahmen; das Lukrative daran waren die hohen Geldbeträge (Rubel und Devisen), die nun über die Konten der Onexim-Bank liefen. Potanin nutzte diese staatlichen Gelder für umfangreiche Spekulationen, vornehmlich mit Staatsanleihen und Währungsspekulationen. Durch die hohe Inflation konnte die Bank in schneller Zeit grosse Gewinne durch An- und Verkauf von Rubeln erzielen. 1996 gehörte Potanin zu den sog. "7 Oligarchen", die Jelzin zur Wiederwahl verhalfen. Als Dank ernannte Jelzin Potanin 1996 zum Vize-Premierminister (bis März 1997), verantwortlich für die Wirtschaft und die Privatisierungen. Damit sass Potanin an den wichtigsten Schalthebeln der Wirtschaft und verhalf zahlreichen Oligarchen (und sich) zu einem Milliardenvermögen. Potanin schuf das sog. Kredite-für-Aktien Programm, um die maroden Staatskassen zu füllen. Der Staat verpfändete Anteile an Staatskonzernen gegen Kredite der reichen Bankiers. Zu diesem Zwecke wurden dann die Anteile über Auktionen privatisiert. Nur ausgewählte Bieter durften an den Auktionen teilnehmen. Ausländische Mitbieter und andere Konkurrenten wurden mit allen möglichen Tricks an einem Mitbieten gehindert. Dieselben Banken, die die Auktionen organisierten, gewannen in der Regel auch die Zuschläge, gewöhnlich nur knapp über dem Mindestangebot. Der Staat sollte die Anteile zurückerhalten, wenn er die Kredite beglich. Potanin tat später alles dafür, dass der Staat die Kredite nicht beglich, obwohl er vorher für das Gegenteil eingetreten war. Während seiner Amtszeit lief die Frist für die Kreditbegleichung ab, ohne dass er sie verlängerte. Das Ergebnis war, dass die Kernstücke der russischen Wirtschaft zu äusserst günstigen Konditionen an die Banken gingen. Gerade Potanin profitierte in besonderer Weise von diesen Deals. Der Deal seines Lebens war für Potanin die Privatisierung des weltgrössten Metallproduzenten NORILSK NICKEL. Er konnte sich einen 38% Anteil für nur 171 Mio USD sichern, nur 100 000 Dollar über dem Mindestangebot bei der Auktion. Der Konkurrent Rossily Kredit war bereit, für diesen Anteil den doppelten Preis zu zahlen. Die Potanin-Bank, die die Auktion durchführte, schloss Rossily jedoch von der Auktion aus, wegen Fristüberschreitung und fehlender staatlicher Garantie-Absicherungen. Zu diesem Zeitpunkt war Norilsk Nickel hochverschuldet und ein maroder Konzern mit veralteten Anlagen. Potanin und sein Team konnten den Konzern jedoch in kurzer Zeit sanieren. Norilsk Nickel ist der weltgrösste Platin- und Palladiumproduzent und kontrolliert 20% des Weltmarktes für Nickel. Durch Zukäufe stieg der Konzern 2002 zum grössten Goldproduzenten Russlands auf. Der zweite grosse Privatisierungsdeal war die viertgrösste Ölgesellschaft Sidanco, für deren 51% Anteil er nur 130 Mio USD zahlte. Später stockte er seine Anteile noch weiter auf und versilberte 1997 einen 10% Anteil für 571 Mio USD an den britischen Ölkonzern BP. Doch BP musste viel Lehrgeld zahlen, denn die Potanin-Holding Interros entschied sich, dem Metallproduzenten Norilsk Nickel höchste Priorität einzuräumen. Im Rahmen dieser Strategie flossen Finanzmittel aus dem Sidanco-Konzern zu Norilsk Nickel. Der permanente Abzug von Finanzmitteln führte gegen Ende der 1990er Jahre zunehmend zu Problemen bei Sidanco und zum Rücktritt des Managements. Nach der Wirtschaftskrise im August 1998 gerieten viele profitable Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten und wurden von Konkurrenten in den Bankrott getrieben. Russische Gerichte können Firmen zur Zahlung enormer Summen in nur kurzer Zeit zwingen, bei einer Gnadenfrist von 100 Tagen. Im Fall von Sidanko mussten BP und Potanin hilflos mit ansehen, wie der Konkurrent Tuymen Oil der Oligarchen Fridman und Wechselberg sich durch dubiose Konkursverfahren einige der gewinnträchtigsten Konzerntöchter von Sidanco sicherte. Trotz zahlreicher Gerichtsverfahren vor internationalen Gerichtshöfen konnte Sidanco die Tochtergesellschaften nicht wiedergewinnen. 2000/2001 wurde dann ein Vergleich geschlossen, um Sidanco zu retten. Das Ergebnis: Potanin verkaufte seine Anteile für 1,1 Mrd USD an die ALFA-Gruppe von Fridman. Weitere grosse Deals liefen bei Svyazinvest (Telekom), Novolipetsk (Stahl), Interros ist auch (über die Prof-Media News and Publishing Holding) der führende russische Zeitungs- und Zeitschriftenkonzern, zu den Beteiligungen gehören auch regionale TV-Sender und Kinos; 2004 geriet Potanin in den Blick der Öffentlichkeit durch einen dubiosen Deal. Potanin erwarb kreditfinanziert einen 20% Anteil am südafrikanischen Minenkonzern Gold Fields, um im Gegenzug die Goldinteressen von Norils Nickel mit Gold Fields zu fusionieren, wobei Potanin die Mehrheit am neuen Konzern besitzen würde. Der grosse Vorteil des Deals: Potanin hätte grosse Teile des Norilsk-Nickel Konzerns (3 bis 5 Mrd USD) ins sichere Ausland transferiert, sicher vor dem russischen Staat. Die Kredite für den Deal stammen von amerikanischen Banken und von Norilsk Nickel selber. Bei Bekanntwerden des Deals machten Regierungsoffizielle deutlich, dass der Staat solch ein Vorgehen niemals dulden würde. Umgehend wurden Ermittlungen gegen Norilsk Nickel eingeleitet. Als Potanin für einige Tage im Ausland war, schwirrten Gerüchte durch Moskau, dass er verhaftet werden solle und ein neuer Fall "Yukos" aufgezogen werden würde. Anscheinend hat sich Potanin aber wieder mit dem Kreml arrangiert, denn er erschien wieder unbehelligt auf der Bildfläche.
  • 20.1.1961-22.11.1963: John F. Kennedy 35. US-Präsident
  • 23.1.1961: Esther Schapira geb. in Frankfurt am Main, deutsche Journalistin und Filmemacherin; sie hat an der Frankfurter Helmholtzschule 1982 Abitur gemacht und anschliessend Germanistik, Anglistik sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft studiert; seit 1995 ist sie Redakteurin für Politik und Gesellschaft beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt und dort Ressortleiterin der Abteilung Zeitgeschichte; ihre (Dokumentar-) Filme wurden unter anderem mit dem Elisabeth-Selbert-Preis (1987), dem Deutschen Kritikerpreis (1996), dem Civis-Preis (2002), dem Rias Fernsehpreis (1995) sowie zweimal mit einem ersten Preis beim „International Festival Law and Society“ in Moskau ausgezeichnet (2003 für „Drei Kugeln und ein totes Kind“, 2008 für „Der Tag, als Theo van Gogh ermordet wurde“); 2007 erhielt sie – zusammen mit Dr. Georg M. Hafner, Frankfurt - die Buber-Rosenzweig-Medaille 2007; für den Film „Der Tag, als Theo van Gogh ermordet wurde“ wurde sie mit Mitautor und -regisseur Kamil Taylan mit dem Prix Europa 2007 ausgezeichnet; im November 2007 kam es zu einer öffentlichen Kontroverse zwischen Esther Schapira und dem deutsch-türkischen Popsänger Muhabbet, der ihr und Kamil Taylan gegenüber unter anderem die Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh gebilligt haben soll
  • Ca. 15.3.1961: Ilse Bois in London gestorben, Kinderstar und später erfolgreiche Bühnen- und Filmkomikerin; Schwester von Curt Bois
  • 26.3.1961: Amanda Simpson in Chikago geboren, sie ist Senior Technical Adviser im US-amerikanischen Handelsministerium und wurde im Januar 2010 durch die Obama-Administration ernannt; bis 2000 war sie ein Mann namens Mitchell Simpson und bekleidet nun den höchsten Rang, den eine Transsexuelle in der US-Administration je innehatte; früher war Simpson militärischer Testpilot bei Hughes Aircraft und Direktor eines Unternehmens für Raketenherstellung; sie soll im Ministerium amerikanische Produkte prüfen, die zu militärischen Zwecken missbraucht werden könnten; Simpson wuchs in einer jüdischen Familie in Kalifornien auf; früh verspürte sie den Wunsch, als Mädchen zu leben, schlug gleichwohl eine typisch männliche Karriere ein und wurde Vater eines Sohnes; Simpson erwarb 1983 ihren Bachelor of Science in Physik vom Harvey Mudd College, ihren Master of Science in Engineering von der California State University, Northridge, 1988, und ihren MBA von der Universität Arizona in 2001; Simpson ist auch im Vorstand des National Center for Transgender Equality; 2004 kandidierte sie erfolglos als Kandidat der Demokraten für den 26. Distrikt im Arizona House of Representatives; während Simpson hofft, ihre Berufung könne eine Lanze für die Akzeptanz und die Rechte Transsexueller brechen, protestierten viele Konservative gegen ihre Ernennung
  • 11.4.1961: Nach Klageerhebung durch Generalstaatsanwalt Gideon Hausner Beginn des Eichmann-Prozesses am Jerusalemer Bezirksgericht unter dem Vorsitz von Mosche Landau. Der bis zum 15.12.1961 dauernde Prozess führte zur ersten und einzigen Verurteilung zum Tode durch ein israelisches Gericht. Verteidigt wurde Eichmann, der sich im Sinne der Anklage für „nicht schuldig“ befand, von Robert Servatius.
  • 17.4.1961 (Beginn): Eine von den USA unterstützte Invasion Kubas scheitert in der Schweinebucht
  • 24.4.1961: Die jordanische „Jerusalem Times“ veröffentlichte am 24. April 1961, zur Zeit des Prozesses gegen Adolf Eichmann in Jerusalem, einen offenen Brief an den Angeklagten; der Mitorganisator der Vernichtung der europäischen Juden habe „der Menschheit einen wirklichen Segen“ erwiesen, heisst es darin; „Dieser Prozess“, so wurde weiter angekündigt, „wird eines Tages mit der Liquidierung der verbliebenen sechs Millionen [...] seinen Abschluss finden.“
  • 7.5.1961: Aus dem Leitartikel der New York Times zum Eichmann-Prozess in Jerusalem: "Einst lebte eine Frau in Polen und starb dort vor einigen Jahren. Über ihr Leben und ihren Tod ist nur wenig bekannt. Man weiss, dass sie eine Jüdin war. Man weiss es deswegen, weil im Eichmann-Prozess ein Zeuge aufstand und bekundete, dass sie während des Judenmassakers am Grabesrande ermordet wurde. Man weiss, dass sie jung war, denn sie besass im Sterben die Kraft, zur Leiche ihres Kindes zu kriechen, das man ihren Armen entrissen und vor ihren Augen wie eine Puppe zerfetzt hatte. Das ist alles, was wir wissen. Wir wissen nicht, wie sie aussah oder mit welchem Namen ihre Eltern sie riefen oder den Kosenamen, den ihr Mann ihr gab in der Hochzeitsnacht. Aber jetzt ist sie auferstanden, jetzt hat sie Gestalt gewonnen in todbleichem Triumph. Leute lesen über sie in Frankreich oder in Australien oder Mississippi. Zwar nimmt sie nur ein paar Zeilen in den Schreckensspalten der Tagespresse ein, aber für einen fliehenden Augenblick sehen die Leser ihr Antlitz, hören ihre Schreie und fühlen ihren Schmerz. Sie beschwören sie aus der Tiefe und lassen sie auferstehen. Und das ist der Sinn und das Geheimnis und die Lehre des Prozesses gegen Adolf Eichmann. Die Namenlosen und Vergessenen werden plötzlich mit Erinnerung gesegnet und sie werden lebendig im Gewissen der Menschheit wie ein schriller Schrei in der Nacht. Jeder, der diese Bekundungen liest, bringt die Toten zurück und gibt ihnen Gestalt. Da war ein Knabe inmitten der Masse der Juden, die man dem Grab entgegenprügelte. Er wendet sich um in der Phantasie des Lesers und plötzlich hat er Gesicht und Form und ist nicht vergessen. Da war ein Vater, der weinte, als er seinem Sohn sagen musste, er könne ihm keinen väterlichen Rat mehr geben. Und auch er gewinnt Inhalt. Da ist der Lehrer, der den ihm anvertrauten Kindern im Todeswagen nicht erzählte, wohin die Reise ging, sondern von Wäldern und Feldern und Blumen sprach. Auch er hat Gestalt. Wird ihre Auferstehung von Dauer sein? Die Antwort auf diese Frage wird das wahre Urteil des Prozesses sein. Es wird nicht von den Richtern in Jerusalem gefällt werden, sondern von jedem, der von diesem Leid und dieser Erniedrigung gelesen hat, von dem Aufschrei der Gequälten, denen er ins kummervolle Antlitz sah"
  • 8.6.1961: Eröffnung des Hadassa-Universitäts-Krankenhauses in Jerusalem
  • 29.6.1961: Beschluss des deutschen Bundestages, der den ehemaligen Angehörigen der SS (einschliesslich der SS-Totenkopfverbände) einen Anspruch auf Rentenzahlung entsprechend der abgeleisteten Dienstjahre zusprach (obwohl die SS 15 Jahre zuvor im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess zur verbrecherischen Organisation erklärt worden war)
  • 16.10.1961: Marc Levy geboren in Boulogne-Billancourt, Frankreich, französischer Erfolgsautor; er lebte in den Jahren 1984 bis 1991 in San Francisco, wo er auch sein erstes Unternehmen gründete; er ist Sohn eines Verlegers und gelernter Architekt; als freier Schriftsteller lebt er nun zusammen mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Sohn in London; sein erster Roman mit dem deutschen Titel "Solange du da bist … " wurde von dem US-amerikanischen Regisseur Mark Waters verfilmt und kam im Dezember 2005 in die deutschen Kinos; Werke: Solange du da bist (Et si c’était vrai…, engl: If only it were true, Film: Just like heaven), Berlin 2000; Wo bist du? (Où es-tu?), München 2004; Sieben Tage für die Ewigkeit (Sept jours pour une éternité), München 2005; Bis ich dich wiedersehe (La prochaine fois), München 2006; Zurück zu dir (Vous Revoir), München 2006; Wenn wir zusammen sind (Mes Amis Mes Amours), München 2007; Kinder der Hoffnung (Les enfants de la liberté), 2007; All die ungesagten Worte (Toutes ces choses qu'on ne s'est pas dites), 2008; ...
  • 2.11.1961: Uraufführung von Max Frischs Andorra in Zürich
  • 7.11.1961: Adenauer erneut Bundeskanzler der BRD
  • 2.12.1961: Doron Rabinovici in Tel Aviv geboren, österreichischer Historiker und Schriftsteller, lebt seit 1964 in Wien, schreibt Prosa (Kurzgeschichten, Romane, Essays); antirassistisches politisches Engagement, erhielt verschiedene Förder- und Literaturpreise; sein Vater David war 1944 aus Rumänien nach Palästina geflücht, die Mutter, Schoschana, stammte aus Wilna und überlebte Ghetto und Vernichtungslager, erreichte Israel in den fünfziger Jahren
  • 1961-2002: Hahambaşı: David Asseo

Bücher

  • Manès Sperber: „Wie eine Träne im Ozean“ (autobiographische Romantrilogie)
  • L. Jacobs, Studies in Talmudic Logic and Methodology, London 1961
  • H. Mantel, Studies in the History of the Sanhedrin, Cambridge (Massachusetts), 1961
  • Z. W. Rabinowitz, Sha'are Torath Babel, Jerusalem 1961
  • J. P. Choreb-M. Ch. Katzenellenbogen (Hrsg.), R. Jitschaq Abohab, Menorat ha-Maor, Jerusalem 1961
  • B. Gerhardsson, Memory and Manuscript. Oral Tradition and Written Transmission in Rabbinic Judaism and Early Christianity, Uppsala 1961
  • F. Falk (Hrsg.), Das Schemuelbuch des Mosche Esrim Wearba, 2 Bände, Assen 1961
  • G. Vermes, Scripture and Tradition in Judaism: Haggadic Studies, Leiden 1961
  • S. M. Lehrman, The World of Midrash, London 1961
  • S. Rawidowicz (Hrsg.), The Writings of Nachman Krochmal, London 1961 (2. Aufl.; hebr.)
  • Hermann und Bessie Ellern: Herzl, Hechler, the Grand Duke of Baden and the German Emperor, Tel Aviv 1961
  • Hans Kohn, The Habsburg Empire, Princeton 1961
  • D. Pinsky, Oisgeklibene Schriften, Buenos Aires 1961
  • Max Frisch, „Andorra“. Das Drama hat Antisemitismus, Feigheit und die Identität eines Menschen zum Thema und handelt von einem jungen Mann, der, weil ausserehelich und von einer Ausländerin geboren, von seinem Vater als jüdischer Pflegesohn ausgegeben wurde, dem so oft mit Vorurteilen begegnet wird, dass er später sogar dann, als man ihm die Wahrheit sagt, an seiner ihm ursprünglich zugewiesenen Identität festhält, und der am Schluss von einem rassistischen Nachbarvolk als Jude ermordet wird. Der Titel des Stücks „Andorra“, zugleich Name des fiktiven Staates, in dem das Stück spielt, hat nichts mit dem realen Kleinstaat Andorra zu tun.
  • Raul Hilberg, The Destruction of the European Jews, Chicago 1961
  • 1961: erster Bericht über die jüdische Widerstandsgruppe von Herbert Baum in Berlin, verfasst vom polnisch-jüdischen Historiker Bernard Mark (in: bleter far geschichte, dem Organ des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau)
  • D. Bergelson. Alle Werk, 4 Bände, Buenos Aires 1961-1964
  • Mul haojew hanazi ("Gegen den Nazifeind", 3 Bände), Tel Aviv 1961 ff. (enthält zahllose Berichte jüdischer Widerstandskämpfer)

Zeitungen und Zeitschriften

  • Seit 1961: Nachrichtenblatt der jüdischen Gemeinde von Grossberlin (1 Berlin, N4, Oranienburgerstr. 28) und des Verbandes der jüdischen Gemeinden in der DDR (Dresden, N6, Bautznerstrasse), vierteljährlich
  • 1961: Jüdische Zeitschriften/Zeitungen in den Niederlanden: 1961 erschienen das "Nieuw Israelietisch Weekblad" wöchentlich, "De Joodse Wachter" monatlich und "Niweau" monatlich, alle in Amsterdam
  • 1961: Jüdische Zeitschriften/Zeitungen in Frankreich: Nach dem 2. Weltkrieg, in dessen Gefolge sich die jüdische Bevölkerung Frankreichs gegenüber der Vor-Hitlerzeit vermehrte, erschienen 1961 wieder über 50 jüdische Zeitungen/Zeitschriften, 42 in Paris und je eine in Belfort, Grenoble, Lyon, Marseille, Nancy, Neuilly, Strassburg und Troyes; 3 jiddische Tageszeitungen; 5 erschienen wöchentlich (2 jidd.), 8 zweiwöchentlich (1 jidd.), 20 monatlich (4 jidd.), 16 zweimonatlich oder seltener (1 hebr., 4 jidd.); die bekanntesten unter ihnen waren La Tribune Sioniste, Les cahiers de l'Alliance Israélite Universelle, Les lettres juives françaises, Le monde juif
  • 1961: Jüdische Zeitschriften/Zeitungen in Polen: 3 jiddische und ein polnisch-jüdisches Blatt erscheinen (in Warschau): Folks-Shtimme viermal wöchentlich, Iddishe Shriftn monatlich (bis 1969), Bleter far Geshichte und Biuletyn Zydowskiego des jüdischen historischen Instituts vierteljährlich
  • 1961: Die Sowjetunion erlaubt wieder die Herausgabe einer jiddischen Literaturzeitschrift unter dem Titel "Sowetisch Heimland"
  • Jüdische Presse in Brasilien: 1961 bestanden etwa 10 Publikationen; die wichtigsten waren in Rio: "Nossa Voz" (port.-jidd., 2 x wöchentlich), "Diaro Israelita" (jidd.), "Journal Israelita" wöchentlich; "Boletime de Centro Israelita Brasiliero" (port.-dt.), "Novo Noticario Israelita" (dt.) monatlich; in São Paulo "O Novo Momento" (jidd.) wöchentlich; "Cronica Israelita" zweimal monatlich 1935-1969, das Blatt der neuen deutsch-jüdischen Einwanderer (Alfred Hirschberg)

1961 in Wikipedia