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Ereignisse

  • Ca. 180 - ca. 280: Jochanan (Gott ist gnädig, gräzisiert: Johannes), R. Jochanan bar (oder: ben) Nappacha (der Schmied), gewöhnlich einfach Rabbi Jochanan, bedeutender jüdischer Gelehrter des Altertums, Amoräer der zweiten Generation, geboren um 180 (?) in Sepphoris, gestorben um 280. Er gilt als der größte Amoräer Palästinas. Er wirkte in Galiläa, schuf (laut Maimonides) mit seiner Schule die Grundlage des Talmud Jeruschalmi (pal. Talmud). Seine Lehrer waren besonders Jannai, Hoschaja und Chanina ben Chama und eventuell auch Jehuda ha-Nasi. Unter seinen Zeitgenossen ragt Simeon b. Laqisch hervor; sein Zeitgenosse war auch Rab Jehuda bar Jechezqel (Pes 118a). Jochanan lehrte anfangs in Sepphoris, wo er auch geboren war, später in Tiberias in dem von ihm gegründeten Lehrhaus. Er soll 80 Jahre Schulhaupt (malakh) gewesen sein, bevor er (angeblich) 279 starb. Seine Schüler waren u. a. Abbahu, Ammi, Assi II., Eleasar ben Pedat, Jose ben Chanina, Chijja II. und Simeon ben Abba. Seine Disputationen mit seinem Schwager Resch Laqisch in Tiberias sind maßgebend geworden für die talmudische Dialektik (Pilpul). Jochanan ist auch bekannt für seine Hochschätzung der tannaitischen Quellen; zu seinen halachischen Kommentaren zog er sowohl die Mischna wie auch Baraitot heran. Jochanan entwickelte dabei folgende Ansichten: Bis auf drei Ausnahmen folge die Halacha der Meinung Gamaliels II.; die Ansicht Rabbi Jehudas sei der Rabbi Meirs, die Rabbi Joses der Rabbi Jehudas vorzuziehen; die Halacha entspreche immer der anonymen Mischna (und damit doch Meir?)
  • Nach 180: Samuel (aus Nehardea) / Samuel bar Abba / Mar Samuel (Mar = Herr) / auch Ariokh der Große (BM 85b) genannt (nicht identisch mit Mar Samuel Mar(i)) (* gegen Ende des 2. Jahrhunderts in Nehardea, Babylonien, gestorben um die Mitte des 3. Jahrhunderts ebenda, laut Iggeret Rab Scherira Gaon im Jahr 254) war ein babylonischer Amora (talmudischer Gelehrter) der ersten Generation. Samuel studierte bei seinem Vater, Abba bar Abba (Abba ben Abba ha-Kohen), sowie bei Levi ben Sisi, der aus dem römisch besetzten Palästina nach Babylonien ausgewandert war, das unter der Herrschaft der Perser stand. Ob Samuel auch bei Jehuda haNasi in Palästina studiert hat, ist nicht gesichert. Um die Mitte des 3. Jahrhunderts war Samuel der Leiter eines wichtigen Bet Midrasch und Bet Din in Nehardea. Er war zu seiner Zeit die führende Autorität in Fragen des Zivilrechts. In diesem Bereich akzeptierten spätere Generationen seine Entscheidungen als bindend. Er war ein persönlicher Bekannter des Perserkönigs Schapur I. und traf mit ihm eine Vereinbarung, die im Talmudtraktat Baba qama (113a) niedergelegt ist und sich in der ganzen jüdischen Diaspora durchgesetzt hat: Das Gesetz der (auch der nichtjüdischen) Regierung ist (für die Juden) Gesetz (im aramäischen Original: dina de-malchuta dina). Weitere Prinzipien von ihm lauten: Die Bringschuld des Beweises liegt beim Kläger und In finanziellen Verfahren folgen wir nicht der Mehrheit. Aus Sorge um Waisenkinder legte er fest, dass ihr Geld auf Zinsen ausgeliehen werden kann - im Gegensatz zur talmudischen Vorschrift, dass Geld an Juden nicht auf Zinsen ausgeliehen werden darf. Neben dem Perserkönig zählte auch der Exilarch Mar Ukba zu Samuels persönlichen Bekannten, bei dessen Gerichtssitzungen Samuel anwesend war. Der talmudische Gelehrte verfügte über gründliche astronomische Kenntnisse und erklärte: Die Straßen des Himmels sind mir ebenso bekannt wie die Straßen von Nehardea (im Traktat Berachot). Seine Kenntnisse auf diesem Gebiet trugen ihm den Beinamen Jarchinai (Variante: Jarchinaa = „Astronom“) ein. Daneben war er auch als Arzt tätig und entwickelte eine Salbe zur Behandlung von Augenleiden, die ebenfalls im Talmud erwähnt wird. Nach seiner Ansicht wird der Messias erst kommen, nachdem das jüdische Volk grausame Verfolgungen erlitten haben wird, und er war der Meinung, der einzige Unterschied zwischen seiner und der messianischen Zeit sei die Freiheit von Unterdrückung durch fremde Mächte. Er war kein Anhänger übertriebener Askese und erlaubte weltliche Genüsse, vorausgesetzt, dass sie durch den gebotenen Segensspruch eingeleitet werden.
  • Nach 180: Sifra (סִפְרָא , aramäisch = "das Buch"; Lev. war im altjüdischen Schulsystem das erste Buch, mit dem der Unterricht begann), auch Torat Kohanim (Lehre von den Priestern / Priestergesetz) oder auch Sifra dewe (debe) Rab / Buch aus der Schule Rabs genannt, halachischer/tannaitischer Midrasch zu Leviticus / Wajikra, der ganz Leviticus Vers für Vers, oft sogar Wort für Wort, kommentiert (Erstdruck Konstantinopel 1523; Konkordanz B. Kosovsky, Otsar Leschon ha-Tannaim. Sifra, 4 Bde., New York-Jerusalem 1967-1969); die Entstehungszeit für Sifra wird unterschiedlich diskutiert (bis ins 6. Jhdt. hinein datiert), der Grundbestand des Textes ist jedenfalls aus tannaitischer Zeit; im Unterschied dazu: Sifre (aram. "die Bücher") bzw. Sifre dewe Raw ("Bücher aus der Schule Raws"), halachischer (aber grosse haggadische Anteile) Midrasch zu Numeri und Deuteronomium, wohl aus der Schule Jischmaels (Sifre Num) bzw. aus den Schulen Jischmaels und Akibas (Sifre Dtn); Sifre ursprünglich die Bezeichnung aller tannaitischen Pentateuchkommentare, seit dem Mittelalter Name der Kommentare zu Num und Dtn; kein einheitliches Werk, sondern unterschiedliche Sammlungen in deutlich schlechterem Überlieferungszustand als Mechilta oder Sifra, Entstehungszeit nach 250 (?); Sifre nicht zu verwechseln mit Sifre Zutta ("die kleinen Sifre"), halachischer Midrasch zu Bamidbar / Numeri, nur fragmentarisch überliefert, evtl. der älteste halachische Midrasch, zurückgehend auf den erweiterten Kreis der Schule Rabbi Akibas