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15 v. d. Z.

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Ereignisse

  • Ca. 15 v. d. Z. bis nach 40 n: Philo(n) von Alexandria / Philo von Alexandrien (auch: Philo Judäus/Iudaeus), Theologe und Philosoph, der bedeutendste Autor des hellenistischen Judentums/jüdischen Hellenismus. Meister der allegorischen Schriftauslegung, vereinigte Sprach- und Gedankengut der griechischen Philosophie (Plato) mit jüdischem Offenbarungsglauben. Vor seinem Tod Führer einer jüdisch-alexandrinischen Gesandtschaft bei Caligula (um sich über die Bedrückungen der alexandrinischen Juden bei ihm zu beschweren und Dispens vom Kaiserkult zu erlangen). War vor allem dem mittleren Platonismus und der Stoa zugetan. Abgesehen von einigen systematischen Traktaten und apologetischen Schriften verfasste er hauptsächlich Werke zu Texten, Inhalten und Personen des Pentateuchs (insbes. zu Genesis): Monographien über die Urväter, Darstellung der mosaischen Gesetzgebung u. a. Etwa 70 Schriften von ihm erhalten (deutsche Übersetzung L. Cohn und I. Heinemann 1909 ff.; Lit. u. a.: Heinemann: Philos griechische und jüdische Bildung, 1931). Er blieb innerjüdisch ohne Nachwirkung, hatte aber eine deutlich sichtbare Wirkung auf die christlichen Kirchenväter. Durch seine Beliebtheit bei den frühen christlichen Literaten wurde Philo quasi zum Kirchenvater honoris causa, und von manchen griechischen Katenenhandschriften wurde Philon tatsächlich als Bischof angesehen. – Tetragramm (griechisch: Vierzeichen): von Philo geprägte Bezeichnung des vierbuchstabigen Gottesnamens JHWH; Philon stammte aus einer der vornehmsten und reichsten jüdisch-hellenistischen Familien seiner Zeit; sein Bruder Tiberius Iulius Alexander, Alabarch, zuständig für das Eintreiben von Steuern, pflegte gute Beziehungen zu Agrippa I. und zu den Römern; aus seinem Vermögen soll er die goldenen und silbernen Türbeschläge des Jerusalemer Tempels bezahlt haben; dessen gleichnamiger Sohn, Philons Neffe, hatte sich offenbar von der jüdischen Religion abgewandt, um eine Karriere in der römischen Administration zu machen; als Präfekt von Ägypten sorgte er unter Nero 66 n. für die blutige Niederschlagung eines jüdischen Aufstandes und soll 70 n. auf römischer Seite an der Eroberung Jerusalems beteiligt gewesen sein; die Einschätzungen zu Philon gehen sehr weit auseinander: zwischen "genialem Philosophen" bis zum "mittelmässigen Sammler" verschiedenster Schultraditionen, auch wurde er "rabbinischer Schwätzer" genannt; manche betonen so sehr die Uneinheitlichkeit seines Werkes, dass sie seine Schriften als "schlecht geordnete Bibliothek unter dem Namen Philos" ansehen; auch seine jüdische Bildung ist sehr umstritten; über hebräische Sprachkenntnisse hatte er wohl nicht oder kaum verfügt; interessant auch Philos Einstellung zur Frau; über seine Einstellung zu Frauen im privaten Leben ist nicht viel bekannt, jedoch ist anzunehmen, dass er eher zu konservativ-patriarchalen Einstellungen neigte; im philosophischen Kontext ist für Philo "das Weibliche" Symbol für das Irdisch-Leibliche, das es zu überwinden gilt; im Hintergrund der Wahrnehmung von Frauen steht ein tiefsitzendes Bluttabu, das vermutlich aus alttestamentlichen Reinheitsvorschriften (Lev 15,19 ff.) abgeleitet ist; die Begierden, die der Weise auf seinem Weg zur Gottesschau zu überwinden hat, sind für Philo "weiblich", der Weg zur Erlösung ist deshalb auch ein Prozess der "Vermännlichung"; die ideale Frau ist bei Philo die "Jungfrau", womit er Frauen vor und nach der Regelblutung meint; die Jungfrau, die nicht durch die Blutung "befleckt" ist und auch keinen Geschlechtsverkehr mit einem menschlichen Mann hat, ist in Philos Denken das Ideal der "vermännlichten" Frau; in seiner Bibelauslegung deutet er die Patriarchenfrauen, z. B. Sarah, als Jungfrauen, die ihre Nachkommen nicht durch Geschlechtsverkehr mit ihren Männern, sondern allein von Gott empfingen; als Jungfrauen können die Patriarchenfrauen dann zur Allegorie für die menschliche Seele werden; die Seele, die sich von allen irdisch-leiblichen Begierden freimacht, kann als reine Jungfrau zur Braut des göttlichen Logos werden und von ihm die Tugenden als Frucht der göttlichen Liebe empfangen; dass es hier nicht nur um Symbolik geht, zeigt Philo in seiner Schrift über die ideale jüdische Gemeinde der "Therapeuten", in der er (De Vita Contemplativa 68) über deren weibliche Mitglieder vorträgt, dass sie die Freuden des Leibes ablehnen und keine leibliche Nachkommenschaft anstreben; dafür werden sie von Gott mit dem Weisheit-Logos beschenkt, der die Tugenden als unsterbliche Nachkommen der Seele hervorbringt


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