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Werner Angress

Aus Jewiki
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Tom Angress (2004)

Tom Angress – eigentlich Werner Thomas Angress – (geboren am 27. Juni 1920 in Berlin-Westend; gestorben am 5. Juli 2010 in Berlin) war ein deutsch-amerikanischer Professor für Deutsche Geschichte. Als Ritchie Boy war er 1944/45 an der alliierten Niederschlagung des Deutschen Reiches beteiligt.

Leben

Werner Angress wurde 1920 in eine jüdische Familie in Berlin hineingeboren, wo er das Realgymnasium Lichterfelde besuchte und Mitglied des jüdischen Jugendbundes Schwarzes Fähnlein war. Angesichts des zunehmend zur Staatsdoktrin erhobenen Antisemitismus unter den Nationalsozialisten, aufgrund dessen Angress 1933 auf eine jüdische Schule gewechselt war, floh die Familie 1937 in die Niederlande. 1939 beschloss die Familie, in die USA auszuwandern. Zuvor hatte er sich noch auf einem Gutshof bei Breslau zum Landarbeiter ausbilden lassen, um auf einem ausländischen Arbeitsmarkt bestehen zu können. Da die gemeinsame Flucht die finanziellen Möglichkeiten überstiegen hätte, wurde Werner Angress als junger, leistungsfähiger Mann dazu bestimmt, die Emigration der Familie, also der Eltern und seiner jüngeren Brüder, vorzubereiten.

Nach zwei Jahren Tätigkeit als Apfelpflücker trat Angress 1941 zusammen mit einem ehemaligen Schulfreund in das Heer der Vereinigten Staaten ein, weil er sein Englisch verbessern wollte. Zwei Jahre später erkannte die Army of the United States das Potenzial ihrer deutschsprachigen Mitglieder und gründete eine Einheit, die gefangene Wehrmachtssoldaten und Mitglieder der Waffen-SS verhörte. Diese Einheit setzte sich überwiegend aus jüdischen Einwanderern zusammen. Ihr späterer Spitzname „Ritchie Boys“ bezog sich auf ihre Ausbildungsstätte Camp Ritchie in Maryland. Angress selbst durchlief den Lehrgang von August 1943 bis Januar 1944.

Angress nahm als kurzfristig abkommandiertes Mitglied der 82. US-Luftlandedivision am 6. Juni 1944 an der Landung westalliierter Truppen in der Normandie teil und wurde von deutschen Soldaten gefangen genommen. Die Religionskennzeichnung auf seiner Erkennungsmarke zeigte statt einem „J“ (für „jewish“) ein „P“ (für „protestant“), da er wusste, was für eine Gefahr jüdische Religionszugehörigkeit bei Gefangennahme bedeuten würde. Seine Gefangenschaft währte angesichts des Scheiterns des deutschen Vorstoßes nur kurze Zeit. Im Mai 1945 war Angress an der Befreiung des KZ Wöbbelin beteiligt, das als Ziellager des Todesmarschs aus Sachsenhausen diente. In dieser Zeit erfuhr er auch vom Tod seines Vaters in Auschwitz, dessen Versteck in Amsterdam entdeckt worden war.[1]

Angesichts der Zerstörung, die in Europa vorherrschte, und der ambivalenten Gefühle zu seiner Heimat verspürte Angress zunächst keinen Wunsch, nach Deutschland zurückzukehren. Er studierte und promovierte als Historiker in den Vereinigten Staaten, wo er an den Universitäten Berkeley und New York dozierte. In den fünfziger Jahren war Werner Angress mit Ruth Klüger verheiratet. Und immer häufiger begann er, Deutschland zu besuchen. 1988 zog er nach Berlin zurück. Im Jahre 2004 interviewte Christian Bauer Angress für seine Dokumentation „Die Ritchie Boys“.

Auf der Grundlage seiner Verhöre junger Angehöriger der Waffen-SS in einem Kriegsgefangenen-Durchgangslager bei Ludwigslust nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahm Angress Günter Grass während der Debatte um dessen verschwiegene Dienstzeit bei der Waffen-SS und ihrer Bekanntmachung in dessen Roman „Beim Häuten der Zwiebel“ in Schutz. Er habe vor allem „verführte Mitläufer“ verhört, „[h]albe Kinder […], dazu bestimmt, in den letzten Kriegstagen verheizt zu werden.“[2]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Generation zwischen Furcht und Hoffnung. Jüdische Jugend im Dritten Reich. Christians, Hamburg 1989, ISBN 3-7672-0886-5. (2. Aufl.)
  • Die Kampfzeit der KPD 1921–1923. Droste, Düsseldorf 1984, ISBN 3-7700-0278-4.
  • Immer etwas abseits. Jugenderinnerungen eines jüdischen Berliners 1920–1945. Hentrich, Berlin 2005, ISBN 3-89468-271-X.
  • Rückkehr aus der Emigration: Leben in Deutschland, in: Wolfgang Benz (Hrsg.): Zwischen Philosemitismus und Antisemitismus : Juden in der Bundesrepublik (Reihe: Dokumente, Texte, Materialien des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin), Berlin: Metropol-Verlag 1991, Seite 87-98.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Dirk Westphal: „Die fabelhaften Ritchie Boys“. In: Welt am Sonntag vom 22. November, S. B3. Siehe auch: The Central Database of Shoah Victims' Names.
  2. Ina Weisse: Beitrag aus dem Off. In: Tagesspiegel vom 5. September 2006, abgerufen am 14. Dezember 2011.
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