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Tsitsi Dangarembga

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Tsitsi Dangarembga (2006)

Tsitsi Dangarembga (* 14. Februar 1959[1] in Mutoko) ist eine simbabwische Autorin und Filmemacherin. Sie gilt als bedeutende Regisseurin des jüngeren afrikanischen Kinos und wurde 2020 in die 100-Women-Liste der BBC aufgenommen.

Leben

Frühe Jahre

Tsitsi Dangarembga wurde in der britischen Kronkolonie Südrhodesien geboren. Ihre Mutter Susan (1926–2019) war im Jahr 1953 die erste schwarze Frau in Rhodesien mit einem Bachelor-Abschluss.[2] Ihre frühe Kindheit, im Alter von zwei bis sechs Jahren, verbrachte sie in England, wo sie auch ihre Schulausbildung begann. In dieser Zeit sprach sie Englisch und vergaß fast vollständig ihr Shona, die Sprache, mit der sie zuerst in Berührung gekommen war. 1965, im Jahr der einseitigen Unabhängigkeitserklärung Rhodesiens, kehrte sie mit ihren Eltern nach Afrika zurück und begann wieder Shona zu sprechen. Dennoch bezeichnet sie Englisch als ihre Muttersprache.[3] Die Familie lebte zunächst in Mutare, wo Tsitsi die Marymount Missionsschule besuchte. Der Abschluss ihrer Ausbildung erfolgte an der Arundel School, einer Eliteschule in Salisbury (dem heutigen Harare), die fast ausschließlich von weißen Mädchen besucht wurde.[4]

Erste dramatische Arbeiten

1977 begann sie an der Universität Cambridge Medizin zu studieren, kehrte jedoch nach drei Jahren in ihr Heimatland zurück. Sie hatte sich an der Universität isoliert gefühlt und Heimweh empfunden. In Simbabwe arbeitete sie kurzfristig als Lehrerin und nahm dann an der University of Zimbabwe ein Studium der Psychologie auf. Nebenher arbeitete sie als Werbetexterin. Sie wurde Mitglied der Theatergruppe der Universität und schrieb ihre ersten drei Theaterstücke, unter anderem The Lost of the Soil. Sie schloss sich auch der Theatergruppe Zambuko an und war hier an der Entwicklung von Stücken beteiligt (Katshaa; Mavambo). Sie sagte später: „Es gab einfach keine Theaterstücke mit Rollen für schwarze Frauen, oder zumindest hatten wir damals keinen Zugang dazu. Die Schriftsteller in Simbabwe waren zu der Zeit hauptsächlich Männer. Ich sah wirklich nicht, dass sich die Situation ändern würde, es sei denn, eine Frau setzte sich hin und schrieb etwas, also habe ich das getan!“[3] In dieser Zeit begann Dangarembga, afroamerikanische Literatur zu lesen, nachdem ihre Lektüre in der Jugend überwiegend aus englischen Klassikern bestanden hatte.[5]

Nervous Conditions und freie Fortsetzungen

1985 veröffentlichte sie die Kurzgeschichte The Letter, die den zweiten Platz in einem Wettbewerb der Swedish International Development Cooperation Agency gewann und in der Anthologie Whispering Land veröffentlicht wurde. 1987 folgte das Stück She Does Not Weep in Harare.

Mit 25 Jahren hatte sie einen großen Erfolg mit dem Roman Nervous Conditions. Das Buch, dessen Originaltitel auf ein Zitat von Jean-Paul Sartre zurückgeht, wurde zunächst von vier Verlagen in Simbabwe abgelehnt. Es erschien zuerst bei The Women's Press in London, später auch in den USA und Simbabwe. Nervous Conditions erzählt die teilweise autobiografisch gefärbte Geschichte der jungen Tambu, die eine doppelte Unterdrückung erfährt: durch die patriarchalen Shona-Strukturen und die Dominanz der Weißen. Das Mädchen lebt in den späten 1960er Jahren auf einer verarmten Farm in Rhodesien; ihre Familie bringt mit Mühe nur für ihren Bruder das Schulgeld auf. Als er überraschend an Mumps stirbt, bekommt die 14-jährige Temba die Chance, anstelle ihres Bruders auf die Missionsschule zu gehen, die ihr Onkel Babamukuru leitet. Er wurde in England ausgebildet und repräsentiert die erste Generation der christlich-afrikanischen Elite. Obwohl große innerfamiliäre Konflikte sie belasten, sieht Tambu die Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu erhalten. Sie hat große Ambitionen trotz der Hindernisse, die ihr im Weg stehen: Rasse, Klasse und Geschlecht.[6] Dangarembga war mit diesem Buch die erste schwarze Simbabwerin, die einen Roman herausbrachte. Es wurde in viele Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche. 1992 wurde Tsitsi Dangarembga in die renommierte Anthologie Daughters of Africa aufgenommen.[4]

Ihre Romane The Book of Not (2006) und This Mournable Body (2018) sind eigenständige Fortsetzungen ihres Erstlings, mit dem sie eine Trilogie bilden.

Filmstudium und Filmarbeiten

1989 ging Tsitsi Dangarembga nach Deutschland, wo sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin Filmregie studierte und erste Projekte realisierte. 1992 gründete sie in Harare die Produktionsgesellschaft Nyerai Films und schrieb das Drehbuch für Neria, dem bis heute einspielstärksten Film in der Geschichte Simbabwes.[7] Ihr 1996 entstandener Film Everyone’s Child, der erste von einer schwarzen Frau in Simbabwe gedrehte Film, wurde in mehreren Ländern gezeigt, unter anderem auf dem Dublin International Film Festival. Der Film, der in Harare und in der Provinz Mashonaland East gedreht wurde, folgt der tragischen Geschichte von vier Geschwistern, deren Eltern an AIDS gestorben sind.

Seit 2000

Seit 2000 lebt sie mit ihrem deutschen Mann und zwei Kindern überwiegend in Simbabwe, wo sie unter anderem das International Images Film Festival gründete und mit weiteren Filmarbeiten an die Öffentlichkeit trat. Dangarembga arbeitet an einer Dissertation über den afrikanischen Film, die an der Humboldt-Universität zu Berlin entsteht. Gemeinsam mit unter anderem Virginia Phiri war sie 2008 Stipendiatin im Künstlerhaus Villa Waldberta der Stadt München.[8] Die Finanzierung ihres Lebens und von Filmprojekten gestaltete sich zeitweise schwierig. 2015 sagte die der Wochenzeitung der Freitag: „Mein Büro habe ich im eigenen Haus. Fünf junge Leute, mein Mann und ich, wir alle arbeiten in einer Garage, die mein Mann umgebaut hat. Es ist schwierig, die Mittel zusammenzukriegen, um meine jungen Leute zu bezahlen. Eine Quelle sind meine Tantiemen.“[9]

2013 war sie Writer in Residence an der Northwestern University in Illinois. Ab 2015 beschäftigte sie sich mit dem Projekt Das Schweigen brechen, in dem es um Gewalt in Simbabwe ging. Landesweit wurden Leute zu ihren Erfahrungen befragt, ihre Geschichten sollen später aufgeschrieben werden.[9] Nachdem sie im Juli 2020 zur Teilnahme an einer Anti-Korruptions-Demonstration aufgerufen hatte, wurde sie für kurze Zeit inhaftiert und auf Bewährung wieder freigelassen.[10]

Auszeichnungen und Preise

Für den Roman Nervous Conditions erhielt sie 1989 den afrikanischen Commonwealth Writers Prize.

Ihr Debütroman wurde 2018 von der BBC als eines der 100 besten afrikanischen Bücher ausgezeichnet, die die Welt geprägt haben.[11] Ihr Roman This Mournable Body stand 2020 auf der Shortlist des britischen Booker Prize.[12][13] 2021 erhielt sie den PEN Pinter Prize sowie den PEN International Award for Freedom of Expression.[10]

Im Juni 2021 wurde bekannt gegeben, dass sie den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhält.[14] In der Begründung der Jury heißt es: „In ihrer Romantrilogie beschreibt Tsitsi Dangarembga am Beispiel einer heranwachsenden Frau den Kampf um das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und weibliche Selbstbestimmung in Simbabwe. Dabei zeigt sie soziale und moralische Konflikte auf, die weit über den regionalen Bezug hinausgehen und Resonanzräume für globale Gerechtigkeitsfragen eröffnen. In ihren Filmen thematisiert sie Probleme, die durch das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne entstehen. Ihre Botschaften richten sich erfolgreich an ein breites Publikum sowohl in Simbabwe als auch in den Nachbarländern.“[1]

Werke

Originalausgaben und Übersetzungen

  • The Third One (Schauspiel)
  • Lost of the Soil (Schauspiel), 1983
  • The Letter (Kurzgeschichte), 1985, veröffentlicht in der schwedischen Anthologie Whispering Land
  • She No Longer Weeps (Schauspiel), 1987
  • Nervous Conditions (Roman), 1988 ISBN 9781919772288
  • deutsch: Der Preis der Freiheit. Übersetzt von Ilija Trojanow. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991
  • deutsch: Aufbrechen. Übersetzt von Ilija Trojanow. Orlanda, Hamburg/Berlin 2019 (neuer deutscher Titel)
  • deutsch: Überleben. Übersetzt von Anette Gruber. Orlanda, Hamburg/Berlin 2021

Filme

  • Neria, 1993 (Drehbuch)
  • The Great Beauty Conspiracy, 1994
  • Passport to Kill, 1994
  • Schwarzmarkt [Originaltitel], 1995
  • Everyone’s Child, 1996
  • The Puppeteer, 1996
  • Zimbabwe Birds, 1998
  • On the Border, 2000
  • Hard Earth – Land Rights in Zimbabwe, 2001
  • Ivory, 2001
  • Elephant People, 2002
  • Mother’s Day, 2004
  • High Hopes, 2004
  • At the Water, 2005
  • Growing Stronger, 2005
  • Kare Kare Zvako, 2005
  • Peretera Maneta, 2006
  • The Sharing Day, 2008
  • I Want a Wedding Dress, 2010
  • Ungochani, 2010
  • Nyami Nyami Amaji Abulozi, 2011

Literatur

  • Michelle Vizzard: Of Mimicry and Woman’ Hysteria and Anti-colonial Feminism in Tsitsi Dangarembga’s Nervous Conditions. In: Journal of the South Pacific Association for the Commonwealth Literature and Language Studies, H. 36, 1992, S. 202–210 (Onlineversion).
  • Gilian Gorle: Fighting the Good Fight: What Tsitsi Dangarembga's 'Nervous Conditions' Says about Language and Power, in: The Yearbook of English Studies 27 (1997), S. 179–192.
  • Ann Elizabeth Willey, Jeanette Treiber (Hrsg.): Negotiating the Postcolonial emerging perspectives on Tsitsi Dangarembga. Trenton: Africa World Press 2002 ISBN 0-86543-933-8.
  • Hena Ahmad: Postnational feminisms. Postcolonial identities and cosmopolitanism in the works of Kamala Markandaya, Tsitsi Dangarembga, Ama Ata Aidoo, and Anita Desai (American university studies 27, Feminist studies 8). New York u. a.: Lang 2010, ISBN 978-0-8204-5247-0.
  • Laura Morgan Green: Literary identification in women's novels of formation from Charlotte Brontë to Tsitsi Dangarembga. Columbus: The Ohio State University Press 2012.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Friedenspreis 2021: Tsitsi Dangarembga, Friedenspreis des deutschen Buchhandels (abgerufen am 21. Juni 2021).
  2. Elizabeth Ofosuah Johnson: Celebrating Susan Dangarembga, Zimbabwe’s first black woman to earn a degree in 1953, in: Face 2 Face Africa vom 6. Juni 2019, eingesehen am 21. Juni 2021.
  3. 3,0 3,1 African Authors: Tsitsi Dangarembga, Central Oregon Community College (abgerufen am 21. Juni 2021).
  4. 4,0 4,1 Literarisches Portrait: Tsitsi Dangarembga, Marabout (abgerufen am 21. Juni 2021).
  5. Know Your Author: Dangarembga, The Herald, 20. Mai 2012.
  6. Rebecca Grady, Dangarembga, Tsitsi, Postcolonial Studies, Emory University, Herbst 1997 (abgerufen am 21. Juni 2021).
  7. From Neria to Zollywood: The State of Zimbabwean Film, Ezimbabwe, 7. September 2013 (abgerufen am 21. Juni 2021).
  8. Und täglich grüßt das Künstlerhaus, Rathaus Umschau, 13. August 2008.
  9. 9,0 9,1 Sabine Kebir, Harare Reloaded, freitag.de, 24. Juni 2015.
  10. 10,0 10,1 Ausgezeichnete Selbstbestimmung, Die Tageszeitung, 21. Juni 2021.
  11. The 100 stories that shaped the world, in: BBC–Culture vom 22 Mai 2018, eingesehen am 21. Juni 2021.
  12. Rezension von Alexandra Fuller: 30 Years After Her Acclaimed Debut, a Zimbabwean Novelist Returns to Her Heroine in a Sequel, in: New York Times vom 30. August 2018, eingesehen am 21. Juni 2021.
  13. Rezension von Sheila McClear: One determined woman’s fight to succeed in Zimbabwe — no matter what, in: Washington Post vom 7. August 2018, eingesehen am 21. Juni 2021.
  14. Friedenspreis für Autorin Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Juni 2021, abgerufen am 21. Juni 2021.
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Tsitsi Dangarembga aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.