Jewiki unterstützen. Jewiki, die größte Online-Enzy­klo­pädie zum Judentum.

Helfen Sie Jewiki mit einer kleinen oder auch größeren Spende. Einmalig oder regelmäßig, damit die Zukunft von Jewiki gesichert bleibt ...

Vielen Dank für Ihr Engagement! (→ Spendenkonten)

How to read Jewiki in your desired language · Comment lire Jewiki dans votre langue préférée · Cómo leer Jewiki en su idioma preferido · בשפה הרצויה Jewiki כיצד לקרוא · Как читать Jewiki на предпочитаемом вами языке · كيف تقرأ Jewiki باللغة التي تريدها · Como ler o Jewiki na sua língua preferida

Stephan Grigat (Politikwissenschaftler)

Aus Jewiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Datei:Stephan Grigat.jpg
Stephan Grigat (2014)

Stephan Grigat (* 1971) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Publizist. Er ist derzeit Lehrbeauftragter am Institut für Judaistik, am Institut für Politikwissenschaft und am Institut für Philosophie der Universität Wien. Daneben ist er Mitbegründer und wissenschaftlicher Direktor der Kampagne Stop the Bomb in Österreich.

Werdegang

Grigat studierte 1991 bis 1997 Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin und der Universität Wien. Von 2000 bis 2003 war er Promotionsstipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin.[1] Im Jahre 2006 promovierte er über die Rezeption des Marxschen Fetischbegriffs und die Kritik des Antisemitismus [2] am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin bei Wolf-Dieter Narr und Eva Kreisky. 2005/2006 verbrachte Grigat ein Studienjahr als Forschungsstipendiat in Tel Aviv.[1] Die derzeitigen Schwerpunkte seiner Forschung sind marxistische und Kritische Theorie, die Geschichte linker Bewegungen, Antisemitismus, der Nahostkonflikt und Iran.[1]

Grigat arbeitet als freier Autor unter anderem für Jungle World und Konkret und ist Mitglied bei Café Critique.[3] Er hat Gastbeiträge u.a. im Tagesspiegel, Zeit, Neuer Zürcher Zeitung, Basler Zeitung, Der Standard, Die Presse", "Salzburger Nachrichten" und Wiener Zeitung veröffentlicht.

Im Zentrum von Grigats Interesse steht das Thema „Antisemitismus“ und sein Verhältnis zur Tradition der Linken wie zum Islam. Philosophisch versteht sich Grigat in der Tradition von Marx und der Kritischen Theorie, die er im Gegensatz zum traditionellen Marxismus und zum linken Mainstream sieht.[4] Weitere wichtige Autoren sind für ihn Johannes Agnoli,[5] Moishe Postone[6] und Guy Debord.[7]

Kritik an der traditionellen Linken

Als zentralen Kritikpunkt an der traditionellen Linken formuliert Grigat den Vorwurf des Antisemitismus, der sich bis zu den Frühsozialisten zurückverfolgen lasse.[8][9] Auch in den Frühschriften von Karl Marx und Briefen von Marx und Engels fänden sich Formulierungen und Argumentationen, die auf antisemitische Klischees zurückgriffen. Marx' früher Kritik am Kapitalismus habe noch jene Schärfe der Begriffe gefehlt, die in seiner späteren Kritik der politischen Ökonomie dem Ressentiment entgegenwirke.

In der europäischen Arbeiterbewegung sei der Antisemitismus immer wieder geleugnet, verharmlost oder in den schlimmsten Fällen - als konsequenter Antikapitalismus - offen propagiert worden. Als radikalste Form eines linken Antisemitismus können die stalinistischen Kampagnen gegen Zionismus und Kosmopolitismus gelten. Die von Lenin geführte Oktoberrevolution habe zwar den russischen Juden zunächst zahlreiche Vorteile im Vergleich zur Zarenzeit gebracht. Von Stalin sei aber bereits im Kampf um Lenins Nachfolge Antisemitismus als Mittel eingesetzt worden; später habe er sich von einem taktischen zu einem überzeugten Antisemiten gewandelt, der am Ende seines Lebens eine gewaltsame Umsiedlung der sowjetischen Juden in Erwägung zog. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe zwar die Sowjetunion für kurze Zeit das Projekt der israelischen Staatsgründung unterstützt. Spätestens Ende der vierziger Jahre wurde der Antizionismus jedoch zur offiziellen Staatsdoktrin.

In Westeuropa habe sich der Antisemitismus der Linken nach dem Zweiten Weltkrieg als Antizionismus nach dem Sechstagekrieg (1967) geäußert. Dieser habe bald auf große Teile der Linken übergegriffen und zeige sich am deutlichsten in der BRD – „von der linken Sozialdemokratie, den Grünen und Alternativen, feministischen Gruppierungen, K-Gruppen, Autonomen und Antiimperialisten bis zu den bewaffneten Gruppen“.[9]

Islamismus-Kritik

Grigat sieht den aktuellen Islamismus in einem islamischen Antisemitismus begründet.[10] Die größte Bedrohung stellt aus seiner Sicht derzeit das iranische Regime dar, für dessen Boykott er sich nachdrücklich einsetzt. Er ist Mitbegründer der Kampagne Stop the Bomb, die vor den atomaren Aufrüstungsplänen des Iran warnt sowie von deutschen und österreichischen Unternehmen fordert, ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Staat einzustellen. In besonderer Weise wird von ihm der geplante Milliardendeal der OMV mit dem Iran kritisiert, der aus seiner Sicht „Österreich zum langfristigen strategischen Partner des Mullahregimes in Teheran machen“ würde.[11]

Werke

Monografien

  • Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus. Ça Ira, Freiburg 2007, ISBN 3-924627-89-4 [1].

Herausgeberschaften

  • Der Iran: Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer. (Hrsg. mit Simone Dinah Hartmann). Innsbruck/Wien/Bozen: Studien-Verlag, 2008, ISBN 978-3-7065-4599-0 [2]
  • Feindaufklärung und Reeducation: kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus (Hrsg.). Freiburg i. Br.: Ça Ira, 2006, ISBN 3-924627-93-2 [3]
  • Spektakel - Kunst - Gesellschaft: Guy Debord und die Situationistische Internationale. (Hrsg. mit Günther Friesinger und Johannes Grenzfurthner). Berlin: Verbrecher-Verlag, 2006
  • Transformation des Postnazismus: der deutsch-österreichische Weg zum demokratischen Faschismus (Hrsg.). Freiburg i. Br.: Ça Ira, 2003, ISBN 3-924627-74-6 [4]
  • Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung (Hrsg. mit Simone Dinah Hartmann). Innsbruck u.a.: Studien-Verlag, 2010, ISBN 978-3-7065-4939-4 [5]

Beiträge

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Seite am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien
  2. Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus.
  3. Vorstellung von Café Critique
  4. Vgl. z.B. Stephan Grigat: Befreite Gesellschaft und Israel. Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Israel, in: Stephan Grigat (Hg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg: ça ira-Verlag 2006, S. 115 – 129 (pdf; 85 kB)
  5. Stephan Grigat: Agnolis Kritik der Politik. Das Elend der Politikwissenschaft und der Staatsfetisch in der marxistischen Theorie
  6. Stephan Grigat: Moishe Postones Interpretation der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie
  7. Stephan Grigat: Der Fetisch im Spektakel. Zur Gesellschaftskritik Guy Debords. In: Jungle World, 20/2001
  8. Zum Thema „Antisemitismus in der Linken“ vgl. z.B. Stephan Grigat: Befreite Gesellschaft und Israel. Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Israel, in: Stephan Grigat (Hg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg: ça ira-Verlag 2006, S. 115 – 129 (pdf; 85 kB)
  9. 9,0 9,1 Stephan Grigat: Links und gegen Juden? Antisemitismus und Antizionismus in der österreichischen Linken. In: tribüne, heft 169, erstes quartal 2004
  10. Vgl. Stephan Grigat: Fetisch und Freiheit - Seitenangabe fehlt!
  11. Vgl. Stephan Grigat: Österreich als Türöffner für die Mullahs, In: Die Presse, 18. Dezember 2007
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Stephan Grigat (Politikwissenschaftler) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.