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Stanislaw Trabalski

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Stanislaw Trabalski (geb. 25. Oktober 1896 in Leipzig; gest. 12. November 1985 ebenda) war ein deutscher Politiker (SPD, USPD, SED).

Stanislaw Trabalski

Leben

Seine Eltern, Franciszek Trąbalski und Maria Trabalsi, geborene Mackowiack, waren 1888 aus Polen eingewandert. Sein Vater betätigte sich bereits in Polen aktiv als Sozialist. Im Jahr 1901 zog er mit seinen Eltern ins polnische Kattowitz. Ab 1902 besuchte Stanislaw die Mittel- und Oberrealschule. Schon in diesen jungen Jahren wurde ihm bewusst wie nachteilig ein bekannter Name sein kann, denn er wurde Aufgrund der politischen Tätigkeit seines Vaters als „Fremdling und Roter“ abgestempelt. Seine Lehrer, die katholische Pfarrer oder frühere aktive Feldwebel waren, behielt er in unguter Erinnerung.Da sein Vater seit dem 28. Dezember 1902 die Zeitung „Gazetta Robotnica“ herausbrachte, musste auch Stanislaw wie alle anderen Familienangehörigen auch, bei der Herstellung der Zeitung helfen. Bereits als Neunjähriger wurde er mitunter zu recht heiklen Aufgaben herangezogen. So habe er beispielsweise einen geduckten Aufruf an die Soldaten, sich nicht an die Kämpfe der Revolution zu beteiligen, in eine Kaserne geschmuggelt. Die wachhabenden Kosaken vermuteten nicht, dass ein Kind für solche Aufgaben herangezogen würde. Im Jahr 1912 kehrte die Familie nach Leipzig zurück. Da seine Eltern das Schulgeld für einen weiteren Besuchs des Gymnasiums nicht aufbringen konnten, war er gezwungen sich nach einer Lehrstelle umzusehen. Das zu zahlende Lehrgeld von monatlich 300 Mark musste sich Stanislaw an den Wochenenden durch Aushilfstätigkeiten zum Beispiel als Filmvorführer in einigen Leipziger Kinotheatern verdienen. Am 15. Dezember 1915 erhielt er die Einberufung zum Kriegsdienst. Er musste nach einer kurzen Grundausbildung im 7. Telegraphen-Bataillon in Dresden, an die Westfront. Hier war er zu einer technischen Einheit befehligt. Inmitten von Granathagel musste er Telefonleitungen, die immer wieder zerschossen wurden, reparieren. Als er Zeuge eines unmenschlichen Durchhaltebefehls wurde, gelang es ihm, dessen Durchführung mittels Kappung einer Telefonleitung zu vereiteln.[1] Am 6. Juni 1916 in der "Hölle von Verdun" wurde er durch eine Granate am Bein verletzt. Einer geplanten Amputation konnte er sich wiedersetzten und kam in ein Kriegslazaret nach Weimar. Am 30. Juni 1917 wurde er als dienstunfähig entlassen. Anschließend arbeitete er als Zählerrevisor für Thüringen. Als er leitende Angestellte bei Lebensmittelschiebereien störte, wurde er entlassen. Schließlich fand er eine Anstellung bei Carl Zeiss in Jena. 1919, nach einem kurzen Aufenthalt in Leipzig, wandte sich Trabalski dem revolutionären Zentrum, Berlin, zu. Dort meldete er sich im Auftrag seiner Leipziger Genossen bei dem ehemaligen Volksbeauftragten Emil Barth, bei dem er für einige Zeit wohnen konnte. Die Demobilmachungsverordnung der Regierung zwang ihn nach Leipzig zurück, wo er verpflichtet war, in dem Betrieb wieder eine Tätigkeit aufzunehmen, in dem er am Tage des Kriegsausbruchs beschäftigt war. Im Jahr 1921 heiratete er Margarete Lipinski, die Tochter von Richard Lipinski. 1923 wurde sein Sohn Karl Trabalski geboren, der später Landtagsabgeordneter der SPD in Nordrhein-Westfalen war. Trabalski war Vater von insgesamt sieben Kindern. Sein Grab befindet sich auf dem Leipziger Südfriedhof.[2][3]

Stanislaw Trabalskis Grab auf dem Ehrenhain des Leipziger Südfriedhof

Politische Karriere

Trabalski wurde 1909 Mitglied der Arbeiterjugend in Kattowitz. Im April 1912 wurde Trabalski durch Moritz Fromm in den Deutschen Metallarbeiterverband aufgenommen. Da er in seinem Betrieb zunächst das einzige DMV_Mitglied war, bedeutete dies, dass er zugleich auch Vertrauensmann für die Gewerkschaft war. Im Oktober 1914 folgte der Eintritt in die SPD. Im Jahr 1916 wurde Trabalski Mitglied des Spartakusbundes, 1917 wechselte er zur USPD, 1922 wieder zurück zur SPD. 1918 wurde er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrat in Weimar und ab 1919 in Leipzig.

In seiner politisch engagierten Zeit zwischen den Weltkriegen war Trabalski auch ehrenamtlicher Mitarbeiter im Arbeiterbildungsinstitut, so zum Beispiel 1928-1933 Sekretär der Konsumgenossenschaft Leipzig-Plagwitz und 1932/1933 Mitglied der Eisernen Front im Kampf gegen die NSDAP. In der Zeit von 1933 bis 1945 wurde er siebenmal verhaftet. In den Monaten Oktober und November 1939 wurde er gemeinsam mit Erich Schilling und Heinrich Fleißner verhaftet. Es liefen Verfahren wegen Hoch- und Landesverrat, die jedoch eingestellt wurden. Unter anderem war er für 6 Wochen im KZ Sachsenhausen inhaftiert.Trabalski hatte es vor allem Fleißner zu verdanken, nach deren gemeinsamen Haft, Kontakte zu sozialdemokratischen Gesinnungsfreunden wie Carlo Mierendorff und Julius Leber in Berlin herzustellen. Anfang 1944 sagten Trabalski und Fleißner dem früheren Oberbürgermeister von Leipzig, Carl Friedrich Goerdeler zu, ihm bei der Beseitigung des NAZI Regimges zu unterstützen. Sie verlangten nebem dem Militärputsch und der Beseitigung der NS-Diktatur, auch ein "Mitbestimmungsrecht der Arbeiterschaft in allen staatlichen unt wirtschaftlichen Funktionen". Nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20.Juli 1944 wurden Trabalski, Fleißner, Erich Zeigner und weitere Leipziger Solzialdemokraten erneut in das KZ Sachsenhausen verschleppt.

Nachkriegszeit

Am 3.Juli 1945 wurde Trabalski, als Mitbegründer der SPD in Sachsen, zum Vorsitzenden des SPD-Kreisvorstandes Sachsen gewählt, ab 1946 war er Mitglied des SED-Bezirksvorstandes Westsachsen, obwohl er massiven Unmut gegen die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED empfand.[4] Sein ärgster Widersacher war Otto Buchwitz, der ihn »Krawalski« nannte. Zusammen mit Rudolf Eckert, Rudolf Friedrichs und Arno Haufe wehrte er sich gegen die Bolschewisierung.[5] In einem Gespräch mit Paul Löbe, im Herbst 1945, teilte er diesem jedoch mit, dass aus Furcht vor Verhaftung von 20.000 Sozialdemokraten durch die Sowjets sich die sozialdemokratische Führung nicht in der Lage sehe, dem Einigungsprozeß Widerstand entgegenzusetzen. Schon wie den Nazis war Stanislaw Trabalski auch den SED-Stalinisten als Kritiker lästig. Deshalb räumten sie 1948 sein Haus und stellten ihn "wegen Gefährdung des Weltfriedens" vor Gericht. Er wurde trotzdem paritätischer 1. Vorsitzender der SED-Bezirksleitung. Bis Juni 1948 war er Mitglied des SED-Landessekretariats und hatte die Verantwortung für die Parteibetriebe. Im Oktober 1948 wurde Trabalski für eineinhalb Jahre verhaftet und am 1. November 1950 im Grenzgebiet erneut festgenommen. Erst 1954 folgte die Verurteilung: Wegen des Straftatbestands „Kriegs- und Boykotthetze“ erhielt er sechseinhalb Jahre Haft, wurde aber bereits 1956 durch eine Initiative der englischen Labour-Party amnestiert. Danach engagierte er sich nicht mehr in politischen Ämtern. Er wurde Mitarbeiter des Bibliographischen Instituts in Leipzig, wurde aber weiter beobachtet und wiederholt verhaftet. Wie auch zuletzt von 1960 bis 1961 wegen des Vorwurfs "Sozialdemokratismus" zu betreiben.[6] Insgesamt über acht Jahre saß er wegen seiner politischen Überzeugung in den Gefängnissen Bautzen, Waldheim, Sachsenhausen und Bützow.

Juristische Aufarbeitung

Das Urteil vom 29. April 1954, in dem er zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, ist auf Antrag seines Sohnes Karl Trabalski durch das Landgericht Rostock am 30. September 1996, als rechtsstaatswidrig aufgehoben worden[7]

Rehabilitierung

Die neu gegründete, aus der SED hervorgegangen PDS - heute "Die Linke" - beschloss auf einer Sitzung am 20./21. Januar 1990 unter anderem, Personen, die dem blutigen Stalin-Terror in der Sowjetunion zum Opfer gefallen sind, zu rehabilitieren. Die Schiedskommission der PDS hat 48 Personen politisch rehabilitiert, die unter stalinistischer Verfolgung und Inhaftierung gelitten haben oder ermordet worden sind.

»im Interesse der Erneuerung der Partei und auf der Grundlage des damals gültigen Statuts alle in der Vergangenheit ausgesprochenen Parteistrafen aufzuheben.«

Weiterhin Personen, die entweder Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wegen ihrer früheren Zugehörigkeit zur SPD unter dem Stigma des »Sozialdemokratismus« als sogenannte Schumacher-Agenten aus der SED ausgeschlossen und verhaftet wurden oder im Zusammenhang mit dem erfundenen Spion Noel Field und den stalinistischen Schauprozessen in Ungarn gegen László Rajk und andere, in Bulgarien gegen Traitscho Kostoff und andere und in der CSR gegen Rudolf Slánský und andere auch von der SED als vermeintliche imperialistische Agenten verfolgt oder inhaftiert wurden. Zu diesen insgesamt 28 Rehabilitierten gehören unter anderen: Leo Bauer, Alfred Drögemüller, Max Emendörfer und Willi Kreikemeyer [8]

Zitate

Am 20. November 1952 wurde Stanislaw Trabalski in das Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, das sogenannte U-Boot-Gefängnis, gebracht, über das er in dem an Wilhelm Fischer, seinen Freund, gerichteten Brief schrieb:[9]

  • „[…] ich wurde schwer schikaniert […]. An meine Familie durfte ich seit meiner Verhaftung nicht schreiben. Es hieß eben, ich sei nach dem Westen geflohen. [...] Es war grausamer als bei den Nazis.“
  • „Hier begann die schwierigste Zeit meines Aufenthaltes mit dem Ziel, mich zum Sterben zu bringen. Zellen im Keller ohne Fenster heiß bis 45 Grad mit eingebautem Geräuschapparat, Zellen mit Schlafpritschen von etwa 1,20 m Länge und Kaltluftzuführung […] kein Schlafen oder Nicken am Tage; alle drei Minuten Zellenkontrollen. Mir wurde bis Ende Juni 1953 jegliche ärztliche Behandlung vorenthalten.“

Als neugewählter Bezirksvorsitzender der SPD am 26.August 1945 in seiner Eröffnungsrede:[10]

  • „So bedauerlich es ist, daß wir nicht in die Lage versetzt wurden, selbst die Macht zu ergreifen, so muß ich aber trotzdem feststellen, der Nazismus hätte sich auch ohne den Einmarsch der Alliierten in Deutschland nicht mehr lange halten können.“

Aus einem Interview mit Beatrix Wrede Bouvier vom 22. November 1973[11]

  • "Obwohl ich prinzipiell gegen die Vereinigung war, waren meine Motive für die weitere parteiliche Mitarbeit folgende: Ich stand mit anderen vor dem Problem, auf einem Bezirksparteitag die Partei aufzulösen. Heinrich Fleißner warnte jedoch vor diesem Risiko unt trug damit eigentlich dazu bei, daß der Bezirksvorstand dem Vereinigungstermin zustimmte. Fleißner meinte, eine Parteiauflösung sei nicht zu verantworten, da sonst Tausende von Funktionären inhaftiert würden. Die damaligen Lager hatten eine sehr hohe Sterbequote, so daß auch ungewiß war, ob die Funtionäre jemals lebend wieder herausgekommen wären. […].

Literatur

  • Michael Rudloff: Stanislaw Trabalski (1896 - 1985): eine Biographie zwischen den politischen Systemen; in: "Solche Schädlinge gibt es auch in Leipzig", Frankfurt am Main [u.a.], 1997; ISBN 3-631-47385-0. S. 13–68.
  • Beatrix Wrede-Bouvier: Ausgeschaltet! Sozialdemokraten in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR 1945-1953, Bonn 1996; ISBN 3-8012-4075-4.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Zitiert aus: Michael Rudloff: "Stanislaw Trabalski, Eine Biographie zwischen den politischen Systemen" Seiten 18 - 20
  2. Der SPD-Unterbezirk Leipzig ehrt Stanislaw Trabalski am 25.Oktober 1996 mit einer Kranzniederlegung auf dem Südfriedhof
  3. Stadtarchiv Leipzig
  4. Günther Wagenlehner: Sowjetische Militärtribunale: Die Verurteilung deutscher Zivilisten 1945-1955, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2003, S. 327f.
  5. Mike Schmeitzner, Michael Rudloff: Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag; in Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, trafo verlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 40. Jahrgang 1998; ISSN 0942-3060, S. 135.
  6. Martin Broszat und Hermann Weber :SBZ Handbuch
  7. Landgericht Rostock, Beschluß in der Rehabilitierungsache des Herrn Stanislaw Trabalki vom 30. September 1996 - II PRO 174/96 - 385 RHS 52/96 - Staatsanwaltschaft Rostock
  8. http://www.die-linke.de/partei/geschichte/politischerehabilitierungen/
  9. Zitiert aus: Mike Schmeitzner/Michael Rudloff: Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, trafo verlag, Berlin 40. Jahrgang 1998 ISSN 0942-3060, Seite 56
  10. Zitiert aus: Harold Hurwitz: Die politische Kultur der Bevölkerung und der Neubeginn konservativer Politik, Band 4, Teil 1
  11. Zitiert aus: Beatrix W. Bouvier, Horst-Peter Schulz: "...die SPD aber aufgehört hat zu existieren." Seite 215
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