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Stanislaw Trabalski

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Stanislaw Trabalski (* 25. Oktober 1896 in Leipzig; † 12. November 1985 ebenda) war ein deutscher Politiker (SPD, USPD, SED).

Leben

Sein Vater, Franciszek Trąbalski, war 1888 aus Polen eingewandert und betätigte sich bereits aktiv als Sozialist. Nach der Volksschule machte Stanislaw Trabalski die Ausbildung zum Feinmechaniker und arbeitete anschließend als Elektro- und Filmtechniker. Im Jahr 1921 heiratete er Margarete Lipinski, die Tochter von Richard Lipinski. 1923 kam sein Sohn Karl Trabalski zur Welt, der später Landtagsabgeordneter der SPD in Nordrhein-Westfalen werden sollte. Stanislaws Grab befindet sich auf dem Leipziger Südfriedhof.[1]

Politische Karriere

Trabalski wurde 1909 Mitglied der Arbeiterjugend in Kattowitz, 1912 erfolgte der Eintritt in die SPD. 1914 bis 1916 absolvierte er seinen Militärdienst und wurde dabei verwundet. Im Jahr 1916 wurde Trabalski Mitglied des Spartakusbundes, 1917 wechselte er zur USPD, 1922 wieder zurück zur SPD. 1918 wurde er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrat in Weimar und ab 1919 in Leipzig.

In seiner politisch engagierten Zeit zwischen den Weltkriegen war Trabalski auch ehrenamtlicher Mitarbeiter im Arbeiterbildungsinstitut, so zum Beispiel 1928-1933 Sekretär einer Konsumgenossenschaft und Mitglied der Eisernen Front im Kampf gegen die NSDAP. In der Zeit von 1933 bis 1945 wurde er siebenmal verhaftet, es liefen Verfahren wegen Hoch- und Landesverrat, die jedoch eingestellt wurden. Unter anderem war er für 6 Wochen im KZ Sachsenhausen inhaftiert.

1945 wurde Trabalski, als Mitbegründer der SPD in Sachsen, zum Vorsitzenden des SPD-Kreisvorstandes Sachsen gewählt, ab 1946 war er Mitglied des SED-Bezirksvorstandes Westsachsen, obwohl er massiven Unmut gegen die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED empfand.[2] Zusammen mit Rudolf Eckert, Rudolf Friedrichs und Felix Kaden wehrte er sich gegen die Bolschewisierung.[3]

Er wurde trotzdem paritätischer 1. Vorsitzender der SED-Bezirksleitung. Bis 1948 war er Mitglied des SED-Landessekretariats und hatte die Verantwortung für die Parteibetriebe. Im Oktober 1948 wurde Trabalski für eineinhalb Jahre verhaftet und am 1. November 1950 im Grenzgebiet erneut festgenommen. Erst 1954 folgte die Verurteilung: Wegen des Straftatbestands „Kriegs- und Boykotthetze“ erhielt er sechs Jahren Haft, wurde aber bereits 1956 amnestiert. Danach engagierte er sich nicht mehr in politischen Ämtern. Er wurde Mitarbeiter des Bibliographischen Instituts in Leipzig, wurde aber weiter beobachtet und wiederholt verhaftet.

Juristische Aufarbeitung

Das Urteil vom 29. April 1954, in dem er zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, ist auf Antrag seines Sohnes Karl Trabalski durch das Landgericht Rostock am 30. September 1996, als rechtsstaatswidrig aufgehoben worden[4]

Zitat

Am 20. November 1952 wurde Stanislaw in das Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, das sogenannte U-Boot-Gefängnis gebracht, über das er in dem an Wilhelm Fischer gerichteten Brief schrieb: [5]

  • „[…] ich wurde schwer schikaniert […]. An meine Familie durfte ich seit meiner Verhafftung nicht schreiben. Es hieß eben, ich sei nach dem Westen geflohen. [...] Es war grausamer als bei den Nazis.“
  • „Hier begann die schwierigste Zeit meines Aufenthaltes mit dem Ziel, mich zum Sterben zu bringen. Zellen im Keller ohne Fenster heiß bis 45 Grad mit eingebautem Geräuschapparat, Zellen mit Schlafpritschen von etwa 1,20 m Länge und Kaltluftzuführung […] kein Schlafen oder Nicken am Tage; alle drei Minuten Zellenkontrollen. Mit wurde bis Ende Juni 1953 jegliche ärztliche Behandlung vorenthalten.“

Literatur

  • Michael Rudloff: Stanislaw Trabalski (1896 - 1985): eine Biographie zwischen den politischen Systemen; in: "Solche Schädlinge gibt es auch in Leipzig", Frankfurt am Main [u.a.], 1997; ISBN 3-631-47385-0. S. 13–68.
  • Beatrix Wrede-Bouvier: Ausgeschaltet! Sozialdemokraten in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR 1945-1953, Bonn 1996; ISBN 3-8012-4075-4.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stadtarchiv Leipzig
  2. Günther Wagenlehner: Sowjetische Militärtribunale: Die Verurteilung deutscher Zivilisten 1945-1955, Böhlau Verlag Köln Weimar, 2003, S. 327f.
  3. Mike Schmeitzner/Michael Rudloff: Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag; in Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, trafo verlag Dr. Wolfgang Weist, Berlin 40. Jahrgang 1998; ISSN 0942-3060, S. 135.
  4. Landgericht Rostock, Beschluß in der Rehabilitierungsache des Herrn Stanislaw Trabalki vom 30. September 1996 - II PRO 174/96 - 385 RHS 52/96 - Staatsanwaltschaft Rostock
  5. Zitiert aus: Mike Schmeitzner/Michael Rudloff: Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, trafo verlag, Berlin 40. Jahrgang 1998 ISSN 0942-3060, Seite 56
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