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Richard Lipinski
Robert Richard Lipinski (geb. 6. Februar 1867 in Danzig; gest. 18. April 1936 in Bennewitz) war ein deutscher Gewerkschafter, Politiker und Schriftsteller.
Leben
Lipinski, der als drittes, von vier Kindern, des Balkenhauers und Modellmeisters Johann Lipinski (1837–75), geboren wurde, musste schon frühzeitig zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Die Trennung der Eltern sowie der frühe Tod des Vaters als auch materielle Not überschatteten seine Jugend. Bereits als Kind musste er auf einer Schiffswerft arbeiteten. An eine höhere Bildung über die Volksschule hinaus war nicht zu denken. Lipinski besuchte von 1874 bis 1881 die Volksschule zu Danzig. Nach kurzfristiger Verdingung als Lohnarbeiter in einer Gärtnerei folgte Ende 1881 eine Handlungsgehilfenlehre Handlungsgehilfe in einem Materialwarengeschäft mit Branntweinausschank, die Lipinski wegen Misshandlung durch den Lehrherrn 1882 abbrach. Im Jahr 1885, als er seine Lehre in einem Geschäft der gleichen Branche beendet hatte, kam er mit seiner Mutter Wilhelmine geb. Schröder (1832–85), nach Leipzig, wo er zunächst eine Anstellung in einem Destillationsgeschäft und später als Buchhalter in der Spiegel- und Rahmenfabrik seines Bruders fand. Im Jahr 1886 trat er in die Gewerkschaft und 1890 in die SPD ein. Im selben Jahr war er Mitbegründer der „Freien Vereinigung der Kaufleute“ in Leipzig. 1897 war Lipinski Mitbegründer des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen. Im Jahr 1900 war er an der Gründung der Vereins der Arbeiterpresse beteiligt. Ein Jahr später war er Mitbegründer der „Unterstützungsvereinigung der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Angestellten“. Von 1894 bis 1901 arbeitete er als Redakteur bei der Leipziger Volkszeitung. Von 1901 bis 1933 betrieb er einen Verlagsbuchhandel in Leipzig und arbeitete weiterhin schriftstellerisch. Lipinski heiratete in Kleinmiltiz Miltitz seine Frau Selma, geb. Böttger (1875–1960), mit der er acht Kinder hatte. Im Jahr 1921 heiratete seine Tochter Margarete, den Politiker und überzeugten Sozialisten, Stanislaw Trabalski.
Politische Karriere
In der Leipziger Arbeiterbewegung wurde er zu einer überragenden Integrationsfigur und war von 1907 bis 1917 Vorsitzender des SPD-Bezirks Leipzig. Sein erstes Politisches Amt errang Lipinski 1897, während einer Protestwahl gegen Ernst Grenz, als er erstmals in das Leipziger Agitationskomitee gewählt wurde. Dies war eine kleine Sensation da nicht nur das geringe Alter, sondern auch die fehlende Handwerksausbildung sowie die nicht lange zurückliegende Zuwanderung aus Westpreußen gegen ihn sprachen. 1898 kandidierte Lipinski im Wahlkreis Oschatz-Grimma, einer Hochburg der Konservativen, erstmals für den Reichstag und verlor die Wahl.[1] Von 1903 bis 1907 Mitglied des Reichstages. Während des 1. Weltkriegs, 1917, schloss er sich der USPD an, die in der Kriegsfrage eine von der Mehrheitssozialdemokratie abweichende Stellung vertrat. Es zeugt von seiner Führungspersönlichkeit, dass die Leipziger SPD fast geschlossen zur USPD übertrat. Im März 1918 wurde Lipinski wegen Verdachts des „versuchten Hochverrats“ in Untersuchungshaft eingeliefert. Bevor jedoch der Prozess beginnen konnte, brach die Revolution aus. Lipinski war auch in dieser Partei bis 1933 Vorsitzender in Leipzig. Wohl kein anderer,regionaler Parteiführer in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie dürfte so oft in seinem Amt bestätigt worden sein. Zwischen 1917 und 1922 war er Mitglied im zentralen Beirat der Partei. Vom 15. November 1918 bis 16. Januar 1919 war Lipinski Volksbeauftragter und Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten (entspricht dem heutigen Parlament und damit erster demokratischer Ministerpräsident in Sachsen) im Freistaat Sachsen. Im Dezember 1918 war er Delegierter beim Reichsrätekongress. Zwischen 1919 und 1920 war er Landtagsabgeordneter in Sachsen. Er war Vorsitzender der USPD-Fraktion und stellvertretender Präsident des Landtags. Vom 11. Dezember 1920 bis 2. Februar 1923 war Lipinski unter Wilhelm Buck Innenminister. Im Jahr 1922 trat er wieder der SPD bei. Seither war er wieder wie schon zwischen 1912 und 1916 Mitglied im zentralen Parteiausschuss der SPD. In Leipzig war er erneut bis 1933 Vorsitzender der SPD. Zwischen 1920 und 1933 war Lipinski Mitglied des Reichstages zunächst für die USPD danach für die SPD. Am 22. März 1933 stimmte er im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz für Adolf Hitler.
Als prominenter Sozialdemokrat und ehemaliger sächsischer Innenminister war Lipinski unter dem NS-Regime in den Jahren 1933 sowie 1934 bis 1935 in Haft; er starb 1936 an den Haftfolgen.[2] Unter den Augen der Gestapo versammelten sich etwa tausend Menschen um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Lipinskis Grab befindet sich auf dem Leipziger Südfriedhof.
Ehrungen
Seit 1992 erinnert im Berliner Ortsteil Tiergarten an der Ecke Scheidemannstaße/Platz der Republik eine der 96 Gedenktafeln für von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete an Lipinski. Im Vorraum des Fraktionsvorstandssaales der SPD im Deutschen Bundestag würdigt eine Texttafel den Widerstand der sozialdemokratischen Parlamentarier gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten am 23. März 1933.
Seit dem 6. November 1996 trägt das Leipziger SPD –Traditionshaus, in der Rosa-Luxemburg-Straße 19-21, den Namen Richard-Lipinski-Haus. Das sanierte Büro-, Geschäfts- und Wohnhaus wurde von Inge Wettig-Danielmeier in Gedenken an den führenden Leipziger und sächsischen Sozialdemokraten eingeweiht. 1945 wurde ein Teil der heutigen Kähte-Kollwitz-Straße nach Richard Lipinski benannt. Aber schon 1962 verschwand der Strassenname wieder. Im Juli 2000 beschloss der Leipziger Stadtrat die Umbenennung der Ethel- und Julius-Rosenberg-Straße (Großzschocher) in Lipinskistraße.
Zitat
.... Und zum Schluß noch eine persönliche Note. Wenn man draußen von der Parteibewegung in Leipzig spricht, dann hat es immer einen eigenartigen Beigeschmak. Die Leipziger sind immer so etwas anrüchig in der deutschen Arbeiterbewegung. Das kommt daher, weil wir in Leipzig bisher bemüht gewesen sind, eine grundsätzliche Politik zu treiben. Wir haben alles darangesetzt, dieses Ziel zu erreichen, und dadurch haben wir es häufig natürlich mit vielen verdorben.Aber nachdem Sie hier eingekehrt sind, nachdem Sie die Leipziger einmal persönlich kennen lernen, nicht bloß vom hörensagen, werden Sie finden, daß es doch ganz nette Kerle sind mit denen sich auskommen läßt. ....[3]
Einzelnachweise
- ↑ Michael Rudloff, Thomas Adam (unter Mitarbeit von Jürgen Schlimper): Leipzig. Wiege der deutschen Sozialdemokratie. Leipzig 1996, S. 74.
- ↑ Wolfgang Stärcke: Lipinski, Richard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, S. 643 f.
- ↑ Richard Lipinski, Eröffnungsrede des SDP Parteitages 1909 in Leipzig
Literatur
- Manfred Hötzel und Karsten Rudolph: Richard Lipinski (1867–1936). Demokratischer Sozialist und Organisator politischer Macht. In: Helga Grebing, Hans Mommsen und Karsten Rudolph (Hrsg.): Demokratie und Emanzipation zwischen Elbe und Saale. Beiträge zur Geschichte der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung bis 1933. Essen 1993, S. 237–262.
- Michael Rudloff und Thomas Adam unter Mitarbeit von Jürgen Schlimper: Leipzig. Wiege der deutschen Sozialdemokratie. Leipzig 1996, S. 72 ff.
- Mike Schmeitzner und Michael Rudloff: Geschichte der Sozialdemokratie im Sächsischen Landtag. Darstellung und Dokumentation 1877–1997. S. 204 f.
- Jesko Vogel: Der sozialdemokratische Parteibezirk Leipzig in der Weimarer Republik. Sachsens demokratische Tradition. 2 Bände, Hamburg 2006.
- Wolfgang Stärcke: Lipinski, Richard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, S. 643 f.
Weblinks
- Literatur von und über Richard Lipinski im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Richard Lipinski in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Biografie von Richard Lipinski in Wilhelm Heinz Schröder: Biographien Sozialdemokratischer Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867–1933 (der genaue Datensatz muss mit der Suchfunktion ermittelt werden)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lipinski, Richard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Gewerkschafter, Politiker und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 6. Februar 1867 |
| GEBURTSORT | Danzig |
| STERBEDATUM | 18. April 1936 |
| STERBEORT | Bennewitz, Muldentalkreis |
| Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel Richard Lipinski aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar. |
- Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich)
- Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik)
- ADGB-Funktionär
- Landtagsabgeordneter (Freistaat Sachsen)
- Ministerpräsident (Sachsen)
- Person der Novemberrevolution
- Deutschsprachiger Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus
- NS-Opfer
- SPD-Mitglied
- USPD-Mitglied
- Deutscher
- Geboren 1867
- Gestorben 1936
- Mann
