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Nordrach
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
48.3980555555568.08297 Koordinaten: 48° 24′ N, 8° 5′ O
| ||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Baden-Württemberg | |
| Regierungsbezirk: | Freiburg | |
| Landkreis: | Ortenaukreis | |
| Höhe: | 297 m ü. NN | |
| Fläche: | 37,75 km² | |
| Einwohner: |
1.935 (31. Dez. 2012)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 51 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 77787 | |
| Vorwahl: | 07838 | |
| Kfz-Kennzeichen: | OG | |
| Gemeindeschlüssel: | 08 3 17 085 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Im Dorf 26 77787 Nordrach | |
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Carsten Erhardt (FDP) | |
| Lage der Gemeinde Nordrach im Ortenaukreis | ||
Nordrach ist eine Gemeinde im westlichen Schwarzwald in Baden-Württemberg und gehört zum Ortenaukreis.
Geographie
Geographische Lage
Die Gemeinde Nordrach zieht sich über nahezu sechs Kilometer Länge im engen Tal des gleichnamigen Flüsschens entlang. In diesem Tal verläuft auch die Straße von Zell am Harmersbach (6 km) nach Bad Peterstal-Griesbach (12 km), allerdings ist die Strecke durch das Harmersbachtal über den Löcherberg kürzer. Die Entfernung zur Kreisstadt Offenburg beträgt 28 km. Das Gemeindegebiet liegt auf Höhen von 255 m ü. NN bis 878 m ü. NN.
Nachbargemeinden
Die Gemeinde grenzt im Norden an die Städte Oberkirch und Oppenau, im Osten an Oberharmersbach, im Süden an die Stadt Zell am Harmersbach und im Westen an die Stadt Gengenbach.
Gemeindegliederung
Der Siedlungsschwerpunkt liegt im Dorf Nordrach, sechs Kilometer von Zell am Harmersbach entfernt. Eine kleinerer Ortsteil liegt weitere sechs Kilometer weiter, die Kolonie, früher auch Nordrach-Fabrik genannt. Weitere Ortsteile und Gewanne sind Allmend, Bärhag, Bäumlisberg, Buchbühl, Denninger, Ernsbach, Flacken, Grafenberg, Hasenberg, Helgenbühl, Heugraben, Hirzenberg, Hutmacherdobel, Kohlberg, Kühlmorgen, Kuttelrain, Lichtersgrund, Lindach, Merkenbach, Michelbach, Moosbach, Moopsmatt, Mühlstein, Rautsch, Reutegut, Ruhlsbach, Schönwald, Schottenhöfen, Schrofen (Hinter und Vorder), Sodlach, Stollenberg, Stollengrund, Untertal und Vor Ernsbach. Zum Nordracher Gemeindegebiet gehören auch die Ortsteile Mühlstein und Schottenhöfen, die geographisch im Harmersbachtal liegen.
Flächennutzung
79 % der Gemarkungsfläche sind bewaldet, 17 % werden landwirtschaftlich genutzt, der Rest ist Siedlungs- und Verkehrsfläche.
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1139. Der hintere Teil des Tals gehörte ebenso wie der Mühlstein zum Kloster Gengenbach, während das übrige Gebiet der Reichsstadt Zell zugehörig war. Im Jahr 1803 wurde Nordrach von Zell abgetrennt und 1929 erfolgte die Vereinigung von Nordrach-Dorf und Kolonie zu Nordrach.
Im heute staatlich anerkannten Luftkurort Nordrach wurden bereits seit 1891 in mehreren Sanatorien Lungenkranke behandelt, da sich das Tal dazu bestens eignete. Kurbetriebe gibt es dort heute auch noch, der medizinische Schwerpunkt liegt heute allerdings in anderen Bereichen.
Nordrach gehörte früher zum Landkreis Wolfach, mit dessen Auflösung kam der Ort 1973 zum Ortenaukreis. Nordrach hatte bis 1975 vier Tuberkulose-Kliniken. Besonders bemerkenswert war die Volksheilstätte in Nordrach-Kolonie, die von dem Sozialisten und Arzt Dr. Otto Walther und seiner Frau Dr. Hope Adams gegründet wurde. Es war die erste Frau, die im Kaiserreich eine Approbation als Ärztin erlangte. Bis zu ihrer Scheidung leiteten die beiden gemeinsam die Volksheilstätte, in der neben armen Bevölkerungsschichten u. a. auch Klara Zetkin und August Bebel als Patienten aufgenommen wurden. Außerdem gab es die orthodoxe jüdische Rothschild-Klinik im Dorf mit koscherer Küche und einer Synagoge; ein kleiner jüdischer Friedhof existiert noch. Diese Klinik wurde 1942 von den Nazis in das Lebensbornheim Schwarzwald umgewandelt, die meisten der jüdischen Ärzte, Schwestern und Patientinnen wurden nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert und ermordet.[2]
Religionen
Da an Nordrach die Reformation vorbeiging, ist die Gemeinde auch heute noch römisch-katholisch geprägt. Die katholische Kirche im Ort ist dem Heiligen Ulrich geweiht. Die wenigen evangelischen Gläubigen werden von Zell am Harmersbach aus betreut.
Politik
Die Gemeinde gehört der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Zell am Harmersbach an.
Gemeinderat
Die Gemeinderatswahl vom 25. Mai 2014 brachte folgendes Ergebnis:[3]
- CDU 41,51 %, 4 Sitze
- FWV 28,76 %, 3 Sitze
- UWN 29,73 %, 3 Sitze
Die Gemeinderatswahl vom 7. Juni 2009 brachte folgendes Ergebnis:
- CDU 39,07 % (+2,44), 4 Sitze
- FWV 32,86 % (-4,10), 3 Sitze
- UWN 28,07 % (+1,66), 3 Sitze
Wappen
Das Nordracher Wappen (seit 1901 Hoheitszeichen der Gemeinde) zeigt vor silbernem Hintergrund den rotgekleideten Bischof St. Ulrich auf grünem Schildfuß. Als Zeichen seiner Bischofswürde trägt der Nordracher Kirchenpatron eine goldene Mitra und hält in der Linken einen Bischofsstab mit schwarzem Schaft und goldener Krümme. In der rechten Hand erkennt mann einen silbernen Fisch. Dies frühere Christussymbol könnte ihn lediglich als Heiligen ausweisen. Da aber Künstler die Heiligen oft mit Gegenständen als Hinweise auf ihr Leben darstellten, wird dieser Fsich wohl auch auf eine Legende des ersten von einem Papst offiziell heiliggesprochenen Heiligen hinweisen. Bischof Ulrich soll nämlich einem herzoglichen Boten versehentlich ein Stück Fleisch am Freitag geschenkt haben. Als dieser dann den Bischof wegen des Übertretens des Kirchengebots verleumden wollte und zum Beweis das Stück Fleisch in der Hand, wodurch die Lauterkeit des Bischofs unterstrichen wurde. Mit dem Fisch wird zudem auch das „Wasser- und Quellenpatronat“ des Heiligen veranschaulicht.
Bürgermeister
- 1983–2007: Herbert Vollmer, parteilos
- 2007–2015: Carsten Erhardt (FDP)
Partnerschaften
Am 14. Mai 2000 besiegelten die Gemeinden Nordrach und Niedernai / Elsass ihre Partnerschaft.
Im Herbst 1997 nahmen die beiden Gemeinden erstmals Kontakt zueinander auf. In den folgenden drei Jahren wurden die Kontakte intensiviert, erste Feste gemeinsam gefeiert und Freundschaften geschlossen.
Wirtschaft und Infrastruktur
Traditionell lebten die Nordracher von der Land- und Forstwirtschaft. Infolge der steilen Hanglagen und der damit verbundenen Erosionsgefahr war die Bewirtschaftung der Felder jedoch schwierig und kaum mechanisierbar. Das führte nach dem Zweiten Weltkrieg schnell zu einem drastischen Rückgang der Landwirtschaft. 2003 gab es noch 15 Haupterwerbsbetriebe und etwa 60 Nebenerwerbslandwirte.
Im Jahr 2011 gab es in Nordrach etwa 850 Arbeitsplätze, 57 Prozent davon im produzierenden Gewerbe. Die Pendlerbilanz ist positiv, 390 Nordracher verdienen ihren Lebensunterhalt außerhalb der Gemeinde und 530 Arbeitskräfte kommen aus anderen Gemeinden nach Nordrach.
Verkehr
Bedingt durch den Kurbetrieb wurde im Nordrachtal schon früh eine Omnibus-Linie für die Strecke Biberach-Zell-Nordrach eingerichtet. So existierte im Jahre 1923 eine private Autoverkehrslinie von der Kolonie zum Bahnhof in Zell, mit der auch die Post befördert wurde. Autoinhaber war damals Bauunternehmer Maurermeister Gottfried Lang. Eine Eisenbahnlinie nach Nordrach gab es nie, dafür wurde die frühere Landstraße L 95 (heute K 5354) in den Jahre 1906–1910 ausgebaut. Mit Verbesserung der Ortsdurchfahrt wurde in den 1980er Jahren nach über 20-jähriger Planungsdauer und Widersprüchen von Anliegern begonnen. Noch heute stellt die private Omnibuslinie des Nordracher Busunternehmers Schnurr die einzige öffentliche Verkehrsverbindung zum Harmersbachtal her. Über die enge Schäferfeldstrecke ins Renchtal kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht.
Kurbetrieb
Die Eignung des Nordrachtals für Kurzwecke wurde schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts erkannt. Die windgeschützte und nebelfreie Lage begünstigte die Errichtung von mehreren Lungenheilstätten, die jedoch nicht mehr bestehen. Aus diesem Grund wurde Nordrach auch als „Badisches Davos“ bezeichnet. In Nordrach gibt es noch zwei Rehabilitationskliniken.
Holzverarbeitung
Die Holzverarbeitung hat ebenfalls eine Tradition im Nordrachtal. Es finden sich in Nordrach fünf Sägewerke sowie eine Reihe von weiterverarbeitenden Betrieben.
Maschinenbau
Aus eher handwerklichen Betrieben entwickelten sich im Laufe der Zeit:
- Maschinenfabrik Erwin Junker, Hersteller von Präzisionsschleifmaschinen, Lieferant der Automobilindustrie weltweit;
- LTA Lufttechnik, Industrielle Absaug- und Luftreinigungsanlagen.
- Sägewerk Echtle
Bildungseinrichtungen
- Nordrach verfügt über eine eigene Grundschule. Außerdem gibt es einen Kindergarten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Nordrach liegt am Kinzigtäler Jakobusweg, der an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.
Pfarrkirche St. Ulrich
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Die Kirche wurde in den Jahren 1904 bis 1905 von Johannes Schroth entworfen und erbaut. Sie ist nicht wie üblich geostet, sondern – bedingt durch den Flußlauf im engen Tal – nach Nordosten ausgerichtet. Im linken Seitenschiff steht in der gewölbten Taufkapelle das älteste Stück der Kirche: Der Taufstein aus dem Jahre 1618, der noch aus der alten Kirche stammt. Je sechs Säulen aus rotem Sandstein teilen den 40,8 Meter langen, 17,2 Meter breiten und 17 Meter hohen Raum. Die je neun Fenster der Seitenschiffe und die je acht Fenster im oberen Teil des Langhauses lassen genug Licht einfallen, obwohl sie alle bemalt sind. Sie stellen Szenen aus dem Leben der 14 Nothelfer dar. Bei den meisten Fenstern ist auch der Name des Stifters verewigt. Der Hochaltar, der 1905 geschnitzt und bemalt wurde, veranschaulicht mit den Szenen des "Schmerzhaften Rosenkranzes" das Erlösungswerk. Sehenswert sind auch die Kanzel mit den Darstellungen der vier Evangelisten und dem lehrenden Christus, die elsässische Roethinger-Orgel mit 27 Registern, der Pieta- Altar im hinteren Bereich der Kirche und die zwölf lebensgroßen Figuren im Langhaus, die die Apostel mit ihren Attributen darstellen. 2005 wurden der Hochaltar, die Kanzel und die zwei Seitenaltäre renoviert. Das Glockengeläute besteht aus sechs Glocken. An der Nordseite der Kirche steht das Käshammersche Kreuz, das im Jahre 1784 von einem früheren Bewohner der Nordracher Höhenhöfe namens Johannes Käshammer gestiftet wurde. |
Kurpark
Schon seit 1930 verfügt Nordrach über einen Kurpark im Ortskern, zu dem auch ein Musikpavillon und eine Minigolfanlage gehören.
Kuh-Brunnen
Am Ortseingang fällt die Begrüßungsanlage mit ihrem kunstvollen Kuh-Brunnen auf, der auf die Bedeutung der Landwirtschaft im Nordrachtal hinweisen soll und zum 850-jährigen Ortsjubiläum errichtet wurde.
Museen
In direkter Umgebung des Schwimmbades befindet sich das 1991 eröffnete Nordracher Puppenmuseum das mit 100.000 Besuchern in der Statistik der meistbesuchten Museen des Ortenaukreises an zweiter Stelle hinter dem Schwarzwälder Freilichtmuseum in Gutach liegt. In dem bunt bemalten Puppenmuseum sind auf 250 Quadratmetern Gesamtfläche 1500 meist von Gaby Spitzmüller gearbeitete und gesammelte Puppen und Teddys zu besichtigen. Das Nordracher Puppenmuseum weicht von den sonst üblichen Ausstellungsformen ab, indem die insgesamt 31 Vitrinen thematisch ausgerichtet sind.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
- Karl Josef Oehler (1889–1917), Schau- und Kunstflieger
- Gerda Walther (1897–1977), Philosophin und Parapsychologin
- Wilhelm Oberle (* 1931), Unternehmer und Wohltäter
- Heinrich Pachl (1943–2012), Kabarettist
- Jens Jordan (* 1943), Politiker
- Hans-Arne Stiksrud (1944–2005), Psychologe
- Friedrich Wolfram Heubach (* 1944), Psychologe
- Armin Göhringer (* 1954), Maler und Bildhauer
Persönlichkeiten, die in Nordrach wirkten
- Hope Bridges Adams Lehmann (1855–1916) und Otto Walther (1855–1919), betrieben in Nordrach ein Lungensanatorium
- Johannes Schroth (1859–1923), war der Architekt der in Nordrach stehenden Pfarrkirche St. Ulrich
- Wolf Schmuel Borowitzky (1892–1940), fotografierte und stellte viele Motive von Nordrach als Postkarten aus
Literatur
- Hans-Georg Kluckert: Nordrach. Geschichte, Menschen und Landschaft des Tals, Gemeinde Nordrach, Nordrach 1989.
- Erich Herbst jun.: Die historischen Stätten der Gemeinde Nordrach – Auf den Spuren der Vergangenheit, Gemeinde Nordrach, Nordrach 2003.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
- ↑ Volker Koop: „Dem Führer ein Kind schenken“: Die SS-Organisation Lebensborn e. V., Böhlau Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-412-21606-1, S. 110–111.
- ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
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