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National-Zeitung (München)

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Gerhard Frey, Besitzer und Inhaber, mit einem Exemplar der National-Zeitung

Die National-Zeitung (NZ) ist eine rechtsextreme [1] [2] [3] überregionale deutsche Wochenzeitung mit Sitz in München. Sie erscheint in der Druckschriften- und Zeitungsverlags GmbH (DSZ-Verlag) Gerhard Freys. 1999 ging die bis dahin selbstständige, in Inhalt und Aufmachung jedoch ähnliche Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) in der National-Zeitung auf.

Organisation

Die National-Zeitung wird im DSZ-Verlag von dessen Eigentümer Gerhard Frey, dem ehemaligen langjährigen Vorsitzenden der DVU, herausgegeben. Die durch Presse-Grosso vertriebene Zeitung erreichte 2006 eine geschätzte wöchentliche Gesamtauflage von 44.000 Exemplaren pro Ausgabe.[4] Zum Vergleich hatte sie 1976 eine durchschnittliche wöchentliche Auflage von 106.000 Exemplaren, auf dem wesentlich kleineren westdeutschen Zeitungsmarkt.[5]

Dem DSZ-Verlag ist die „Freiheitliche Buch- und Zeitschriftenverlags GmbH“ (FZ-Verlag) mit einem Buch- und Reisedienst angegliedert, als deren Geschäftsführerin Freys Ehefrau fungiert. Frey verfügt damit über das größte politisch rechts der CSU stehende Medienkonglomerat in Deutschland. Über die Zeitung werden diese Produkte, wie Medaillen, deren Motive vom ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) bis zum Luftwaffen-Pilot Hans-Ulrich Rudel reichen, Bücher aus den eigenen Verlagen oder antiquarische Bücher, beworben und vertrieben.

Obwohl die Zeitung formal unabhängig ist, wurde sie aufgrund der beherrschenden Stellung Freys und des Fehlens einer originären Parteizeitung der DVU bis zum Rückzug Freys aus der Parteipolitik oft als das Presseorgan der Partei betrachtet, obwohl sie auch über die Partei hinaus eine große Wirkung im politischen Spektrum rechts der Unionsparteien ausübt, da es die in Deutschland am weitesten verbreitete Zeitung dieser politischen Richtung ist.[4]

Geschichte

Die DNZ kam zuerst 1951 unter dem Titel Deutsche Soldaten-Zeitung[6] heraus, die neben ehemaligen Wehrmachtssoldaten auch von ehemaligen Soldaten der Waffen-SS wie Joachim Ruoff gegründet worden war. Chefredakteur war Peter Kleist. Die DNZ wurde anfangs als antikommunistische Zeitung für Kriegsveteranen von der US-amerikanischen Verwaltung und dann 1953/54 vom Bundespresse- und Informationsamt finanziell unterstützt und gefördert.

1958 wurde sie zu 50 % von Gerhard Frey erworben. Gleichzeitig gründet dieser die Deutsche Soldaten-Zeitungs-Verlags GmbH. Nachdem er 1960 die restlichen Anteile gekauft hatte, änderte er den Namen in Deutsche Soldaten-Zeitung und National-Zeitung und änderte die Erscheinungsweise von bisher monatlich auf wöchentlich. 1963 nannte er sie abermals um, sie erschien nun unter dem Namen Deutsche National-Zeitung. Im selben Jahr erwarb Frey die Vertriebenenblätter Schlesische Rundschau und Der Sudetendeutsche und gliederte deren Inhalte ebenfalls in die DNZ ein. Die Deutsche Wochen-Zeitung war seit 1964 eines der Parteiblätter der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands und widmete sich vorrangig geschichtsrevisionistischen Themen. 1986 kaufte Frey auch diese auf, von Waldemar Schütz, und benannte sie in Deutsche Wochen-Zeitung – Deutscher Anzeiger um. In Inhalt und Aufmachung glich sie weitgehend der DNZ.

1969 wurde von dem damaligen Bundesinnenminister Ernst Benda beim Bundesverfassungsgericht ein Antrag nach Art. 18 Grundgesetz – das Verwirken der Pressefreiheit aufgrund Missbrauchs – gestellt. 1974 wurde der Antrag jedoch vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt.[7] 1979 betrug die Druckauflage 120.000 Exemplare.

Mit der Ausgabe 36 vom 3. September 1999 wurden die Deutsche National-Zeitung und die Deutsche Wochen-Zeitung – Deutscher Anzeiger zur National Zeitung verschmolzen.

Seit Ausgabe Nr. 43/2008 erscheint die Zeitung in einer komplett neuen Aufmachung.

Inhalt

Die NZ erscheint auf zwanzig Seiten im Zeitungsformat. Bis zur Neugestaltung 2008 war sie im Stil des Boulevardjournalismus aufgemacht; die Überschriften waren in einem emotionalisierenden und populistischen Stil verfasst, der Schreibstil stellenweise vergleichbar mit dem der BILD-Zeitung. Viele Artikel der Zeitung münden in Werbung für einschlägige Bücher aus den Verlagen von Gerhard Frey, die als weiterführende, das angeschnittene Thema vertiefende Literatur empfohlen werden. Dabei handelt es sich zum Teil um Sammlungen früherer Berichte der National-Zeitung in Buchform, die auf diese Art ein weiteres Mal vermarktet werden.

In der Agitation der National-Zeitung nimmt das Thema „Ausländer“ in Deutschland einen breiten Raum ein. Seit einiger Zeit finden Umwelt- und Verbraucherschutzthemen mehr Berücksichtigung, wofür beispielsweise Beiträge zum Klimawandel und konzernkritische Artikel stehen. Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt sind verharmlosende Beiträge zur Zeit des Nationalsozialismus, wobei besonders die Wehrmacht in Schutz genommen wird. Mit stereotypen Schlagzeilen und mit antisemitischen Artikeln werden nach Meinung der Kritiker des Blattes Ressentiments gegen Juden geschürt und in weiteren Beiträgen der demokratische Rechtsstaat und seine Repräsentanten angegriffen. Oft wird der Zentralrat der Juden in Deutschland diffamiert, da er sich angeblich ständig einmische und die „vierte Gewalt“ im Staat sei. Die Bekenntnisse Freys zum freiheitlichen Rechtsstaat hingegen sind so häufig, dass ihm von ganz rechtsaußen vorgeworfen wird, er sei ein „typischer BRD-Verfassungspatriot“.

Nach der von der National-Zeitung vehement zurückgewiesenen Auffassung des Bundesverfassungsschutzes werden tagespolitische Themen und Ereignisse verzerrt dargestellt und instrumentalisiert. Zu den Hauptthemen der beiden weitgehend identischen Zeitungen bzw. ihres Nachfolgers gehörten und gehören die Kriegsschuldfrage, der „Geschichtsrevisionismus“, der Revanchismus und die Glorifizierung des deutschen Soldatentums. Weiterhin wird der Nationalsozialismus verharmlost und versucht, einzelne Repräsentanten und Institutionen der NS-Zeit in einem positiven Licht erscheinen zu lassen und deren „wirkliche“ Größe und Leistung der angeblich verfälschenden Geschichtsschreibung entgegenzusetzen. Während die Zeitung die „Verbrechen des Nationalsozialismus“ in demonstrativ scharfer Form geißelt, werden einzelne Personen aus dieser Epoche als Idealisten und Patrioten gewürdigt. Auch wurden Zweifel am Selbstmord von Rudolf Heß geäußert.[8] Zu den in früheren Jahren häufig behandelten Themen gehörten die Wehrmachtsausstellung, der Fall Michel Friedman und die Visa-Affäre um Joschka Fischer. Sehr oft finden sich israelfeindliche Äußerungen.[9]

In den 1980er und 1990er Jahren hat die Ablehnung der Europäischen Gemeinschaft bzw. Europäischen Union bzw. ihre anstehende Osterweiterung (Hauptthema: Türkei) stark an Bedeutung gewonnen. Das Thema Einwanderung in Deutschland wurde häufig mit Blick auf Kriminalität und „Asylbetrug“ behandelt und das Bild einer angeblichen „Überfremdung“ der Deutschen beschworen.[10] Auch die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA wurden als Folie für antiamerikanische sowie als antisemitisch interpretierbare Äußerungen genutzt und mehrfach verschwörungstheoretische Bücher zum Thema beworben, so zum Beispiel das Buch Die CIA und der 11. September. Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste von Andreas von Bülow.

Bekannte Autoren

Die Artikel stammen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil von Gerhard Frey selbst, sind aber oftmals namentlich nicht gekennzeichnet. Zu dem Autorenstamm gehören, bzw. gehörten weiterhin:

Interviewpartner:

Literatur

  • Hans-Helmuth Knütter: Die Deutsche Nationalzeitung und Soldaten-Zeitung 1965/1966. Eine Dokumentation, Deutscher Gewerkschaftsbund Bundesvorstand, 1966 (DNB)
  • Karsten Reinecke: Die "Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung", ein Organ der "heimatlosen Rechten" in der Bundesrepublik, Erlangen-Nürnberg, Phil. F., Diss. v. 24. Juli 1970 (DNB)
  • Peter Dudek, Hans-Gerd Jaschke: Die Deutsche National-Zeitung: Inhalte, Geschichte, Aktionen, PDI 1981, ISBN 3882060239
  • Jana Reissen: Die Sprache der Rechten: Analysen am Beispiel der Deutschen National-Zeitung., Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2010. ISBN 978-3639289268

Weblinks

Fußnoten

  1. Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (2009): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe-Analysen-Antworten. VS Verlag für Sozialwissenschaften
  2. Wolfgang Benz W Benz, I Arndt (1989) Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. Frankfurt a.M., Fischer Taschenbuch Verlag
  3. A Pfahl-Traughber (2006): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. München, C.H. Beck.
  4. 4,0 4,1 Verfassungsschutzbericht 2006
  5. Sachser, Friedo: West Germany. In: American Jewish Yearbook 76: 339–356, S. 341.
  6. Eine Zeitung gleichen Namens im Untertitel existierte bereits zur NS-Zeit, siehe Leon Poliakov & Joseph Wulf: Das Dritte Reich und seine Diener. Der Obertitel lautete: "Wacht im Südosten", DSZ vom 20. August 1944, Nr. 112. Ferner gab es seit 1943 (bis unbekannt, letztes bek. Exemplar: 2. Jahrg., Nr. 5 vom 16. Dez. 1944) eine deutschspr. Zeitung für Kriegsgefangene im Lager Camp Grant, Illinois, USA, Hg. Deutsche Lagerführung)
  7. BVerfG, Beschluss vom 2. Juli 1974, Az. 2 BvA 1/69, BVerfGE 38, 23, Volltext.
  8. Wurde Rudolf Heß ermordet?
  9. Joachim Wolf: Die National-Zeitung und das Weltbild der DVU (2007, abgerufen 14. Februar 2010)
  10. Innenministerium Nordrhein-Westfalen: National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung - abgerufen 30. Januar 2010
  11. Spiegel vom 18. Oktober 1993: „Ich bin nicht nur wütend.“
  12. „Die Gegner der Verleihung verstehen von Russland nichts“ – Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Seiffert 2004
Dieser Artikel basiert ursprünglich auf dem Artikel National-Zeitung (München) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Wikipedia-Autoren verfügbar.