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Mireille Knoll

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Out of date clock icon.svg Dieser Artikel beschreibt ein aktuelles Ereignis. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.

Mireille Knoll (28. Dezember 1932 in Paris23. März 2018 ebenda) war eine französische Überlebende des Holocaust. Sie wurde Opfer eines Mordes mit mutmaßlich antisemitischem Hintergrund. Mit dem Verbrechen wurde nach dem Mordfall Sarah Halimi vom April 2017 zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres eine Jüdin in Paris in ihrer eigenen Wohnung Opfer eines Mordes aus vermutlich antisemitischen Motiven.

Leben

Mireille Knolls Sohn teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, seine Mutter sei als Zehnjährige im Juli 1942 nur knapp der Rafle du Vélodrome d’Hiver in Paris entkommen. Damals waren mehrere tausend jüdische Frauen, Männer und Kinder verhaftet, im Vélodrome d’Hiver eingesperrt und schließlich in Konzentrations- und Vernichtungslager im Osten deportiert worden. Mireille Knoll und ihre Mutter hätten Paris kurz zuvor verlassen.[1][2] Laut der Washington Times entgingen die beiden der Razzia aufgrund des brasilianischen Reisepasses der Mutter.[3] Mutter und Tochter flüchteten nach Portugal.[4] Nach der Befreiung Frankreichs kehrten sie nach Paris zurück.[5]

Knoll heiratete einen Auschwitz-Überlebenden. Das Paar zog nach Kanada und hatte zwei Söhne. Sie kehrten nach Paris zurück, wo ihr Ehemann eine Werkstatt für Regenmäntel aufbaute. Diese befand sich in Quartier du Sentier. Ihr Ehemann starb in den frühen 2000er Jahren. Mireille Knoll lebte seit dem Tod ihres Mannes mit einer Krankenpflegerin und deren Tochter in einer Pariser Sozialwohnung im 11. Arrondissement.[6][5] Sie litt in den letzten Jahren an der Parkinson-Krankheit und konnte ihre Wohnung nur mehr im Rollstuhl und in Begleitung ihrer Pflegekraft verlassen.[7]

Mireille Knoll hatte mehrere Enkelkinder.

Mordfall

Am 23. März 2018 alarmierte eine Nachbarin die Feuerwehr, weil es in Knolls Wohnung brannte. Mireille Knoll wurde tot in ihrer ausgebrannten Wohnung aufgefunden; sie war mit elf Messerstichen ermordet worden. Es wurde festgestellt, dass an mehreren Stellen der Wohnung Feuer gelegt worden war. Laut Medienberichten hatte Mireille Knoll vor ihrer Ermordung mehrfach bei der Polizei vorgesprochen und dabei von Morddrohungen eines Mannes aus ihrer Straße berichtet, der angekündigt habe, sie „zu verbrennen“.[8]

Kurz nach dem Mord fasste die französische Polizei zwei Verdächtige, von denen jedoch nur einer für den Mord verantwortlich sein soll. Ein 29-Jähriger aus dem kleinkriminellen Milieu soll die Tat begangen haben. Er stamme aus der direkten Nachbarschaft, habe das Opfer schon viele Jahre gekannt und es oft besucht.[9][10] Der zweite Verdächtige war zum Tatzeitpunkt 21 Jahre alt und wegen Raubes polizeibekannt. Die Ermittler gehen von einem antisemitischen Motiv aus.[1][11]

Reaktionen

Noa Goldfarb, die Enkelin Knolls, die heute in Israel lebt, schrieb nach dem Tod ihrer Großmutter: „Vor 20 Jahren habe ich Paris verlassen, weil ich wusste, dass ich dort keine Zukunft habe – weder ich noch das jüdische Volk.“ Sie habe sich aber nicht träumen lassen, „dass ich meine Angehörigen an einem Ort zurücklasse, an dem Terror und Grausamkeit zu einem so traurigen Ende führen würden“.[12]

Der französische Präsident Emmanuel Macron äußerte sich via Twitter schockiert über das „entsetzliche Verbrechen“ und bekräftigte seine „absolute Entschlossenheit“, gegen Antisemitismus vorzugehen.[11] Macron ging auch zu ihrem Begräbnis.[13]

Am 28. März 2018 organisierte der Dachverband der jüdischen Organisationen CRIF einen Schweigemarsch in Paris.[6]

Die Politiker Jean-Luc Mélenchon und Marine Le Pen wurden von den Organisatoren als unerwünscht angesehen. Der Sohn des Opfers hingegen hieß alle bei diesem Zug willkommen. Die beiden genannten Politiker erschienen zum Gedenkmarsch, wurden jedoch ausgepfiffen und verließen in der Folge den Zug.[14]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Spiegel Online (Hamburg): 85-jährige Holocaust-Überlebende ermordet, 26. März 2018, abgerufen am 27. März 2018
  2. Le Monde: Ce que l’on sait du meurtre de l’octogénaire juive Mireille Knoll (27. März 2018)
  3. The Washington Times: Holocaust survivor killed in Paris during anti-Semitic attack, 26. März 2018, abgerufen am 27. März 2018 (mit einem Porträt von Mireille Knoll)
  4. Deutsche Welle (Bonn): Empörung nach Mord an Holocaust-Überlebender in Paris, 26. März 2018, abgerufen am 27. März 2018
  5. 5,0 5,1 Die Tageszeitung (Berlin): Mord an Jüdin schockiert Frankreich, Rudolf Balmer, 26. März 2018, abgerufen am 28. März 2018
  6. 6,0 6,1 Frankfurter Allgemeine: „Wir müssen die Wurzeln des islamistischen Terrors bekämpfen“, 27. März 2018, abgerufen am 28. März 2018
  7. The Citizen (Johannesburg): Jewish grandmother who escaped the Holocaust murdered in her Paris flat, 28. März 2018, abgerufen am 28. März 2018
  8. Jüdische Allgemeine (Berlin): Pariser Schoa-Überlebende ermordet, 26. März 2018, abgerufen am 27. März 2018
  9. Georg Blume: Mord an Holocaust-Überlebender in Paris: „Antisemitismus ist eine nationale Krankheit". In: Spiegel Online. 2018-03-27 (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/paris-holocaust-ueberlebende-mireille-knoll-ermordet-die-hintergruende-a-1200111.html).
  10. Michaela Wiegel, Paris: Antisemitismus in Frankreich: „Wir müssen die Wurzeln des islamistischen Terrors bekämpfen". In: FAZ.NET. 2018-03-27 ISSN 0174-4909 (http://www.faz.net/1.5515132).
  11. 11,0 11,1 Zwei Verdächtige nach Mord an Jüdin inhaftiert. In: sueddeutsche.de. 2018 ISSN 0174-4917 (http://www.sueddeutsche.de/politik/frankreich-zwei-verdaechtige-nach-mord-an-juedin-inhaftiert-1.3923623).
  12. Frankreich: Strafverfahren wegen Tötung von 85-jähriger Jüdin. In: Die Zeit. Hamburg 2018-03-27, ISSN 0044-2070 (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-03/frankreich-mord-mireille-knoll-holocaust-ermittlungen).
  13. ORF (Wien): Macron bei Beerdigung von ermordeter NS-Überlebender, 28. März 2018
  14. Le Parisien: Décrétés indésirables par le Conseil représentatif des institutions juives de France (Crif), Jean-Luc Mélenchon et Marine Le Pen ont été hués et exfiltrés., 28. März 2018, abgerufen am 28. März 2018
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