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Liz Truss
Mary Elizabeth „Liz“ Truss[1] (* 26. Juli 1975 in Oxford) ist eine britische Politikerin der Conservative Party. Sie ist seit 2019 Ministerin für Frauen und Gleichstellung und seit September 2021 zusätzlich Außenministerin des Vereinigten Königreichs.
Zuvor war sie von 2016 bis 2017 Justizministerin und Lord Chancellor, anschließend bis 2019 Chief Secretary to the Treasury (Staatssekretärin im Schatzamt) und danach bis 2021 Ministerin für internationalen Handel. Im britischen Unterhaus ist sie seit 2010 Abgeordnete für South West Norfolk.
Herkunft, Ausbildung und Beruf
Liz Truss ist die Tochter einer Krankenschwester und eines Mathematikprofessors. Beide Eltern stehen politisch links,[2] die Mutter war in der Friedensbewegung Campaign for Nuclear Disarmament aktiv.[3] Truss hat drei Brüder.[4] Sie wuchs in Paisley (Schottland) und Leeds auf,[2] wo sie ihren Schulabschluss an der staatlichen Gesamtschule Roundhay machte. Anschließend studierte sie Philosophie, Politik und Ökonomie am Merton College der University of Oxford.[3] Sie war Vorsitzende der liberaldemokratischen Hochschulgruppe in Oxford und Vorstandsmitglied der Liberal Democrat Youth and Students. Sie nahm an Veranstaltungen der „Hayek Society“ teil, die die wirtschaftsliberalen Ideen des österreichischen Ökonomen Friedrich August von Hayek propagierte, die Margaret Thatchers Politik wesentlich beeinflusst hatten.[5] Im Jahr ihres Abschlusses 1996 wechselte sie zur Konservativen Partei. Sie arbeitete als Ökonomin im Rechnungswesen bei Shell, dann bei Cable & Wireless. Anfang 2008 wurde sie stellvertretende Vorsitzende des Think-Tanks Reform.[3]
Politische Karriere und Positionen
Nach zwei erfolglosen Kandidaturen in den Labour-dominierten Wahlkreisen Hemsworth (2001) und Calder Valley (2005) in Yorkshire[3] gewann sie bei der Unterhauswahl 2010 das Mandat im als sicher konservativ geltenden Wahlkreis South West Norfolk mit 48,3 Prozent der Stimmen. Dieses hat sie seither mit wachsendem Vorsprung verteidigt, zuletzt bei der Unterhauswahl 2019 mit 69 Prozent. Als Hinterbänklerin verlangte sie Reformen in verschieden politischen Bereichen, darunter Kinderbetreuung, mathematische Ausbildung und Ökonomie.[6] Sie gründete die Free Enterprise Group of Conservative MPs (Gruppe Freies Unternehmertum konservativer Abgeordneter) und beteiligte sich an einigen Abhandlungen und Büchern, u. a. After the Coalition (2011). In Britannia Unchained (2012) trat sie für die Deregulierung der Wirtschaft ein. Sie forderte, durch Flexibilisierung des Arbeitsmarktes nach dem Vorbild der in Deutschland von der Regierung Schröder eingeführten Reformen Modelle für geringfügige Beschäftigung mit niedrigen Sozialabgaben zu schaffen.[7] In einer Veröffentlichung über „Schulisches Anspruchsniveau und soziale Mobilität“ vertrat sie die These, die Einführung von weniger selektiven Gesamtschulen (comprehensive schools) anstelle von Schulen mit Aufnahmetests (grammar schools) habe Kinder aus unteren Schichten benachteiligt, da sie deren Zugang zu anspruchsvollen Schulfächern mit besseren Karrierechancen verschlechtert habe. Die auf einer Studie der London School of Economics aus dem Jahr 2005 beruhende These, die alten (den deutschen Gymnasien vergleichbaren) grammar schools hätten begabten Kindern aus der Unterschicht bessere Chancen zum „Aufstieg durch Bildung“ geboten, wurde in der englischen Presse breit diskutiert und auch kritisiert.[8] Dabei wurden ihre Aussagen über die Schule, die sie selbst in Leeds besucht hatte, in Frage gestellt.[9] Gesellschaftspolitisch stellte sie sich gegen einen Staat, der als „nanny state“ mit Vorschriften und Lenkungsinstrumenten in das Leben der Bürger einzugreifen versuche.[10] Dies sei das Grundmotiv ihres Wechsels zur konservativen Partei.[11]
Im Kabinett Cameron I war Truss von 2012 bis 2014 Parliamentary Under-Secretary of State im Bildungsministerium mit Verantwortung für Ausbildung und Kinderbetreuung. Von 2014 bis 2016 war sie Ministerin für Umwelt, Ernährung und ländlichen Raum. In der Kampagne zum EU-Mitgliedschaftsreferendum im Vereinigten Königreich kämpfte sie im „Remain“-Lager gegen den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Sie befürchtete, der Anstieg an bürokratischen Hürden für den Export in die EU werde die britische Wirtschaft belasten. Nach dem Sieg des Austritt-Lagers am 23. Juni 2016 änderte sie ihre Haltung und ist seither strikte Brexit-Befürworterin. Die neue Premierministerin Theresa May machte sie am 14. Juli 2016 zur Justizministerin und Lordkanzlerin als Nachfolgerin von Michael Gove.[12][13] In der tausendjährigen Geschichte der Lordkanzlerschaft war sie die erste Frau auf dieser Position.
Bei der Kabinettsumbildung nach der Unterhauswahl 2017 wechselte sie in Mays zweitem Kabinett als Staatssekretärin in das Schatzamt. Im Juli 2019 übernahm Robert Buckland das Amt des Lordkanzlers. Der neue Premierminister Boris Johnson ernannte Truss am 24. Juli 2019 zur Ministerin für internationalen Handel und Vorsitzenden des Board of Trade. Nach dem Rücktritt von Amber Rudd übernahm Truss am 10. September 2019 zusätzlich die Ressortverantwortung für das Ministerium für Frauen und Gleichstellung.
Als Außenministerin (seit 2021)
Bei der Kabinettsumbildung im September 2021 wechselte Truss ins Außenministerium, wodurch sie als größte Aufsteigerin der Umgestaltung galt.[14] Nach dem Rücktritt des Ministers für die „Koordination der Beziehungen zu den EU-Institutionen und den 27 Mitgliedstaaten“ David Frost übernahm sie auch dessen Aufgabenbereich, unterstützt von dem zum Staatsminister für Europa ernannten Christopher Heaton-Harris.[15]
Im Ukrainekonflikt, der 2022 weiter eskalierte, trat Truss als harte Gegenspielerin zum russischen Präsidenten Wladimir Putin auf. Russland und China würden ihrer Ansicht nach „die Diktatur rund um die Welt wie eine Dienstleistung exportieren“, sagte sie im Januar.[16] Bei einem Treffen mit Russlands Außenminister Sergei Lawrow im Februar, dem ersten Besuch eines britischen Außenministers in Moskau seit über vier Jahren[17], versicherte ihr dieser, Russland habe „keine Pläne zur Invasion in die Ukraine“. Truss hingegen äußerte angesichts des Truppenaufmarsches:[18]
„I can’t see any other reason for having 100,000 troops stationed on the Ukrainian border apart from to threaten Ukraine, and if Russia is serious about diplomacy they need to move those troops and desist from the threats“
„Ich kann keinen anderen Grund dafür erkennen, 100.000 Truppen an der ukrainischen Grenze zu stationieren, als die Ukraine zu bedrohen, und wenn Russland es ernst meint mit der Diplomatie, müssen sie diese Truppen bewegen [gemeint ist: abziehen] und von den Bedrohungen absehen.“
Als „nicht akzeptabel“ kommentierte sie es gegenüber der Welt am Sonntag und anderen europäischen Medien, wenn Russland ein Vetorecht über den Beitritt souveräner Staaten wie der Ukraine zur NATO und anderen Verteidigungsbündnissenden erlangen würde, und bekräftigte ihre Forderung nach einem Abzug der russischen Truppen von der ukrainischen Grenze.[19]
Kandidatin für den Parteivorsitz der Konservativen Partei und das Premierministeramt 2022
Nach dem angekündigten Rücktritt von Premierminister Boris Johnson vom Vorsitz der Konservativen Partei und Premierministeramt wurden bis zum Stichtag 12. Juli 2022 insgesamt acht Nachfolgekandidaten und -kandidatinnen durch mindestens 20 konservative Unterhausabgeordnete nominiert.[20] Eine davon war Liz Truss, die am 10. Juli 2022 ihren Willen zur Kandidatur erklärt hatte.[21] Bei den darauf folgenden sukzessiven Abstimmungen über den Parteivorsitz, bei denen in jeder Abstimmungsrunde die Letztplatzierten aus dem Rennen eliminiert wurden, schaffte es Liz Truss bis in die Endrunde. Die Parteimitglieder der Konservativen Partei müssen sich in einer Urwahl zwischen ihr und dem ehemaligen Schatzkanzler Rishi Sunak als künftigem konservativen Parteivorsitzenden entscheiden.[22]
| Kandidat | Abstimmungsrunden zur Wahl des Parteivorsitzenden[23] | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| 13. Juli 22 | 14. Juli 22 | 18. Juli 22 | 19. Juli 22 | 20. Juli 22 | |
| Rishi Sunak | 88 | 101 | 115 | 118 | 137 |
| Liz Truss | 50 | 64 | 71 | 86 | 113 |
| Penny Mordaunt | 76 | 83 | 82 | 92 | 105 |
| Kemi Badenoch | 40 | 49 | 58 | 59 | – |
| Tom Tugendhat | 37 | 32 | 31 | – | – |
| Suella Braverman | 32 | 27 | – | – | – |
| Nadhim Zahawi | 25 | – | – | – | – |
| Jeremy Hunt | 18 | – | – | – | – |
| Stimmen gesamt | 366 | 356 | 357 | 355 | 355 |
Persönliches
Truss ist seit 2000 mit Hugh O'Leary verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter. Sie bekennt sich zum Christentum, macht aber keine Aussage über ihre konfessionelle Zugehörigkeit.
Bibliographie
- The Value of Mathematics. Juni 2008.
- A New Level. Juni 2009.
- Academic rigour and social mobility: how low income students are being kept out of top jobs. März 2011.
- A decade of gains – learning lessons from Germany. Februar 2012.
- Affordable quality: new approaches to childcare. Mai 2012.
- After the Coalition. 2011.
- Britannia Unchained. 2012.
Weblinks
- Offizielle Website von Elizabeth Truss
- Website der Free Enterprise Group
- Profil auf der Website der Conservative Party
Einzelnachweise
- ↑ London Gazette. Nr. 59418, HMSO, London, 13. Mai 2010, S. 8744 (PDF, abgerufen am 21. Juni 2010, englisch).
- ↑ 2,0 2,1 Liz Truss: Fast-track career of foreign secretary. BBC News, 18. Juli 2022.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Elizabeth Day: 'A friend of my dad's emailed him: "I see your daughter's now a T***"'. In: The Observer, 12. Juli 2009.
- ↑ ‘Ambition greater than ability: Liz Truss’s rise from teen Lib Dem to would-be PM, in: The Guardian, 30. Juli 2022
- ↑ ‘Ambition greater than ability: Liz Truss’s rise from teen Lib Dem to would-be PM, in: The Guardian, 30. Juli 2022
- ↑ Asthana, Anushka: The lady’s for turning, right from CND to Conservative. , 9. Juni 2012. Abgerufen am 30. Juli 2012.
- ↑ A decade of gains – learning lessons from Germany. Februar 2012, vgl. Pressemeldung Free Market Forum
- ↑ Liz Truss: Academic rigour and social mobility: how low income students are being kept out of top jobs. März 2011. Vgl.: Vikki Boliver, Adam Swift: Do comprehensive schools reduce social mobility?, in: British Journal of Sociology 62(1), March 2011, S. 89–110.
- ↑ ‘She’s delusional’: Roundhay voters on Tory leadership contender Liz Truss, in: The Guardian, 27. Juli 2022.
- ↑ Liz Truss: On the Nanny State, 2019.
- ↑ „The reason that I became a Conservative, is I hate being told what to do.“, (2019), zitiert in: Kate Andrews: Trussonomics doesn't add up, The Spectator, 30. Juli 2022.
- ↑ BBC News: Theresa May’s new cabinet: Michael Gove and Nicky Morgan axed. Abgerufen am 14. Juli 2016.
- ↑ cosmopolis.ch
- ↑ Boris Johnson festigt mit einer Kabinettsumbildung seine Macht – und befördert eine neue «eiserne Lady» zur Aussenministerin. 21. Januar 2022, abgerufen am 24. Januar 2022.
- ↑ https://news.sky.com/story/foreign-secretary-liz-truss-to-take-over-brexit-brief-after-lord-frosts-resignation-12500210
- ↑ DER SPIEGEL: London wirft Russland und China Feldzug gegen die Demokratie vor. 21. Januar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022.
- ↑ Moskau und London sprechen miteinander, verstehen einander jedoch noch nicht. Berliner Zeitung, 10. Februar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022.
- ↑ Liz Truss: Russia told UK it has ‘no plans to invade Ukraine’. In: politico.eu. Politico, 10. Februar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022 (english).
- ↑ „Aggressionen dürfen nicht belohnt werden“. In: welt. 12. Februar 2022, abgerufen am 13. Februar 2022.
- ↑ Next Conservative leader and PM to be unveiled by 5 September. In: BBC News. 11. Juli 2022, abgerufen am 19. Juli 2022 (english).
- ↑ Foreign Secretary Liz Truss joins Tory leadership race. In: BBC News. 11. Juli 2022, abgerufen am 19. Juli 2022 (english).
- ↑ Sunak gegen Truss. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. Juli 2022, abgerufen am 20. Juli 2022.
- ↑ Seán Clarke, Anna Leach: Tory leadership election: full results after round four. In: The Guardian. 20. Juli 2022, abgerufen am 20. Juli 2022 (english).
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Truss, Liz |
| ALTERNATIVNAMEN | Truss, Mary Elizabeth |
| KURZBESCHREIBUNG | britische Politikerin der Conservative Party |
| GEBURTSDATUM | 26. Juli 1975 |
| GEBURTSORT | Oxford |
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