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Kaiserstraße 30 (Heilbronn)

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Das Haus Kaiserstraße 30 war ein um 1746 erbautes viergeschossiges Fachwerkhaus, in dem Charlotte Elisabethe Zobel (*29. September 1774 in Heilbronn; † 15. Januar 1806 in Heilbronn), die Tochter des Handelsmannes Friedrich August Zobel, lebte, die 1788 Patientin des Dr. Eberhard Gmelin war und als "Ur-Käthchen" gilt. Von dem Fachwerkbau stammte der Zobel´sche Wappenstein, der im historischen Museum ausgestellt wurde (Katalog Hist. Museum 1917 Nr. 250k). Das Fachwerkhaus wurde abgebrochen um 1912 ein Gebäude nach Entwürfen des Architekten Ludwig Knortz im Jugendstil zu erbauen. 1938 erfolgte eine Abstockung. Der Nachkriegsbau wurde im Jahre 1986 im Rahmen der Stadtfortentwicklung [1]durch ein Gebäude mit einer Fassade aus Sandstein und Erker ersetzt (Entwurf Fritz Schneider).[2]






Fachwerkbau 1746 (=Käthchenhaus?)

Kaiserstraße 30 (3. Gebäude von rechts), vor dem Umbau 1891.

1746 wurde das viergeschossige Fachwerkhaus erbaut. Es stand traufseitig zur Kramstraße und wies starke Vorkragungen auf.[3]

Um 1805 war Besitzer des Hauses der Handelsmann Friedrich August Zobel. Von dem Fachwerkbau stammte der Zobel´sche Wappenstein, der im historischen Museum ausgestellt wurde (Katalog Hist. Museum 1917 Nr. 250k). [4]Tochter des Handelsmannes war Charlotte Elisabethe Zobel (*29. September 1774 in Heilbronn; † 15. Januar 1806 in Heilbronn), die 1788 Patientin des Dr. Eberhard Gmelin war und als "Ur-Käthchen" gilt. [5][6][7][8] Das Haus Kaiserstraße 30 hatte einst die Adresse Kramstraße 48 getragen und von 1847-1899 die Nummer 352 erhalten.[4]

Umbau 1891

Kaiserstraße 30 ( Gebäude rechts) nach dem Umbau 1891

1891 wurde das Gebäude mit neuen Fenstern, Friesen und Konsolen stark verändert [3]:

„Neu sind die großen, lichten Fenster, die Rundbogenfriese unter den überkragenden Obergeschossen sowie die schweren Steinkonsolen unter dem Gebälk, das Ladengeschäft im Erdgeschoss [3]

Der Abbruch für den Neubau fand im Jahr 1911/12 statt.[4]

Jugendstilbau 1912

Heilbronn, Kaiserstraße 30, Fassade von 1912 gezeichnet von Ludwig Knortz (* 5. Oktober 1879; † 3. November 1936).

1912 wurde das Gebäude nach Entwürfen des Architekten Ludwig Knortz erbaut; Bauherr war der Bankier Paul Schulz aus Stuttgart.[9]

1912 erhielt das Gebäude eine Fassade, die „ganz vom Jugendstil bestimmt“ [10]war. Das Erdgeschoss war „nüchtern[…], sachlich-kalt gehalten[…]“[10]Darüber erhob sich die Fassade, die gekennzeichnet war von den „Formelementen des Jugendstils“ [10]. So wegen der geometrischen Details, die den Bereich um die Fenster schmückten und die Fassade „ungemein belebt[en]“.[10]

Das letzte Obergeschoss wurde durch Hochziehen des Daches erreicht. Ein kräftiges Konsolfries setzte das letzte Obergeschoss von den beiden darunterbefindlichen Beletagen ab. Über dem Kranzgesims erhob sich eine Veranda (Loggia) mit offener Säulenstellung , wobei jede Säule auf einem pilasterartigem Säulenstuhl (Basis) stand. [10]

Oskar Moos, der in dem Haus seine Arztpraxis in dem Haus führte, nennt als Architekten Ludwig Knortz.[11]Noch 1937 führt die israelitische Gemeindeliste vom 1. April 1937 die Familie in der Kaiserstraße 30.[12]25 Jahre hatte die Familie Moos das Haus Kaiserstraße 30 bewohnt.[13]


Bis 1919 war in dem Haus, die 1817 gegründete Kolonialwarenfirma J. Koch untergebracht. Seit 1920 benutzte Kaisers Kaffeegeschäft das Haus. [3]

Um 1940 waren in dem Haus Läden der Firmen Kaisers Kaffeegeschäft und Modewaren Otto Bischoff. Im Hintergebäude befand sich um 1940 die "Neue Filmbühne am Markt". Zwischen der Sicherschen Apotheke und dem Haus Nr. 30 befand sich die Schattengasse, die zur Kirchbrunnenstraße führte. [10]



Umbau 1938/39

1938/39 erfolgte eine Abstockung und Fassadenumgestaltung des Hauses. Der Umbau wurde von der Stadt bezuschusst.[9][14]

Nachkriegsgebäude

In der Nachkriegszeit entstand eine Gebäude (Modehaus Haux) mit einer Leichtmetallvorhangfassade, ähnlich dem Bekleidungsgeschäft Zimmermann (heute Café Spatz) am Hafenmarktturm.

Umbau 1986

Kaiserstraße 30

1986 erfolgte im Rahmen der Stadtfortentwicklung [15]eine Umgestaltung der Fassade in Sandstein, mit Erker und Segmentbögen.Bernhard Lattner beschreibt das nach Entwürfen von Fritz Schneider umgebaute Gebäude wie folgt:

„…ein traufenständiges, dreigeschossiges Geschäftshaus, das die Bebauung des historischen Marktplatzes in Kubatur und Traufhöhe wieder aufnimmt. Schneider betonte das Erdgeschoss zusätzlich durch Arkadenbögen und gab der Fassade durch einen leichten Mittelrisalit einen gravitätischen Akzent.[16]


  • 2002 bis 2004 dort das Modehaus Robben
  • Heute :Kreissparkasse Heilbronn

Quellen

  1. Stadt Heilbronn, Stadtplanungsamt (Hrsg.): Heilbronn: Moderne Stadtgestaltung – Entwicklung der Stadt 1945–1990. Druck Mokler, Heilbronn 1991 (Ausstellung des Stadtplanungsamtes Heilbronn – anlässlich der 1250 Jahre Heilbronn), Nr. 206 Kaiserstraße S.54 Die Stadtbildpflege rückt in den Vordergrund.
  2. Bernhard Lattner mit Texten von Joachim Hennze: Stille Zeitzeugen. 500 Jahre Heilbronner Architektur. Edition Lattner, Heilbronn 2005, ISBN 3-9807729-6-9 , S. 83.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn mit Böckingen, Neckargartach, Sontheim. Die alte Stadt in Wort und Bild. Weißenhorn 1966 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 14). Nr. 10 [Kilianskirche nach dem Umbau vom Marktplatz aus, 1892], S. 19.
  4. 4,0 4,1 4,2 Daten nach Stadtarchiv Heilbronn, Signatur A034-2868, http://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?ID=80272 in der Datenbank HEUSS: Kaiserstraße 30 (früher Kramstraße 48) Alte Nr. 352 (1847-1899).
  5. Daten nach Stadtarchiv Heilbronn, Signatur L006-Hz Sta KR-56, http://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?ID=110128 in der Datenbank HEUSS
  6. Vgl. zu ihr Reinhard Breymayer: Zwischen Prinzessin Antonia von Württemberg und Kleists Käthchen von Heilbronn [...] (2010), S. 8. 15 - 17. 47. 55. 59 f. 62. 67. 69. 76. 84. 226 f.
  7. Vgl. z. B. Christhard Schrenk: Alte Neuigkeiten über das Käthchen. Charlotte Elisabethe Zobel contra Lisette Kornsacher. In: Schwaben & Franken. Heimatgeschichtliche Beilage [zur Zeitung] Heilbronner Stimme, Jg. 38, Nr. 10. Oktober 1992, S. 1 - 4.
  8. vgl. Christhard Schrenk: Lisette Kornacher (1773 - 1858) und Charlotte Elisabethe Zobel (1774 - 1806) : Heilbronner Urkäthchen? . In: Heilbronner Köpfe V (2009), S. 89 - 100.
  9. 9,0 9,1 „Paul Schulz, Bankier Stuttgart und Ludwig Knortz, Architekt Heilbronn, Neubau Wohn- und Geschäftshaus 1911 - 1912 äußerst komplexes Verfahren u. a. wegen zahlreicher Änderungen durch den Architekten, früher Eisenbetonbau, Einbau eines Kinos, strittige Höhe und Fassadengestaltung (u.a. mit Terrakottafliesen), mit auswärtigen Gutachtern, von Seiten des Gemeinderats wurde Peter Bruckmann zugezogen; Kaiser's Kaffeegeschäft, Abstockung und Fassadenumgestaltung mit Beratung und Zuschuss der Stadt 1938/39 darin: schöner Briefbogen mit Firmenansicht der Baugesellschaft Heilbronn 1912 (wie in Kl. Reihe 30)“ Zitat nach Stadtarchiv Heilbronn, Signatur A034-2867, http://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?ID=80268 in der Datenbank HEUSS
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 10,5 Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn mit Böckingen, Neckargartach, Sontheim. Bd. 2. Fotos von 1858–1944 Weißenhorn 1967 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 15). Nr. 10 [Kaiserstraße mit Sichererscher Apotheke, um 1940], S. 14.
  11. Hans Franke, Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945), Heilbronn 1963 (Veröffentlichungen des Archivs Heilbronn, Heft 11), S. 237f, dort. S. 238 [ Lebensweg eines Arztes. Mitgeteilt von Dr. Oskar Moos, Heemstede b. Aarlem, Holland : 1908 siedelten wir in das von Architekt Knorz erbaute Haus Kaiserstraße 30 über […] Wir mußten unsere seit 25 Jahren innegehabte Wohnung verlassen […] ]
  12. Hans Franke, Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945), Heilbronn 1963 (Veröffentlichungen des Archivs Heilbronn, Heft 11), S. 287f, dort S. 290 [ Israelitische Gemeindeliste vom 1. April 1937 ]
  13. Hans Franke, Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945), Heilbronn 1963 (Veröffentlichungen des Archivs Heilbronn, Heft 11), S. 237f, dort. S. 238 [ Lebensweg eines Arztes. Mitgeteilt von Dr. Oskar Moos, Heemstede b. Aarlem, Holland : […] Wir mußten unsere seit 25 Jahren innegehabte Wohnung verlassen […] ]
  14. http://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?f=/_bin/img.php&imgf=/bilder/97317.jpg&
  15. Stadt Heilbronn, Stadtplanungsamt (Hrsg.): Heilbronn: Moderne Stadtgestaltung – Entwicklung der Stadt 1945–1990. Druck Mokler, Heilbronn 1991 (Ausstellung des Stadtplanungsamtes Heilbronn – anlässlich der 1250 Jahre Heilbronn), Nr. 206 Kaiserstraße S.54 Die Stadtbildpflege rückt in den Vordergrund.
  16. Bernhard Lattner mit Texten von Joachim Hennze: Stille Zeitzeugen. 500 Jahre Heilbronner Architektur. Edition Lattner, Heilbronn 2005, ISBN 3-9807729-6-9 , S. 83.



  • Gerhard Schwinghammer und Reiner Makowski:Die Heilbronner Straßennamen, Silberburg, Tübingen 2005, S. 68
  • Friedrich Dürr:Chronik der Stadt Heilbronn - Band 3, 1986, Seite 36: Centralltheater (Kaiserstraße 30)
  • Helmut Schmolz: 1966 Veröffentlichungen Stadtarchiv Heilbronn Band 14, Seite 49: Das Haus Nr.3o enthält das Central—Theater („Größter und schönster Kino in Heilbronn“),



  • Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn mit Böckingen, Neckargartach, Sontheim. Bd. 2. Fotos von 1858–1944 Weißenhorn 1967 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 15). Nr. 10 [Kaiserstraße mit Sichererscher Apotheke, um 1940], S. 14.